Strumpfbandnattern im Weinviertel?

Ausgesetzte Arten

Moderator: Herpetofauna.at-Team

Ist öfters hier
Benutzeravatar
Beiträge: 20
Registriert: Mo Jun 30, 2008 17:29

Strumpfbandnattern im Weinviertel?

Beitragvon sand » Fr Feb 25, 2011 20:47

Habe gerade in einem älteren Naturführer (Höpflinger/Schliefsteiner: Naturführer Österreich; 1981/1995) von einer kleinen Population von ausgesetzten und sich vermehrenden Strumpfbandnattern (Thamnophis sirtalis) im östlichen Weinviertel gelesen.

Kann jemand etwas dazu sagen? Hat sich dort tatsächlich eine Zeit lang eine kleine Population gehalten? Gibt es aktuellere Sichtungen als jene die ich hier aus dem Jahr 1978 gefunden habe?

http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/Braunau_3_0131-0139.pdf

Fühlt sich wie zu Hause
Benutzeravatar
Beiträge: 279
Registriert: Di Jun 02, 2009 19:52
Wohnort: Lessach

Beitragvon reseptor » Fr Feb 25, 2011 23:03

Interessantes Dokument was du da gefunden hast, hab mir das mal durchgelesen und zumindest für Osttirol kann ich den Kammolch zumindest nach über 30 Jahren zurückmelden!!!! :D :D (Thema Molche in Osttirol)

Wenn keiner danach sucht - kann auch keiner was finden!!!!

Die Smaragdeidechse und die Äskulapnatter (und auch die Hornotter) sind mir in Osttirol auch noch nicht untergekommen - solche angeblichen oder auch nachgewiesenen Vorkommen, können so punktuell sein - das du den Platz allein nie finden würdest!!

Kleine Einflüsse, wie ein strenger kalter Winter, Strassenbau und und und-....können so einer kleinen Population schnell den gar ausmachen.

Meiner Meinung nach sollte eine solche Faunenverfälschung (Strumpfbandnattern, Rotwangenschildkröten usw.) streng bestraft werden, diese Tiere bedrohen stark andere Tier in Ihrem Biotop, ebenso (auch nachzulesen in solchen alten Unterlagen) wurden z.B. Äskulapnattern und Zauneidechsen in Osttirol ausgesetzt - wenn ein Tier dort normalerweise nicht vorkommt dann wird das wohl einen Grund haben!!!

Vielleicht hast du dich schon durch einige unserer Themen durchgelesen, z.B. die "Goldfischplage" ist nur eine einzige Art, aber die kann sehr großen Schaden anrichten.

Und andere Tiere könnten auch uns Menschen gefährlich werden, z.B. Kobra in Wien ausgesetzt, Levanteotter in der Schütt gefunden usw. und die nächsten Fälle kommen sobald es wieder warm wird!!!

Ich für meinen Teil hoffe das die netten kleinen Strumpfbandnatter aus Ihrem Winterschlaf nicht mehr erwachen mögen(die gehören hier einfach nicht hin)!!

lg. reseptor

Fühlt sich wie zu Hause
Benutzeravatar
Beiträge: 571
Registriert: So Sep 03, 2006 17:36
Wohnort: Wien

Beitragvon pleurodeles » Sa Feb 26, 2011 2:10

Ja, vielen Dank, das ist höchst interessant! Kannte dieses Zeitdokument noch nicht.

Per Gesetz sind auf Aussetzungen ohnehin hohe Geldstrafen angesetzt, aber in der Praxis schaut das leider ganz anders aus. Denn wann beobachtet man schon mal jemanden, der zB eine Rotwangen-Schmuckschildkröte schnell in einen Teich haut oder ein paar Zauneidechsen in Osttirol aus dem Leinensack lässt? Praktisch nie. Und wenn, dann muss das erstmal jemand zur Anzeige bringen. Mir ist nichts bekannt, dass mal jemand zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist, weil er was ausgesetzt hat. Ein Präzedenzfall muss her, dann werden die Leute von solchen Aktionen vielleicht abgeschreckt..

