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Am oberen Iori:
Oberlauf des Iori bei Sioni
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Unseren letzten Tagesausflug widmeten wir der Suche nach Wieseneidechsen (Darevskia
praticola praticola), die vereinzelt im Bereich der Vorberge des südlichen
Großen Kaukasus als Eiszeit-Relikte vorkommen und einer Unterart der
Zauneidechse (Lacerta agilis ioriensis), die anscheinend nach ihrer
Beschreibung (1968) nicht mehr wieder gefunden werden konnte.
Unser Zielgebiet waren die Ortschaften Sioni und Tianeti am oberen Iori, nördlich
Tbilisi. Schon bald nachdem wir die Hauptstadt hinter uns gelassen hatten,
hielten wir am Rand des Saguramo- Schutzgebiets, um uns ein wenig umzusehen.
Am Wegrand bewunderten wir verschiedene Orchideenarten (Ophrys oestrifera, Ophrys
caucasica, Orchis purpurea, Orchis simia und Orchis tridentata),
die hier in großer Zahl wuchsen. Auch die prächtige Wilde Pfingstrose
(Paeonia caucasica) war zu sehen. An sonnenexponierten Stellen bemerkten
wir einige Kaspische Smaragdeidechsen (Lacerta strigata)
und im Wald aus Traubeneichen (Quercus iberica) und Weißbuchen
(Carpinus betulus und C.orientalis) fanden wir Blindschleichen
(Anguis fragilis colchica).
Wir fuhren auf der kurvenreichen Straße, die den Berg hinan führte
weiter bis zu unserem 2. Stopp vor der Ortschaft Magraneti.
Hier war das Klima schon merklich kühler und feuchter, der Wald bestand
fast ausschließlich aus Buchen (Fagus sylvatica orientalis).
Der Schnee war erst vor kurzer Zeit abgeschmolzen und überall blühten
blaue Anemonen (Anemone caucasica). Wir fanden Kaukasische Braunfrösche
(Rana macrocnemis macrocnemis)
und Artwiner Eidechsen (Darevskia derjugini orlowae).
Weiter nördlich, zwischen Magraneti und Chewsurtsopeli, wurde das Land
wieder weiter und flacher. Wir ließen den Wald hinter uns und die Straße
führte nun durch ausgedehnte Wiesen, wo wir unser Glück bei Sakdrkoni
noch einmal in Probe stellten.
Gleich nachdem wir ausgestiegen waren, fanden wir bereits unsere ersten Wieseneidechsen
und auch die Zauneidechsen ließen nicht lange auf sich warten! Letztere
erinnerten aber doch sehr an die Form Lacerta agilis brevicaudata,
die im Kleinen Kaukasus weiter verbreitet ist und auch in der Türkei vorkommt.
Wie diese ist auch Lacerta agilis ioriensis sehr robust gebaut und
in ihrer Färbung
außerordentlich variabel. Ein altes Männchen war komplett grün
gefärbt.

Wiesenflächen entlang der Straße im Bereich
des oberen Ioris
Während wir noch mit der Foto-Dokumentation der beiden Arten beschäftigt
waren, bemerkten wir einige Vögel, die im Gras umherliefen und erst abflogen,
wenn man ihnen auf wenige Meter nahe gekommen war. Christoph gelangen einige
gute Schnappschüsse davon. Es handelte sich um Wachtelkönige (Crex
crex), einer Rallenart, die bei uns vom Aussterben bedroht und daher
streng geschützt ist. Unser Fahrer Murtasi, der die Ansicht vertrat, dass sie
vorzüglich schmecken, versuchte mit dem Kescher, ihrer habhaft zu werden,
was ihm allerdings nicht gelingen wollte. Mehr Erfolg
hatte dagegen Christoph mit seiner Kamera!
Auf den Wiesen fanden wir außerdem noch Blindschleichen, je einen Kaukasus-Braunfrosch
(Rana macrocnemis macrocnemis), bzw. Laubfrosch (Hyla arborea
schelkownikowi), der hier genauso aussah wie die Tiere vom Kus Tba in
Tbilisi. Beim Wegfahren überfuhren wir leider eine melanistische Ringelnatter!
Eigentlich wäre es jetzt höchste Zeit für ein spätes Mittagessen
gewesen, aber die nahe gelegenen Orte Chewsurtsopeli und Sioni hatten kein
Wirtshaus aufzuweisen und so mussten wir die Reise mit knurrenden Mägen
fortsetzen, da auch Murtasi seine Wachtelkönige nicht erwischt hatte!
Wir folgten dem Lauf des Iori auf einer Straße, die uns noch einmal in
Erinnerung rief, dass das Wissen um Entfernungen alleine für eine Streckenplanung
in Georgien nicht ausreicht. Im Schritttempo schaukelten wir durch eine wunderschöne
Waldlandschaft, die beinahe den Eindruck unberührter Natur erweckt hätte,
wären nicht einige Schweine gewesen, die sich in den unergründlich
erscheinenden Löchern in der Straße gesuhlt hätten.
Zu unserer Freude stießen wir an einer Abzweigung auf ein kleines Magazin,
wo wir zwar auch nichts zu essen, aber immerhin Bier kaufen konnten!
Weiter unterhalb hielten wir ein letztes Mal an einer Burgruine, um nach Reptilien
Ausschau zu halten.
Beim Anstieg durch den Wald fanden wir wieder die Artwiner Eidechse (Darevskia
derjugini orlowae), bei der Ruine waren Riesensmaragdeidechsen (Lacerta
media media) zu sehen und an den Mauern saßen Kaukasusagamen
(Laudakia caucasia caucasia) und Kura-Eidechsen (Darevskia
portschinskii portschinskii).
Nach dieser kurzen Inspektion fuhren wir weiter in südlicher Richtung,
bis wir schließlich die Straße erreichten, die von Sagaredscho
her kommend wieder zurück nach Tbilisi führte.
Rückreise
Lagodechi
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