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Der Grasfrosch (Rana temporaria) ist ein großer plumper Braunfrosch, der in weiten Teilen von West-, Mittel- und Osteuropa vorkommt. Seine Verbreitung erstreckt sich in Skandinavien bis zum Nordkap, im Osten reicht sie weit nach Sibirien hinein, im Westen werden ganz Frankreich, Großbritannien und Irland besiedelt. In Südeuropa wird der Frosch zum reinen Gebirgsbewohner und besiedelt lediglich die Pyrenäen, den Apennin, den Balkan und den Karpatenbogen. Der Grasfrosch ist der typische Frosch des Hügel- und Berglandes, kommt aber stellenweise auch im Flachland vor, wo er gegenüber Spring- und Moorfrosch zahlenmäßig zurücktritt.
Grasfrosch - Rana temporaria (Foto: Christoph Riegler © herpetofauna.at)
Die braun – marmoriert gefärbten Frösche zeigen/haben häufig eine schwarze Fleckenzeichnung auf dem Rücken und dunkle Streifen auf den Extremitäten. Die Explosivlaicher (Laichgeschehen auf wenige Tage beschränkt) kommen während oder kurz nach der Schneeschmelze zum Gewässer, wo der Laich in Gruppen in Flachwasserzonen abgelegt wird. Der Grasfrosch, der nur geringe Ansprüche an das Laichgewässer stellt, ist zwar vielerorts noch häufig, verliert aber durch starken Siedlungsdruck in den Talauen immer mehr an Lebensraum und wird stellenweise bereits sehr selten.
Grasfrösche erreichen eine Kopf-Rumpf Länge von etwa 10 cm und sind dadurch die größten europäischen Braunfrösche. Die kurze breite Schnauze in Verbindung mit dem plumpen Körper ist typisch für den Grasfrosch, der sich dadurch von den spitzschnäuzigen langbeinigen Spring- und Moorfröschen unterscheidet.
Die Pupille ist wie bei allen echten Fröschen (und echten Kröten) waagrecht und das Trommelfell ist etwas kleiner als der Augendurchmesser (es ist beim Moorfrosch kleiner und beim Springfrosch größer). Der Rücken ist oft rotbraun bis dunkelbraun marmoriert und mehr oder weniger stark schwarz punktiert. Die Bauchseite ist grauweiß, gelblich oder bräunlich, die Kehle kann auch gefleckt sein.
Das vorgeklappte Fersengelenk erreicht den Augenbereich und so gut wie nie die Schnauzenspitze. Während der Paarungszeit sind die Brunstschwielen der Männchen an den Daumen der Vorderfüsse dunkel pigmentiert, die Lymphflüssigkeit lässt die Frösche häufig schwabbelig erscheinen.
Die Nominatform (Rana temporaria temporaria) lebt in Mittel-, Nord-, Ost- und Südosteuropa. In Südwesteuropa wurden die Unterarten canigonensis in den Ostpyrenäen, sowie parvipalmata in Galizien und honnorarti aus den französischen Seealpen beschrieben. Der ehemals zum Grasfrosch gestellte Braunfrosch der Zentralpyrenäen wurde kürzlich als Rana pyrenaica in den Artrang erhoben und stellt mit den anderen europäischen Bachfröschen Rana graeca, R. italica und R. iberica die engere Verwandtschaft des Grasfrosches dar.
Verbreitungkarte: Grasfrosch - Rana temporaria (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Während ein Teil der Laichgemeinschaft im Gewässer überwintert, wandern die Landüberwinterer bereits während der Schneeschmelze zum Laichgewässer. Die Männchen locken durch knurrende Laute die Weibchen an und klammern nicht selten auch andere Arten. Die Laichabgabe findet meist in Gruppen in der Nacht statt. Die Laichballen, die 500 – 5000 Eier beinhalten, werden dabei dicht gedrängt in Flachwasserzonen abgelegt, was zwar die Gefahr der Austrocknung vergrößert, aber die Entwicklung durch die höheren Temperaturen beschleunigt. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur nach einer bis vier Wochen und die Jungfrösche gehen ab Juni an Land, während andere Larven die Entwicklung bei ungünstigen Verhältnissen im selben gar nicht abschließen können.
Der typische und häufigste Frosch der nördlicheren Breiten ist eine Charakterart des ländlichen Bereichs und vielerorts noch häufig. In letzter Zeit werden aber extreme Bestandeseinbrüche aus diversen Tallagen (z.B. Inntal) bekannt. Besonders die Lebensraumzerstörung mit immer stärkerem Verkehrsaufkommen beeinflusst die Bestände negativ und sollte uns veranlassen, Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Art durchzuführen.
Text: Thomas Bader |
22. März 2010
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