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Die Natur Georgiens
Wegen ihres Artenreichtums wird die Kaukasusregion von Conservation International
(MYERS et.al, Nature 24. Feb 2000, Vol. 403) unter den 25 bedeutendsten Biodiversitäts-Hotspots
der Erde aufgelistet.
Die hohe Artenvielfalt beruht auf der geographischen Lage am Schnittpunkt von
2 verschiedenen Bioprovinzen (mit 5 Subprovinzen: Kolchische, Zentralkaukasische,
Ostkaukasische, Ostanatolische und Iranische), der immerfeuchten Euxinisch-Hyrkanischen
(Südufer des Schwarzen- und Kaspischen Meers + Westliche Kaukasusregion)
mit ihren artenreichen Wäldern, und der sommertrockenen Irano-Turanischen
(Kontinentale Gebiete Südwest- und Zentralasiens), sowie der reichen landschaftlichen
Gliederung des Gebietes. Bezogen auf die Größe des Landes übertrifft
die Biodiversität Georgiens die aller Länder Europas, die absolute
Artenzahl der Amphibien & Reptilien ist in Europa nur in Spanien und Italien
höher!
In Georgien gehören folgende Landesteile zur Euxinisch-Hyrkanischen
Bioprovinz:
Der Große Kaukasus (ausgenommen die niederschlagsarmen Regionen nördlich
des Hauptkammes), der westliche und zentrale Kleine Kaukasus, das Surami-Gebirge
im Zentrum des Landes und die Kolchische Ebene am Schwarzen Meer.

Großer Kaukasus mit
Blick auf den Kasbek (5.047m),
höchster Berg Georgiens ist der Schchara
mit 5.068m.
Sie ist vor allem durch das Vorkommen von sogenannten Tertiär-Relikten
bekannt geworden. Bei solchen handelt es sich um Taxa, die während der
Tertiärzeit eine weite Verbreitung hatten, die sich oftmals über
große Teile der gesamten Holarktis erstreckte. Als am Ende des Tertiärs
Temperatur und Niederschläge abnahmen, konnten Arten, die feucht-mildes
Klima benötigten, nur dort überleben, wo der Klimawandel weniger
stark ausgeprägt war.
Heute finden sich die nächsten Verwandten der Tertiär-Relikte, die
in der niederschlagsreichen Region am Schwarzen Meer gute Lebensbedingungen
vorfanden, meist nur noch in Ostasien und den südöstlichen USA.
Beispiele dieses Typs sind:
Pterocarya fraxinifolia (Flügelnuss: Verwandte in Ostasien), Diospyros
lotus (Dattelpflaume: Vertreter der Gattung in Nordamerika, Ostasien
und Tropengebiete), verschiedene Alpenrosenarten: Rhododendron caucasicum, Rh.smirnowii, Rh.ungernii (nächste
Verwandte in Ostasien), Epigea gaultheroides (Erikagewächse:
1 Art in Japan, 1 Art in den östlichen USA), Quercus pontica (Pontische
Eiche: nächste Verwandte in Ostasien), mehrere Birkenarten: Betula
medwedewii, B.litwinowii, B.megrelica (nächste
Verwandte in Ostasien) u.A.
Einige Taxa mit euxinisch-hyrkanischer Verbreitung konnten auch in
Refugien in Südeuropa überdauern:
Brahmea (Brahmaspinner, ein Schmetterling: Ostasien, je 1 isoliertes
Vorkommen in Süditalien und dem türkisch-syrischem Grenzgebiet), Pelodytes (Schlammtaucher:
Südwesteuropa), Zelkova (ein Ulmengewächs: Ostasien,
isolierte Vorkommen in Sizilien und Kreta), Castanea sativa (Esskastanie:
Italien, Balkan, verwandte Arten in Ostasien und den östlichen USA),
verschiedene Ahornarten: Acer cappadocicum, Acer hyrcanum (Süditalien,
Balkan und Himalaja), Rhododendron ponticum (Pontische Alpenrose:
je 1 isoliertes Vorkommen in Südspanien und dem türkisch-syrischem
Grenzgebiet, nächste Verwandte in den südöstlichen USA), Rhododendron
luteum (Gelbe Alpenrose: Isolierte Vorkommen am Balkan), Prunus laurocerasus Lorbeerkirsche:
isolierte Vorkommen am Balkan, nächste Verwandte im Südwesten der
Iberischen Halbinsel & den Kanarischen Inseln) u.s.w.
Darüber hinaus hat die Euxinisch-Hyrkanische Bioprovinz auch einen sehr
hohen Anteil an Endemiten. Bekannte Beispiele aus der Herpetofauna sind:
Triturus (vittatus) ophryticus (Nördlicher Bandmolch), etwa die
Hälfte aller Arten der Gattung Darevskia (Kaukasische Felseneidechsen)
in Georgien. Alleine hier leben 16 Arten!
Innerhalb der Euxinisch-Hyrkanischen Bioprovinz finden sich viele Lokalendemiten,
deren Vorkommen mehr oder weniger auf das Gebiet der Kolchischen Subprovinz
(Westliche Kaukasusregion) beschränkt sind. Bekannte Beispiele dafür
sind neben einigen Darevskia-Arten: Mertensiella caucasica (Kaukasussalamander), Pelodytes
caucasicus (Kaukasischer Schlammtaucher), Bufo verrucosissimus (Kaukasus-Erdkröte)
und Vipera kaznakovi (Kaukasusotter).

