Mauereidechsen am Lido und in Miramare

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Mauereidechsen am Lido und in Miramare

Beitragvon Muralis » Fr Apr 06, 2007 13:13

Hallo, war jetzt ein paar Tage rein touristisch in Venedig unterwegs. Bei diversen Viechern habe ich dennoch nicht weggeschaut :wink:

Am Lido in Venedig hatte sich in einer kleinen Gartenanlage beim Strand etwas bewegt:

Bild

Wunderschön gezeichnete, grünliche Männchen mit blauen Seitenschildern!
Waren oft paarweise mit Weibchen zusammen:

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Ein bulliges Männchen:

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Und hier als Vergleich eine Aufnahme mit dem Makro (die anderen mit IS 70-300)

Bild

Meine Frage wäre, zu welcher Unterart die gehören, muralis sind es ja sicher nicht? Auf dieser flachen Insel, die eigentlich kein Mauereidechsen-Habitat darstellt, werden die wohl auch eingeschleppt sein?

Gestern besuchten wir abschließend noch ein anderes Mauereidechsen-Biotop:

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Wenn man senkrecht ins Meer runterschaut (von den anwesenden Touristen dürfte ich der einzige gewesen sein, der das gemacht hat), entdeckt man dieses überfußballgroße Ungetüm:

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Wohl bekomm´s:

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Bild

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Ein älteres, besser gefärbtes Männchen:

Bild

Überall trifft man sonnende Echsen im Nahbereich des Schlosses:

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Manche der flinken Kletterer sichtete ich mit dem Fernglas noch auf Mauern in über 10m Höhe!

Bild

Die scheinen unseren ähnlicher zu sein, wenn auch gelegentlich mit sehr blauen Bauchschildern und stark marmoriert; vielleicht echte muralis??
Herzliche Grüße aus Niederösterreich!
Wolfgang

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Beitragvon Cornelia » Fr Apr 06, 2007 16:52

Hallo Muralis!
Tolle Bilder!
Hast Du mit dem IS 70-300 mit Stativ fotografiert oder war einfach nur eine unverschämt kurze Belichtungszeit möglich? 8)
Die Experten sind gerade in Istrien, die Antwort auf Deine Fragen wird vermutlich ein bisschen dauern.
Cornelia

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Beitragvon ticino » Fr Apr 06, 2007 19:28

Hallo Muralis,

die Echsen auf deinen Photos sehen den Pod. muralis nigriventris/brueggemanni, die ich von der eingeschleppten Population in Dresden kenne, sehr ähnlich. Vor allem die Weibchen sehen dort manchmal auch aus wie P.m. muralis.
Hier mal ein paar Bilder, die ich letztes Jahr reingestellt hatte:
http://herpetofauna.at/forum/viewtopic. ... n+podarcis

(ganz am Ende der ersten Seite)

Vincent
Das Wenigste gerade, das Leiseste, einer Eidechse Rascheln, ein Hauch, ein Husch, ein Augenblick - wenig macht die Art des besten Glücks.

Grüße aus Sachsen
http/www.jugend-oeko-haus.de

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Beitragvon Muralis » Fr Apr 06, 2007 19:57

Hallo nach Dresden!
Zumindest die schwarze Unterkieferzeichnung könnte was für sich haben (kein Orange auf der Unterseite sichtbar)!

Ich finde die Färbung der adulten Männchen sehr attraktiv, oben grünlich, an der Seite mit Bronzeschimmer und unten dann die blauen Schilder, sogar blaue Flecken in der Achselgegend...
Deshalb hab ich die Bilder gleich eingestellt, wohl wissend, dass die Pro´s in Istrien sind, könnten vielleicht anderen auch gefallen :wink:

Übrigens - ich glaube, die meisten Bilder sind mit dem IS 70-300, man kommt mit dem Makro dort kaum an die Tiere heran und die fressende Echse ist nur mit dem Tele möglich, auch die Qualle 15m unter mir. Alles aus der Hand, zum Stativaufstellen würde die Zeit kaum reichen. Das Licht war allerdings bei dem Wetter voll ausreichend :)

