Zur neuen Beschreibung der Äskulapnatter

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Zur neuen Beschreibung der Äskulapnatter

Beitragvon Mamba » Di Mär 14, 2006 17:44

Gratuliere zu dieser umfassenden Beschreibung, die wirklich fast nichts auslässt. Beim ersten Durchlesen sind mir einige Sachen aufgefallen, die meiner Meinung nach ein wenig an der Realität vorbeizielen. So ist zum Beispiel die durchschnittliche Grösse der Schlüpflinge mit 120 bis 130 mm viel zu tief angesetzt, in der zugrundeliegenden Quelle (Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas) sind ja auf der anderen Seite Masse bis zu 380 mm angegeben. Ich kann mir keinen voll entwickelten, lebensfähigen Schlüpfling mit 120 mm Länge vorstellen, die von mir erzielten Nachzuchten erblicken das Licht der Welt mit 230 bis 300 mm Länge. Somit wäre es realistisch, die durchschnittliche Schlupfgrösse etwa doppelt so gross wie hier angegeben zu beziffern. Weiters könnte vielleicht angegeben werden, dass Eier in der Regel mit ca. 4 bis 6 mm langen, deutlichen Längsriefen versehen sind, und so, nebst Form und Grösse, leicht von völlig glatten Ringelnattereiern unterschieden werden können. Mit der Angabe, dass Eigrössen von der Grösse des Muttertiers abhängen, habe ich ein kleines Problem; mag sein, dass ein solches Phänomen schon beobachtet wurde, ansonsten hätte diese Behauptung keinen Eingang in die Literatur gefunden, die Regel ist dies nach meinen Erfahrungen nicht. Nicht nur Äskulap-, sondern auch andere jüngere und noch kleinere Natterweibchen legen bei ihren ersten Gelegen nicht generell und immer kleinere, sondern in der Regel weniger Eier. Zum Schluss noch eine Bemerkung zum angegebenen Nahrungserwerb (bis zu 70 Beutetiere pro Saison). Ich glaube, dass dies viel zu hoch gegriffen ist. Bei einer Aktivitätszeit von 25 bis max. 30 Wochen, wobei Fresspausen durch Paarungsaktivitäten, Trächtigkeit oder Häutungsphasen nicht berücksichtigt sind, wären das zweieinhalb Beutetiere pro Woche. Gerade bei der Äskulapnatter, die gerne und oft auch sehr "grosse Brocken" von grösseren Mausarten über Ratten bis hin zu Eichhörnchen (eigene Beobachtung) oder kleineren Marderartigen bewältigt, kann diese Anzahl nicht realistisch sein. Trotz dauernder optimaler Temperaturbedingungen würde ich es nie schaffen, an meine erwachsenen Äskulapnattern mehr als 25 bis 30 adulte Mäuse pro Saison zu verfüttern.

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Beitragvon Mamba » Mi Mär 15, 2006 20:50

Übrigens, bei der angegebenen Zeitigungsdauer der Eier ist offensichtlich
ein Missgeschick passiert. Es geht um ca. neun (nicht sechs) Wochen. (60 bis 65 Tage bei 30 Grad Bruttemperatur).
Nix für ungut
Gruss aus Kärnten (leider immer noch verschneit)
Peter

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Beitragvon Christoph » Do Mär 16, 2006 1:24

Hallo Peter,

danke für die angeführten Punkte, bei denen es sich teilweise wirklich um leicht abweichende Angaben handelt. mea culpa :oops:

Werde den Text dahingehend korrigieren, was die Schlupfgröße und die Entwicklungszeit der Eier betrifft. Zur Eigröße möchte ich auf das von Dir erwähnte Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas hinweisen in dem sich folgendes findet: "CABELA (1990) weist darauf hin, dass die Eigröße von der Größe des ♀ abhängig ist."

