Dienstag 15.4.2008 - Übersiedlung mit Zwischenstopp bei Antequera


Wir brachen schon früh auf, um unser Quartier zu wechseln. Unterwegs machten wir Halt im Naturpark El Torcal südlich von Antequera. Dieses Karstgebiet entstand aus Kalkablagerungen, während das Gebiet noch vom Meer bedeckt war. Diese Ablagerungen hatten unterschiedliche Festigkeit, sodass später, als das Meer schon verschwunden war, die Erosion die typischen waagrechten Strukturen herausgearbeitet hat. Das zurückgebliebene Steinlabyrinth kann man auf Wanderwegen gut begehen. Da wir an diesem Tag noch eine lange Autostrecke vor uns hatten, konnten wir allerdings nicht lange bleiben und fanden nur die Südiberische Mauereidechse (Podarcis vaucheri).


Ein Stückchen weiter, in einem Bachlauf an der Straße, beobachteten wir Jungtiere der Maurischen Bachschildkröte (Mauremys leprosa). Der Bach war ideal: mit dichter Ufervegetation, wo die Schildkröten Deckung fanden. Im Wasser lagen immer wieder große Steine, auf denen sie sich sonnten. Auch hier war der Algerische Sandläufer (Psammodromus algirus) zu Hause. Gegen Abend erreichten wir unser neues Quartier in Salobreña in der Nähe von Motril.

 

Ein Abstecher in den Wolf-Park bei Antequerra. Hier der Eurasische Wolf (Canis lupus lupus)., A1510-Woelfe.JPG Die Karstlandschaft von El Torcal entstand durch Erosion von Kalkablagerungen., A1520-El-Torcal.JPG Zwischen den bizarren Felsformationen führen Wanderwege durch das Stein-Labyrinth., A1530-El-Torcal.JPG Auch hier fanden wir die Südiberische Mauereidechse (Podarcis vaucheri)., A1540-Podarcis-vaucheri.JPG Die Maurische Bachschildkröte (Mauremys leprosa) bewohnt u.a. vegetationsreiche Bachläufe., A1550-Mauremys-leprosa.JPG Exponierte Plätze wie dieser Felsen werden gerne zum Sonnen angenommen., A1560-Mauremys-leprosa.JPG
Maurische Bachschildkröte (Mauremys leprosa), A1570-Mauremys-leprosa.JPG Unser neues Quartier in Salobreña wird eingeweiht., A1590-Salobrena.jpg

 

Mittwoch 16.4.2008 - Agrarwüste bei Loja

 

Wir begannen den zweiten Abschnitt unserer Reise mit einer Fahrt in die Gegend von Loja. Die Landschaft war auch hier weitläufig von Olivenplantagen und Feldern geprägt. An einer Ruine eines alten Gehöfts machten wir uns auf die Suche. Neben einigen sehr schönen Orchideenarten wie der Gelben Ragwurz (Ophrys lutea) und Spiegelragwurz (Ophrys speculum) fanden wir eine Hufeisennatter (Hemorrhois hippocrepis). Diese stand knapp vor der Häutung, die Haut über der Pupille war bereits milchig trüb und an anderen Stellen begann sie sich bereits zu lösen. Gleich daneben lag inmitten der Agrarwüste ein kleiner, unscheinbarer Tümpel. Hier fanden wir ein weiters Highlight unserer Exkursion, nämlich den Zwerg-Marmormolch (Triturus pygmaeus). Ursprünglich eine Unterart des Marmormolches wurde er als eigene Art abgegrenzt. Er ist deutlich kleiner als der Marmormolch und die Einbuchtung des Kammes über der Schwanzwurzel ist geringer.


Danach untersuchten wir eine der weitläufigen Olivenplantagen. Zwischen den einzelnen Olivenbäumen gab es keinerlei Vegetation – wir gingen über nackte Erde, die unter unseren Schuhen zerbröselte. Beim genaueren Hinsehen fiel auf, dass die unteren Spitzen der Blätter alle blau verfärbt waren, hier sammelten sich die Reste des Spritzmittels und leuchteten uns giftig entgegen. Erwartungsgemäß war die Ausbeute hier gering: Eine Maurische Netzwühle (Blanus cinereus) war unter einem Stein unterwegs. Immerhin trafen wir in einer ausgetrockneten Zisterne eine große Erdkröte (Bufo bufo) an. Diese bei uns so häufigen Amphibien waren hier – zumindest um diese Zeit – sehr selten zu finden. Enttäuscht von dieser naturverachtenden Intensität der Landwirtschaft fuhren wir weiter. Dafür wurden wir am Ufer eines kleinen Baches entschädigt. Die Ufervegetation war noch intakt und einigermaßen naturbelassen, und wir fanden hier eine Treppennatter (Rhinechis scalaris). Die Leiterartige Zeichnung der Jungtiere, die der Schlange ihren Namen gibt, war bei diesem erwachsenen Exemplar bereits zu zwei schwarzen Längsstreifen aufgelöst.


