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Als Froschkönig in Märchenbüchern oder als „Quaxi“ der Wetterfrosch, wer kennt ihn nicht, den Laubfrosch der als Inbegriff für den „sympathischen“ Vertreter der sonst eher „ekelerregenden“ Froschlurche und als „der Frosch“ schlechthin in der Vorstellung der Menschen gilt. Der Laubfrosch ist zweifelsohne die bekannteste Froschart. Sein Name beruht auf der Vorliebe sich am Blattwerk von Bäumen und Sträuchern aufzuhalten. Auch der wissenschaftliche Name deutet auf diese Lebensweise hin, hyla (gr.) bedeutet „Wald“, arborea (lat.), „auf Bäumen (lebend)“. In Österreich ist der Laubfrosch die einzige auf Bäume und Sträucher kletternde Amphibienart.
Laubfrosch - Hyla arborea (Foto: © herpetofauna.at)
Der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea) gehört zur Familie der Laubfrösche (Hylidae) mit über 800 Arten, die nahezu weltweit verbreitet sind. In Europa erstreckt sich seine Verbreitung von Portugal im Westen, Südschweden im Norden und Osteuropa bis nach Griechenland und Teilen der Türkei im Südosten. Der Europäische Laubfrosch fehlt auf den Balearen, in Norwegen, Island, Irland und ursprünglich auch in England, dort wurde er eingeschleppt. Durch genetische Untersuchungen in der jüngeren Vergangenheit werden aktuell neben dem Europäischen Laubfrosch in Europa und deren angrenzenden Gebieten folgende Arten geführt: Hyla meridionalis – Mittelmeer-Laubfrosch, Hyla intermedia – Italienischer Laubfrosch, Hyla sarda – Tyrrhenischer Laubfrosch, Hyla molleri – Portugiesischer Laubfrosch und Hyla savignyi – Kleinasiatischer Laubfrosch. In Österreich kommt ausschließlich Hyla arborea vor.
Der Laubfrosch ist eine kleine, grazile Froschart, deren Kopf-Rumpf-Länge allgemein mit 35 bis 50 mm angegeben wird - mit einem Körpergewicht von etwa 6 bis 10 Gramm. Der Kopf ist breiter als lang, und die Schnauze ist abgerundet. Der Körper wirkt gedrungen. Die Augen sind leicht hervorstehend und die Pupille ist waagrecht oval, bei Dunkelheit kann diese fast kreisrund werden. Das gut erkennbare Trommelfell ist knapp hinter den Augen und etwa halb so groß wie diese. Vorder- und Hinterextremitäten sind relativ lang und die Zehen der Hinterfüße mit Schwimmhäuten verbunden. Fingern und Zehen sind auffallend lang und mit scheibenförmigen Haftscheiben versehen, die es dem Laubfrosch ermöglichen sich an senkrechten, völlig glatten Oberflächen festzuhalten. Dabei werden die Haftballen, mit ihren etlichen tausend winzigen Saugnäpfen, an die Oberfläche gedrückt und durch ein leichtes Zurückziehen fixiert. Eine klebrige Gewebsflüssigkeit unterstützt das Klettern; auf der Unterlage bleibt eine „Schleimspur“ zurück.
Die Oberseite ist glatt, meist einfarbig grün und die Unterseite weißlich oder gelblich gefärbt mit einer rauen Struktur. Über die Haut wird eine Schleimschicht abgesondert, die einen wirksamen Schutz gegen das Austrocknen bietet. Abhängig von Stimmung, Temperatur oder Luftfeuchtigkeit kann es zu einer hormonell bedingten Umfärbung ins Gelbliche, Bräunliche oder Gräuliche kommen, gelegentlich einhergehend mit einer Fleckung. Selten kann es zu einer „Blaufärbung“ kommen. Dies ist dann der Fall, wenn der gelbe Hautfarbstoff, der gemeinsam mit einer blauen Komponente die typische Grünfärbung erzeugt, fehlt. Nicht für die Färbung ausschlaggebend ist die Farbe der Umgebung. Untersuchungen zeigten, dass es zu einer Grünfärbung kommt, wenn sich der Laubfrosch auf einer glatten Fläche befindet, hingegen zu einer Grau- oder Braunfärbung auf rauen Flächen (Baumrinde). Vom Nasenloch über das Trommelfell zieht sich ein dunkler Flankenstreifen entlang, der bis in die Hüftregion reicht, wo er eine Hüftschlinge bildet, ein typisches Merkmal des Europäischen Laubfroschs.