Eine interessante Aussage von Sochurek bzgl. der Strumpfbandnattern im Weinviertel ist der Satz "Um ein Wegfangen der Tiere zu
verhindern, verzichte ich vorläufig auf eine genaue Fundortsangabe" - aus heutiger Sicht ganz besonders merkwürdig;)
@ Ralph: Die Aussage, dass sie nicht mehr aus dem Winterschlaf aufwachen sollen, find ich allerdings recht gewagt. Die Viecher können nix dafür, dass sie jemand ausgelassen hat, viel mehr sollte man die menschlichen Übeltäter zur Verantwortung ziehen, das hast Du eh auch geschrieben. Wie gesagt, in der Praxis ist das halt schwer möglich (leider). Aber Du hast natürlich definitiv recht, die Tiere (welche ausgesetzten auch immer) gehören einfach nicht hierher. Bzw. gibt´s sicher rezent keine Strumpfis mehr im Weinviertel..

Viele Grüße,
Günther

Fühlt sich wie zu Hause
Benutzeravatar
Beiträge: 279
Registriert: Di Jun 02, 2009 19:52
Wohnort: Lessach

Beitragvon reseptor » Sa Feb 26, 2011 11:24

Servus Pleurodeles

Hier der link über die Reptilien Osttirols http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_rem ... 3-0423.pdf

Hier wird sogar der Name des Übeltäters erwähnt (S.406 erster Absatz und S.411 wieder erster Absatz), Er ist in Lienz sowieso als Reptiliennarr bekannt, jetzt hat er sich auf die Falknerei spezialisiert, wie viele Terrarien er jetzt noch hat weiß ich nicht!!
Wird in dem Artikel eh verurteilt, und ist sowieso schon verjährt!!!

Nehme meine Aussage natürlich zurück (will auch nicht den Tot der Tiere) aber du weist wie es gemeint war, die Tierchen versuchen in Ihrer fremden Heimat auch nur zu überleben und wenn möglich sich zu vermehren -- sonst bin ich voll deiner Meinung!!

lg. reseptor

Ist öfters hier
Benutzeravatar
Beiträge: 20
Registriert: Mo Jun 30, 2008 17:29

Beitragvon sand » So Feb 27, 2011 8:38

Danke für Euere vielen Antworten!
Ich bin kein Freund solcher Einbringungen - finde es aber immer wieder faszinierend, wenn sich faunenfremde Arten zumindest temporär halten oder sogar (wie im Fall der Strumpfbandnattern) reproduzieren können.
Etabliert dürften Sie sich ja scheinbar nicht haben - sonst hätte man vmtl. schon etwas darüber gehört... na vielleicht kann ja noch jemand etwas dazu sagen... würde gerne nachsuchen, aber mit den spärlichen Angaben scheint mir das unmöglich

Fühlt sich wie zu Hause
Beiträge: 538
Registriert: Mo Jul 28, 2008 13:24
Wohnort: Kärnten - Arnoldstein

Beitragvon Snake23 » Di Mär 08, 2011 15:12

Schade aber, daß man nicht mehr darüber erfährt, was da damals wirklich abgelaufen ist, bzw. beobachtet wurde. Vor allem weil auch in dem nächsten Bericht vermerkt ist "Strumpfbandnattern......... ein mißglückter Versuch?".
Das ganze findet man ganz am Ende, unter "Manuskripte aus dem Nachlaß". Also gibt es schon etwas, aber anscheinend (noch) nicht im Netz.
Grüße
Snake23
http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_rem ... 5-0064.pdf

Ist öfters hier
Benutzeravatar
Beiträge: 20
Registriert: Mo Jun 30, 2008 17:29

Beitragvon sand » Mi Mär 09, 2011 21:35

Die Quelle mit "Kanadische Strumpfbandnattern im nordöstlichen Weinviertel" habe ich auch schon verzweifelt gesucht - das Internet spuckt dazu leider nichts aus... Vielleicht hat ja Jemand hier Zugang zu:

Kanadische Strumpfbandnattern im nordöstlichen Weinviertel - ein mißglückter Versuch? (1985) von FRANZ TEEDEMANN & HEINZ GRILLITSCH

wäre wirklich spannend...

