Im Kleinen Kaukasus

 

Karte Georgien, Quelle: Google Maps
Bordschomi im Kleinen Kaukasus

Auf der Rückfahrt gen Osten zum nächsten Stützpunkt für Erkundungen der zentral gelegenen Landesteile, Bordschomi im Kleinen Kaukasus, hielten wir noch einmal an der Küste beim Terminal von Supsa, wo die – von Aserbeidschan kommende – Pipeline endet. Nino hatte uns erzählt, dass während ihrer Tätigkeit für BP – dem Bauherrn der Pipeline - beim Ausheben von Gräben hunderte großer Molche aus dem Torfboden zutage gefördert wurden. Nach schier endlosen Verhandlungen mit den dort zur Sicherung der Anlage stationierten Soldaten siegte die georgische Gastfreundschaft und uns wurde, unter der Auflage keine Fotos des Geländes machen zu dürfen, unter Aufsicht der Bewacher gestattet, uns dort umzusehen.


Neben einigen Zauneidechsen, Ringelnattern und großen Mengen an Wasserfröschen, dauerte es eine Weile, bis wir einen Molch zu Gesicht bekamen, weil der mit schlammigem Wasser gefüllte Graben zu tief war, um mit dem Kescher etwas ausrichten zu können. Immerhin konnten wir das einzige, nun endlich auftauchende Tier eindeutig identifizieren: Es war ein Kammmolch!

 

Kutaisi (178000 Ew.) – das antike Aia, Zentrum des Reiches der Kolcher, Heimat der Medea in der Argonauten-Sage, ist heute die zweitgrößte Stadt Georgiens und liegt inmitten der Kolchischen Ebene am Fluss Rioni. Anscheinend hat es einen starken Bezug zu Österreich: Der Tuxer Schibus fährt hier ebenso im Linienverkehr wie der ausgemusterte Stadtbus von Ybbs an der Donau! Am Markt besorgten wir uns Räucherkäse, dann machten wir uns auf den Weg nach Bordschomi im Kleinen Kaukasus. Durch den Ort fließt die Kura, deren Bett gerade die äußerste Grenze des Fassungsvermögens erreicht hatte und an mehreren Stellen über die Ufer zu treten drohte. Wir nahmen Quartier in einem wirklich sehr guten Hotel mit ausgezeichnetem Frühstück. Zum Abendessen gab es ohrenbetäubende georgische Livemusik, eine harte Bewährungsprobe für die Schussfestigkeit von Franz.

 

Bordschomi im Kleinen Kaukasus - Foto: Christoph Riegler

Stadtzentrum von Bordschomi, ein Kurort im Kleinen Kaukasus

 

Der ehemalige Kurort Bordschomi hat schon bessere Zeiten gesehen. Viele wunderschöne Gebäude verfallen, einfach weil das Geld für die Sanierung fehlt, nur sehr langsam erholt sich das Geschäft mit dem Tourismus. Der Grund hierfür ist aber sicher nicht das weltbekannte Heilwasser, das unserer Meinung nach so schmeckt, wie Blähungen riechen!


Ein Hoffnungsschimmer für die örtliche Wirtschaft ist der Pipelinebau, der – unter hohen Auflagen für den Umweltschutz – zum Teil durch Schutzzonen der sensiblen Bergwälder vorangetrieben wird. Ein Angestellter der Baufirma hat uns beim Frühstück einige Details über den von BP durchgeführten Bau erzählt.

 

Unser erster Ausflug führte uns von hier aus nach Banis-Chewi, einem Tal im Nationalpark östlich von Bordschomi. Da die Strasse hier durch den Bach, der aus den Ufern getreten war, für unseren Ford unpassierbar wurde, stiegen wir aus und gingen zu Fuß weiter. Nach etwa halbstündiger Wanderung talaufwärts wurden wir von einem Nationalparkwächter zurückgepfiffen, da wir keine schriftliche Erlaubnis zum Betreten des Parks vorweisen konnten. Mit ihm gemeinsam fuhren wir daher zurück nach Bordschomi zur Nationalparkverwaltung, nur um dort zu erfahren, dass wir gar keine Erlaubnis benötigten! Der übereifrige Aufseher, dem die Sache nun doch sehr peinlich war, begleitete uns nun – unter vielen Entschuldigungsbeteuerungen zurück zum Ausgangsort – und wir konnten mit einiger Verspätung den Weg wieder aufnehmen.

 

Banis-Chewi Tail - Foto: Thomas Bader
Eingang ins Banis-Chewi Tal und gleichzeitig Endstation für unseren Ford Transit

 

Das Tal ist im unteren Abschnitt von einem artenreichen Mischwald aus Orientbuchen (Fagus sylvatica orientalis), Weißbuchen (Carpinus betulus), Traubeneichen (Quercus iberica), Orientfichten (Picea orientalis), Tannen (Abies nordmanniana), Esskastanien (Castanea sativa), Linden (Tilia begoniifolia), Erlen (Alnus barbata), Bergulmen (Ulmus glabra), Wildbirnen (Pyrus pyraster) und verschiedenen Ahornarten (Acer cappadocicum, A.platanoides, A.pseudoplatanus) bedeckt.
In der Strauchschicht finden sich u.a.:
Haselnuss (Corylus avellana), Pfaffenkäppchen (Euonymus latifolia, E.europaea), Schneeball (Viburnum opulus), Kreuzdorn (Rhamnus imeretina), der Endemit Philadelphus caucasicus, Holunder (Sambucus nigra, S.ebulus).
An immergrünen Sträuchern gibt es:
Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), Pontische Alpenrose (Rhododendron ponticum), Seidelbast (Daphne pontica), Stechpalme (Ilex aquifolium), Efeu (Hedera colchica) und Mäusedorn (Ruscus hypohyllum).


