Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

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Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Habichtskauz » Di Mai 17, 2005 19:53

Anschließend an den Beitrag
Kreuzottern in OÖ
möchte ich etwas zu Funden/Vorkommen im Böhmerwald berichten.
Zwei Funde habe ich dieses Wochenende gemacht:

1. Fund in einem eher kleinen Moor/Feuchtgebiet auf etwa 600m im Böhmerwaldgebiet:
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Eine "Höllenotter" sonnte sich in der Morgensonne unter einem Strauch:

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Gerade die vergleichsweise dichte Vegetation macht es hier oft schwierig die Tiere zu entdecken:

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Das ist zugleich ein Suchbild - wer findet noch eine "versteckte" Kreuzotter? ;-)

Wieder einmal auffällig war, dass die Tiere (im Vergleich zur Ringelnatter z.B.) spät bis gar nicht flüchten - eine Beobachtung die ich schon mehrfach gemacht habe - obwohl man in der Literatur oft anderslautendes findet...

Aber auch andere Schönheiten dürfen im "idealen" Kreuzotternhabitat nicht fehlen: ;-)
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Außerdem habe ich auf einem etwa 750m hochgelegenen Moor in Tschechien (das allerdings direkt an der Grenze zu Österreich liegt) noch eine (leider) tote "Höllenotter" gefunden.
Habitat:
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Die Höllenotter war grauslig zugerichtet - der Schwanz abgerissen/-bissen (Marder, Wildschwein...???):

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Der Kopf bestand fast nur noch aus Käfern:

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bleibt nur noch "Guten Appetit" zu wünschen:
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...kein schöner Anblick! (Aber den wollte ich Euch jetzt auch nicht ersparen ;-))

Auffällig ist bei meinen bisherigen Beobachtungen, dass Höllenottern vor allem in moorigen Bereichen vorkamen, die sogar oft eher tief lagen (meist Talsenken), während in den Hochlagen tendentiell sogar eher normalgefärbte Tiere zu beobachten waren.

Eine Sache, die mich außerdem interessiert, ist der Zusammenhang/Unterschied in Vorkommen der Kreuzotter und der Bergeidechse.

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Muralis » Di Mai 17, 2005 20:55

Hallo Habichtskauz!

Ein Thema, das mich auch interessiert. Die einzige Kreuzotter im Bezirk Melk entdeckte Werner Gamerith ganz im Nordwesten an der Grenze zu OÖ als Verkehrsopfer, leider nicht ich. Meine einzige Kreuzotter im Waldviertel, in der Verlandungszone des Bruneiteichs bei Heidenreichstein, war schon vor etlichen Jahren; und die konnte ich sogar kurzfristig in der Hand halten.

Leider scheint es im Waldviertel mit der Art schleunig bergab zu gehen, hingegen gibt´s die Bergeidechse auch im südlichen WV noch an einigen Stellen.
Herzliche Grüße aus Niederösterreich!
Wolfgang

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Habichtskauz » Di Mai 17, 2005 21:02

Hallo Muralis,

ich denke, dass du weiter nördlich in den Bezirken Zwettel und Gmünd bessere Aussichten auf Erfolg hättest.
Dort gibt es glaub ich noch mehr geeignete Flächen (z.b. Moore) - vor allem im Bereich Freiwald/Gratzender Bergland ("Dreiländereck OÖ-NÖ-Tschechien). Aber allzu gut kenn ich mich dort diesbezüglich auch nicht aus. Sicher gibts jedenfalls die Kreuzotter im "Tannermoor" bei Liebenau (an der Grenze zu NÖ).

Die Situation im Waldviertel und Mühlviertel ist sicher sehr gut vergleichbar (vor allem im Abgrenzung zu den Vorkommen in den Alpen) und leider in beiden nicht sehr gut.
Intensivierung der Landwirtschaft und (leider noch immer) Fichtenaufforstungen führen zu immer mehr isolierten Vorkommen.
Die besten Chancen bestehen wohl noch direkt an der Grenze zu Tschechien, da es dort noch vitale Populationen gibt mit einer besseren Vernetzung.
Wir im nordwestlichen Mühlviertel haben außerdem das Glück, auf tschechischer Seite einen Nationalpark und ein Landschaftsschutzgebiet zu haben, sodass viele Biotope (Moore, Brachflächen, extensiv genutzte Wiesen) erhalten bleiben.
Im Osten gibts dann glaub ich auch ein Landschaftsschutzgebiet (Nove Hradzky Hory) (Schreibweise vielleicht nicht korrekt...). Wie's noch weiter östlich ausschaut weiß ich nicht, was sich da auf der tschechischen Seite tut??