Fühlt sich wie zu Hause
Benutzeravatar
Beiträge: 571
Registriert: So Sep 03, 2006 17:36
Wohnort: Wien

Beitragvon pleurodeles » Mi Mär 09, 2011 23:33

Ja, mich würde das auch sehr interessieren!
Unauffällig schiele ich da in Richtung Mario, der hat das doch sicher daheim irgendwo rumkugeln :wink:. In seiner Literatur-Datenbank (http://www.vipersgarden.at/lit_db.php) ist es jedenfalls nicht.
Kann übernächste Woche mal im Naturhistorischen Museum nachfragen, dort haben sie´s definitiv.

edit: Der Vollständigkeit halber: Tiedemann & Grillitsch sind die Autoren des Nachrufs über Sochurek, nicht des betreffenden Schriftstückes.
Hab vorhin zu ungenau hingeschaut: Die Arbeit über die Weinviertler Strumpfis ist ein unveröffentlichtes Manuskript bzw. ein Nachlass von Sochurek. Da wird´s dann schwierig...

LG,
Günther

Ist öfters hier
Benutzeravatar
Beiträge: 20
Registriert: Mo Jun 30, 2008 17:29

Beitragvon sand » Do Mär 10, 2011 8:00

pleurodeles hat geschrieben:Hab vorhin zu ungenau hingeschaut: Die Arbeit über die Weinviertler Strumpfis ist ein unveröffentlichtes Manuskript bzw. ein Nachlass von Sochurek. Da wird´s dann schwierig...
LG,
Günther


War mir nicht sicher wie der Anhang zu interpretieren ist - "unveröffentlichter Nachlass" machts allerdings in der Tat verdammt schwierig... Schade, dass es keine genauer Angaben außer "nordöstliches Weinviertel" gibt... In dem Naturführer über den ich ursprünglich auf das Thema gekommen bin (siehe oben) steht leider auch nicht mehr...

Moderator
Benutzeravatar
Beiträge: 530
Registriert: Mi Mär 20, 2002 2:00
Wohnort: Wolkersdorf im Weinviertel

Beitragvon Hannes » Do Mär 10, 2011 12:50

Habe mir vorhin das Manuskript aus Sochureks Nachlaß durchgelesen. Als Aussetzungsgewässer wird die Zaya genannt. Laut Sochureck könnten sich die Tiere bachabwärts bis zur March ausgebreitet haben. Er selbst bezweifelt, ob sich der Bestand halten konnte.
Hannes

Ist öfters hier
Benutzeravatar
Beiträge: 20
Registriert: Mo Jun 30, 2008 17:29

Beitragvon sand » Do Mär 10, 2011 14:25

Danke fürs Nachlesen und die Infos! Wäre es möglich eine Kopie des Artikels zu erhalten?

Irgendwie schwebt mir noch der Satz "wenn man nicht sucht, wird man nichts finden" im Kopf herum... :wink:

Moderator
Benutzeravatar
Beiträge: 530
Registriert: Mi Mär 20, 2002 2:00
Wohnort: Wolkersdorf im Weinviertel

Beitragvon Hannes » Do Mär 10, 2011 19:55

Ja, kannst du haben. Schreib mir eine Pm mit deiner email-Adresse, dann scann ich die Seite nächste Woche ein.
Hannes

Zurück zu Faunenfremde Reptilien in Österreich

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast