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Der kleine bis mittelgroße, zierliche Braunfrosch ist der breiten Öffentlichkeit durch seine versteckte Lebensweise eher unbekannt. Allerdings macht ihn die leuchtend blaue Paarungsfärbung der Männchen im Frühjahr zu einer der spektakulärsten Erscheinungen der heimischen Tierwelt. Auch außerhalb der Paarungszeit sind Moorfrösche, besonders jene Exemplare mit dem markanten hellen Rückenstreifen und der kontrastreichen beige und dunkelbraunen Zeichnung, sehr hübsche Braunfrösche. Man trifft ihn vor allem in Gebieten mit hohem Grundwasserstand, wie Flußauen, Überschwemmungsgebieten, Hoch- und Niedermooren, wo er teilweise in hohen Dichten vorkommt.
Moorfrosch - Rana arvalis (Foto: Cornelia Gabler © herpetofauna.at)
Als einer der drei in Österreich vorkommenden Braunfrösche besitzt der Moorfrosch eine hell- bis dunkelbraune Grundfarbe. Die typischen Zeichnungsmerkmale sind aber ein heller Rückenstreifen, der von je einer dunklen Wärzchenreihe begrenzt wird, sowie das wiederum helle Drüsenband beiderseits am Rücken. Auf den hellen Flanken finden sich oft sehr dunkle unregelmäßige Flecken. Leider zeigt nicht jeder Moorfrosch diese typischen Färbungsmerkmale, sondern er kann auch verschiedene andere Brauntöne ohne Rückenstreifen aufweisen und ist dann schwer vom Grasfrosch oder vom Springfrosch zu unterscheiden. Weitere Merkmale des eher zierlich gebauten Frosches (55-60 mm Kopfrumpflänge, beim Balkanmoorfrosch bis 82 mm) sind die spitze Schnauze und die meist ungefleckte Unterseite. Bei der Fersenprobe reicht die Ferse bis zum Auge oder zu den Nasenlöchern, beim Balkanmoorfrosch allerdings mitunter bis zur Schnauzenspitze. Der Durchmesser des Trommelfelles erreicht nur die Hälfte bis zwei Drittel des Durchmessers des Auges. Paarungsbereite Männchen sind unzweifelhaft an der himmelblauen bis violetten Färbung zu erkennen, die zumindest im Kehlbereich auftritt, meist aber den ganzen Körper erfasst und bei warmem sonnigem Wetter besonders ausgeprägt ist.
Verbreitungkarte: Moorfrosch - Rana arvalis (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Die Kaulquappen ernähren sich vorwiegend von pflanzlichen Abfallstoffen (Detritus), verschmähen aber auch tierische Anteile in der Nahrung nicht. Metamorphosierte Frösche und Adulte fressen verschiedene Insekten (v.a. Käfer), Asseln, Hundertfüßer, Spinnentiere, Schnecken (mit und ohne Gehäuse) und Regenwürmer. Die Nahrungswahl richtet sich dabei vor allem nach dem Angebot.
Die männlichen Moorfrösche bilden Rufgemeinschaften an geeigneten, gut besonnten Stellen. Die Rufe klingen wie "wuog, wuog, wuog", vergleichbar dem Blubbern von sich mit Wasser füllenden Flaschen. Ankommende Weibchen werden anfangs von vielen Freiern heftig umdrängt, bis einer von ihnen dieses in der Achselgegend sicher umklammert hat. Mit den sehr kräftigen Oberarmen umfasst das Männchen das Weibchen und verschränkt dabei die Vorderfüsse vor ihrer Brust. Dann begibt sich das Paar auf die Suche nach einem geeigneten Laichplatz, der etwa 10-30 cm unter der Wasseroberfläche auf einer Pflanzenunterlage liegt. Der Ablaichvorgang wird vom Weibchen eingeleitet, indem es den Rücken konkav durchbiegt. Daraufhin erfolgt die Laichabgabe. Das Männchen führt seitlich wischende Bewegungen aus und verteilt seinen Samen mit Hautlappen der Oberschenkel über dem frisch ausgetretenen Laich. Dieser Vorgang dauert ein bis zwei Minuten und wird ein bis einige Male ausgeführt. Sofort nach dem letzten Laichvorgang trennt sich das Paar. Nach dem Schlupf sind die Larven 5 bis 11 mm lang, haben Außenkiemen und ein larvales Haftorgan, mit dem sie sich an der Eigallerte anheften. Die Kaulquappen werden bis zu 45 mm lang und sind sehr schwer von jenen der anderen Braunfrösche (Grasfrosch, Springfrosch) zu unterscheiden. Lediglich anhand der Mundfelder ist mit Hilfe eines Stereomikroskops eine relativ sichere Unterscheidung möglich. Die Entwicklung der Kaulquappen dauert abhängig vom Witterungsverlauf und Nahrungsangebot 6 bis 16 Wochen. Danach (im Juni bis Juli) gehen die metamorphosierten Jungtiere mit einer Kopfrumpflänge von 10 - 18 mm an Land und wandern in die Umgebung ab.
Wie alle anderen Amphibien ist auch der Moorfrosch durch Trockenlegungen, Populationsfragmentierung durch Straßenbau, Pestizide, Fischbesatz und landwirtschaftliche Nutzung der Lebensräume in seinem Bestand bedroht.
Günter Diesener, Josef Reichholf, Steinbachs Naturführer, Lurche und Kriechtiere, Gunter Steinbach (Hrsg.), 1986, Mosaik Verlag, München, ISBN 3-570-01273-5
Andreas und Christel Nöllert, Die Amphibien Europas, Bestimmung - Gefährdung - Schutz, Kosmos Naturführer, 1992, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart, ISBN 3-440-06340-2
Friedo Berninghausen, Welche Kaulquappe ist das? Der wasserfeste Amphibienführer, Herausg. NABU (Naturschutzbund Deutschland), 1998, Hannover, ISBN 3-925815-25-2
Antonia Cabela, Heinz Grillitsch, Franz Tiedemann, Atlas zur Verbreitung und Ökologie der Amphibien und Reptilien in Österreich, Umweltbundesamt, 2001, Wien, ISBN 3-85457-586-6
Dieter Glandt, Der Moorfrosch, Einheit und Vielfalt einer Braunfroschart, Beiheft der Zeitschrift für Feldherpetologie 10, Laurenti Verlag, 2006, Bielefeld, ISBN 3-933066-32-8
Text: Cornelia Gabler |
11. März 2010
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