Das Schwierige beim Tele ist, dass der AF dann wirklich genau auf die Stelle geht, wo die Schärfe sein soll, darum hat man mehr Ausschuss.
Herzliche Grüße aus Niederösterreich!
Wolfgang

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Beitragvon Cornelia » Sa Apr 07, 2007 10:26

Hi Muralis!
Ad IS 70-300: Ich probier grad damit herum und bin noch nicht wirklich glücklich mit den Ergebnissen. Nachdem meine Objekte der Wahl Amphibien sind, die nicht immer so ungeniert die Sonne anbeten - also auch mal im Schatten sitzen, hab ich oft verwackelte Bilder bzw. finde ich, dass sie nie wirklich scharf sind. Möglicherweise liegt es auch an mir: unruhige Hand, manueller Fokus, weil immer irgendein Schilf oder Gras dazwischen ist, das sich dem Autofocus attraktiver präsentiert, als der hübsche Frosch dahinter.
Habe jetzt auch wieder mal probiert ohne IS zu fotographieren, da ich gehört habe, dass der Motor auch Unschärfe ins Bild bringen kann. Diese Bilder muss ich aber erst auswerten. Ebenso jene, die ich mit dem Stativ gemacht habe.
Mit meinem Cosina-Makro mach ich immer noch bessere Bilder, find ich!
Cornelia

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Beitragvon pleurodeles » Sa Apr 07, 2007 12:23

Hi Cornelia,

darf ich fragen, welche Kamera du hast?

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Beitragvon Bobby » Sa Apr 07, 2007 13:52

Very nice photographs! Soon I will pay the Dutch P. muralis a visit to take some photographs.

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Beitragvon Srutl » So Apr 08, 2007 15:59

Hallo!

Die muralis Bilder aus Venedig zeigen die Unterart maculiventris, die nigiriventris sehen sehr ähnlich aus, sind aber noch mehr grün gefärbt. Die Unterart nirgiventris kommt erst ab dem südlichen Ligurien bzw. in der Emilia nach Süden hin vor, nördlich davon kommt maculiventris vor. Die Tiere in Triest sind meiner Meinung nach ebenfalls maculiventris (möglicherweise eingeschleppt) - eigentlich sollte dort bereits die Nominatform vorkommen. Es kommt auch zu Bastardierungszonen (sh. Fotogalerie Ligurien)
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Beitragvon Cornelia » So Apr 08, 2007 22:19

Hallo Pleurodeles!
Ich mach ein neues Thema - das wird hier sonst eine Themenverfehlung :) ...
http://www.herpetofauna.at/forum/viewto ... =7320#7320
Cornelia

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Beitragvon Muralis » So Apr 08, 2007 22:55

Hallo Thomas!

Deine Diagnose überrascht mich insofern etwas, da ich vor Ort keine besondere Ähnlichkeit zwischen den Tieren aus Venedig und Miramare erkennen konnte.

Beim Schloss war die überwiegende Mehrzahl der Tiere unauffällig braun gefärbt wie auch bei uns (diese sind auf meinen Bildern naturgemäß unterrepräsentiert). Auch hatten ältere Tiere nicht diese Fleckenmarmorierung, andererseits aber eine - wenn auch vergleichsweise nur leichte - Orangetönung der Unterseite (auf den Bildern deutlich zu erkennen).

Vielleicht könntest du deine Aussage durch Angabe von Merkmalen bei den Miramare-Tieren präzisieren (Unterscheidung muralis - maculiventris)?
Herzliche Grüße aus Niederösterreich!
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Beitragvon Srutl » Mo Apr 09, 2007 21:12

Hallo Wolfgang!

Auf dem Foto nach dem schlingenden Tier ist ein Männchen abgebildet, das (glaube ich) keine Nominatform, sondern eine südliche Unterart zeigt, aber vielleicht täusche ich mich. Ich glaube hier blaue Flankenflecke zu erkennen. Ich gebe Dir schon recht, die Weibchen sehen recht unauffällig aus, aber das kommt bei maculiventris auch vor.