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon JürgenT. » Di Mai 17, 2005 22:12

Hallo Habichtskauz
Auch wir waren letzte Woche (Freitag auf Reptilienexcursion)haben zwei Höllenotter und eine normalgefärbte gesehen.(Schwarzwald)
Als Habitatbeschreibung war unseres vorkommen ähnlich wie Deines.Es war ein Hochmoor mit Zwergkiefernbewuchs und Heidelbeeren dazwischen.
Sie sonnten sich auf den Heidelbeersträuchern.(8.30 Uhr)
Als wir näher traten kam keine Fluchtreaktion.
Was auch bei uns auffällig war, daß immer Bergeidechsen vorkamen wo die Kreuzottern lebten.
Ich hätte da auch noch eine Frage wie kann man Männchen und Weibchen bei der Höllenotter unterscheiden?
Gruß Jürgen

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Habichtskauz » Di Mai 17, 2005 23:44

Also ich kann bei Höllenottern jedenfalls die Geschlechter nicht unterscheiden (ein sehr großes Exemplar wird wohl eher ein Weibchen sein...)
Die Antwort hat aber sonst Hannes im Beitrag
Höllenotter
mit Abzählen der Subcaudalia oder so gegeben.
Also nur vom Hinschauen alleine wirds schwierig sein.

Das in Kreuzotterhabitaten auch die Bergeidechse vorkommt ist zu vermuten (nicht unbedingt umgekehrt) - auch wenn ich noch nicht immer dann auch die (ansonsten viel leichter zu beobachtende) Bergeidechse entdeckt habe.

Ich war zwar noch nie im Schwarzwald, aber der ist von der Mittelgebirgslandschaft wohl ganz gut mit dem Böhmerwald vergleichbar. Dort solls ja sogar noch die Aspisviper geben, oder?

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Vipersgarden » Mi Mai 18, 2005 9:11

Bezüglich der Geschlechtsunterschiede bei Vipera berus:
Meistens gehts bei farbigen Kreuzottern einfacher, aber es gibt auch braune Männchen und graue Weibchen!
Ein sicheres Merkmal sind die Schwanzlänge und -form.
Bei Männchen liegen im Schwanz die beiden Hemipenes, so wie die Musculi rectracti, die zum Einziehen der Penes dienen. Dadurch ist der Schwanz bei ihnen von der Kloake weg eher verdickt oder geht ohne deutlich sichtbare Dickenänderung über. Auch ist er länger als bei den Weibchen, da er ja die Penes und Muskeln aufnehmen muss.
Bei den Weibchen (zumindest bei allen Viperiden) ist er deutlich vom Körper abgesetzt und auch viel kürzer.
Abschließend zwei Höllenottern zum Vergleich.
Die Bilder stammen aus: Brodmann: Die Giftschlangen Europas und die Gattung Vipera in Afrika und Asien.
Beim Weibchen (oben) ist der Schwanzansatz deutlich zu erkennen. Beim Männchen (unten) geht er gleichmäßig vom Körper aus über. Die Kloake ist auf dem Bild genau beim letzten Linksbogen der Viper.

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Muralis » Mi Mai 18, 2005 18:28

Gute Bilder zur Geschlechtsunterscheidung!

Also im Schwarzwald war ich schon mal (Donauursprung besichtigt) - schaut so ähnlich aus wie im Wald-/Mühlviertel! Es gibt dort ja übrigens auch ein Vorkommen der Alpen-Mosaikjungfer, das sagt wohl alles über die Verhältnisse dort.

Der Bruneiteich liegt übrigens im hohen Norden des Waldviertels, ist aber nicht mehr mein Revier. Ich bin u.a. im südwestlichen Eck des Waldviertels unterwegs (Gebiet der Yspertäler), wo es noch einzelne kleine Moore und damit auch verteilte Vorkommen der Bergeidechse gibt, aber anscheinend nicht (mehr?) der Kreuzotter.

Meine Faustregel: Überall, wo es Kreuzottern gibt, kommt auch großräumig die Bergeidechse vor; umgekehrt gilt das aber nicht, vor allem nicht im Waldviertel.
Herzliche Grüße aus Niederösterreich!
Wolfgang

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Vipersgarden » Mi Mai 18, 2005 19:14

Ich habe jetzt auf herpetofauna.at noch zwei Bilder von berus - Männchen gefunden. Bei beiden Bildern sieht man deutlich, dass der Schwanz im Gegensatz zum hintersten Körperabschnitt sogar verdickt ist. In diesen Verdickungen liegen die zwei Hemipenes.

Bild
Copyright: Norbert Steinwender

Und das ist ein rotbraunes Männchen, kein Weibchen

Bild
Copyright: Johannes Hill

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Habichtskauz » Mi Mai 18, 2005 21:01

@Mario: Ebenfalls Danke für die super Erklärungen!

Es ist nur leider oft schwierig (wenn ich an meine Kreuzotternbeobachtungen denke) einen so genauen Blick auf den Schwanz werfen zu können...

