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Rhodos - 11.-19. April 2004
(c) herpetofauna.at - Thomas Bader und Christoph Riegler
Kurz entschlossen machten sich Thomas Bader und Christoph Riegler, nach privat bedingten Absagen einiger Kollegen, auf einen Last Minute Trip für eine Woche nach Rhodos, um die kleinasiatisch - europäische Herpetofauna der südägäischen griechischen Insel zu erforschen.
Die Insel Rhodos ist 80 km lang und 35 km breit und hat eine Gesamtfläche von 1300 km². Sie ist damit die größte Insel im Dodekanes und die viertgrößte Griechenlands. Der Großteil der ca. 115.000 Einwohner leben im dicht besiedelten Norden der Insel, in und um Rhodos-Stadt. Im Gegensatz zum Norden ist der Süden spärlich besiedelt und eher von traditioneller Landwirtschaft auf fruchtbaren Boden geprägt. Zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen breitet sich karge Landschaft mit Bergen aus. Feuchtgebiete sind selten. Die Insel, auf der einst der Koloss stand (290 v. Chr.), ist von mildem Klima geprägt, allerdings weht häufig eine ordentliche Brise. Der Niederschlag ist auf die Wintermonate beschränkt und klingt im April bereits wieder ab, wobei während unseres Aufenthaltes noch alle Bäche ausreichend Wasser führten.
Wir unternahmen von Rhodos-Stadt aus Tagestouren und mieteten für unsere Fahrten für eine Woche einen Kleinwagen um 140 Euro. In 7 Tagen brachten wir es auf über 1500 km. Mit bis 26 Grad waren die ersten beiden Tage sehr heiß und in herpetologischer Hinsicht sehr erfolgreich. Als, durch den langen Winter geprägte Mitteleuropäer, war auch ein anständiger Sonnenbrand die Folge. Am 3. Tag kam starker Wind auf, der uns zwei Tage lang ärgerte, danach aber wieder abklang. Die Temperatur erreichte dabei nicht mehr als 19°C. Der Donnerstag war unser "erfolgreichster" Tag mit idealem Wetter, da nach den beiden kühleren Tagen jede Menge Reptilien aktiv waren. Gegen Ende der Exkursion wurde das Wetter wieder schlechter und während unseres Abfluges schüttete es wie aus Kübeln.
Die Amphibien von Rhodos
Der Wasserfrosch (Rana bedriagae) kommt auf vielen ägäischen Inseln vor und ist oftmals die häufigste Amphibienart. Wir konnten ihn an vielen Bächen über die gesamte Insel verbreitet nachweisen und stellten fest, dass er fast ausschließlich Kolke und beruhigte Zonen fließender Gewässer zum Ablaichen nutzt. Die Kaulquappen waren meist in einem fortgeschrittenen Stadium, Laich konnten wir nicht mehr finden. Vom Verhalten her gleicht er unseren Wasserfröschen und das Quaken erinnert mehr an den Teichfrosch als an unseren Seefrosch. Größenmäßig erreicht er kaum 10 cm und die blasse, olivgrüne Farbe unterscheidet ihn deutlich von den mitteleuropäischen Arten. Man trifft ihn an fast allen Bachläufen und er dringt bei Rodini sogar in urbane Bereiche vor.
Nicht weniger häufig ist die Wechselkröte (Bufo viridis) die ebenfalls an etlichen beruhigten Bachabschnitten, daneben aber auch an stehenden Gewässern und Sümpfen auf der gesamten Insel von uns gefunden werden konnte. Im Süden erreicht sie höhere Dichten und übertrifft den Wasserfrosch zahlenmäßig bei weitem. Wir trafen die Kröte sowohl an Bachläufen, konnten dort auch Laich und Kaulquappen nachweisen, als auch weitab von Gewässern sogar auf dem Gipfel eines Berges im Norden. Außergewöhnlich war die Dichte von Kaulquappen und juvenilen Tieren in einem Sumpfgebiet bei Gennadio, mit mehr als tausend laichenden Adulttieren.
Die mit Abstand seltenste Amphibienart auf Rhodos ist der Laubfrosch (Hyla kretensis), der sich durch den etwas breiteren Lateralstreifen von der mitteleuropäischen Art unterscheidet. Wir fanden zwei Tiere sonnend am lehmigen Ufer eines schnell fließenden Baches und zu unserer Überraschung tauchten inmitten dieses wirklich schnell fließenden Baches immer wieder Laubfroschquappen aus den stark getrübten Gewässer zum Luftholen auf, die offensichtlich optimal an die Strömung angepasst sind und nicht verdriftet werden. Ein weiteres rufendes Männchen konnte an einem Gebirgsbach am Profit Ilias nachgewiesen werden. Viele Literaturdaten erwähnen diese Amphibienart nicht für Rhodos. Unser Kollege Karl Bilek, der in den 60er Jahren mehrere Wochen für museale Forschungszwecke auf der Insel verweilte, konnte den Laubfrosch nicht finden. Wir bestätigen die Seltenheit der Art durch "nur" zwei Fundpunkte.
Die Reptilien von Rhodos
Der Harun (Laudakia stellio daani) ist das häufigste Reptil der Insel. Die Art ist unseren Stammgästen bereits von unserem Korfu Reisebericht bekannt. Auf Korfu war dieses Tier für uns sensationell, da es für uns alle neu, eher selten und sehr schwer zu fangen war. Ganz im Gegensatz dazu sind die Agamen auf Rhodos dermaßen häufig und bei kühlem Wetter sogar leicht mit der Hand zu fangen, dass unsere anfänglich Euphorie der ersten beiden Tage bald verflog. Die Art unterscheidet sich geringfügig in der Zeichnung von den Tieren auf Korfu (ssp. stellio).
Man kann den "Rhodosdrachen" als häufigstes Reptil bezeichnen, den wir auf der gesamten Insel in allen Altersklassen finden konnten. Bei mehreren Fangversuchen versuchten sich die Tiere zwischen Steinen mit ihren Hals- und Kopfstacheln einzuklemmen. Dort verharren sie bis die vermeintliche Gefahr überstanden ist. Den Kurzzeitflitzern geht sehr bald die Puste aus und ein gefangenes Tier, das mehrmals zu flüchten versucht hat, kann sich kaum mehr bewegen. Außerdem sind sie miserable Schwimmer, da ein ins Wasser geflüchtetes Tier kaum mehr ans Ufer schwimmen konnte.
Die Lacertiden auf Rhodos
Alle drei von uns nachgewiesenen Lacertidenarten sind auf Rhodos weit verbreitet und auch häufig. An fast allen unserer Stationen konnten wir mindestens eine der drei Arten nachweisen, häufig sogar syntop. "Lacerta" oertzeni pelasgiana, zum danfordi Komplex gehörig, ist eine mittelgroße Eidechse, die vor allem felsiges Terrain und Legsteinmauern bewohnt und die kletternden Eidechsen auf Rhodos repräsentiert. Wir fanden sie am ersten Tag bereits in der Altstadt in Rhodos. Die schlicht braun gefärbten Weibchen waren meist trächtig und bereits bei geringem Sonnenschein aktiv. Die häufig grünen Männchen sind viel auffälliger gefärbt, einzelne erscheinen richtig bunt und mit roten Kehlen. Trotz der wesentlich geringeren Körpergröße kommt diese Art oft syntop mit dem Hardun vor. Die auf Rhodos heimische Unterart pelasgiana kommt auch im benachbarten türkischen Grenzgebiet vor.
Die größte Eidechsenart auf Rhodos ist Riesensmaragdeidechse (Lacerta trilineata diplochondrodes), die auf Rhodos der kleinasiatischen Unterart cariensis ähnlich sieht und eine leuchtend blaue Kehlen ausbildet. Leider konnten wir kein adultes Tier erwischen (obwohl wir wirklich sehr knapp dran waren), da sie eine enorme Fluchtdistanz haben und bei Gefahr meist in ein dorniges Gebüsch flüchten und dort verschwinden. An den Jungtieren erkennt man deutlich die drei Streifen, die allerdings auch der nachfolgenden Art zueigen sind. Typische Lebensräume sind Weinberge und landwirtschaftliche Brachflächen mit dornigen Gebüschen oder Legesteinmauern. Ein optisch wunderschönes Tier mit außergewöhnlicher Schnelligkeit, das wir auch leider einige male überfahren nachweisen konnten.
