Flachwasserzonen an Augewässern

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Flachwasserzonen an Augewässern

Beitragvon rennfahrersepp » Mo Mär 31, 2014 8:42

Liebe Leute!
Es wird Zeit, dass ich mich hier wieder mal melde. Wie vielleicht einige wissen, war ich in den letzten Jahren viel im Augebiet um St.Pantaleon/Erla unterwegs. Der Auwald liegt rechtsufrig der Donau, wenige Kilometer unterhalb der Ennsmündung. Es handelt sich hier um ein ca. 500ha grosses Augebiet, das von mehreren Wasserläufen durchzogen wird. Die grösseren Lacken (Biberlacke, Grünhaufenlacke, Weite Lacke) werden fischereiwirtschaftlich genutzt. Daneben gibt es aber genug kleinere Gewässer, die einen idealen Lebensraum für Amphibien darstellen.
Zu den häufigsten Amphibien zählen: Erdkröte, Springfrosch, Seefrosch und Gelbbauchunke. Erdkröte und Springfrosch kommen auch an den grossen, fischreichen Gewässern vor, der Seefrosch bildet an der Weiten Lacke eine sehr grosse Population. Die Gelbbauchunken kommen hauptsächlich in Fahrspuren und Kleinstgewässern (Wildschweinsuhlen, Rückewege) vor.
Daneben kommen einige Amphibien selten oder vereinzelt vor: Grasfrosch, Teichfrosch, Knoblauchkröte, Teichmolch und Feuersalamander (wandert gelegentlich vom nahegelegenen Hangwald in den Aubereich).
Vom Kammmolch und Laubfrosch gibt es ältere Nachweise, die ich aber in den letzten Jahren nicht bestätigen konnte. Im September 2013 konnten wir auch den Bergmolch an einem Gewässer nachweisen, wir vermuten aber, dass es sich um ausgesetzte oder durch Hochwasser verfrachtete Tiere handelt.
Auch einige Reptilienarten kommen im Augebiet vor: die Ringelnatter und die Zauneidechse sind fast flächendeckend übers Augebiet verbreitet, gelegentlich findet man auch Blindschleiche, Äskulappnatter und Schlingnatter. Einige ausgesetzte Schmuckschildkröten findet man ebenfalls im Augebiet.
aufgrund der Vielzahl der Gewässer bietet das Augebiet eine gute Lebensgrundlage für die meisten Amphibienarten. Da es sich um ein geschlossenes Gebiet handelt, das von keiner öffentlichen Strasse durchzogen wird. sind auch die Ausfälle während der Migration gering. Mein Augenmerk gilt es trotzdem, die seltenen Arten zu fördern und die Lebensgrundlage für potentiell vorkommende Amphibienarten zu schaffen. Der Europäische Laubfrosch kommt um Nahbereich des Augebiets vor, wurde von mir in den letzten Jahren nicht nachgewiesen. Das gleiche gilt für den Kammmolch. Hier bin ich nach wie vor nicht sicher, ob ich die Tiere einfach nur nicht gefunden habe, oder ob sie wirklich nicht vorkommen. Aufgrund des Hochwassers im Juni 2013 ergaben sich aber gute Möglichkeiten zur Förderung einzelner Amphibienarten.
Das Hochwasser im Juni hat das komplette Augebiet überschwemmt und setzte Teile der Au bis zu 4m unter Wasser. Die Au liegt im Staubereich des Donaukraftwerks Wallsee/mitterkirchen und ist im Normalfall durch den Kraftwerksdamm getrennt. Beim Hochwasser im Juni wurde das Augebiet aber von der rechtsseitig angelegten Überströmstrecke her überschwemmt und es erfolgten massive Sedimentablagerungen. Gleich nach dem Hochwasser begannen dort die Aufräumungsarbeiten. Zuerst wurden die Zufahrtswege freigebaggert. Mit dem Sediment wurden teilweise Wildrettungshügel aufgeschüttet, im Bereich der Überströmstrecke wurden Dämme errichtet, die bei zukünftigen Hochwässern einen Teil des Sediments abpuffern sollen. Einige der Gewässer wurden durch den Sedimenteintrag ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Im Winter 2013 erfolgten auch hier Baggerungen.

Generell hat das Hochwasser 2013 für die Amphibienfauna Vorteile gebracht: durch die vielen Kleingewässer und Pfützen waren ideale Fortpflanzungsbedingungen für die Gelbbauchunke entstanden. Das Hochwasser sorgte zudem für ein grosses Nahrungsangebot: Insektenlarven, Mücken,....waren in hoher Dichte vorhanden. Ein Nachteil für die Amphibienfauna war, dass sich nun in praktisch jedem Gewässer Fische befinden. Der milde Winter 2013 sorgte zudem dafür, dass seichte Gewässer nicht bis zum Boden durchfrieren konnten und damit der Fischbestand erhalten blieb. Es galt daher, fischfreie Flachwasserzonen, bzw. Kleingewässer zu schaffen, die für Amphibien ideale Laichmöglichkeiten bieten. Besonderes Augenmerk legte ich hier auf die bei uns eher selten vorkommenden Arten. Molche und Laubfrösche benötigen seichte, gut besonnte und vor allem fischfreie Gewässer. Ich setzte mich daher mit dem Förster bzw. dem Baggerfahrer in Verbindung und gab dem Baggerfahrer Tipps zur Ausgestaltung der Uferbereiche. An mehreren Gewässern konnten somit seichte Flachwasserzonen geschaffen werden, die ideale Laichplätze darstellen. Zudem wurde an einigen Gewässern der Ufergehölzbestand entfernt bzw. aufgelichtet. Daneben entstanden auch noch zwei neue Kleingewässer.