In Teilen Adscharas fällt pro Jahr mehr als 4000mm Niederschlag
Entlang der Küste Abchasiens kommen einige typisch mediterrane Florenelemente
vor : Pinus pithyusa (Mittelmeerkiefer), Arbutus andrachne (Erdbeerbaum), Erika
arborea (Baumheide), unter den Reptilien und Amphibien der Küstenregion
fehlen aber Arten mit rein mediterraner Verbreitung. Es gibt hier zwar isolierte
Vorkommen von Testudo graeca, Lacerta media & Dolichophis caspius,
die kolchischen Elemente überwiegen aber weitgehend.
Auf die alpinen Zonen des westlichen Grossen Kaukasus beschränkt sind: Capra
caucasica (Westkaukasischer Tur) und Tetraogallus caucasicus (Kaukasisches
Felsenhuhn), Darevskia caucasica (Kaukasus-Gebirgseidechse), D.alpina (Westliche
Kaukasus-Gebirgseidechse) und Vipera dinniki („Westliche Kaukasus-Kreuzotter“ =
Hochgebirgs-Kaukasusotter).

Alasaniebene im Osten Georgiens mit Blick auf den Großen Kaukasus
Der Anteil an der Irano-Turanischen Bioprovinz umfasst die trockenen Gebiete
Zentral- und Ostgeorgiens (hauptsächlich Schida Kartli, Gardabani & Kacheti)
mit ihren Steppen, Trocken- und Galeriewäldern. Kennzeichnende Faunenelemente
sind z.B.:
Hyaena hyaena (Streifenhyäne), Gazella subgutturosa (Kropfgazelle), Hemiechinus auritus (Ohrenigel), Felis
chaus (Rohrkatze), Allactaga elater (Wüstenspringmaus), Meriones (Rennmäuse), Mesocricetus
brandti (Goldhamster), Hystrix indica (Asiatisches Stachelschwein).
Typische Vertreter der Herpetofauna der tieferen Lagen dieser Gebiete in Georgien
sind u.A.: Lacerta strigata (Kaspische Smaragdeidechse) Eremias
velox, (Schneller Wüstenrenner), Eryx jaculus familiaris (Sandboa), Dolichophis
schmidti (Rote Pfeilnatter), Eirenis collaris (Halsband-Zwergnatter)
und Telescopus fallax iberus (Katzennatter).
Weitere Verbreitung in den sommertrockenen Arealen im Süden und Osten
des Landes haben u.A.: Laudakia caucasia (Kaukasusagame), Lacerta
media media (Östliche Riesensmaragdeidechse), Hemorrhois ravergieri (Ravergier´s
Zornnatter), Zamenis hohenackeri (Kaukasische Kletternatter).
Hyla savignyi (Kleinasiatischer Laubfrosch), Testudo graeca ibera (Maurische
Landschildkröte), Pseudopus apodus apodus (Scheltopusik), Eirenis
modestus (Kopfbinden-Zwergnatter), Elaphe sauromates (Östliche
Vierstreifennatter) und Macrovipera lebetina obtusa (Levanteotter)
erreichen auch wintermilde Küstenbereiche am östlichen Mittelmeer.
Das im Süden des Landes liegende Dschawacheti Plateau und die Gebirge
im Bereich des Kura-Oberlaufs gehören bereits zur Ostanatolischen Subprovinz.