Ophisops elegans, das europäische Schlangenauge, ist eine kleine bunte Eidechse mit groben Schuppen und verwachsenem Augenlid. Die Art bewohnt Felder mit kleinen Stauden und Sträuchern und sie flieht bei Gefahr von Busch zu Busch, wobei ihnen häufig die Puste ausgeht - wer allerdings glaubt, dass sie leicht zu fangen sind, der irrt, da sie es immer wieder schaffen, in der Deckung zu verschwinden. Für uns war Ophisops eine "neue" Art und daher mussten wir zuerst mal die Unterschiede zwischen jungen triliniata und den Schlangenaugen, die ebenfalls drei helle Dorsalstreifen aufweisen, anhand zweier gleichzeitig gefangener Tiere, erforschen. Die hier heimische Unterart macrodactylus kommt auf den meisten ägäischen Inseln vor.
Die Skinke von Rhodos
Unser erstes Exkursionsziel war ein mittelhoher Berg im Norden der Insel. Wir erreichten ihn um etwa 7 Uhr früh. Bei noch taufeuchtem Wetter konnten wir etliche Johannisechsen (Ablepharus kitaibelii kitaibelii) finden und einige auch, trotz deren enormer Flinkheit, fangen. Die Tiere dürften hauptsächlich während der Dämmerung und gemäßigtem Wetter aktiv sein, während der Mittagszeit konnten wir sie nur noch unter Steinen finden. Die filigranen Tiere verlieren sehr leicht einen Teil des Schwanzes, was ihnen bei syntopem Vorkommen der beiden größeren Skinke wohl ab und zu das Leben retten könnte.
Einer dieser größeren Skinkart ist der Gefleckter Walzenskink (Chalcides ocellatus), mit seinem weiß-schwarz punktierten Rücken. Außerhalb seines Verstecks ist er sehr schwer zu fangen, da er mit seinen kleinen Füßchen und seinem schlangenförmigen Körper flink durch Busch- und Grasvegetation gleitet. Unter Steinen kann man ihn am ehesten erwischen, da er immer wieder sehr standorttreu zu seiner bevorzugten Umgebung zurückkehrt. Wir fanden ihn hauptsächlich an der Ostküste, auch auf der Insel Tukinanisia, der südlichsten Insel der Penthanisos Gruppe bei Lindos.
Erst bei unserer Rückkehr wurden wir von unserem italienischen Kollegen Edoardo Razetti durch Übermittlung unserer Fotos aufgeklärt, dass wir auch die dritte Skinkart, die Goldstreifenmabuye (Mabuya aurata) gefunden haben, die wir ursprünglich als "gestreifte Form" von Chalcides ocellatus identifizierten. Wir hatten die Tiere zuvor noch nicht gesehen und unsere mitgenommenen Internetfotos zeigten auch deutliche Unterschiede zu den von uns gefundenen Tieren. Offensichtlich war die Zeit optimal für die sonst eher seltenen und scheuen Tiere, da wir 8 Stück in allen Altersklassen beobachten und auch fangen konnten - Calcides war mit 4 Stück nur halb so häufig vertreten. Wir fanden die Tiere verstreut auf der Insel, die Schwerpunkte lagen im Westen und im Süden, wo wir bei einem Schweinestall im Süden ein Jung- und ein Adulttier gemeinsam fotografieren konnten. Diese Skinke sind massiger und robuster als Chalcides, aber trotzdem nicht leicht zu fangen, sobald sie ihr Versteck verlassen. Auch sie kehren meist rasch wieder zu ihren "Stammplätzen" zurück. Wir beobachteten ein aktives Tier etwa eine halbe Stunde lang, wie es immer wieder innerhalb weniger Steine und einem Busch und hin und her patrouillierte.