Ich dokumentiere ab jetzt regelmässig die Entwicklung an diesen Gewässern und werde Euch meine Beobachtungen mitteilen.

_DSF7283.jpg
Baggerung an der Weiten Lacke im Dezember 2013


_DSF7284.jpg
Hier sieht es noch nach wilder Erdbewegung aus, aber es wird schon....


_C160034.jpg
Flachwasserzone nach Beendigung der baggerarbeiten im Jänner 2014


au_280314_09.jpg
Das ganze zwei Monate später...


au_280314_11.jpg
...eine weitere Flachwasserzone...


au_280314_12.jpg
Flachwasserzone an einem Seitenarm der Bockslacke


au_280314_14.jpg
Flachwasserzone...


au_280314_15.jpg
zwei neu entstandene Gewässer

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Re: Flachwasserzonen an Augewässern

Beitragvon 7088maxi » Mo Mär 31, 2014 15:12

Hallo,
ist super wenn man so schweres Arbeitsgerät zur Verfügung hat! Außerdem habts ihr Wasser, wünsch dir Glück, obwohl ich glaube das dus bei diesen Gewässern nicht brauchen wirst :wink:
Gut gelungen, sind schon Gelbbauchunken aktiv?
MfG
PS: Pass bloß auf das dir das nicht alles in 2 Jahren wieder zugewuchert ist...

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Re: Flachwasserzonen an Augewässern

Beitragvon rennfahrersepp » Mo Mär 31, 2014 20:08

7088maxi hat geschrieben:Hallo,
ist super wenn man so schweres Arbeitsgerät zur Verfügung hat! Außerdem habts ihr Wasser, wünsch dir Glück, obwohl ich glaube das dus bei diesen Gewässern nicht brauchen wirst :wink:
Gut gelungen, sind schon Gelbbauchunken aktiv?
MfG
PS: Pass bloß auf das dir das nicht alles in 2 Jahren wieder zugewuchert ist...



Bagger ist nicht alles, es gehört auch ein geschickter Baggerfahrer dazu. Ich hatte da Glück: hab dem Fahrer das einmal kurz erklärt und er hat die Uferbereiche schön ausgeformt.
Interessant ist, dass in St.Pantaleon heuer noch relativ viel Wasser ist. Die Schwankungen sind dort nicht sehr hoch, trotzdem sind wir ca. 20cm unterm Vorjahr.
In den Donauauen unterhalb der Traunmündung schaut's eher traurig aus: da fehlen teilweise bis zu 80cm. Einige Tümpel sind komplett ausgetrocknet, andere gerade mal halb so gross. Ich war am Samstag mit ein paar Leuten dort: Springfrosch und Erdkröte haben schon abgelaicht, Kammmolche sind schon aktiv, Grünfrösche und Ringelnattern ebenfalls, Unke und Hyla wird wahrscheinlich erst um Ostern auftauchen...
Ich werd die Gewässer ohnehin im Auge behalten. Das Springkraut wird sicher heuer schon kommen, Schilf ebenfalls. Dann mal schauen und vielleicht in zwei oder drei Jahren mal mit der Motorsense rein....

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Re: Flachwasserzonen an Augewässern

Beitragvon 7088maxi » Mo Mär 31, 2014 22:44

Hallo,
jo wenn nicht Springkraut dann Schilf und wenn nicht Schilf dann Springkraut... Ich weiß ja nicht wann ihr da was schneidets wenn du Hilfe brauchst sag mir aber auf jeden Fall Bescheid, würde echt soferns mir die Zeit erlaubt gerne helfen.
MfG

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Re: Flachwasserzonen an Augewässern

Beitragvon rennfahrersepp » Fr Mai 15, 2015 17:48

Ich war heute wieder mal im Gelände und habe mir die Sachen angesehen. Es hat sich soweit ganz gut entwickelt, in allen Gewässern sind Seefrösche, allerdings nur Jungtiere. Daneben sind Kaulquappen vom Springfrosch, sowie Gelbbauchunken. Molche und Laubfrösche haben sich bisher noch nicht eingefunden und auch der Bewuchs hält sich noch einigermaßen in Grenzen. Im heurigen Winter sind noch einige Kleingewässer dazugekommen, bin gespannt, wie sich die Sache entwickelt.

mai_2015.jpg
Zustand am 15.Mai 2015
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Zustand am 15.Mai 2015

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Re: Flachwasserzonen an Augewässern

Beitragvon 7088maxi » So Mai 17, 2015 16:23

Hallo,
schaut gut aus!
MfG

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