Geschlechtsunterschiede sind nicht auf Grund unterschiedlicher Färbung oder Zeichnung der Oberseite oder an Merkmalen der Extremitäten, wie verdickte Oberarme und Brunftschwielen, zu erkennen. Das einzige äußerliche Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter ist der Kehlbereich. Beim Männchen ist der Kehlsack im nicht aufgeblasenen Zustand meist gelb bis gelbbraun gefärbt und faltig. Weibchen haben dagegen eine glattere, weiße bis hellgraue Kehle.
Der Laubfrosch ist in allen Bundesländern in Österreich vertreten, mit Schwerpunkten in den tiefer gelegenen Regionen im Osten und Südosten Österreichs sowie in größeren inneralpinen Tallagen (Rhein, Inn, Salzach, Gail oder Drau). Aktuell finden sich die größten Laubfroschvorkommen im Bereich des Neusiedlersees (Burgenland), entlang der Aulandschaften von Donau und March in Niederösterreich, dem Murtal in der Steiermark und im Klagenfurter Becken in Kärnten. Der Schwerpunkt der Höhenverbreitung erstreckt sich von Österreichs tiefsten Lagen (115 m) in der pannonischen Tiefebene bis Höhenlagen von etwa 1.200 m. Vereinzelt wurden Exemplare auch in höheren Lagen beobachtet.
Verbreitungkarte: Laubfrosch - Hyla arborea (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Als Lebensräume bewohnt der Laubfrosch gut strukturierte, offene Landschaften mit möglichst hohem Grundwasserstand. Als typischer Lebensraum können dynamische Auwaldlandschaften in tieferen Lagen Österreichs angesehen werden. Die Bandbreite der besiedelten Gewässer reicht von temporären Kleinstgewässern, wie überschwemmten Wiesenflächen, bis hin zu großen Seen.
Wichtig für ein geeignetes Laichgewässer sind die intensive Besonnung und vegetationsfreie Flachwasserzonen, was die Entwicklung der Larven fördert. Gewässer mit geringer Temperatur oder hohem Fischbestand sowie Fließgewässer werden gemieden. Auch Moorgewässer mit meist saurem pH-Wert erlauben im Allgemeinen keine erfolgreiche Larvenentwicklung. Neu entstandene oder angelegte Gewässer können rasch von Laubfröschen besiedelt werden, was ihm auch die Bezeichnung einer Pionierart brachte.
Außerhalb der Laichzeit erklettert der Laubfrosch gewässernahe Gebüsche, die gut besonnt und windgeschützt sind. Die Sträucher sollten große Blätter aufweisen und blütenreich sein, um Insekten anzuziehen. Immer wieder kann man auch Exemplare aus höheren Baumkronenregionen rufend nachweisen. Besonders beliebte Sitzwarten sollen dichte Brombeerbüsche sein. Als Überwinterungplätze sucht sich der Laubfrosch frostfreie Erdhöhlen, Bodenlückensysteme, Spalten oder Laubhaufen auf. Über eine mögliche Überwinterung im Gewässer ist aus Österreich bis dato nichts bekannt.
Der Laubfrosch ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei Beobachtungen ab März bis in den November möglich sind. Ein Häufungsmaximum ist in den Monaten April und Mai zu erkennen. Bei Temperaturen von deutlich über 10°C am Abend wandern Laubfrösche zum Laichgewässer. Das Laichgeschehen kann nach wenigen Tagen wieder vorüber sein. Anschließend ziehen sich die Alttiere in die gewässerbegleitenden Gehölze zurück und verbringen dort die Sommermonate. Während dieser Zeit kann man sonnende Laubfrösche in der typischen Ruheposition mit an den Körper angepressten Extremitäten beobachten. Nähert sich ein potentielles Beutetier und wird dieses optisch wahrgenommen, gibt der Laubfrosch seine Ruhestellung auf, um anschließend mit seiner beweglichen, hervorschnellenden Zunge seine Beute blitzartig zu stellen. Ist die Distanz zu seiner Beute größer als 5 cm, dann wird sie gezielt angesprungen und mit der Zunge festgeklebt. Gelegentlich kann es zu Paarungsrufen aus mehreren Metern Höhe aus Bäumen und Büschen rund um die Laichgewässer kommen. Die Bedeutung des Gequakes im Sommer und Herbst ist unklar. Die Auslöser dieser Rufe können vielfältig sein, z.B. Musik in Gärten, Flugzeuglärm oder das „Trommeln“ von Spechten. In den letzten frostfreien Nächten ziehen sich die Laubfrösche ins Winterquartier zurück.
Die Fortpflanzungszeit beginnt ab April und kann bis Juni andauern. Sobald die Männchen im Laichgewässer sind, beginnen sie mit ihren charakteristischen Balzrufen. Das typische „äpp…äpp…äpp…äpp…“ wird bis zu sechsmal in der Sekunde wiederholt und ist über mehrere Kilometer hörbar. Nähert man sich einer Rufgemeinschaft, verstummen die Rufe. Die Männchen können aber durch Stimmimitation oder Störgeräusche gelegentlich wieder zum Rufen animiert werden. Männchen mit lauter Stimme wirken auf Weibchen besonders attraktiv.