Die Geckos von Rhodos
Hemidactylus turcicus, der Europäische Halbfingergecko, ist von Rhodos bekannt. An mehrere bekannten Fundpunkten - Apollo Tempel, Lindos (Bilek mündl.) konnten wir ihn allerdings nicht finden. Entgegen den Vorkommen auf Maly Losini (sh. Reisebericht Cres) und in Santa Margerita (Apennin), wo der kleine Gecko oft als Kulturfolger bis in die Zentren der Städte eindringt, gruben wir ihn auf Rhodos ausschließlich weitab der Ortschaften aus der Laubstreu in Legsteinmauern aus, wo er den Tag verschläft und erst in der Nacht aktiv wird. Wir fanden ihn nur an drei verschiedenen Stellen, überall in diesen speziellen Habitaten.
Kollege K. Bilek entdeckte 1963 auf der kleinen Möveninsel Tukinanisia bei Lindos erstmals ägäische Naktfingergeckos (Cyrtopodion kotschyi), die später wissenschaftlich als eigene Unterart bileki beschrieben wurden. Viel später wurde dieser kleine Gecko auch von P. Keymar auf der (Halb)insel Marathonisi ganz im Süden der Insel gefunden. Marathonisi ist allerdings nur im Sommer vom Land aus erreichbar. Der Landweg war während unseres Besuches noch stark überschwemmt und aufgrund des starken Windes nicht erreichbar. Auch unser Versuch, ein Tretboot zu mieten und die fünf Penthanisosinseln zu erreichen, schlug fehl, da diese touristische Infrastruktur im April noch nicht vorhanden ist. So machten wir uns auf dem beschwerlichen Landweg über eine Halbinsel bei Pefka auf zur Insel Tukinanisia. Dieser Weg führt durch ein militärisches Sperrgebiet und Schilder verbieten sowohl das Betreten als auch Fotografieren und wir bemerkten bereits nach kurzer Zeit, dass wir von der Kaserne am Ostkap mit Ferngläsern observiert wurden. Wir bahnten uns den Weg durch extrem karstiges Gebiet hinunter zum Strand. Thomas schwamm, bei 17 Grad Wassertemperatur, zu der etwa 100 m entfernten Insel, ausgerüstet mit Badehose, Turnschuhen und einem Stoffsack. Gleich unter dem ersten Stein wurde der oben erwähnte Chalcides ocellatus gefunden - schließlich konnte, nachdem fast jeder Stein auf der Insel umgedreht war, ein junger Cyrtopodion kotschyi gefunden werden. Die kokurrenzschwachen Tiere bewohnen auf Rhodos (bzw. den Inseln rundherum) die kargsten Stellen und werden von Wettstein noch für die vegetationsarmen Gipfelregionen vermutet.
Die Schildkröten von Rhodos
Von den Sumpfschildkröten ist nur Mauremys rivulata auf Rhodos heimisch. Sie bewohnt größere Flüsse ebenso wie kleinere Bergbäche und dürfte nach Literaturangaben recht häufig sein. Wir konnten lediglich 2 Tiere nachweisen, ein adultes Tier erwischten wir an einem kleinen Bergbach, das andere nahe des Flughafens am Unterlauf eines Baches. Beim Fang geben die Tiere ein stinkendes Sekret ab und zeigen sich erst wieder etliche Minuten später außerhalb ihres Panzers.
Der Literatur zufolge kommt auf Rhodos nur die Landschildkröte Testudo graeca vor, von der wir leider kein Exemplar finden konnten, allerdings beobachteten wir eine griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) im oben erwähnten Sperrgebiet bei Pefka, als wir unterwegs zur Insel Tukinanisia waren. Das subadulte boettgeri Männchen war am helllichten Tag bei hoher Temperatur laut raschelnd im Gebüsch unterwegs - die Vegetation im Fundgebiet ist sehr karg und die trockene Landschaft sehr stark verkarstet. T. hermanni ist von Rhodos bisher nicht bekannt. Handelt es sich um ein ausgesetztes Tier oder tatsächlich um eine bisher übersehene Population in diesem unzugänglichen Gebiet?
