Schlangenbiss

Kreuzotter, Sandotter, Wiesenotter

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Schlangenbiss

Beitragvon Gast » Do Okt 17, 2002 14:00

Bin oft im Gebirge unterwegs, und ab und zu kreuzt die Kreuzotter meinen Weg. Da die Schlange sehr spät flüchtet wäre es schon einige male vorgekommen, dass ich auf ein Tier steige.
Immer wieder hört man, die Kreuzotter sei giftig. Was kann eigentlich bei einem Biss passieren, und was ist zu tun?

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Beitragvon Gast » Do Okt 17, 2002 15:00

Das die Kreuzotter zu einer der beiden österreichischen Giftschlangen zählt (neben der Sandviper), ist richtig, es ist aber anzumerken, daß die stärke ihres Giftes relativ schwach ist. Der Giftapparat der Schlange enthält gefüllt ca. 10 mg. Gift, die letale, sprich tödliche Dosis dieses Giftes beträgt jedoch bei einem Erwachsenen mit ca. 75 Kilo etwa 120 mg., also das zwölffache (!). Der Biß und die giftwirkung ist zwar relativ schmerzhaft, doch gefährlich werden kann er nur Säuglingen, Kleinkindern und altersschwachen Menschen. Deshalb wird in Krankenhäusern auch nur die Symptomatik behandelt, ein wirkliches Antiserum (weiß nicht mal, ob es das für die Kreuzotter überhaupt gibt), ist bei einem Biß aber wahrscheinlich nicht notwendig. Ich hoffe, daß ich Dir damit weiterhelfen konnte.
Schöne Grüße
Philipp, Medizinstudent aus Wien

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Beitragvon Hannes » Do Okt 17, 2002 16:00

Danke für die ausführliche Antwort!
Zu diesem Thema fällt mir noch Folgendes ein:
Die 3. Giftschlange Österreichs, die Wiesenotter, ist leider bereits ausgestorben.
Ihr Gift war noch weniger wirksam als das der Kreuzotter. Berichten zufolge spielten sich Kinder im Seewinkel oft mit gefangen Exemplaren.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass etwaige Wiederansiedlungsversuche, wie sie in diversen "bunten Wochenblättern" (N...) kursierten, gegenwärtig nicht geplant sind.
Weder das Beschaffen geeigneter Nachzuchttiere der Rakos- oder Spitzkopf-Wiesenotter (Viper ursinii rakosiensis), noch das Wiederherstellen der ehemaligen Lebensräume ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt möglich.
Hannes

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Beitragvon MD » Fr Okt 18, 2002 10:15

Hannes, ich denke das mit der Giftwirkung solltest du unbedingt in die Artbeschreibung dazuschreiben.
Zur Wiesenotter: offenbar habts ihr diesen "lustigen" Artikel wirklich nachverfolgt. I hab mir damals schon denkt, das des ein Blödsinn is. Gibts mitlerweile weitere solche Lustigkeiten oder schweiget der dümmliche Boulervard-Blätterwald endlich? :mrgreen:
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Beitragvon Christoph » Fr Okt 18, 2002 12:15

Hallo Philip,

Danke für die interessanten Ausführungen. Hast du noch Info über das Gift selber, welche Art, Wirkung?

@MD
Das mit dem "update" kommt noch. :wink:

lg
Christoph
Beste Grüße

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Beitragvon Habichtskauz » Mo Nov 11, 2002 20:22

Also einerseits wird eine "Serumbehandlung" (z.B. Infos zur Kreuzotter) angeraten, andererseits scheints kein Antiserum zu geben...

Ist zwar vielleicht nicht das wichtigste Thema, aber sollte da mal jemand über diese Seiten hinweglesen, der sich dazu besser auskennt, würd das wahrscheinlich mehrere Leute interessieren...

Vor allem welche Stellen hätten überhaupt gegebenfalls ein Serum? (eventuell auch wegen Sandviper, oder gab es auch jemals ein Wiesenotterserum? - wohl kaum)

Im Wunsche, dass alle nur visuellen Kontakt zu Giftschlangen haben mögen - im Interesse beider!

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Beitragvon Gast » Mo Nov 11, 2002 21:38

Laut Schiemenz(1987) wird seit 1930 im Falle des Falles
polyvalentes [Europa(copyright) Serum] verwendet, welches aus dem dem Gift von Vipera aspis,Vipera berus und
Vipera ammodytes gewonnen wird. Es soll aber gegen das vorwiegend neurotoxische Bestandteile enthaltende Gift von V.berus bosniensis ziemlich ineffektiv sein.
Ein monovalentes V.berus Serum ist mir nicht bekannt.

