Go West! Nach Batumi an die Schwarzmeerküste

 

Karte Georgien, Quelle: Google Maps
Batumi an der Küste, Surami Pass im Zentrum

Im Norden begleitet vom Großen- im Süden vom Kleinen Kaukasus, fuhren wir (jetzt mit eigenem Fahrer Murtasi und dessen Ford Transit) entlang der Kura in Richtung Westen, vorbei an Gori, der Geburtsstadt Stalins.

Nachdem wir den Lauf der Kura, die sich an dieser Stelle von Süden her in das fruchtbare Becken von Schida Kartli ergießt, bei Chaschuri verlassen hatten, mussten wir den Surami-Pass überqueren, der das niederschlagsreiche Westgeorgien vom trockenen Osten des Landes trennt. Während die alte Straße über den Pass führt, benutzten wir den Tunnel, um schneller an unseren Zielort Batumi  am Schwarzen Meer zu gelangen. Da es gerade Mittagszeit war, hielten wir nach Verlassen des Tunnels Ausschau nach einem geeigneten Wirtshaus (Sasadilo), wo wir unseren Hunger stillen könnten. Während wir die Passtraße hinunter fuhren und die ersten, im Wald aus Buchen (Fagus sylvatica orientalis), Esskastanien (Castanea sativa), Weißbuchen (Carpinus betulus) und Traubeneichen (Quercus iberica) verstreut wachsenden, leuchtend gelb blühenden Rhododendren (Rhododendron luteum) bewunderten, bemerkten wir ein geeignet erscheinendes Etablissement mit nahe gelegenen Weihern und einigen kleinen Felsen an einer Straßenbiegung und hielten an.

 

Thomas Bader hat was gefunden Thomas hat was gefunden!

Noch vor dem Essen, das uns dann vorzüglich schmeckte, konnten wir in den Weihern nach kurzer Zeit riesige Molche entdecken, die sich zunächst alle als Kammmolche (Triturus karelinii) erwiesen. Bereits wenige Kescherversuche beförderten mehrere Weibchen an Land, die Männchen erschienen nach der Beunruhigung kaum mehr an der Oberfläche. Erst nach vielen weiteren Versuchen gelang es uns endlich, einen wahren Brocken zu keschern. Die Östlichen Kammmolche übertreffen alle unsere heimischen noch an Körpergröße. Wir konnten diese Art außerdem noch in einem Graben am Supsa-Terminal in der Kolchis nachweisen.


Gleich gegenüber, im 2. Weiher fanden wir neben unzähligen Seefröschen und einigen – diesmal grazil gebauten Laubfröschen mit reduzierter oder ganz fehlender Hüftschlinge und fleckiger Oberseite – wieder etliche Kammmolche, aber auch einige andere große Molche mit ungefleckter Bauchseite. Nach einigen Kescherversuchen konnten wir ein Paar der wohl schönsten und bizarrsten Wasserdrachen – Nördliche Bandmolche (Triturus (vittatus) ophryticus) erwischen. Diese unglaublich attraktiven Molche faszinierten uns dermaßen, das wir eine fast endlose Fotosession veranstalteten und unseren Hunger beinahe vergaßen. In Adscharien, im Südwesten des Landes fanden wir diese Art noch öfters, allerdings in wesentlich kleineren Gewässern und von geringerer Körpergröße. Ein weiteres Männchen fanden wir – noch in Winterstarre – unter einem Baumstrunk im Wald oberhalb von Bakuriani im Kleinen Kaukasus. Bemerkenswerterweise zeigt gerade diese Art, die in der Terrarienhaltung als sehr schwierig gilt, im natürlichen Lebensraum die größte ökologische Flexibilität aller Molcharten!


Nach dem Festmahl im nahe gelegenen Biergarten fotografierten wir noch das erste Weibchen der Kielschwanz-Eidechse (Darevskia rudis), die uns im weiteren Reiseverlauf in West- und Zentralgeorgien, wo sie Felswände bewohnt, in verschiedenen Unterarten noch oft begegnen sollte.
Auch das Bild der ersten Ringelnatter (Natrix natrix ssp.), die uns in Georgien begegnet ist, stammt von hier. Ausgesehen hat sie wie viele österreichische Exemplare der Art, doch davon später!