Sobald sich ein Weibchen nähert, sie treffen üblicherweise einige Tage später im Laichgewässer ein, wird es vom Männchen besprungen und in der Achselgegend umklammert. Dabei unterbricht das Männchen seinen Balzgesang. Das Weibchen tastet mit den Hinterbeinen den Untergrund ab und sucht nach geeigneter Unterwasservegetation um an diese die Laichballen anzuheften.
Die frisch geschlüpften Larven sind etwa 3-5 mm lang und können kurz vor der Umwandlung eine Länge von 5 cm erreichen. Aufgrund ihrer Größe und der weit seitlich sitzenden Augen können die golden schimmernden Kaulquappen leicht von denen anderer in Österreich vorkommender Amphibienarten unterschieden werden. Nach weiteren 2-3 Monaten ist die Metamorphose zum fertigen Tier vollzogen, und die Jungtiere verlassen im Hochsommer die Gewässer. Ihre Geschlechtsreife erreichen die Jungtiere nach ein bis zwei Jahren. In natürlicher Umgebung wird der Laubfrosch bis zu 6 Jahre alt, was in Gefangenschaft auf bis zu 15 Jahre ausgedehnt werden kann.
Die Laubfroschlarven weiden Pflanzen, Steine, Falllaub oder den Gewässergrund nach Nahrungspartikeln ab. Ältere nehmen auch tierische Nahrung auf, indem sie tote Fische oder ertrunkene Insekten verzehren. Die adulten Tiere suchen ihre Nahrung an Land und haben gegenüber anderen Amphibienarten den Vorteil, auch an Nahrungsquellen oberhalb des Erdbodens zu gelangen. Das Beutespektrum setzt sich vorwiegend aus Fliegen, Mücken, Spinnen und Käfern zusammen.
In den letzten Jahrzehnten ist der Bestand des Laubfrosches europaweit durch Veränderung (Vernichtung) oder Verschmutzung der Wasser- und Landlebensräume zurückgegangen. In Österreich steht der Laubfrosch auf der Roten Liste und wird hier als „gefährdet“ eingestuft. Europaweit wird diese Art durch die FFH-Richtlinie Anh. IV als „streng zu schützen“ gelistet. Durch die Drainagierung von Feuchtwiesen und die Begradigung von Bächen und Flüssen gingen und gehen wichtige Lebensräume des Laubfrosches verloren. Auch das Entfernen von Hecken und anderen Strukturen verhindert die Ausbreitung des Laubfrosches entlang solcher Leitlinien. Verinselung der Laichgewässer durch Siedlungs- oder Straßenbau machen dem relativ kurzlebigen Laubfrosch zusätzlich zu schaffen.
Traurige Berühmtheit erlangte der Laubfrosch durch seinen Ruf als Wetterprophet zu gelten. Nicht selten wurde er in Einmachgläser gesperrt, um bei schönem Wetter das Leiterchen im Glas hochzusteigen. Eine derartige Fähigkeit, Schönwetter anzuzeigen, konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Vermutlich sind die Tiere in ihren beengten Gurkengläsern bei Sonnenschein in höhere Bereiche der Gläser geklettert, weil die „Luft“ oben einfach besser war.
Immer wieder wird auch berichtet, dass der Laubfrosch Auslöser für Nachbarschaftstreitigkeiten ist, was bis zu einem gewissen Grad durchaus verständlich sein kann. Die Geräuschkulisse neben einem gut besuchten Laichgewässer kann, bei offenem Fenster, durchaus den Schlaf rauben. Messungen haben ergeben, dass eine Rufgemeinschaft bei einem Abstand von weniger als einem Meter, eine Lautstärke von knapp 90 dB erreichen kann. Das Rufen ist energiezerrend und ein Männchen kann während der Paarungszeit mehr als 10% seines Körpergewichts verlieren.
Als Rekordhalter in der Disziplin der Ruflautstärke unter den heimischen Amphibienarten ist der Laubfrosch auch in Punkto Mobilität im Spitzenfeld anzusiedeln. Es sind vor allem die Jungtiere, die schnell neue Gewässer besiedeln können, aber auch erwachsene Exemplare sind sehr mobil und haben einen Aktionsradius von mehreren hundert Metern um das Laichgewässer. In Ausnahmefällen können auch Strecken bis zu 10 Kilometer zurückgelegt werden.
Text: Christoph Riegler
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2. Sept 2010
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