Ulrich Gruber: Die Schlangen Europas ......

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Ulrich Gruber: Die Schlangen Europas ......

Beitragvon Vipersgarden » Do Apr 23, 2009 8:55

Beim ersten Durchblättern bin ich leider sofort mal auf ein paar gravierende Fehler gestoßen!

Laut Text auf der Rückseite des Buches werden 111, und nicht wie in den Anzeigen 95 Arten vorgestellt.

Ich habe mich bis jetzt mal mit den Vipern beschäftigt.
.... und das habe ich gefunden:

Sahara-Hornviper (Cerastes cerastes) : Es werden die beiden nicht anerkannten Unterarten C.c. mutila und C.c.karlhartli genannt. Die aber mit Sicherheit eine eigene Art darstellende Cerastes gasperetti wird aber nur kurz erwähnt und nicht als eigene Art behandelt.

Sandrasselotter (Echis arenicola): Hier wird der als Synonym geführte Artname arenicola an Stelle des gültigen Namens leucogaster angegeben. E. leucogaster wird als Unterart von E. arenicola geführt.

Levanteotter (Macrovipera lebetina). Das uralte Märchen, dass Levanteottern von der Insel Zypern lebendgebärend sind, kann scheinbar nicht ausgerottet werden.
Dabei wurde die zypriotische Levanteotter schon mehrfach in Terrarien gezüchtet und festgestellt, dass sie wie alle anderen eierlegend ist.
Gumprecht, A. & U. Lauten. 1997. Zur Fortpflanzung und Haltung der Levante-Otter Macrovipera lebetina lebetina (Linnaeus, 1758). Sauria, 19(1): 39-43. publizierten es auch.

Atlasotter (Macrovipera mauritanica). Die schon lange als selbstständige Art gefühte Macrovipera deserti wird hier lediglich als ssp. von M. mauritanica angegeben.

Europäische Hornotter (Vipera ammodytes). Die Unterart transcaucasiana ist mit Sicherheit keine eigene Art. Auch gehören ALLE in Kleinasien lebenden Hornvipern zu dieser ssp., und nicht zur Unterart meridionalis.

Aspisviper (Vipera aspis). Die Unterart atra wurde eingezogen und in die Synonymie von aspis aspis gestellt.

Bezüglich des Art- oder Unterartstatus einiger Viperiden kann auch diskutiert werden. Einige Beispiele: Vipera dinniki ist eine ssp. von kaznakovi. ebneri, eriwanensis werden als Unterarten von Vipera renardi angegeben.

Vipera ursinii rakosiensis lebt in OBERösterreich, aber hier erlöschende Population!

Bei den Länder- (oder Gebietschecklisten) wird Natrix natrix auf Korsika als eingeschleppt bezeichnet, im Artenteil aber als eigene Unterart Natrix natrix corsa bezeichnet.

Türkei. Das angebliche Vorkommen von Pseudocerastes persicus beruht auf reinen Vermutungen von "gehörnten" Schlangen in der SO-Türkei. Aber auch Montivipera raddei haben hornförmig ausgezogene Überaugenschilder.

Diese Liste läßt sich noch erheblich erweitern.


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Beitragvon Srutl » Do Apr 23, 2009 10:08

Da gebe ich Dir vollkommen Recht, Mario. Einige der Fehler (zB ursinii in Oberösterreich) waren bereits in der ersten Auflage enthalten. Eigentlich schade, dass man diese Schwachstellen nicht verbessert hat.
In den Verbreitungsliste der Länder fehlen auch einige Arten.
(zb Atractaspis in Jordanien). Mit den Verbreitungskarten bin ich auch nicht ganz einverstanden (zB jugularis in Georgien, caspius in Adscharien etc).

Trotzdem halte ich das Buch für an der paläarktischen Herpetofauna interessierte Personen für unverzichtbar.
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Beitragvon Vipersgarden » Do Apr 23, 2009 10:35

Gerade bei den Verbreitungskarten des Dolichophis-Komplex fällt auf, dass die Südwesttürkei "Pfeilnatter-frei" sein soll.
Dabei wurden ja die früher als Unterarten von jugularis geführten caspius und schmidti in den Artrang versetzt, da trotz Paralellvorkommen keine Übergangsformen gefunden werden.

Auch fehlt bei Zamenis hohenackeri die Verbreitung in der Süd(west)türkei.

Die Abb. bei Natrix megalocephala ist mit Sicherheit kein Tier dieser "Art", sondern eine teilmelanotische Natrix n. persa. Sofern es diese Art überhaupt gibt, war das Bild in der 1. Auflage eine (gefunden von uns bei Hopa, NO-Türkei).

usw.

@Srutl
Ich kann daher Deiner Empfehlung nur bedingt beipflichten.

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