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Der Süden
Tagesausflüge in den Süden
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Von Tbilisi aus, wo wir ab jetzt fix stationiert waren, unternahmen wir nun
mehrere Tagesausflüge in den Süden und Osten des Landes. Den südlich
der Hauptstadt gelegenen Kumisi-See besuchten wir gleich zweimal. Hier kommt
die Europäische Schlangenaugen Eidechse (Ophisops elegens)
vor, die wir aber beide Male nicht zu Gesicht bekamen. Stattdessen gelangen
uns aber etliche andere interessante Funde in der Umgebung des Sees.
An einem beweideten kleinen Tal-Einschnitt, etwa 1km westlich des Sees, der
mit lockerem Gestrüpp bedeckt war, fanden wir neben vielen Maurischen
Landschildkröten und etlichen Scheltopusiks auch einige Wurmschlangen
(Typhlops vermicularis), Schlanknattern (Platyceps najadum najadum),
eine prächtige Rote Springnatter (Dolichophis schmidti), Kopfbinden-Zwergnattern
(Eirenis modestus) in allen Größen, Riesensmaragdeidechsen
(Lacerta media media), Kaukasusagamen und Wechselkröten. Als
ursprünglicher Bewohner lichter Eichenwälder hat die Kopfbinden-Zwergnatter
in Georgien ein größeres Verbreitungsgebiet in den östlichen
Landesteilen, wo sie zum Beispiel auch im Schibljak und auf beweideten Flächen
in und um Tbilisi häufig anzutreffen ist. Die Jungtiere haben eine grelle,
kontrastreiche Kopfzeichnung aus gelben und schwarzen Querbinden, die im Alter
so stark verblasst, dass man bei großen Exemplaren über 40cm Länge
schon sehr genau hinsehen muss, um sie überhaupt noch zu erkennen!
Am Westufer des Sees, das schon ausgesprochenen Steppencharakter hat, waren
wieder Maurische Landschildkröten, Scheltopusik und Wechselkröten
zu sehen, aber bei den grünen Eidechsen hier handelte es sich um die Kaspische
Smaragdeidechse (Lacerta strigata), die – im Gegensatz
zur Riesensmaragdeidechse – am Schwanz und den Hinterbeinen stets braun
gefärbt ist. Die typischen Dorsalstreifen bleiben bei den Weibchen meist
auch im Erwachsenenalter erhalten. Diese Art kommt meist in Gewässernähe
vor und ist in Georgien auf den trockenen Ostteil des Landes beschränkt.
Wir fanden hier auch weitere charakteristische Bewohner der Trockenzonen, wie
die Sandboa (Eryx jaculus familiaris), die hier recht häufig
vorkommt, die Katzennatter (Telescopus fallax iberus) und die kleinere
Verwandte der Kopfbinden-Zwergnatter, die Halsband-Zwergnatter (Eirenis
collaris), deren Vorkommen an die echten Steppen des Südostens gebunden
ist.
Merke: gefährliche "Schlangen" nur mit ausreichendem
Schutz hantieren!
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Hier konnten wir nun endlich unseren Fahrer Murtasi dazu überreden, für
ein Erinnerungsfoto mit einer "Schlange" (Scheltopusik) zu posieren.
Nachdem die Schweißer-Handschuhe angelegt waren und wir ihm mehrmals
versichert hatten, dass das Tier nicht etwa giftig wäre – sein Vertrauen
in uns war inzwischen schon recht gut entwickelt – konnten wir die, uns
unvergesslich bleibende, Aufnahme machen!
Wir fuhren nun zunächst weiter in südlicher Richtung nach Marneuli
und wandten uns dann nach Westen, wo wir nahe Bolnisi erneut stoppten. Das
Gebiet hier war wieder Weideland mit schütterem Strauchbewuchs,
der Boden war hier aber mit großen Felstrümmern übersäht.
Wieder fanden wir Maurische Landschildkröten, Scheltopusiks und einige
wenige Riesensmaragdeidechsen. Unsere Suche nach Schlangen blieb merkwürdigerweise
ohne Erfolg, aber plötzlich bemerkten wir, dass zwischen den Felsen auch
große Skinke saßen, die allerdings bei Annäherung sofort in
tiefen Spalten verschwanden, so dass es uns kaum möglich war, einen Blick
auf die Tiere zu erhaschen. Leider hatten die Biester nach der Störung überhaupt
keine Lust dazu, wieder zum Vorschein zu kommen. Sie hatten den typischen Glanz
und waren dunkel gefärbt. Wir vermuten, dass sie nach der Winterruhe noch
nicht gehäutet hatten. Die einzige großwüchsige Skinkart, die
bisher aus Georgien bekannt geworden ist, wäre der Berberskink (Eumeces
(schneideri) princeps). Wir hatten aber eher den Eindruck, dass es sich
bei unseren Tieren um Mabuyen (Trachylepis septemtaeniata)
gehandelt haben könnte, wie sie im angrenzenden Armenien & Aserbaidschan
vorkommen!
Wir folgten dem Lauf des Maschawera flussaufwärts in südwestlicher
Richtung. Im Gegensatz zu den Flussauen mit ihren fruchtbaren Schwarzerdeböden,
die hier von Aseri bewirtschaftet werden, wirkten die Weideflächen sehr
karg. Die stark erodierten, felsigen Böden waren nur mit wenigen Gehölzen
bewachsen, zwischen denen wir die prächtige Schwertlilie (Iris iberica) entdecken konnten, die leider jetzt wieder – trotz ihres Status als
streng geschützte Art – auf den Märkten der Hauptstadt angeboten
wird. Hier konnte Christoph einige Schnappschüsse aus der reichen Vogelwelt
des Gebiets einfangen, wie z.B.: Schwarzstirnwürger (Lanius minor),
Kappenammer (Emberiza melanocephala), Schmutzgeier (Neophron
percnopterus) und Jungfernkranich (Anthropoides virgo).

Blick über die Hügellandschaft im Maschawera Tal
Abschließend besuchten wir die im 5.Jhdt. erbaute Sioni-Kirche wo es
die ältesten erhaltenen georgischen Inschriften zu bewundern gibt. Kulturbanausen
wie unser Thomas widmeten sich aber lieber der Foto-Dokumentation der dort
vorkommenden Kaspischen Smaragdeidechsen!
Bei einer zweiten Fahrt in südlicher Richtung versuchten wir zunächst
unser Glück an der Roten Brücke, dem – direkt südlich
Tbilisi gelegenen - Grenzübergang nach Armenien, wo wir aber nur einige
Kaspische Smaragdeidechsen finden konnten. Wir wendeten daher und fanden einen
besser geeigneten Platz nördlich Schulaweri, an einem kleinen Zufluß zum
Maschawera.
Hier fanden wir große Mengen von Seefröschen, etliche Wechselkröten,
Kaspische Smaragdeidechsen, eine hübsch gezeichnete Ringelnatter, eine
kleine Kaspische
Bachschildkröte (Mauremys caspica caspica),
eine Schlanknatter (Platyceps najadum najadum), eine Rote Springnatter
(Dolichophis schmidti) und einige Wurmschlangen (Typhlops vermicularis).
An den vegetationsfreien sandigen Steilufern fanden wir unsere ersten Schnellen
Wüstenrenner
(Eremias velox caucasia) mit ihren – bei
jungen und halbwüchsigen Tieren – leuchtend rot gefärbten Schwanzunterseiten.
Die Tiere machten ihrem Namen übrigens alle Ehre!
Unsere Suche nach dem Kleinasiatischen Laubfrosch blieb allerdings trotz der
idealen Habitats-Strukturen hier zunächst ohne Erfolg. Auf der Rückfahrt
nach Tbilisi hielten wir noch kurz an einem Teich, der als Tränke für
das Weidevieh genutzt wurde und daher kaum Ufervegetation aufwies. Neben den
obligaten Seefröschen fand Bertl ein großes Exemplar
der Kaspischen Bachschildkröte, das noch ausgiebig fotografiert wurde.
Die
Steppen
Rückfahrt
nach Tbilisi
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