|
Wardsia
Der Besuch dieser am obersten Abschnitt der Kura, nahe der türkischen Grenze gelegenen mittelalterlichen Höhlenstadt ist ein absolutes Muss für jeden Besucher Georgiens! Wenn man entlang der Kura von Bordschomi flussaufwärts fährt, wird das Tal trotz zunehmender Seehöhe immer trockener. Die Wälder weichen zurück und werden von "Gebirgssteppen" ersetzt, die auch weite Teile des armenischen Hochlandes und Ostanatoliens bedecken. Diese Vegetationsform, die durch Beweidung und durch Winterkälte und sommerliche Trockenheit stark herabgesetzte Wuchsleistung von Gehölzen entstanden ist, findet sich in Gebieten, die ursprünglich mit offenen Eichenwäldern (Quercus iberica und Quercus macranthera) bewachsen waren.
In früherer Zeit war diese heute fast menschenleere Region recht dicht besiedelt. Neben der Weidewirtschaft wurden in den Tälern auch Obstbau und Seidenraupenzucht betrieben. Die ursprünglich die grenznahen Gebiete der Gegend bewohnenden Mescheten, eine georgische Bevölkerungsgruppe, die zum Islam konvertiert war, wurden unter der Herrschaft Stalins allesamt nach Mittelasien deportiert. Seither stellen Armenier die Bevölkerungsmehrheit.
In den trockenen Gebieten, die wir nun durchquerten, sahen wir zunächst nur wenige Amphibien und Reptilien: Wechselkröten, am Flussufer auch Seefrösche und an den Hängen einige Riesensmaragdeidechsen. Die hier ebenfalls vorkommende Steppennatter (Elaphe dione) suchten wir leider vergeblich, möglicherweise wirkte sich die Hitze (es war um die Mittagszeit) negativ aus?
Am Fluss unterhalb der Burg fand Bertl eine Würfelnatter – es war der höchstgelegene gesicherte Nachweis dieser Art der uns in Georgien bekannt geworden ist (1126m Seehöhe)! Etwas weiter flussaufwärts bemerkten wir an den Felsen der Schlucht umherlaufende Kaukasusagamen (Laudakia caucasia caucasia) und etliche kleine Eidechsen, die sich – wie wir schon vermutet hatten – als Darevskia nairensis erwiesen. Diese attraktive Art erreicht hier ihre nördlichste Verbreitungsgrenze. Ihre bräunlichgrauen Rückenschuppen zeigen einen fettigen Glanz, die Bauchseite ist gelblich gefärbt. Die Männchen haben eine bunte Flankenfärbung.
Etwa 10 km oberhalb unseres Stopps liegt endlich Wardsia, die besterhaltene
einer ganzen Reihe von in den Fels gehauenen Höhlensiedlungen in diesem
Flussabschnitt. Die Anlage wurde als Festung gegen die Türken im 12. Jhdt.
unter König Giorgi III erbaut und in späteren Zeiten als Kloster
benutzt. Während unseres Besuchs wurde in der Höhlenkirche gerade
eine Taufe zelebriert und wir durften aus einem im Bergesinneren gelegenen
heiligen Brunnen trinken. Die eindrucksvollen Deckenfresken der Anlage sind
jedenfalls in einem weit besseren Zustand, als die Ruine des Hotels aus der
Sowjet-Zeit am gegenüber
liegenden Flussufer.
|
17. Mai 2012
StartSeite
Aktuelles
ÖGH
Amphibien
Reptilien
Artenbilder
Funde melden
Funde online
FotoGalerie
ReiseBerichte
Literatur
Links
Forum
Upload
UserAlbum
Newsletter
GästeBuch
Herpeto-Quiz
Team
Kontakt
Disclaimer
Bookmark
Admin
1 Besucher online