Die unterirdischen Arten
Für uns war der erstmalige Fund von Typhlops vermicularis, die Europäische Wurmschlange, auf Korfu sensationell. Das Blödauge war allerdings auf Rhodos die häufigste von uns gefundene Schlange und so verschwand unsere Euphorie recht schnell. Besonders im Osten der Insel ist die Schlange recht häufig, das erste Tier fanden wir unter einem Stein am viel begangenen beweideten Burghang von Lindos. Unter den gefundenen Tieren befand sich auch ein ungewöhnlich dickes, etwa 30 cm langes, Tier, das wir mit einigen anderen in einem extensiv bewirtschafteten Olivengarten bei eingefallenen Gebäuden fanden.
Auch die Existenz der türkischen Ringelwühle (Blanus strauchi) ist für Rhodos seit langem belegt, allerdings auf einen kleinen Bereich südlich von Rhodos Stadt beschränkt. Dank der Hinweise von unserem Kollegen Peter Keymar war unsere Suche schließlich von Erfolg gekrönt und wir konnten ein Tier in einer Schlucht unterhalb von gestapelten Dachplatten finden. Diese unterirdische Art benötigt hohe Luftfeuchtigkeit und ist meist in schattiger Umgebung oder in der Nähe von Bächen zu finden. Für uns ist Blanus strauchi ein absolut neues Tier, daher zählt dieser Fund zu den Highlights unserer Reise.
Die Colubriden von Rhodos
Bei Betrachtung der Verbreitungskarte der Zornnattern fällt auf, dass im ägäischen Meer die Verbreitung von Hierophis caspius von Westen bis an Rhodos heranreicht, die Insel selbst aber nicht erreicht wird. Für Rhodos ist nur die Schwesterart H. jugularis gemeldet, die sich von H. caspius vor allem durch die dunkle Färbung und die rötliche Bauchzeichnung unterscheidet.
Wir konnten insgesamt sechs Schlangen fangen, von denen wir drei als H. caspius (1.30 m, 1.20 m, 60 cm) und drei als H. jugularis (1.50 m, 60 cm, 50 cm) identifizierten. Sowohl die adulten als auch die subadulten Tiere unterschieden sich durch wesentliche Merkmale. Unsere ersten beiden gefangenen Schlangen waren die beiden über 1 m Länge und wir konnten diese Tiere anhand des Vergleiches mit dem Tier von Korfu eindeutig H. caspius zuordnen. Die hellbraune, dunkel gesprenkelte Färbung und die gelbe Bauchfärbung deutet auf caspius hin. Mit weit über einem Meter sollten die Tiere längst ausgefärbt sein!
Das Adulttier der H. jugularis hingegen war schwarz mit roter Bauchfärbung und wies keinerlei Flecken oder andere Merkmale der caspius - typischen Tiere auf. Auch die Jungtiere ließen sich eindeutig zuordnen, da die beiden jugularis im Gegensatz zum caspius Jungtier wesentlich dunkler gefärbt waren und die Bauchseite auffällig rötlich gefleckt gefärbt war - im Gegensatz dazu hatte das caspius Jungtier eine gelbe Bauchseite und wesentlich hellere Färbung. Allen Tieren gemeinsam ist das aggressive Verhalten, die Drohgebärden und das blitzartige Zustoßen, was das Fotografieren nicht gerade erleichtert. Aufgrund der niederen Temperaturen konnten wir alle dieser, sonst sehr flinken Schlangen, bis auf ein großes Jugularis Tier, erwischen.
