Massive Umgestaltung der Biberlacke in St.Pantaleon.

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Massive Umgestaltung der Biberlacke in St.Pantaleon.

Beitragvon rennfahrersepp » Mo Mär 07, 2011 19:14

Ich war heute etwas entsetzt, als ich mit meiner Familie den üblichen Spaziergang zur Biberlacke machte. Das Kleinod in den Donauauen bei St. Pantaleon wurde massiv umgestaltet, um nicht zu sagen verwüstet. Der Altarm wurde ausgebaggert und der Schlamm am Nordufer mannshoch aufgeschüttet. Der komplette Baumbestand wurde entfernt, lediglich ein paar Altbäume und die standortfremden Fichten belassen.

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So hat die Lacke früher ausgesehen:

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Obwohl der Altarm als Karpfenteich genutzt wurde, ist es ein Wertvolles Biotop. Im Umfeld der Biberlacke fanden sich Bufo bufo, Rana temporaria, Natrix natrix, zamenis longissimus u.v.a.

Generell wird der Auwald in diesem Gebiet derzeit massiv umgestaltet, Unterholz entfernt, Altarme ausgebaggert, alte Waldwege angeschottert,...

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Beitragvon Joey Santiago » Mo Mär 07, 2011 20:16

Moin "Rennfahrersepp",

in meiner alten Heimat Osnabrück existiert ein Heideweiher auf anmoorigem Grund, eingebettet in einen Kiefernwald. Als ich ihn kennen lernte, waren bereits weite Flächen mit Schilf zugewachsen, was dann im Laufe der Jahre immer weiter zunahm. Irgendwann suchte ich den Weiher im zeitigen Frühjahr auf, um nach Moorfröschen zu schauen, und ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich beim Anblick des fast nackten Gewässers ziemlich schockiert war. Man hatte (wohl im Winterhalbjahr) etwa achtzig Prozent des Schilfs entfernt, um den Verlandungsprozess zu stoppen bzw. zu verlangsamen, wie ich später in Erfahrung bringen konnte. Und tatsächlich nahm dann alles wieder seinen Lauf; bestimmte Tierarten, die bereits verschwunden waren, wie zum Beispiel ein paar Libellenarten, die auf offene Wasserflächen angewiesen sind, tauchten plötzlich wieder aus der Versenkung auf. Natürlich dürften der Maßnahme zahllose Tiere zum Opfer gefallen sein, nicht nur Frösche, aber dafür bietet der Weiher jetzt wieder auf längere Sicht Lebensraum für viele gefährdete Arten, die im Falle einer Verlandung den Kürzeren gezogen hätten. In diesem speziellen Falle (von den Opfern einmal abgesehen) war die Aktion eher positiv.

Lange Geschichte, kurzer Sinn ;-) Und ich weiß natürlich nicht, was der Grund für die Umgestaltung der Lacke sein könnte, aber käme etwas Derartiges infrage?

Beste Grüße von Frank

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Beitragvon rennfahrersepp » Mo Mär 07, 2011 20:29

Frank Sudendey hat geschrieben:Lange Geschichte, kurzer Sinn ;-) Und ich weiß natürlich nicht, was der Grund für die Umgestaltung der Lacke sein könnte, aber käme etwas Derartiges infrage?

Beste Grüße von Frank


Hallo Frank!

Die Lacke war im Sommer zwar dicht mit Seerosen bedeckt, aber richtig verlandet war sie nicht. Speziell das Nordufer war in einem guten Zustand. Schilf war so gut wie nicht vorhanden.
Das Problem ist, dass der Wald seinen Besitzer gewechselt hat und der neue Besitzer rausholt, was geht. Im gesamten Auwald wird das Unterholz entfernt, die Waldwege ausgebaut, um mit Vollerntemaschinen reinzufahren und an einigen Stellen wird Schotter abgebaut.
Der Schotterabbau in unserer Gegend ist ein gutes Geschäft: zuerst Schotter verkaufen, dann wird die Fläche als Mülldeponie genutzt. Wenn die Entwicklung so wie überall in unserer Gegend weitergeht, steht dem Augebiet eine umfangreiche Nutzung bevor.