 

Unser nächster Stopp, das Adschameti-Reservat, liegt unmittelbar südlich der zweitgrößten Stadt Georgiens, Kutaisi am nördlichen Ufer des Rioni und ist – für uneingeweihte Besucher – wegen seiner Lage zwischen Verbindungsstraßen, dem fehlen größerer Wildtiere und seiner geringen Ausdehnung – durchaus nichts Bemerkenswertes.

 

Auf der Fahrt nach Batumi

Stopp am Weg nach Batumi an die Schwarzmeerküste. Kühe auf der Straße sind ganz alltäglich.

 

Tatsächlich handelt es sich dabei aber um ein wahres Kleinod unter den Naturschutzgebieten Georgiens, weil hier die Zusammensetzung des Waldes ungefähr den - fossil überlieferten – Hartauwäldern des Spät-Tertiärs Europas entspricht! Das Reservat dient vor allem dem Schutz der Zelkove (Zelkova carpinifolia) einem Baum aus der Familie der Ulmengewächse, der hier in Vergesellschaftung mit Orient-Traubeneiche (Quercus iberica), einer endemischen Stieleiche (Quercus imeretina), Weißbuche (Carpinus betulus), Orient-Weißbuche (Carpinus orientalis) u.A. wächst. Im Unterwuchs finden sich z.B.: Mäusedorn (Ruscus), und gelb blühender Rhododendron (Rhododendron luteum).


Am Waldboden und unter Fallholz fanden wir die Artwiner Eidechse (Darevskia derjugini abchasica), eine feuchtigkeitsliebende waldbewohnende Art, die – als Einzige der Gattung – auch die Sumpfwälder des kolchischen Tieflandes bewohnt. Typisch ist die Kupferfarbe und der Kontrast zwischen heller Ober- und dunkler Unterseitenfärbung des Schwanzes. Die Jungtiere sind kupferfarben mit spangrünen Schwänzen.


In der Nähe eines mit Wasser vollgelaufenen Kellers der Ruine eines ehemaligen Gebäudes fanden wir eine Ansammlung von gut einem halben Dutzend Ringelnattern auf einem Holzstock.

 

Unterkunft in Tiflis - Foto: Christoph Riegler Norbert auf der Suche nach T. vulgaris lantzi
Im Gewässer tummelten sich neben unzähligen Seefröschen und Laubfröschen – die hier, ähnlich zierlich gebaut und gezeichnet waren wie jene am Surami-Pass – auch Vertreter der seltensten Molchart Georgiens, des Teichmolchs (Triturus vulgaris lantzi). Scheinbar leidet diese Art besonders stark unter der Konkurrenz der beinahe allgegenwärtigen Bandmolche, die das neu entstandene Gewässer noch nicht entdeckt hatten. Aus zeitlichen Gründen konnten wir an dieser Stelle nur ein Weibchen fangen, da wir bis Batumi noch einen weiten Weg vor uns hatten. Ebenfalls wegen Zeitmangels mussten wir auch auf den Besuch des unmittelbar nördlich von Kutaisi gelegenen Sataplia-Reservats verzichten, wo es Dinosaurierfährten zu sehen gibt und Bertl bei einem früheren Besuch Östliche Riesensmaragdeidechsen und Äskulapnattern (Zamenis longissimus) beobachten konnte.

 

Durch Bertls Berichte von zarten, rein grünen Laubfröschen ohne Seitenzeichnung, die er bei früheren Exkursionen im Gebiet des - an der Küste bei Poti gelegenen – Paleostomi-Sees fotografieren konnte und unseren eigenen bisherigen Beobachtungen an kolchischen Laubfröschen neugierig geworden, hielten wir an einem, mit Schilf bewachsenen Gewässer an der Straße zwischen Lantschchuti und Supsa noch einmal kurz an und begannen zu suchen. Der einzige Laubfrosch, den wir im Licht der fortgeschrittenen Dämmerung noch finden konnten, flüchtete allerdings vor Franz, der sich im Übereifer zu schnell bewegt hatte und landete – vor unseren Augen – im Magen eines der allgegenwärtigen Seefrösche.

 

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Adscharien

Die Hauptstadt Tiflis

 

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