Hier hatten wir auch endlich Glück mit der Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus), von der wir ein großes Exemplar fanden. Diese Trugnatter kommt in Andalusien in der Nominatform vor: mit olivgrünem Kopf und Hals, dann einem kurzen schwarzen Abschnitt, und der Rest des Körpers ist braun. Typisch für diese Schlange ist auch die Periskop-Stellung, bei der sie den Kopf ähnlich einer Kobra hochhält, um sich im Gelände einen besseren Überblick zu verschaffen. Die Eidechsennatter ist eine sehr flinke und agile Schlange, die uns beim Fotografieren ziemlich in Atem hielt. Es war nicht immer leicht, ihren schnellen Bewegungen mit der Kamera zu folgen.


Auch in diesem Bach war die Maurische Bachschildkröte (Mauremys leprosa) anzutreffen. Aufgrund der hohen Fluchtdistanz kamen wir an dieser Stelle jedoch zu keinen Fotos. Die beiden großen Schlangen waren allerdings ein sehr befriedigender Abschluss dieses Tages.

 

Großflächige Olivenplantagen prägen das Landschaftsbild um Loja herum. Hier wird mit massivem Einsatz von Spritzmitteln intensive Landwirtschaft betrieben., A1600-Loja.JPG Dazwischen findet man kleine Flächen, die nicht genutzt werden. Hier entdeckten wir z.B. die Gelbe Ragwurz (Ophrys lutea), A1602-Orchidee.JPG Die Spiegel-Ragwurz (Ophrys speculum) zählt ebenfalls zur Orchideen-Flora Andalusiens., A1604-Orchidee.JPG Diese Hufeisennatter (Hemorrhois hippocrepis) steht knapp vor der Häutung., A1620-Hemorrhois-hippocrepis.JPG Das Auge ist bereits trüb, die Haut hat sich dunkel verfärbt und beginnt sich bereits abzulösen., A1625-Hemorrhois-hippocrepis.JPG Ein Tümpel inmitten der Agrar-Wüste., A1630-Tuempel.JPG
Hier fanden wir den Zwerg-Marmormolch (Triturus pygmaeus)., A1640-Triturus-pygmaeus.JPG Der Zwerg-Marmormolch (Triturus pygmaeus) ist vor allem im Südosten der Iberischen Halbinsel beheimatet, während der Marmormolch (Triturus marmoratus) den Norden besiedelt., A1650-Triturus-pygmaeus.JPG Das Männchen (oben) bildet in der Wassertracht einen hell-dunkel gestreiften Rückenkamm aus, während das Weibchen (unten) einen rötlichen Streifen trägt., A1660-Triturus-pygmaeus.JPG Großflächig zerstörte Landschaft. Oliven-Monokulturen soweit das Auge reicht., A1670-Landschaft.JPG Zwischen den einzelnen Bäumen nur nackte Erde. Hier kommt keine natürliche Artenvielfalt mehr hoch., A1675-Landschaft.JPG Nur diese einsame Erdkröte (Bufo bufo) konnten wir hier finden., A1680-Bufo-bufo.JPG
Während die Erdkröte (Bufo bufo) bei uns zu den häufigsten Arten zählt, fanden wir sie in Andalusien nur selten., A1685-Bufo-bufo.JPG Wir regulieren unseren Flüssigkeitsspiegel., A1690-Pasue.JPG Die Ufervegetation dieses Baches ist u.a. Lebensraum von Treppennatter (Rhinechis scalaris) und Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus)., A1695-Habitat.JPG Eine adulte Treppennatter (Rhinechis scalaris). Die Treppenzeichnung der Jungtiere ist hier bereits zu 2 durchgehenden Längsstreifen aufgelöst., A1700-Rhinechis-scalaris.JPG Typisch für die Treppennatter (Rhinechis scalaris) ist auch der spitz zulaufende Kopf., A1710-Rhinechis-scalaris.JPG In Andalusien kommt die Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) in der Nominatform vor. Deutlich sieht man die drei farblich abgegrenzten Bereiche: olivgrün –schwarz – braun., A1720-Malpolon-monspessulanus.JPG
Die Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) ist eine sehr aufmerksame Schlange mit hoher Fluchtdistanz. Bei Störungen verschwindet sie meist schnell in ihrem Versteck., A1730-Malpolon-monspessulanus.JPG Eine sehr agile und schnelle Schlange, die uns beim Fotografieren auch in Atem hielt., A1740-Malpolon-monspessulanus.JPG

 

Donnerstag 17.4.2008 - Alhambra in Granada und Sierra Nevada


Der heutige Tag war der Kultur gewidmet. Schließlich wohnten wir hier nicht ganz eine Stunde von Granada entfernt und so beschlossen wir, uns heute die Alhambra anzusehen. Andalusien war über 800 Jahre lang unter maurischer Herrschaft. Erst 1492 fiel mit Granada die letzte maurische Festung in christliche Hände. Der maurische Baustil ist noch in vielen Orten deutlich erkennbar, obwohl die christlichen Herrscher nach der "Reconquista" versuchten, ihn mit eigenen Bauwerken zu überdecken. So mussten viele Moscheen weichen und Kirchen und Kathedralen Platz machen. Aber in vielen Orten – so auch in Granada – findet man noch Zeugnisse aus beiden Perioden.