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Beitragvon rennfahrersepp » Fr Mär 11, 2011 10:41

Hallo!

Ich habe jetzt eine kleine Seite eingerichtet, die die Umgestaltung der Biberlacke im Winter 2010/2011 zeigt:

http://biberlacke.blogspot.com

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Beitragvon reseptor » Sa Mär 19, 2011 20:32

Hallo rennfahrersepp

Ist schon ein Wahnsinn was sie da aufgeführt haben - aber ich denke das sich die Natur ihren teil wieder zurückerobern wird.
Die Vegetation profitiert sicher sehr von der Auslichtung des Waldes(der grüne Krebs "Fichte" hätte allesdings ganz weg gehört), die Weiden haben sie nur abgeschnitten- die treiben mit noch mehr trieben wieder aus.

Hoffe auch das sich die Seerosen wieder erholen, auf den alten Bildern kann man an den überkreuzten Blättern schön sehen das sich die Wurzeln teilen und bald kein Platz mehr für sie da wäre :)

Die "Kammmolchlacke" profitiert sicher von der Ausbaggerung - die wäre über die Jahre sicher verlandet - kenn das von einem Kleintümpel aus meiner Nähe, hoffe nur das der Flachwasserbereich auch noch genug Wasser abbekommt(ist das Grundwasser - oder ist da ein Zufluß??) - dann hat die Bieberlacke sicher eine neue Chance!!

Du siehst das ganze ja live, und hast vielleicht einen anderen Eindruck, den ich auf den Bildern nicht vermittel bekomme - aber meine Meinung ist, die Biberlacke ist in ca.2-3 Jahren ein super tolles Biotop!!

Was denkt Ihr???


lg. reseptor

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Beitragvon rennfahrersepp » Sa Mär 19, 2011 23:28

Hallo!

Die Biberlacke ist für mich eigentlich nur der Tropfen auf den heissen Stein. Ich beobachte das Gebiet jetzt seit 30 Jahren und mir macht vor allem der Trend Sorgen. Der Trend geht eindeutig in die Richtung einer intensiven Bewirtschaftung, sowohl forstwirtschaflich, wie jagdlich und fischereiwirtschaftlich. Die Nutzung hat in den letzten Jahren rapid zugenommen und mein Gefühl sagt mir, dass hier noch nicht Schluss ist. Ich war heute in einem anderen Bereich der Au und hab viele Teile nicht wiedererkannt. Ein Problem ist mit Sicherheit auch die hohe Wildschweindichte im Gebiet, die einigen Reptilien sicher auch nicht behagt. Von den Arten, die ich vor ca. 25 Jahren regelmässig beobachten konnte (coronella, zanemis, hyla und t.cristatus) ist mir in den letzten drei Jahren nichts mehr untergekommen.

Konkret zu den Flachwasserzonen der Biberlacke: derzeit ist nichts vorhanden, die letzten verbliebenen Flachwasserzonen liegen durch den abgesenkten Wasserstand trocken, der Rest ist weggebaggert. Die Biberlacke ist ein Karpfenteich, die Flachwasserzonen und Nebengewässer waren aber für die Karpfen nicht zugänglich und dienten als Laichplätze für die Amphibien.

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Beitragvon Max Pöchhacker » So Mär 20, 2011 2:53

Hallo Wolfgang
rennfahrersepp hat geschrieben:Die Biberlacke ist für mich eigentlich nur der Tropfen auf den heissen Stein. Ich beobachte das Gebiet jetzt seit 30 Jahren und mir macht vor allem der Trend Sorgen. Der Trend geht eindeutig in die Richtung einer intensiven Bewirtschaftung, sowohl forstwirtschaflich, wie jagdlich und fischereiwirtschaftlich.


Ich denke Ich kann ein wenig nachvollziehen, daß Dir bei dem aktuellen Zustand dort die Galle hochkommt.
Ein Schaufelbagger in der Au läßt einfach nichts Gutes ahnen.

Ich möchte Dir trotzdem vorschlagen, daß Du einfach mal bei der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich nachfragst/anrufst was da genau läuft.
Ich halte es für wahrscheinlich daß dort eine intensive landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und fischereiwirtschaftliche Nutzung nicht geschehen wird.
Wenn Du möchtest kann Ich jemanden fragen der das mit Sicherheit herausfinden kann.
Soviel kann Ich Dir anbieten.

Max

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Beitragvon rennfahrersepp » So Mär 20, 2011 9:40

Hallo Max!

In diesem Fall ist die BH-Amstetten, bzw. das Land Niederösterreich zuständig. Ich hab vor, in der nächsten Woche dort einmal anzufragen. Für heuer ist die Milch aber vergossen, da genau in der Laichzeit diese Arbeiten durchgeführt werden.

LG

Simi

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Beitragvon reseptor » So Mär 20, 2011 10:13

Hallo rennfahrersepp

Irgendwie vermisse ich immer noch eine Antwort auf die Wasserversorgung der Biberlacke - ist das jetzt Grundwasser oder ist da auch ein Zufluss???


Wenn der Teich ausgebaggert wurde, und somit Schlammfrei und Tiefer wurde, müßte wenn es Grundwasser hereindrücken würde, sich wieder aufs normale Niveau füllen.
Aber wenn die den Abfluss z.B. gesenkt haben wird der Stand nie wieder in die Flachwasserzonen reichen.

Vielleicht hast du ja glück und du kommst an den Richtigen, und die Flachwasserbereiche werden noch mal "Nachgebessert", vielleicht hat man auf die vergessen.

Sind die Bagger eigentlich immer noch bei der Arbeit?????

Wünsch dir viel Glück bei deinem Gepräch mit den Verantwortlichen , ich hoffe es bewirkt was - halt uns am laufenden!!

lg. reseptor

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Beitragvon rennfahrersepp » So Mär 20, 2011 18:32

reseptor hat geschrieben:Hallo rennfahrersepp

Irgendwie vermisse ich immer noch eine Antwort auf die Wasserversorgung der Biberlacke - ist das jetzt Grundwasser oder ist da auch ein Zufluss???



Hallo!

Die Biberlacke hat keinen Zufluß und bis vor einigen Monaten auch keinen Abfluß. D.h. der Wasserstand passte sich dem Grundwasser an. Seit heuer hat die Biberlacke aber auch einen kleinen Abfluß, der Wasserstand ist aber noch nicht bis ans Rohr gelangt, sondern das Wasser sickert unter dem Rohr durch. Die Frage ist nur, wie lange es dauert, bis der ursprüngliche Wasserstand wiederhergstellt ist, bzw. ob er sich überhaupt wieder einstellt.
Zu den Baggerarbeiten: am 16.03. wurde noch gebaggert, am WE war jetzt Pause. Ich bin mir aber nicht sicher, ob nicht in dieser Woche weitergearbeitet wird, weil ein Teil des Ufers noch nicht begradigt ist.

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Beitragvon rennfahrersepp » Fr Aug 12, 2011 21:34

Ich habe jetzt das Gebiet wieder regelmässig besucht. Trotz der starken Regenfälle ist der Wasserstand sehr niedrig, noch immer ca. 30 cm unter dem vom Vorjahr.
Was mir heute aufgefallen ist, ist die niedrige Amphibien- und Reptiliendichte:
Ich war heute zwei Stunden im Augebiet unterwegs mit sehr sehr bescheidenen Sichtungen: eine Trachemys an der Biberlacke, ein juveniler Pelophylax in einer Wasserlacke und ca. 10 Pelophylax an einem Tümpel.
Keine Ringelnatter, keine Gelbbauchunken...nichts.