@Muralis: Trotzdem die Hoffnung fürs südwestliche Waldviertel nicht aufgeben ;)
Aber ich glaub man muss schon froh sein, wenn sich die Kreuzotter langfristig in der Böhmischen Masse (auf österreichischer Seite zumindestens) überhaupt halten kann.

Weniger als 1km von dem von mir zuerst beschriebenen Habitat gibt es ein noch viel größeres (aber sehr ähnlich strukturiertes, etwa gleich hoch liegendes) Moor/Feuchtgebiet, wo ich allerdings (bislang) noch nie die Kreuzotter beobachten konnte - dafür häufiger die Ringelnatter (selbige in ersterem Feuchtgebiet nicht).

Sollte die Kreuzotter in diesem (ja viel größeren) Feuchtgebiet nicht vorkommen, stellt sich für mich die Frage - Wieso?
Mir ist auch aufgefallen, dass bei den Mühlviertler Funden sich bis jetzt (mit Ausnahme eines Falles) Kreuzotternfundstellen nicht mit Ringelnatternfundstellen überschnitten haben.
Meiden sich die beiden Arten eventuell - bzw. sind die Ansprüche doch recht unterschiedlich?
Weiß da jemand eventuell etwas? Ist aber nur eine wahrscheinlich unsinnige Vermutung aufgrund doch recht begrenzter Beobachtungen.

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon JürgenT. » Mi Mai 18, 2005 21:22

Hallo
Ich stelle doch immer wieder fest,daß das Forum einfach geil ist.
@ Vipersgarden Deine Bilder sind klasse. Das mit dem Schwanzende habe ich schon gehört,konnte aber nie so richtig damit was anfangen weil der vergleich gefehlt hat.
@ Habichtskauz: Bei unser Reptilienexcursion waren wir im Nordschwarzwald (hinter Freudenstadt).
Aspisvipern gibt es nur im südlichsten Zipfel des Südschwarzwaldes (Richtung Waldshut / Tingen).
Wäre auch einmal ein Besuch wert.
Noch eine Frage:Adulte Tiere der Kreuzotter sieht man häufig, jedoch habe ich noch nie ein Jungtier gesehen!?
Haben Jungkreuzottern andere Aufenthaltsorte?
Gruss Jürgen

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Muralis » Mi Mai 18, 2005 21:27

Noch eine Frage:Adulte Tiere der Kreuzotter sieht man häufig, jedoch habe ich noch nie ein Jungtier gesehen!?
Haben Jungkreuzottern andere Aufenthaltsorte?
Gruss Jürgen


Stimmt eigentlich ;) . Wahrscheinlich sind kleine Kreuzottern weit schwieriger zu entdecken und werden übersehen. Daher beschränken sich meine Funde von jungen Kreuzottern auf plattgedrückte Exemplare auf Forststraßen :(
Herzliche Grüße aus Niederösterreich!
Wolfgang

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Habichtskauz » Mi Mai 18, 2005 21:33

Reptilienschutz im Wald
hier finden sich vielleicht ansatzweise Antworten.

1. Bergeidechse versus Kreuzotter:
Bergeidechsen können scheinbar wesentlich größere "Waldgebiete" durchqueren, kleinere Flächen nutzen und neue "Waldlichtungen" daher auch schneller besiedeln.
Juvenile Kreuzottern ernähren sich fast ausschließlich von Bergeidechsen und jungen Fröschen, d.h. das Vorkommen der Kreuzotter würde dasjenige der Bergeidechse mehr oder weniger bedingen?

2. juvenile Kreuzottern: aufgrund der speziellen Ernährung sind sie noch viel stärker an Feuchtgebiete gebunden als adulte Tiere, was auch immer man jetzt für Schlüsse draus zieht?

Interessant finde ich auch die Aussage, dass Kreuzotter und Bergeidechsen in Hochmooren eher Störzeiger (für das Moor) sind...

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Re: Kreuzottern im Mühlviertel/Böhmerwald

Beitragvon Habichtskauz » Mi Jul 06, 2005 18:57

Interessantes zu Schutzprojekt am Niederreihn, Habitatstruktur & Leben der Kreuzotter unter:
http://www.terrazoo.de/doku.htm

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Beitragvon Habichtskauz » Di Mai 09, 2006 16:12

Auch heuer konnte ich wieder im beschriebenen Gebiet eine sich in der Morgensonne wärmende (schwarze) Kreuzotter beobachten:

Bild

Und wie siehts im Waldviertel bzw. Mostviertel aus? :wink:

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Beitragvon Muralis » Di Mai 09, 2006 22:41

Schlecht!
Im kreuzotternverdächtigen nordwestlichen Teil vom Bez. Melk war ich vor ein paar Tagen unterwegs, entdeckte aber nur 2 flüchtige Jungechsen und keine Ottern und im Mostviertel - naja, noch jede Menge Schnee in höheren Lagen...

Aber dort sind sicher schon etliche Vipern unterwegs.

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