Eine adulte frisch überfahrene Ringelnatter (Natrix natrix ssp.) konnten wir im Südwesten der Insel in der Nähe eines Baches bei Apolakkia nachweisen. Eigentlich sollten die Tiere der Unterart persa, die für ihre Streifen (sh. Korfubericht) bekannt ist, angehören. Unser Tier war gepunktet und ähnelt vom Aussehen daher viel eher der auch in Westösterreich vorkommenden Unterart helvetica oder der italienischen lanzai. Das etwa 1,20 m lange Tier hatte eine stark gesprenkelte Bauchseite und war auffällig vielseitig gefärbt - es ist nur schade, dass wir kein lebendes Exemplar finden konnten.
Die Schlanknatter (Coluber najadum dahlii), die wir ja bereits von Korfu kennen, konnten wir an zwei Stellen finden. Beide Tiere hatten sehr wenige Punkte (2-3) am Hals und unterscheiden sich dadurch von anderen Populationen recht deutlich. Die Tiere zählen zur Unterart dahlii ebenso wie die Korfu Tiere, die aber wesentlich mehr Halsflecken aufweisen - aufgrund ähnlicher Unterschiede wurde ja bereits die ehemalig Unterart rubriceps als eigenständig Art abgetrennt. Die bleistiftdünnen, blitzschnellen Echsenjäger gleiten elegant entlang der Legesteinmauern auf der Suche nach Eidechsen, Geckos und Skinken, müssen aber selbst auf der Hut sein, um nicht von den Zornnattern als Futter erwischt zu werden.
Der absolute Höhepunkt unserer Reise war die Begegnung mit einer über 1,40 m langen Münzennatter (Hemorrhois nummifer), die zu den seltensten Reptilien im kleinasiatischen Raum zählt. Sie bewegte sich wie die beiden Schlanknattern entlang einer Legesteinmauer auf Nahrungssuche und ließ sich recht einfach erwischen. Allerdings stieß sie danach warnende Zischlaute aus und biss wütend auf unsere Handschuhe ein. Die typische münzenartige Färbung charakterisiert diese Art und die Gesichtszeichnung erinnert etwas an die Diadem- oder an die Hufeisennatter. Von vielen Literaturzitaten ist die Münzennatter für Rhodos verbürgt, allerdings wurde sie nur sehr selten gefunden.
Zu den Schlangen ist abschließend zu sagen, dass die Dichte bei weitem nicht an Cres oder auch Korfu herankommt, da die dort häufigsten Arten wie die Vierstreifennatter und die Balkanzornnatter auf Rhodos fehlen.
Was konnten wir nicht finden
Alle drei von Rhodos gemeldeten Amphibienarten konnten wir finden, darunter auch den seltenen Laubfrosch. Unter den Schildkröten wird in wenigen Listen das Vorkommen von Testudo graeca erwähnt. Sie dürfte aber extrem selten sein und wie berichtet konnten wir aber eine Testudo hermanni finden, die es hier eigentlich nicht geben "dürfte". Während wir alle Echsenarten und die Blinwühle beobachten konnten sind uns einige Schlangenarten entgangen, die auf Rhodos vorkommen sollten: Allen voran die Katzennatter (Telescopus fallax ssp.) und die Leopardennatter (Zamenis situlus) die wir trotz Vorkommen auch auf Cres, Krk und Korfu nicht finden konnten. Außerdem fehlten uns die Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus ssp.) von der wir zwar eine Exuvie fanden, was wir aber nicht als sicheren Nachweis werten, und die offensichtlich extrem seltene Würfelnatter - Natrix tessellata.
Die von einigen Herpetologen erwarteten Arten Bufo bufo, Mertensiella luschani, Emys orbicularis und Vipera xanthina konnten wir trotz intensiver Nachsuche leider auch nicht finden.
Die Orchideenwelt auf Rhodos
Jedermann hat wahrscheinlich schon irgendwann einmal tropische Orchideen gesehen und war vielleicht von der Blütengröße und Farbenpracht dieser exotischen Gewächse fasziniert. Wenige dürften aber auch wissen, dass es selbst in Europa 35 verschiedene Gattungen und rund 250 Arten wild wachsender Orchideen gibt. Sie gedeihen von Skandinavien bis zur südeuropäischen Mittelmeerinselwelt, wobei ihre Artenvielfalt sicherlich im mediterranen Klimabereich mit Abstand am größten ist.