Ich weiss nicht genau, wo die natürliche Grenze zwischen Nominatform und maculiventris verläuft - Ich werde in der kommenden Wochen Werner Mayer fragen. Das Problem ist, dass im Bereich Istrien, Kvarner Archipel und auch wahrscheinlich weiter westlich die stärkere Unterart maculiventris durch Boote uns Schiffe eingeschleppt wurden (wie auch an vielen Stellen in Mitteleuropa). Im östlichen Adriabereich wird dadurch die Nominatform verdrängt, wie es derzeit auf der Insel Cres beobachtet werden kann. Vielleicht kommt es auch zu Bastardierungen.

Wenn Du einmal Zeit hast, würde ich Dir gerne eine Population von maculiventris in Klosterneuburg zeigen. Gleich in der Nähe (Heiligenstadt) gibt es dann auch die Nominatform
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Re: Mauereidechsen am Lido und in Miramare

Beitragvon rennfahrersepp » Mo Apr 09, 2007 22:59

Muralis hat geschrieben:Wenn man senkrecht ins Meer runterschaut (von den anwesenden Touristen dürfte ich der einzige gewesen sein, der das gemacht hat), entdeckt man dieses überfußballgroße Ungetüm:

Bild


Es ist interessant: ich hatte vor 5 Jahren in Miramare eine ähnliche Sichtung: direkt unterhalb des Schlosses trieb im Meer eine riesige Qualle. Leider war ein fotografieren unmöglich, da das meer sehr rauh war. Die Qualle hatte aber schätungsweise einen Durchmesser von mehr als 50cm (!)

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Beitragvon bertl » Mo Apr 09, 2007 23:21

Bei der Qualle handelt es sich um eine Ohrenqualle, wahrscheinlich Rhizostome pulmo, deren äußere Oberfläche nicht nesselt. Der Schirmdurchmesser kann bis zu 60 cm betragen. (Informationen aus "Tiere und Pflanzen des Mittelmeeres" Mojetta, Ghisotti 1997)

lg bertl

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Beitragvon Muralis » Di Apr 10, 2007 20:28

Srutl hat geschrieben:Auf dem Foto nach dem schlingenden Tier ist ein Männchen abgebildet, das (glaube ich) keine Nominatform, sondern eine südliche Unterart zeigt, aber vielleicht täusche ich mich. Ich glaube hier blaue Flankenflecke zu erkennen.


Das mit den blauen Flecken stimmt jedenfalls. Allerdings hab ich heuer auch in den Voralpen 1 Männchen mit - wenn auch weniger deutlichen - blauen Flecken gesehen.


Srutl hat geschrieben:Wenn Du einmal Zeit hast, würde ich Dir gerne eine Population von maculiventris in Klosterneuburg zeigen. Gleich in der Nähe (Heiligenstadt) gibt es dann auch die Nominatform


Zeit hätt ich bestimmt einmal. Meine 10-Tages-Vignette läuft allerdings morgen ab; sprich: ich fahre generell nicht sehr weit umher. Nach Klosterneuburg komme ich etwa alle 20 Jahre :lol:

@bertl: Dank für die Quallenbestimmung. Schon witzig, dass vor 5 Jahren schon dasselbe Erlebnis stattgefunden hat :D
Herzliche Grüße aus Niederösterreich!
Wolfgang

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Beitragvon Leif » Sa Apr 14, 2007 17:23

Hallo!

Vielleicht kommt es auch zu Bastardierungen.


Ist das nicht eigentlich selbstverständlich. Denn wenn es das nicht gäbe, wären es doch eigentlich 2 Arten, oder sehe ich das falsch? :?:
Mir ist nur folgendes bekannt (grob umrissen): Wenn sich 2 Tiere unterschiedlichen Geschlechts (bei fruchtbaren Nachkommen) unter natürlichen Umständen paaren, gehören sie zu der selben Art.

Viele Grüße,

Leif

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