Die Hauptstadt Tiflis (georg.: Tbilisi, 1,09 Mio. Ew.)

 

Karte Georgien, Quelle: Google Maps
Die Hauptstadt Tiflis

Nach ca. 3 Stunden Flug von Wien über Ungarn, Rumänien und das Schwarze Meer ist das erste, das man von Georgien zu sehen bekommt die vom Fluss Rioni durchströmte Kolchische Ebene, die im Norden vom Großen, im Süden vom Kleinen Kaukasus eingeschlossen wird. Zu unserem Schreck waren die Gebirge bis weit herunter in die tieferen Lagen verschneit, die hohen Berge lagen unter einem Eispanzer.

Nach der Landung in Tbilisi mussten wir feststellen, dass das – von uns erwartete – warme Maiwetter in diesem Jahr noch ausgeblieben war, es war saukalt! Wie sich herausstellte, hatten wir uns den längsten Winter seit Menschengedenken für unseren Besuch ausgesucht.

 

 

Unterkunft in Tiflis - Foto: Christoph Riegler Unterkunft im Plattenbau

Unsere Unterkunft befand sich in einem Plattenbau aus der Sowjetzeit mit 16 Stockwerken am nordwestlichen Stadtrand. Im 12. Stock des Gebäudes wohnt die Familie von Nino, die zu unserem Glück die Eigentümerin einer anderen Wohnung dazu überreden konnte, uns diese für 2 Wochen zu überlassen. Die Wohnung war zwar sehr einfach (nicht ausgemalt, kein Kühlschrank), aber sehr viel billiger als jede andere Unterkunft und bot uns für die Zeit unseres Aufenthalts ein Dach über dem Kopf, sowie die Möglichkeit, bei längeren Ausflügen einen Teil des Gepäcks einfach dort zurückzulassen. Schon am Abend des Tags unserer Ankunft hörten wir – trotz der Kälte – lautes Seefrosch-Gequake in der Umgebung. Die einsetzende Dunkelheit hinderte uns aber daran, den dazugehörigen Tümpel zu finden.


Am nächsten Tag fuhren wir mit einem öffentlichen Sammeltaxi zur Stadtbesichtigung. Der Fluss Kura (georg.: Mtkwari), der durch die Stadt fließt und ins Kaspische Meer entwässert, führte wegen der dieses Jahr spät einsetzenden Schneeschmelze gerade enormes Hochwasser. Der alte Stadtkern ist durchaus reizvoll und hat etliche kulturell und architektonisch interessante Gebäude zu bieten. Wegen des immer noch kalten Wetters suchten wir  während unseres Stadtspaziergangs leider vergeblich nach dem Kaspischen Bogenfingergecko (Cyrtopodion caspius), den Bertl – der schon eine Woche vor uns angereist war – an einem etwas wärmeren Tag an der Sioni- und der Betlehem-Kirche beobachtet hatte. Diese Art kommt in Georgien nur in Tbilisi vor und wurde dort wahrscheinlich eingeschleppt.


Leider hatten wir nicht genügend Zeit für Bad & Massage in den berühmten Schwefelbädern, der die Stadt ihren Namen verdankt (tbili = warm) und über die schon Alexandre Dumas in seiner „Reise in den Kaukasus“ ins Schwärmen geriet.
Noch mehr bedauern wir, dass wir aus diesem Grund auch das Georgische Nationalmuseum nicht besuchen konnten, wo – neben den berühmten antiken Goldschätzen aus der Kolchis, die schon die Argonauten ins Land gelockt hatten – auch die ältesten fossilen Hominidenfunde verwahrt werden, die außerhalb Afrikas gemacht wurden. Sie sind von exzellenter Erhaltung und sagenhafte 1,8 Mill. Jahre alt! Auch morphologisch entsprechen sie eher den frühesten afrikanischen Vertretern der Gattung Homo, als dem später in Eurasien weit verbreiteten Homo erectus. Bemerkenswert ist auch die Begleitfauna, die u.A. aus Elefanten, Nashörnern, Giraffen, Hirschen, Hyänen, Säbelzahnkatzen und Riesenstraußen besteht.

 

Stattdessen besuchten wir den Schildkrötensee (Kus Tba), ein beliebtes Naherholungsgebiet am südlichen Stadtrand. Es handelt sich um einen künstlichen See, ca. 250 m oberhalb der Stadt auf einem der Hausberge Tbilisis gelegen.

 

Schildkrötensee über Tiflis - Foto: Christoph Riegler

Das erste Ziel, der Schildkrötensee über Tiflis


Hier machten wir unsere erste Bekanntschaft mit der heimischen Herpetofauna. Etliche Seefrösche (Pelophylax ridibundus) paarten sich gerade und ließen sich dabei fotografieren. In Färbung und Größe glichen sie mitteleuropäischen Vertretern dieser Art. Beim Fang gaben sie einen intensiven Geruch von sich, den wir bei unseren heimischen Seefröschen noch nicht bemerkt hatten.


Auch unseren ersten Laubfrosch (Hyla arborea schelkownikowi) fanden wir am Ufer des Sees. Die Tiere in der Umgebung von Tbilisi sind sehr massiv gebaut, weisen eine Hüftschlinge, sowie einen breiten Lateralstreifen auf und rufen arttypisch. Laubfrösche dieses Typs fanden wir später auch am oberen Iori im Vorland des Großen Kaukasus.
Die rufenden Wechselkröten (Bufo viridis) waren zu weit vom Ufer entfernt, um sie zu fangen.
Die – in anderen Jahren von Bertl beobachteten - Würfelnattern (Natrix tessellata) zeigten sich diesmal nicht, wahrscheinlich war ihnen zu kalt.

Oberhalb des Sees bot sich uns ein Blick auf den Grossen Kaukasus mit dem wohl bekanntesten Berg Georgiens – dem Kasbek. Dabei wurde uns sofort klar, dass wir auf den geplanten Ausflug nach Kasbegi - der Ortschaft unterhalb des Berges – verzichten mussten, da die Schneegrenze noch weit unterhalb 2000 m lag.


Ein Spaziergang in östlicher Richtung über die größtenteils von Sekundärvegetation (Schibljak, siehe Kapitel Mzcheta) und Aufforstungen mit standortfremden Baumarten (Kiefern, Zedern) bedeckten Hänge zum ca. 3 km entfernten Sender der Stadt bescherte uns die ersten Östlichen Riesensmaragdeidechsen (Lacerta media media), Ein Paar der Kura-Eidechse (Darevskia portschinskii portschinskii) und den ersten Scheltopusik (Pseudopus apodus apodus), der im Vergleich zur westlichen Unterart (P.a.thracicus) heller gefärbt ist.


Kura-Eidechsen fanden wir auch entlang der Kura südlich Tbilisi, sowie am Mittellauf des Iori. Diese mittelgroße Felseneidechse kommt – im Gegensatz zu den meisten Arten der Gattung Darevskia – in verhältnismäßig trockenen Gebieten vor. Die Riesensmaragdeidechsen sind in Georgien weit verbreitet und kommen auch im feuchten Westen des Landes vor, allerdings nur in isolierten Populationen auf geeignetem Untergrund wie felsigen Böden und Küstendünen. Die Art ist immer an trockene Standorte gebunden. Bei einem 2. Besuch fanden wir hier auch eine junge Rote Springnatter (Dolichophis schmidti).

 

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Nach Batumi an die Schwarzmeerküste

Die Natur Georgiens

 

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