Zur Anzahl der Beutetiere: "Eine adulte Äskulapnatter verzehrt pro Aktivitätsperiode (180-190 Tage) in Bulgarien ca. 60-75 Beutetiere. Das deckt sich gut mit der alten Angabe von BREHM, dass „zwei Äskulapnattern im Laufe eines Sommers 108 Mäuse plus zwei Eidechsen verzehrten, KÖNIG selbst stellte jedoch bei zwei langjährig von ihm gehaltenen Exemplaren eine deutlich geringere Fressintensität fest: 17 bzw. 20 Mäuse im Durchschnitt pro Jahr." Da ich diesbezüglich keine Angaben aus Österreich gefunden habe würde ich vorschlagen, dass „bis 70 Beutetiere“ alle darunter liegenden Werte einschließt. :)
Beste Grüße

Christoph

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Beitragvon Mamba » Do Mär 16, 2006 13:53

@ Christoph
"Mea culpa", Schande über mich oder so ähnlich. Naja, eine Schande ist es nicht unbedingt, eine so ausführliche Artenbeschreibung zu erstellen und dabei 2 kleine Fehler zu machen oder zu übernehmen. Als langjähriger Züchter dieser Nattern war ich Dir gegenüber halt leicht im Vorteil.

Bezüglich der Eigrössen muss ich bedauern, den Originaltext von CABELA nicht zu kennen. Es wäre interessant zu wissen, wie es zu dieser doch klaren Behauptung kam, resp. welche Untersuchungen mit genügender Bandbreite stattfanden, um repräsentativ zu sein und eine soche Regel zu untermauern. Ich halte diese Aussage schlichtweg für falsch und konnte öfters auch schon das Gegenteil erleben, nämlich die Ablage von (wenigen) relativ grossen Eiern oder die Geburt von überdurchschnittlich grossen Jungtieren bei lebendgebärenden Arten durch junge und noch kleine Weibchen. Deswegen aber jetzt eine gegenteilige These aufzustellen, würde aber auch der Seriösität entbehren, denn auf der anderen Seite legen manchmal grosse Weibchen (viele) relativ kleine Eier.
In diesem Zusammenhang einflussnehmende Faktoren wie Grösse des Muttertiers, klimatische Bedingungen, Ernährungszustand und Futterangebot wirken sich nach meinen Erfahrungen viel mehr auf die Gelege- denn auf die Eigrösse aus.
Bezüglich der quantitativen Nahrungsaufnahme ist bei der Meldung aus Bulgarien (60 bis 75 Beutetiere/Jahr) zu vermuten, dass es sich eher um Schätzungen oder Hochrechnungen denn um seriöse, lückenlose Freilandbeobachtungen (wie denn auch ?) handelt. BREHM halte ich für keine zuverlässige Quelle, ich bin dann schon eher bei Gefangenschaftsbeobachtungen jüngeren Datums wie z. B. KÖNIG (17 bzw. 20 Mäuse/Jahr) oder LOTZE (1975) (30,5 resp. 32 Mäuse/Jahr). Generell bin ich davon überzeugt, dass unsere einheimischen Schlangenarten nicht so "verfressen" sind, wie allgemein angenommen wird, und hier eigentlich Abstriche zu machen wären.
Gruss aus Kärnten (mit Neuschnee, stöhn!)

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Beitragvon Cornelia » Fr Mär 17, 2006 15:20

Zur Eigröße:
Auch wenn mich die Herpetologen jetzt vielleicht belächeln, aber ich hab mal bei einer besser untersuchten Tierart nachgeschaut: "Die Größe des Hühnereis ist abhängig von: Alter, Legebeginn (wird durch die Beleutungsdauer gesteuert), Körpergröße, Futterzusammensetzung und Umgebungstemperatur (Scheunert, Trautmann, Lehrbuch der Veterinärphysiologie, 1987)."
Ich meine, die Behauptung (falls das nicht systematisch untersucht wurde), dass die Größe des Tieres einen Einfluss auf die Eigröße hat, ist jedenfalls plausibel - es ist aber sicher nicht der einzige Einflussfaktor und es müssten daher bei der Betrachtung (systematischen Untersuchung) auch alle anderen denkbaren Faktoren berücksichtigt werden um den Einfluss des Faktors "Größe des Tieres" richtig bewerten zu können.
("Mea culpa" heißt "meine Schuld", nur für die jungen angehenden Lateiner unter uns)
@mamba: Falls Du Eidaten von Schlangen hast, die mehrere Gelege bei Dir hatten, könnten wir uns die Zahlen ev. genauer anschauen. Das gäbe uns einen Hinweis. Oder hast Du das schon getan.
Cornelia

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Gratulation und Dank!

Beitragvon Habichtskauz » Mi Mär 29, 2006 12:54

Ich finde die neuen - ausführlicheren - Artbeschreibungen sehr gut gelungen - vor allem die Integration von Verbreitungskarten finde ich sinnvoll und hilfreich.
Vielen Dank für diese Arbeit!

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