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Beitragvon Gast » Mo Nov 11, 2002 21:46

Noch ein Zitat zum Bestandteil des Gifts:
V.berus Gift enthält:
1) Neurotoxine(wirken auf Gehirn u. Rückenmarksganglien,rufen Atemlähmungen und andere zentrale Störung hervor
2)Hämorrhagine:zerstören Blutgefäßwandungen und verursachen Schwellungen
3)Hämölysine:lösen Blutkörperchen auf
4)Thrombine:bewirken Blutgerinnung in den Gefäßen
5)Zytolysine:greifen weiße Blutkörperchen u. Körpergewebe an
(Schiemenz,1987)
Für alle die das gute Buch"die Kreuzotter,Vipera berus" von Hans Schiemenz nicht haben.
MfG

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Beitragvon Habichtskauz » Mo Nov 11, 2002 21:49

Danke für die prompte Antwort!

Heißt das, dass das Kreuzotterngift stark mit der Unterart variiert? war mir nicht bekannt, jedenfalls sehr interessant.

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Beitragvon Habichtskauz » Di Nov 12, 2002 13:58

Unter "http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/k-otter.html"
findet sich zu diesem Thema folgendes:


Erste Hilfe:
Therapie: absolute Ruhigstellung der betroffenen Extremität (Schiene) und flache Lagerung. Kaffee oder Tee als Kreislaufstütze können nützlich sein. Sorgfältiger Transport zum Arzt oder in die nächste Klinik. Ruhe bewahren! Wunde nicht aussaugen oder ausschneiden, keine Stauungs- oder Kompressionsverbände!
Die generelle Gabe eines Schlangengift-Antiserums wird nicht mehr empfohlen, da die Gefahr eines Serumschocks größer sein kann als die Giftwirkung. Die Serumgabe wird von der Schwere der Vergiftung abhängig gemacht. Tetanus-Prophylaxe wenn erforderlich. Eine vollständige Wiederherstellung kann vor allem bei Erwachsenen Wochen bis Monate dauern, wobei die Schwellung der betroffenen Extremität wiederkehrt und Schmerzen über lange Zeit sehr beeinträchtigend sein können.

Weiter Links zum Thema:

Uni Bonn: Giftzentrale

Weitere Links zu dem Thema:

Giftschlangenhaltung mit Giftwirkungsbeschreibung

Giftschlangen mit Symptombeschreibung und Statistiken
Zuletzt geändert von Habichtskauz am Mi Nov 16, 2005 20:44, insgesamt 2-mal geändert.

Ist neu hier
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Beitragvon Karl » Mi Apr 30, 2003 20:09

Ich habe bei obigen Beiträgen über die Giftigkeit der Kreuzotter gelesen. Es steht also außer Zweifel, dass das Gift einen (gesunden) Menschen nicht töten könnte. Aber auch bei Tieren, im speziellen Hunden, ist mir persönlich kein Todesfall bekannt. Früher (vor 10 J?) habe ich auch das Serum verwendet, dann borgte ich mir mal das Serum vom Spital aus, hat relativ gut funktioniert. War nur "teuer" :-)
Heute ist das europ. Serum nicht mehr erhältlich. Die Behandlung von Hunden ist auch hier nur symptomatisch. Die Schwellungen dauern zwar einige Tage an, sind auch schmerzhaft, aber selbst bei lange unbehandeltem Biß nie tödlich.
Günstig wäre ev. der Transport des Hundes (im Gebirge tragen!) und nicht mehr viel gehen lassen.
Ich habe aber auch schon Kreuzotternbiße gesehen, die unbehandelt auch wurden (Otter zuvor Beute geschlagen ? oder Fell des Tieres zu dicht ? )
Also keine Panik, aber doch zügig Therapie einleiten !

Karl

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Beitragvon Gast » Do Jun 12, 2003 16:25

Zur giftigkeit von Kreuzottern kann ich nur sagen: Unser Kater ist einmal von einer Kreuzotter am Kopf gebissen worden. Die beiden Bisstellen der Giftzähne waren deutlich auf den Stirn zu sehen. Aber ausser das ein paar Stunden etwas benommen war und einen doppelt so grossen Kopf bekommen hat ist nicht viel passiert. Die Schwellung ist innerhalb von ein paar Tagen wieder abgeklungen. Also wenns einer Katze mit ca. 3 kg nix tut, dann kanns in der Regel auch keinen Menschen umbringen.

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Beitragvon Hannes » Do Jun 12, 2003 17:14

Das kann man so nicht sagen, die Wirkung hängt vom Gesundheitszustand des Menschen ab und von der Giftmenge. Vipern, die vorher gefressen haben, besitzen weniger Gift als solche, die z. B. aus der Winterruhe erwacht sind. In Ungarn ist übrigens vor einigen Jahren ein Zoologe nach einem Kreuzotternbiss (Vipera berus berus) verstorben.
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Beitragvon Srutl » Do Jun 12, 2003 18:42

Ich kann Hannes nur zustimmen - der Biss einer Kreuzotter tötete den Jagdhund eines Jägers am Vilsalpsee in kurzer Zeit...
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Beitragvon Hannes » Di Jul 22, 2003 17:12

Zum Thema Bissunfälle habe ich folgende Seite mit "eindrucksvollen" Fotos gefunden:
http://www.reptiles.de/Bissunfälle.htm
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