Tag 12 (15-Feb-2009): Late-Night-Show und ein Ruhetag
Sur
Nachts haben uns die besten Stellen des Vortages noch einmal angesehen, um einen Vergleich zwischen tag- und nachtaktiver Herpetofauna zu bekommen. Das Ergebnis war für uns beeindruckend, denn wir fanden nachts mindestens soviele Arten wie am Tag. Etwas überrascht waren wir, als wir Stenodactylus leptocosymbotes sympatrisch, aber nicht syntop, mit Stenodactylus doriae antrafen. Während wir die erst genannte Art eher auf kompakten Sandflächen angetroffen haben, bevorzugt S. doriae losen, sandigen Untergrund, wie zB. Sanddünen. An dieser Stelle fanden wir beide Arten kaum 50 Meter von einander entfernt. Christoph und Gerald fanden an einem nahen Felsblock noch einige Hemidactylus turcicus.
Das eigentliche Highlight dieser Nachtexkursion war aber, dass wir an zwei unterschiedlichen Stellen in Summe sechs Stück Lytorhynchus diadema fanden. Alle Exemplare waren aktiv auf sandigem Untergrund. Trotz der spärlicher Nachweise für Nord-Afrika und Arabien in der Literatur war diese Schlangenart für uns die am zweithäufigsten beobachtete. Auch die sehr unterschiedlichen Zeichnungsmuster und Färbungen waren bemerkenswert. Einige waren eher fahl und einfarbig, während andere stark gestreift oder gemustert waren.
An der ersten Stelle, ein Habitat mit lockerem Sand, wo wir bereits untertags einen Lytorhynchus diadema fanden, konnten wir nachts weitere vier Exemplare nachweisen. An der Stelle mit verfestigter, sandiger Oberfläche lagen weitere zwei Stück heraußen. Es war anscheinend der perfekte Zeitpunkt, nach dieser Schlange zu suchen. Bei der Rückfahrt zu unserem Hotel blieben wir noch kurz an der beleuchteten Stadtmauer von Ras al Hadd stehen, konnten aber, außer einigen Hemidactylus turcicus, nichts Aufregendes finden.
Am folgenden Tag hatten wir einen herpetologischen Ruhetag eingeplant. Abgesehen von einem kurzen Stopp am Weg nach Sur, hielten wir uns kaum im Gelände auf. Dieses Habitat, ein trockenes Wadi, war einfach zu verlockend, um einfach daran vorbei zu fahren. Zwei Sandrennattern entwischten uns hier leider. Andere Beobachtungen waren Pristurus carteri, Stenodactylus leptocosymbotes und Hemidactylus turcicus. An einer Lagune bei Sur hielten wir zum bird watching und konnten einige Wasservögel beobachten.
Das eigentliche Ziel war aber die Stadt Sur selbst und ihr Markt, wo wir vor hatten, noch einige Geschenke zu besorgen. Das Zentrum von Sur hat seinen traditionellen Charakter behalten und ist geprägt von geschäftigem Treiben. Der Großteil der kleinen Geschäfte wird von Indern betrieben, so auch der Goldladen mit deren Besitzer wir nach zähem Handel schließlich groß ins Geschäft kamen. Zum Schluss waren alle zufrieden. Vor dem Abendessen beobachten wir noch einige Zeit das Treiben etwas abseits des Zentrums wo Ziegen und Schafe den Müll nach fressbaren Resten durchsuchten. Plötzlich begann auch der Muezzin zum Abendgebet zu rufen und das aus allen erdenklichen Himmelsrichtungen, ein beeindruckendes Schauspiel.
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