Wardsia

 

Karte Georgien, Quelle: Google Maps
Ausflug zur Höhlenstadt in Wardsia

Der Besuch dieser am obersten Abschnitt der Kura, nahe der türkischen Grenze gelegenen mittelalterlichen Höhlenstadt ist ein absolutes Muss für jeden Besucher Georgiens! Wenn man entlang der Kura von Bordschomi flussaufwärts fährt, wird das Tal trotz zunehmender Seehöhe immer trockener. Die Wälder weichen zurück und werden von "Gebirgssteppen" ersetzt, die auch weite Teile des armenischen Hochlandes und Ostanatoliens bedecken.

Diese Vegetationsform, die durch Beweidung und durch Winterkälte und sommerliche Trockenheit stark herabgesetzte Wuchsleistung von Gehölzen entstanden ist, findet sich in Gebieten, die ursprünglich mit offenen Eichenwäldern (Quercus iberica und Quercus macranthera) bewachsen waren.

 

In früherer Zeit war diese heute fast menschenleere Region recht dicht besiedelt. Neben der Weidewirtschaft wurden in den Tälern auch Obstbau und Seidenraupenzucht betrieben. Die ursprünglich die grenznahen Gebiete der Gegend bewohnenden Mescheten, eine georgische Bevölkerungsgruppe, die zum Islam konvertiert war, wurden unter der Herrschaft Stalins allesamt nach Mittelasien deportiert. Seither stellen Armenier die Bevölkerungsmehrheit.

 

Kuratal, Foto Christoph Riegler
Beeindruckende Landschaften auf der 3 stündigen Fahrt durch das Kura-Tal nach Wardsia

 

In den trockenen Gebieten, die wir nun durchquerten, sahen wir zunächst nur wenige Amphibien und Reptilien: Wechselkröten, am Flussufer auch Seefrösche und an den Hängen einige Riesensmaragdeidechsen. Die hier ebenfalls vorkommende Steppennatter (Elaphe dione) suchten wir leider vergeblich, möglicherweise wirkte sich die Hitze (es war um die Mittagszeit) negativ aus?


Je höher man dem Lauf der Kura nun folgt, um so enger wird das Tal. An der Stelle, wo der – aus der Dschawacheti-Hochebene kommende Fluss Parawani in die Kura mündet erhebt sich die sehr eindrucksvolle Burganlage Chertwisi. Für Mitteleuropäer wirkt allerdings die neue Kirche, die mitten auf dem historischen Monument errichtet wurde, etwas irritierend. Das Verständnis für Denkmalpflege ist doch ein anderes als bei uns!

 

Am Fluss unterhalb der Burg fand Bertl eine Würfelnatter – es war der höchstgelegene gesicherte Nachweis dieser Art der uns in Georgien bekannt geworden ist (1126m Seehöhe)! Etwas weiter flussaufwärts bemerkten wir an den Felsen der Schlucht umherlaufende Kaukasusagamen (Laudakia caucasia caucasia) und etliche kleine Eidechsen, die sich – wie wir schon vermutet hatten – als Darevskia nairensis erwiesen. Diese attraktive Art erreicht hier ihre nördlichste Verbreitungsgrenze. Ihre bräunlichgrauen Rückenschuppen zeigen einen fettigen Glanz, die Bauchseite ist gelblich gefärbt. Die Männchen haben eine bunte Flankenfärbung.


Die Kaukasusagamen, die anscheinend eben erst die Winterquartiere verlassen hatten ließen sich relativ leicht aus nächster Nähe fotografieren. Sie übertreffen den Hardun noch an Körpergröße, sind aber weniger bunt gefärbt als manche Exemplare jener Art.

 

Höhlenstadt Wardsia im Süden von Georgien, Foto: Christoph Riegler
Die Höhlenstadt Wardsia bestand ursprünglich aus 3000 Wohneinheiten

 

Etwa 10 km oberhalb unseres Stopps liegt endlich Wardsia, die besterhaltene einer ganzen Reihe von in den Fels gehauenen Höhlensiedlungen in diesem Flussabschnitt. Die Anlage wurde als Festung gegen die Türken im 12. Jhdt. unter König Giorgi III erbaut und in späteren Zeiten als Kloster benutzt. Während unseres Besuchs wurde in der Höhlenkirche gerade eine Taufe zelebriert und wir durften aus einem im Bergesinneren gelegenen heiligen Brunnen trinken. Die eindrucksvollen Deckenfresken der Anlage sind jedenfalls in einem weit besseren Zustand, als die Ruine des Hotels aus der Sowjet-Zeit am gegenüber liegenden Flussufer.
Wegen der schlechten Straßenverhältnisse braucht man für die Fahrt von Bordschomi nach Wardsia und zurück einen ganzen Tag. Wir fanden aber, dass sich der Ausflug ganz bestimmt gelohnt hat.


Am Rückweg hielten wir noch einmal an einem Gewässer weiter unterhalb in der Schlucht. Auch hier wimmelte es wieder von Seefröschen. In einem Schacht fanden wir neben etlichen Vertretern dieser Art auch einen Braunfrosch (Rana macrocnemis camerani). Diese Form der Gebirgssteppen im Süden Georgiens ist meist – aber nicht immer - am Rücken längsgestreift wie ein typischer Moorfrosch, dem kleinere Exemplare auch sehr ähneln. Adulte Tiere wirken dagegen ähnlich robust wie Grasfrösche. Die schlankere Form der Waldgebiete mit ihren langen Beinen und der spitzen Schnauze ähnelt dagegen unserem Springfrosch und trägt nur selten Rückenstreifen. Beide Formen haben zur Laichzeit kräftig rötlich gefärbte Bauchseiten.

 

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Der Wintersportort Bakuriani

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