 

Die Alhambra ist eine weitläufige Anlage und besteht aus Gärten und Palästen umgeben von Festungsanlagen. Auch viele Handwerksbetriebe und Waffenschmiede lagen innerhalb der Mauern und machten die Bewohner der Alhambra im Krisenfall unabhängig von der Außenwelt. Die Mauren waren Meister der Bewässerung und so statteten sie die Gärten mit üppigen Wasserspielen aus. Das Wasser war in dieser trockenen Region ein Zeichen des Reichtums und so fanden wir an vielen Stellen munter plätschernde Brunnen und Wasserfontänen. Natürlich nahmen wir die Wasserbecken genauer unter die Lupe und konnten dort Larven der Erdkröte (Bufo bufo) nachweisen, denen die übrigen Besucher allerdings keinerlei Beachtung schenkten. Beeindruckend waren die Nasriden-Paläste, deren Wände großflächig mit feinen Reliefarbeiten bedeckt waren. Der Islam verbietet die Darstellung von Menschen und Tieren, weil dies gleichsam als Schöpfungsakt dem Menschen nicht zusteht. Dafür fanden wir hier eine Unzahl von fein gearbeiteten Ornamenten, die die Wände und Fensterrahmen zierten. Überall waren Suren aus dem Koran eingemeißelt, die Wände und Böden waren zum Teil mit buntem Keramik-Mosaik belegt. Immer wieder hatte man auch aus dem Inneren der Räume heraus schöne Blicke in die angrenzenden Gartenanlagen.


Die Besichtigung dieser Meisterwerke nahm einige Stunden in Anspruch. Danach fuhr eine Gruppe von uns noch in die Sierra Nevada. Hier liegt mit fast 3.500 Metern Höhe der Mulhacén, der höchste Berg der Iberischen Halbinsel. Der höchste Berg Gesamt-Spaniens liegt auf Teneriffa und ist mit 3.718 m der Pico del Teide.


In der Sierra Nevada herrscht alpines Klima, hier liegen die Temperaturen im Winter auch unter Null Grad Celsius. Dementsprechend gibt es hier auch Wintersportorte, die je nach Schneelage bis ins Frühjahr hinein genutzt werden. Bei unserem Besuch hier oben lag noch etwas Schnee. An herpetologische Funde war daher nicht zu denken, stattdessen lief uns aber ein Iberiensteinbock (Capra pyrenaica) über den Weg.


Die zweite Gruppe versuchte ihr Glück noch auf dem Heimweg in der Gegend um Lanjaron. Wir fanden hier den Algerischen Sandläufer (Psammodromus algirus) und in einem Fluss, der hier ein breites steiniges Bett durchfloss, die Maurische Bachschlidkröte (Mauremys leprosa). Unter einem großen Stein entdeckten wir eine Kapuzennatter (Macroprotodon brevis).


In den letzten Strahlen der Sonne fanden wir noch ein Jungtier des Europäischen Halbfingergeckos (Hemidactylus turcicus) und zwei Iberische Walzenskinke (Chalcides bedriagai). Diese sind im Vergleich zur Westlichen Erzschleiche (Chalcides striatus) eher plump gebaut, die Gliedmaßen sind relativ gut entwickelt und haben fünf Finger anstatt nur drei bei striatus.

 

Die Alhambra in Granada, eine großflächige Anlage aus Gärten, Palästen und Befestigungen., A1760-Alhambra.JPG In diesem Becken fanden wir Larven der Erdkröte (Bufo bufo)., A1765-Alhambra-Bufo-bufo.JPG Die Mauren waren Meister der Bewässerung und schufen in den Gärten Kunstwerke aus Wasser., A1770-Alhambra.JPG Prächtige Relief-Ornamente an den Wänden der Nasriden-Paläste., A1790-Alhambra.JPG Die Wände sind mit Suren aus dem Koran verziert., A1800-Alhambra.JPG Blick in einen der vielen kleineren Gärten, A1810-Alhambra.JPG
Im Nationalpark Sierra Nevada, A1830-Sierra-Nevada.JPG Hier gibt es auch ein Schigebiet., A1840-Sierra-Nevada.JPG Ein Iberien-Steinbock (Capra pyrenaica), A1850-Steinbock.JPG Jungtier des Europäischen Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus), A1860-Hemidactylus-turcicus.JPG Der Iberische Walzenskink (Chalcides bedriagai) ist wesentlich gedrungener gebaut als die verwandte Westliche Erzschleiche (Chalcides striatus). Die Gliedmaßen sind deutlich ausgeprägt und tragen fünf Finger bzw. Zehen., A1871-Chalcides-bedriagai.JPG

 

 

Teil 4: Murcia/ Sierra de Cazorla/ Zusammenfassung

 

Zur Übersicht

seit dem 8. März 2009 wurde diese Seite 4811 mal aufgerufen