Gestern war ich bei gleichen Witterungsverhältnissen in den Auen bei Fischamend unterwegs: nach 10 Minuten: 3 Ringelnattern, juvenile Erdkröten, wohin man schaut, Pelophylax massenhaft.

Man musste aufpassen, dass man nichts zertritt....

aktuelle Bilder auf http://biberlacke.blogspot.com

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Beitragvon kathi » Sa Aug 13, 2011 11:22

Hallo Rennfahrersepp!

Was hast Du bei den Behörden NÖ in Erfahrung gebracht bzgl der Auen? Und warum ist der Wasserstand so niedrig, wenn nicht einmal die Höhe des Ausflussrohres erreicht wurde?

Gruß, K.

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Beitragvon rennfahrersepp » Sa Aug 13, 2011 19:45

kathi hat geschrieben:Hallo Rennfahrersepp!

Was hast Du bei den Behörden NÖ in Erfahrung gebracht bzgl der Auen? Und warum ist der Wasserstand so niedrig, wenn nicht einmal die Höhe des Ausflussrohres erreicht wurde?

Gruß, K.


Hallo!

Ganz schlau bin ich noch nicht geworden, auf eine Antwort der Gemeinde warte ich noch immer, bei der BH heisst es, dass alles rechtens ist.
Laut Auskunft eines Fischereipächters hat es diesen Winter massiven Sauerstoffmangel in der Biberlacke gegeben, weshalb man diese Baggerungen durchgeführt hat. Die Baggerungen wurden sogar gefördert. Seit den Baggerungen hat sich aber ein sehr niedriger Wasserstand eingestellt, der sich auch nach dem verregneten Wochen nicht an das Niveau des Urzustandes angeglichen hat.
In solchen Fällen kann man nicht wirklich eine Prognose abgeben, aber es ist zu befürchten, dass man mit den Baggerungen das Problem nicht wirklich gelöst hat, sondern nur um einige Jahre verschoben hat.
Es wird sich in den nächsten Wintern zeigen, welche Auswirkungen die Baggerung auf den Fischbestand hat.
Dass es Auswirkungen auf die Herpetofauna hat, ist so gut wie sicher. Es sind im Gebiet um die Biberlacke so gut wie keine Ringelnattern mehr anzutreffen. Juvenile Kröten hab ich ebenfalls heuer keine gefunden (in anderen Augebieten muss man jetzt aufpassen, dass man keine zertritt).
Es wurden zwar in der Au ein paar neue Biotope durch Baggerungen geschaffen, aber da konnte ich lediglich ein paar Pelophylax beobachten (was nicht wirklich was besonderes ist).
Ich kenne das Gebiet schon ca. 35 Jahre und kann mich noch an verregnete Tage im Sommer erinnern, wo man aufpassen musste, dass man keine Frösche zertritt. In den letzten Jahren hat sich das fast auf null reduziert...

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Beitragvon kathi » Sa Aug 13, 2011 20:03

Also geht alles auf die Initiative der Fischer zurück die Angst gehabt haben um ihren Bestand, nicht?
Alle Lacken werden mit Fischen besetzt und als Karpfenteich missbraucht - das nervt schon gewaltig..

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Beitragvon rennfahrersepp » Sa Aug 13, 2011 20:10

kathi hat geschrieben:Also geht alles auf die Initiative der Fischer zurück die Angst gehabt haben um ihren Bestand, nicht?
Alle Lacken werden mit Fischen besetzt und als Karpfenteich missbraucht - das nervt schon gewaltig..


Die Lacke war eigentlich schon immer mit Karpfen besetzt, ich glaub, einige von denen sind schon 30 Jahre alt. Aber aufgrund ihrer Uferlinie und den Flachwasserbereichen war sie auch für Amphibien attraktiv. Durch die Umgestaltung iwurde die Uferlinie begradigt und durch den gesunkenen Wasserspiegel sind die Flachwasserzonen jetzt trocken => Amphibien tschüss!

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