In den oberen Talabschnitten, die wir nicht mehr erreichen konnten, gewinnen Buche und Orientfichte die Dominanz über alle anderen Arten. Hier konnte Bertl während seiner Studien der westgeorgischen Wälder, die bei Regenwetter massenhaft umherlaufenden Kaukasussalamander (Mertensiella caucasica caucasica) beobachten, die hier schwarz und gelb gefleckt sind.


Zum Erstaunen jener Exkursionsteilnehmer, die zum ersten mal hier waren, fanden wir – neben Seefröschen (Pelophylax ridibundus) auch etliche Wechselkröten (Bufo viridis) in diesem feuchten, bewaldeten Gebirgstal. Die hier ebenfalls vorkommenden Erdkröten haben wir dagegen diesmal nicht angetroffen. Die Wechselkröten nutzten hier, gemeinsam mit Kaukasischen Braunfröschen Überschwemmungsbereiche des Gebirgsbaches und Fahrspurrinnen am Weg zum Ablaichen.


Die Blindschleichen des Gebiets erreichen hier überdurchschnittliche Körpergrößen und die Männchen zeigen die typischen blauen Rückenflecke der Unterart Anguis fragilis colchicus. In unmittelbarer Nähe des Baches konnten wir die Nominatform der Artviner Eidechse (Darevskia derjugini derjugini) und die Bastardeidechse (Darevskia mixta) sehen. Anders als es der Name dieser Art nahe legt, handelt es sich aber bei ihr keineswegs um eine Hybridform, sondern um eine Verwandte der in Adschara vorkommenden Clark’sche Eidechse.


Beiden Arten gemeinsam ist neben ihrer Vorliebe für feuchte Habitate die leuchtend grüne Rückenfärbung der Männchen während der Paarungszeit. Völlig unerwartet fanden wir hier unter ihnen auch ein Männchen der Wieseneidechse (Darevskia praticola). In senkrecht aufragenden Felsen sahen wir Rotbauch - und Kielschwanzeidechsen (Darvskia parvula adjarica und D.rudis obscura).

 

Der nächste Besuch galt einem Kura-aufwärts, einige Kilometer westlich von Bordschomi gelegenen und ebenfalls zum Nationalpark gehörenden, Tal namens Kwabis-Chewi. Im Tal selbst, das nur durch eine enge Felspforte mit dem Tal der Kura verbunden ist, herrscht ein etwas trockeneres Klima als in Banis-Chewi, was sich in der Zusammensetzung des Waldes, der hier in der Hauptsache aus Buche, Weißbuche, Traubeneiche und Orientfichte, aber auch Kaukasischer Rotföhre (Pinus kochiana) besteht.

 

Kwabis-Chewi Tal - Foto:Christoph Riegler

Kwabis-Chewi Tal


Hier kommt am Bachufer wiederum Darevskia derjugini derjugini vor. An den Felsen finden sich zahlreiche Darevskia rudis obscura, während Darevskia mixta hier anscheinend fehlt. Ein sehr interessierter Nationalparkaufseher, der uns begleitete, versicherte uns auch des Vorkommens von Sandvipern (Vipera ammodytes) transcaucasiana), die wir aber aufgrund der Kürze unseres Besuchs leider nicht zu Gesicht bekamen, geeignete Stellen waren zwar vorhanden, lagen aber schon im tiefen Schatten.


An den südseitig gelegenen Talbereichen ausserhalb der Felspforte und in dem angrenzenden Abschnitt des Kuratals, bot sich ein völlig anderes Bild als im Talinneren. Hier herrschte ein ausgeprägt trockenes Klima, die Felsen waren nur schütter mit niedrigwachsenden Orient-Weißbuchen (Carpinus orientalis), Ginsterbüschen (Cytisus caucasicus) und Tragant (Astragalus caucasicus) bedeckt und auch die Fauna des Gebietes änderte sich schlagartig!


Zwischen den Büschen leben Östliche Riesensmaragdeidechsen und an den Felsen laufen Kaukasusagamen (Laudakia caucasia caucasia) umher. Die Kielschwanz-Eidechsen hier gehören der Unterart Darevskia rudis macromaculata an, die sich von der im Talinneren verbreiteten Darevskia rudis obscura durch eine stark kontrastreich gezeichnete Oberseite und weiße Bauchfärbung (gelb bei ssp.obscura) unterscheidet.


Hier gelang uns auch der Erstnachweis eines Vorkommens der Nominatform der Rotbaucheidechse (Darevskia parvula parvula) auf georgischem Territorium! Diese Form hat eine wesentlich feinere Beschuppung im Schläfenbereich als die in Georgien weiter verbreitete ssp. adjarica, eine reticulate Rückenzeichnung und weiße Unterseite. Das Vorkommen klar unterschiedlicher Unterarten in unmittelbarer Nähe (nur wenige Meter!) zueinander hat uns jedenfalls sehr überrascht.

 

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