Tödlicher Monat für Nattern

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Tödlicher Monat für Nattern

Beitragvon Christoph » Mo Dez 01, 2003 17:14

Die Neue Kärntner Tageszeitung schreibt in ihrer Online-Ausgabe vom 1. Dezember 2003:

"Für diese Jahreszeit ist es viel zu warm. Wetterexperte Christian Stefan kennt die Details: "Im November müssten wir tagsüber eine Temperatur von etwa drei Grad haben. Zurzeit ist es aber deutlich zu mild. Wir liegen teilweise sieben Grad über dem Durchschnitt."
Was in der Landwirtschaft zu keinen Problemen führt, macht jedoch den Tieren zu schaffen. "Schlangen beispielsweise fallen im September in die Winterstarre. Bei niedrigen Temperaturen senkt sich ihr Herzschlag. Sie leben dann von ihren Reserven. Doch bei diesem milden Wetter verbrauchen die Tiere zu viele Nährstoffe, können jedoch nichts mehr fressen", weiß Helga Happ. Die Expertin befürchtet, dass bei gleichbleibenden Temperaturen und einem darauffolgenden strengen Winter etwa 20 Prozent der Amphibien und Reptilien verenden werden.
Auch einige Pflanzen scheinen sich in der Jahreszeit geirrt zu haben. So wurden schon blühender Löwenzahn oder Palmkätzchen gesichtet. "Glücklicherweise sind viele Pflanzen nicht nur temperaturgesteuert, sondern orientieren sich an der Tageslänge", weiß Botaniker Roland Eberwein vom Landesmuseum. Die Auswirkungen des milden Wetters wird man, wie bei den Tieren, erst im Frühling und Sommer bemerken. "Geringer Austrieb und starker Pilzbefall könnten die Folgen sein", so Eberwein."
http://www.ktz.at/
Beste Grüße

Christoph

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Re: Tödlicher Monat für Nattern

Beitragvon MD » Mi Dez 03, 2003 11:07

Wenn das so ist, müßten bei uns die meisten Nattern im Winter 1999/2000 verreckt sein,weil da war es (zumindest bei mir) noch wärmer....
Das mit den Frühjahrsblühern, die im Herbst aufgehen, ist (zumindest bei mir an der Thermenlinie) auch fast schon normal; es gibt z. B. immer einige Amelanchier ovalis oder Scorzonera austriaca, die auch im Herbst aufgehen.
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Re: Tödlicher Monat für Nattern

Beitragvon Hannes » Mi Dez 03, 2003 17:32

Soweit man bei Helga Happ von "Expertin" sprechen kann, sei noch hinzugefügt, dass die Wintermortalität z.B. bei Rana dalmatina 40% beträgt - also für eine gesunde Population verkraftbar. Reine Spekulationen sind daher wissenschaftlich nicht haltbar und deshalb eher als "Wintermärchen" zu verstehen.
Dass hohe - sprich über dem Durchschnitt liegende - Temperaturen den Stoffwechsel "ankurbeln" kann als hinlänglich bekannt angenommen werden und hat noch nie für wechselwarme Tiere langfristig ein Problem dargestellt. Und genauso wird es sich in diesem "Winter" verhalten...
Hannes

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Re: Tödlicher Monat für Nattern

Beitragvon Franz » Di Dez 09, 2003 14:45

Liebe Leute!
Eine Winter-Mortalität von 20% würden sich einige Arten auch in normalen Jahren wünschen. Geht man rein von der Individuenzahl aus, ist auch bei heimischen Reptilien eine Mortalität von 20 bis 40% anzunehmen (trotz weniger Nachkommenschaft als bei den vermehrungsfreudigeren Amphibien). Gefährlich wird es erst, wenn mehr als 20% der Adulten in einem "warmen" Winter stürben. Trotzdem: für einige kurzlebige Arten mit durchschnittlicher Lebenserwartung von vier bis fünf Jahren, ist eine Mortalität von 20% bereits rechnerisch gegeben (in "optimalen" bis "guten" Habitaten stellt die Wintermortalität ungefähr dasselbe dar wie beim Menschen das Sterben an Altersschwäche...). Gibt es mehrere Temperaturschwankungen in den Wintermonaten, so verkraften die meisten Tiere dies ohne Probleme (bei Wärmeperioden zu Beginn der Überwinterunsphase wird die Aktivität weiter augedehnt: z.B. Funde von Seefrosch, Erd- und Wechselkröte, sowie Ringelnatter noch Anfang November - 2002 konnte ich im November eine Wechselkröte beobachten, die gerade einen fetten Regenwurm verspeiste...). Überwinterungsorte sind zumeist geschützt bzw. so tief im Boden liegend, dass Temperaturschwankungen dort fast nicht mehr registriert werden.
Beispiel: Trotz deprimierender rückläufiger Fundzahl der Kreuzotter kommt sie in Mittelgebirgslagen schon seit einigen tausend Jahren sehr gut mit Föhneinbrüchen im Winter zurecht.
Weiters: Während der heurige Sommer für Amphibien weitgehend zu trocken war, dürften die Reptilien (Beobachtungen an Smaragd- und Zauneidechsen) von der Trockenheit profitiert und sich einen ausreichenden Fettkörper angelegt haben (die adulten Smaragdeidechsen sind heuer bereits Ende September in die Überwinterungslöcher eingefahren; die zahlreich angetroffenen Jungtiere beider Arten erschienen im September bereits sehr wohlgenährt zu sein. :cool:
Andauernde Wärmeperioden würden wohl später zu einer Umstellung der Aktivitätszeiten der einzelnen Arten führen -also: bitte keine Panik! Nur mit Spekulationen kann man die anderen auch desinformieren und am Ende eventuell auch unglaubwürdig wirken.
Grüße aus dem Weinviertel
Franz

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