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ÖGH Exkursion nach Cres (Kroatien) 2002 ein herpetologischer Reisebericht von Franz Rathbauer Nach mehreren kleinen Exkursionen in Österreich entschloss sich die Gruppe Feldherpetologie in der Zeit vom 18. Bis 26.Mai 2002 zu einer ersten Auslandsexkursion auf die Insel Cres, Kroatien.
Exkursionsteilnehmer: J. Hill, K. Bilek, F. Rathbauer, B. Stoisser, H. Uhl, T. Bader, P. Keymar, P. Tempfer, M. Duda , C. Riegler, F.Tiedemann und als Gäste H. Martini und M. Schmucker sowie über das Pfingstwochenende unsere italienischen Freunde N. Bressi, M. Delphino und E. Razzetti. Vor allem Nicola Bressi, Kurator am Museum Triest, erwies sich als intimer Kenner der Herpetofauna der Insel. Am Stadtrand von Cres wurde eine Privatpension als "Hauptquartier" gemietet. Die Insel Cres und unsere Exkursionsgebiete: Die Insel Cres (404km²) weist im Norden die höchste Erhebung mit 648 m (Berg "Gorice") auf, im Süden läuft sie flach aus. Ihre NNW-SSO-Erstreckung misst etwa 64 km. Sie ist mit nur 3000 bis 4000 Einwohner relativ dünn besiedelt. Von Norden kommend legt man mit der Fähre in Porozina an und fährt Richtung Süden. An der Ostküste liegt die Ortschaft Beli, in der sich auch eine Biologische Station befindet. Die dortigen Mitarbeiter beschäftigen sich vor allem mit den auf der Insel brütenden Gänsegeiern (Gyps fulvus).
Feldherpetologen unter sich
Nach der Ortschaft Predoscica, an der engsten Stelle der Insel gelangt man in den Mittelbereich der Insel. An der Ostseite liegt die kleine Ortschaft Merag, von der aus die Fähre Richtung Krk an- und ablegt. Im Westen findet man die Ortschaften Valun, Pernat und Lubenice. Lubenice ist eine Höhenfestung auf fast 400m Seehöhe. Die ebenfalls an der Westküste im Mittelteil der Insel befindliche Stadt Cres ist ein typisches adriatisches Küstenstädtchen mit altem Hafen als Zentrum. Im Mittelteil der Insel liegt auch der Vraner See (Vransko Jezero), der größte Süßwasserspeicher der Insel, der sowohl Cres als auch die Insel Losinj mit Trinkwasser versorgt. Südlich der Ortschaft Vrana dehnen sich bereits weite Weideflächen (bei Hrasta) aus, Richtung Westen führt eine Straße nach Stivan, Miholascica und Martinscica. 6 km südlich von Vrana, liegt Belej, südöstlich davon die kleinen Ansiedlungen Srem und Plat. Etwa 9 km südlich von Vrana befindet sich die Ortschaft Osor, wo es auch eine Brückenverbindung mit der Insel Losinj gibt. Nach Südosten führt von Osor eine Straße nach Punta Kriza.
Vegetation: Die Insel Cres weist eine deutliche Zonierung aufgrund ihrer ausgedehnten Nord-Süd-Erstreckung auf. Im Norden herrscht (sub)mitteleuropäischer Zerr- und Flaumeichenmischwald vor, im Süden breitet sich eumediterrane Vegetation aus(durch Überweidung geprägte Garrigue, stellenweise auch Felsfluren und im Bereich nördlich von Punta Kriza macchienähnliche Wälder). An den Steilhängen des Nordteils liegen karge Felsfluren, teilweise großflächige Salbeiwiesen.
Beobachtungsprotokoll (Amphibien): Die Wechselkröte (Bufo v. viridis) konnten wir in Cres-Melin in einem Privatgarten nachweisen, weiters wurde östlich von Osor in einem Waldstück unter einem Stein ein weibliches Tier gefunden. Der Laubfrosch (Hyla a. arborea) konnte von den Exkursionsteilenehmern bei der Ortschaft Lubenice, auf Merag (zahlreiche Kaulquappen in flachen Lacken - dort von Ringelnattern gejagt), in einer kleinen Lacke an der Straße nördlich von Belej sowie in einem Betonbecken eines Privatgartens am Stadtrand von Cres nachgewiesen werden. Der Seefrosch (Rana ridibunda) konnte an fast allen Wasserstellen der Insel beobachtet werden. In den meisten größeren Gewässern gibt es eine sehr hohe Gambusendichte (cf. Gambusia affinis); diese Zahnkärpflinge schädigen bzw. vernichten vor allem den Nachwuchs von Hyla arborea. Beobachtungsprotokoll (Reptilien): In Cres kommen zwei Schildkrötenarten vor: die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) und die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis hellenica). Das Vorkommen der Griechische Landschildkröte auf Cres ist durch frühere illegale Aufsammlungen und die zahlreichen wegbegrenzenden Legsteinmauern auf den extensiv bewirtschafteten Weiden als stark gefährdet einzustufen. Cres liegt auch fast an der Nordgrenze des Artareals. P. Keymar fand im Gebiet östlich von Osor ein Exemplar, H. Martini und M. Schmucker konnten ebenfalls ein adultes Individuum östlich von Srem (Gegend von Plat) fotographieren. Ein weiterer Fund gelang am 24.Mai. Nach einem heftigen Regen am Vormittag wurde noch das Gebiet der "Tramontana" westlich und nordwestlich von Beli aufgesucht. Im von Schafweiden durchsetzten Eichenwald fand C. Riegler eine adulte weibliche Landschildkröte.
Diese drei Nachweise lassen die Hoffnung keimen, daß T. hermanni auf Cres zwar schon sehr selten, aber noch in fortpflanzungsfähigen Populationen existiert. Emys orbicularis konnten wir trotz nachweislicher Vorkommen östlich von Osor an größeren Tümpeln inmitten der Macchie (mdl. Mitt. N. BRESSI) leider nicht finden. Von den beiden Schleichenarten (Anguidae) auf Cres konnten wir die Blindschleiche (Anguis f. fragilis) mehrmals im Bereich der Halbinsel Merag und im Westen von Beli unter Steinplatten und Holzstücken finden. Ein besonderes Erlebnis für uns alle waren die zahlreichen Beobachtungen des Scheltopusik ("Panzerschleiche", Ophisaurus a. apodus) . In der Nähe einer Doline auf Merag fand P. Keymar ein Jungtier.
Weitere Fundstellen waren die Siedlungsbereiche Srem und Plat sowie in der Macchie westlich der Straße Belej-Osor und am Südufer des Vrana-Sees. In den dortigen Fettwiesen konnten wir bei der bewilligten Exkursion zum Seeufer mehr als 10 Exemplare, hier gemeinsam mit Coluber gemonensis, beobachten und photographieren. Auch im Bereich westlich von Srem und im Bereich südöstlich von Osor (auf einer überweideten Affodilwiese - Asphodelus albus - im Macchienbereich nördlich der Straße nach Punta Kriza) wurden mehrere Exemplare beobachtet.
Sehr zahlreich begegnete uns auf der Insel die Prachtkieleidechse (Algyroides nigropunctatus). Der Rücken ist braungrau, aber die Kehle und der Kopf der Männchen weist ein leuchtendes Blau, ihre Bauchseite ein leuchtendes Orange auf, die Flanken wirken rötlich. Steinmauern oder zumindest Blockhalden sind bevorzugte Biotope, flache Weidewiesen ohne diese Strukturen oder reine Eichenwälder werden gemieden. Wir fanden sie in der Ortschaft; Beli, entlang des Eco Trails in Beli - gemeinsam mit Podarcis m. muralis und Podarcis melisellensis (manchmal auch mit Lacerta bilineata) - zumindest in den unteren Lagen zahlreich. Weitere Fundorte: in der Ortschaft Predoscica, auf der Halbinsel Merag (in der Nähe der Feuchtstelle an Mauern), Blockwurf bei Cres-Melin, Lubenice (auf Steinen bei den Zisternen), Weg von Valun Richtung Lubenice, gemeinsam mit Podarcis melisellensis und Lacerta bilineata, auf Wänden und Mauern der Siedlung Vrana (auch Podarcis melisellensis und Lacerta bilineata), auf den Weideflächen von Hrasta in der Nähe der Begrenzungsmauern, westlich von Srem an altem Gemäuer, Legsteinmauern bei Osor und südöstlich von Osor und an den Begrenzungen der Weideflächen inmitten der Macchie an der Straße nach Punta Kriza.
Ebenfalls auffällig sind die Männchen des Karstläufers (Podarcis melisellensis fiumana) mit ihren knallorangen Kehlen und Bäuchen. Diese Art ist auf der Insel ubiquitär. Zahlreich waren unsere Funde dieser Eidechenart auf der ganzen Insel, in Ortschaften, in Legsteinmauern, im aufgelockerten Laubwald, in der Macchie, auf Garrigue, im Bereich von Tümpeln, ja sogar auf mageren Weideflächen und auf Felsfluren (dort allerdings in geringerer Dichte). Zum Teil auch gemeinsam mit der Mauereidechse, der Prachtkieleidechse und der Westlichen Smaragdeidechse (z. B. bei Beli). Als einzige Art konnte sie auch direkt an einer Meeresbucht an Steinmauern (in Friedhofsnähe bei Punta Kriza) nachgewiesen werden.
Als einzige Art der lokalen Herpetofauna tritt die Mauereidechse (Podarcis muralis) auf der Insel Cres in zwei Unterarten auf. Die Nominatform (Podarcis m. muralis) kommt auf Cres ausschließlich im Norden vor. Hier besiedelt sie die Eichenwälder bei Beli (Rundwanderweg). Sie allein besiedelt auch das Innere der Wälder, wo ihr umgestürzte Bäume ausreichend Sonnenplätze bieten. Zugleich garantiert ihr das Totholz genug Unterschlupf und in seinen tieferen Schichten mehr Feuchtigkeit als das Umland. Auf dem Rundwanderweg wird die Mauereidechse erst ab den Abschnitten gefunden, in denen der Wald an die Steinmauern anschließt und mindestens mehrere Meter breit ist. Die andere Form (Podarcis muralis maculiventris) ist kontrastreicher gefärbt. Lebhaft ist bei ihr die Fleckung der Bauchseite, während diese bei der Nominatform einheitlich braunrot (Männchen) bzw. rötlich (Weibchen) ausgeprägt ist. Diese Eidechse zeigt sich als Kulturfolger. Sehr häufig klettert sie in Gärten und auf Hauswänden umher (dabei erreicht sie auf den Hauswänden Höhen von mehreren Metern). Wir konnten sie in Cres-Melin und in Valun feststellen; in letzterer Ortschaft jagte sie auf oleanderähnlichen Büschen (Pittosporum tobira) nach blütenbesuchenden Insekten. Das Vorkommen in Hafen-"Städten" weist auf Verschleppung hin.
Wesentlich größer als die vorher genannten Arten ist die Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata). Die Art ist an der Grünfärbung der Jungtiere am besten erkenntlich - Jungtiere der in Österreich heimischen Lacerta viridis sind braungrau ohne jegliches Grün. Sie kommt auf der ganzen Insel vor. Sowohl direkt in Beli, am Ortsrand von Beli (Beginn des Rundwanderwegs), als auch auf Legsteinmauern und auf Lichtungen am Rundwanderweg; bei den Bienenstöcken an der Straße Richtung Beli; auf der Halbinsel Merag (das Vorhandensein von Büschen ist für die Art dabei sehr wesentlich). In der Nähe von Ortschaften an Legsteinmauern (territorial): Predoscica, Cres-Melin, Vrana, Srem, Osor. Weiters wurde sie auch auf den Straßen sonnend vorgefunden (zwischen Predoscica und Osor), wo sie auch hin und wieder dem Verkehr zum Opfer fällt, auf den Weideflächen und Lichtungen in den Macchienwäldern südöstlich von Osor und auf der Straße (dem Fahrweg) von Valun nach Lubenice (allerdings nicht völlig bis zur Höhenfestung Lubenice).
Eine relativ häufige und weit verbreitete Schlange ist die bis zu 1 m lange Balkan-Zornnatter (Coluber gemonensis = Hierophis laurenti). Mehrfach wurde sie auf der Halbinsel Merag, auch in der Nähe der Feuchtstelle, an der Straße nach Beli auf den Weideflächen bei den Bienenstöcken, auf einer Lichtung im Flaumeichenwald am Rundwanderweg bei Beli bei einer verlassenen Ortschaft und auch in Cres nachgewiesen. Weitere Fundorte: Straße Richtung Merag (Abfahrt von der Straße Porozina-Cres), die Wiesen am Südufer des Vrana-Sees (ein Totfund eines Jungtieres auf einem Fahrweg von Vrana zum See; ein Jungtier direkt im Wiesenbereich), die Gärten von Predoscica, an der Straße Belej-Osor (mehrere Verkehrsopfer pro Tag), Weideflächen von Hrasta (zwei Tiere), ehemalige Weideflächen in der Macchie nördlich der Straße Punta Kriza, an den Legsteinmauern eines Fußweges östlich von Osor.
Die Äskulapnatter (Elaphe l. longissima) konnte nur im feuchteren Norden der Insel in der Nähe der Weideflächen bei den Bienenstöcken an der Straße nach Beli von P. Keymar dokumentiert werden (zwei Exemplare). Die bis zu 2 m lange Vierstreifennatter (Elaphe q. quatuorlineata) wurde im Laufe der Exkursion an folgenden Orten gefunden: Rundwanderweg bei Beli, Waldlichtung etwa 3 km nordöstlich von Beli, Straße von Valun nach Lubenice (Nähe der Kreuzung Richtung Valun); Gebiet westlich von Srem. P. Keymar fand im Umland von Srem auch ein Jungtier dieser Art, Fußweg östlich von Osor zwischen Steinmauern im Halbschatten eines Gebüschs. Auch westlich der Straße Belej-Osor wurde die Art gefunden.
Eine kräftige Schlange ist auch die auf Cres vorkommende Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus insignitus), die allerdings durch die opisthoglyphen Giftzähne und ihre Schnelligkeit Respekt einflößt.
Am häufigsten fanden wir die scheue Schlange tot oder schwer verletzt am Straßenrand. Bereits am Ankunftstag fanden wir auf der Straße Richtung Merag drei tote Exemplare (das einzige lebende, vierte Tier entwischte in die dichte Vegetation). Am schlimmsten stellte sich die Straße Belej-Osor heraus, die im Pfingstreiseverkehr quasi ein Schlachtfeld mit mehreren toten Tieren pro Tag war. Ein weiterer Totfund gelang direkt am Stadtrand von Cres. Im Umland von Srem (Ruinengelände kurz nach der Abzweigung von der Hauptstraße Richtung Srem) und westlich der Straße Belej-Osor konnte die Art dann auch auch lebend beobachtet werden. An letzterem Ort wurde sie syntop mit Ophisaurus apodus gefunden, ein melanistisches Exemplar wurde ebenfalls dort gesichtet.
In der Nähe von Feuchtgebieten konnten wir die westliche Unterart der Ringelnatter (Natrix natrix helvetica) feststellen: bei der Feuchtstelle auf Merag wurden mehrfach adulte und subadulte Tiere gefunden, ebenso 6 juvenilen Tiere. Am Beginn des Rundwanderwegs bei Beli, bei den Felstümpeln, sahen wir ein großes adultes Exemplar, das gerade einen großen Seefrosch fraß. Darüber hinaus fanden wir die Ringelnatter auch bei Viehtränken auf Weideflächen südlich von Srem (Nähe von Svety Vid). Die Leopardnatter (Elaphe situla) konnten wir während der Exkursion leider nicht nachweisen. Zusammenfassung: Für einige Arten konnten neue Fundorte nachgewiesen werden. Das auf den Norden der Insel beschränkte Vorkommen der Mauereidechse, der Äskulapnatter und der Blindschleiche wurde bestätigt. Weiter unbestätigt bleiben ältere und zum Teil fragwürdige Hinweise auf ein Vorkommen folgender Arten auf Cres: Südlicher Teichmolch, Gelbbauchunke, Mittelmeer-Erdkröte, Springfrosch; Europäischer Halbfingergecko, Mauergecko, Ruineneidechse, Riesensmaragdeidechse, Würfelnatter und Katzennatter. Die gefundenen Tiere wurden photographiert und ihr Vorkommen dokumentiert.
Entsprechend den kroatischen Naturschutzgesetzen wurde kein Tier der Natur entnommen. Die einwöchige Exkursion fand in freundschaftlicher Atmosphäre statt und war für alle Teilnehmer ein Erfolg. Das gemeinsame Erleben der Herpetofauna von Cres fand oft noch langanhaltenden Ausklang bei nächtlichen intensiven Diskussionen in den gastfreundlichen kroatischen Restaurants im Hafenbereich von Cres. Schlußendlich möchten wir uns bei Univ. Prof Dr. Wolfgang Waitzbauer (Universität Wien) und Peter Sehnal bedanken, die uns durch Literaturbereitstellung und mündliche Informationen bei der Vorbereitung dieser Exkursion geholfen haben. Weiterführende Literatur liegt in der Bibliothek der Herpetologischen Sammlung des Naturhistorischen Museums auf.
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4. Feb 2012
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