Kura-Oberlauf in der Ostanatolischen
Subprovinz
Endemische Vertreter der dortigen Herpetofauna sind:
Rana macrocnemis camerani, Darevskia valentini (Valentins Felseneidechse), Darevskia nairensis (Nairi-Felseneidechse) und Vipera
darevskia (Darevskis Viper).
Einen ganz besonderen Charakter haben die Gebirgssteppen des Zentral- und
Ostkaukasus, deren georgische Anteile nördlich des Hauptkammes in niederschlagsärmeren
Zonen in Tuscheti und am Terek-Oberlauf liegen.
Endemiten dieses Gebietes sind:
Capra cylindricornis (Ostkaukasischer Tur), Tetraogallus caspius (Kaspisches
Felsenhuhn), Darevskia dagestanica (Daghestan-Gebirgsdeidechse) u.A. Vipera
lotievi (die „Östliche Kaukasus-Kreuzotter“ = Ostkaukasische
Hochgebirgs-Steppenotter) weist auf Einflüsse der nahen Pontisch-Sibirischen
Bioprovinz (Karpatenbecken, östliches Donautiefland, Steppen nördlich
des Schwarzen Meers, Nördliches Kaukasusvorland und Nordkasachstan bis
zum Altai) hin.
Darevskia praticola (die Wieseneidechse) mit ihrem Verbreitungsschwerpunkt
in diesem Areal konnte an wenigen geeigneten Stellen südlich des Großen
Kaukasus als Eiszeitrelikt überdauern.
Zwar hat die traditionelle Landnutzung Georgien bisher davor bewahrt, das
Schicksal europäischer Länder zu teilen, wo Artenvielfalt nur noch
in wenigen Schutzzonen und Nationalparks zu finden ist, trotzdem sind während
der Sowjetzeit wertvolle Naturschätze verloren gegangen.
Die berühmten kolchischen Urwälder sind heute - bis auf winzige Reste – gerodet
und an eben jener Stelle, wo 1922 der letzte Tiger Georgiens erlegt wurde,
verrostet jetzt
der riesige Industriekomplex Rustawi – mittlerweile selbst ein historisches
Monument!
Die völlige Abhängigkeit von Brennholz zum Heizen zwingt die Landbevölkerung
zum Schlagen von Bäumen auch in Schutzzonen und Überweidung ist zum
landesweiten Problem geworden.
Jagdbare Wildarten wie Hirsche und Wildziegen sind selten und nur noch in Naturreservaten
zu finden, was auch dem kleinen Bestand an Leoparden zu schaffen macht.
Andere Grossäuger, wie Wolf, Braunbär, Luchs, Wildkatze, Reh und
Wildschwein gibt es aber noch in größerer Anzahl. Insgesamt leben
105 Säugerarten in Georgien.
Vogelschutzgebiete von internationaler Bedeutung liegen z.B. in der kolchischen
Ebene und am Dschawacheti-Plateau. Hier kann man Pelikane, Kraniche, Rallen,
Reiher, Störche, Weihen, Seeadler, viele Entenarten etc. beobachten.
322 Vogelarten kommen in Georgien vor und vielen, in Europa selten gewordenen,
begegnet man hier noch recht häufig. Es gibt 37 Greifvogelarten, alle
4 Geierarten der Westpaläarktis brüten im Land, in den Auwäldern
lebt die scheue Wildform unseres Jagdfasans.
Die Herpetofauna des Landes
umfasst mindestens 12 Amphibienarten (14 ssp.)
und 54 Arten (67 ssp.) an Reptilien – die tatsächliche Anzahl dürfte
aber noch etwas höher sein! Reptilien und Amphibien kommen noch an allen
geeigneten Stellen in großen Stückzahlen vor und auf erschlagene
Schlangen trifft man nur sehr selten, sogar in Gegenden, wo Giftschlangen häufig
vorkommen!

Steppenlandschaft bei Davitgaredschi im Südosten Georgiens
Etwa 4100 Arten höherer Pflanzen kommen hier vor, der
Anteil an Endemiten (900) ist außerordentlich groß. Die georgische
Regierung ist sehr um die Schaffung einer möglichst großen
Zahl an Schutzgebieten und Nationalparks bemüht – ein Anliegen,
das erfreulicherweise von der großen Mehrheit der Bevölkerung positiv
bewertet wird. Viele junge Georgier engagieren sich aktiv für den Naturschutz.
Zur Zeit beträgt der Anteil an geschützten Flächen ca.2,5% der
Landesfläche. Bei über 40% Waldanteil ist die Forstwirtschaft ein
wesentlicher Faktor in der Ökonomie des Landes. Der Ausverkauf von Nutzungsrechten
für nicht geschützte Wälder
und die damit verbundene Erosion der empfindlichen Böden stellt aber jedenfalls
eine große Gefahr für die zukünftige Entwicklung dar.
Die
Hauptstadt Tiflis
Das Land Georgien
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