So finden sich allein auf Rhodos rund 65 verschiedene Arten. Die meisten von ihnen blühen im Frühling, manche von ihnen aber sogar schon im Jänner, manche selbst im Spätherbst! Einige Arten sind so genannte Endemiten, d.h., diese gedeihen weltweit nur auf Rhodos! Ihnen allen im Verlauf eines meist viel zu kurzen Inselaufenthaltes nachzuspüren, und sie mittels Fundberichtes und fotografischer Dokumentation "festzuhalten" ist das erklärte Hobby zahlreicher Orchideenfreunde.
Unsere europäischen Orchideen haben mit wenigen Ausnahmen eine durchschnittliche Blütengröße von 5 bis 40 mm, sie bleiben deshalb den meisten Menschen, Einheimischen wie Touristen, (gottlob) verborgen! Außerdem bringen sie dem Menschen keinen Nutzen, sind also von ihrer ästhetischen Schönheit abgesehen quasi "Unkraut", für das sich nur wenige interessieren. Dennoch sind manche ihrer Arten mancherorts in ihrer Existenz gefährdet, weil der Mensch durch seine Bautätigkeit (Straßenbau, Siedlungsbau, Trockenlegungen etc.), sein Wirtschaften (Ackerbau, Rodungstätigkeit, Einsatz von Dünger und Herbiziden etc.) ihre Lebensräume zerstört.
Die "Sonneninsel" Rhodos ist im Vergleich mit den meisten anderen griechischen Inseln noch als eine weitgehend grüne Insel zu bezeichnen, sie weist sogar Bergland und Waldbestand auf (Pinien). Da sich die Rhodier heute weitestgehend vom Tourismus ernähren und sich die sonnenhungrigen Touristenmassen an den Stränden der Insel konzentrieren, findet sich im Inselinneren noch relativ viel unverbrauchte Naturlandschaft mit teilweise idealen Standortbedingungen für zahlreiche Orchideenarten, die zwar einerseits als wahre (Über-)Lebenskünstler gelten, andererseits aber auf Veränderungen ihrer Lebensbedingungen empfindlich reagieren. So gehen also auch Jahr für Jahr manchen Orchideenfreunden aus früheren Aufenthalten bekannte Standorte mancher Arten für immer verloren!
Orchideen faszinieren u.a. auch deshalb, weil sie untereinander zur Bastardisierung neigen, d.h., sich mit fremden Arten kreuzen, was zu interessanten Blütenbildungen führen kann. In den überwiegenden Fällen vermehren sie sich durch Fremdbestäubung, bei manchen Arten kann es aber auch zur Autogamie (Selbstbefruchtung) kommen. Interessant bei der Fremdbestäubung ist die Tatsache, dass sich speziell bei den Ragwurzarten die Blütenformen der einzelnen Arten in ihrem Aussehen an jene Insekten annähern, die als bevorzugte Bestäuber fungieren (z.B. Fliegenragwurz, Wespen-, Bienen-, Hummelragwurz, etc.). So werden die Insekten quasi zur Kopulation mit einem vermeintlichen Artgenossen angeregt, tatsächlich erfolgt sie jedoch mit der Blüte, die sogar Sexualpheromone (Duftstoffe) aussendet, um das Insekt anzulocken!
Zu den faszinierendsten rhodischen Orchideenarten zählen wohl die Ophrys regis ferdinandii, Oph. reinholdii, Oph. candica, Oph. rhodia, Oph. heldreichii, Oph.dodekanensi, ferner Orchis sancta und Or. coriophora fragrans.
Ein herzliches Dankeschön an das Ehepaar Pachner aus Kärnten für die interessante Darstellung der Orchideenflora auf Rhodos. Die freundlichen Hobbybotaniker trafen wir auf unseren Streifzügen des Öfteren. Sie nahmen sich auch Zeit uns einige Arten zu zeigen und zu erklären.
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4. Feb 2012
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