V. ammodytes und Erbeben

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V. ammodytes und Erbeben

Beitragvon Leif » Mi Apr 08, 2009 22:56

Hallo mal wieder!
Leide in letzter Zeit unter akutem Zeitmangel :wink: und bin daher nicht mehr so häufig hier :( - wohl aber im Gelände unterwegs.

Ich bin in diesem Jahr jetzt schon zum 3. Mal herpetologisch im italienisch-slowenischen Grenzgebiet unterwegs gewesen. Das erste Mal am 28. Februar und das zweite Mal 22. März. Beide Male waren "nur" A. nigropuctatus und P. sicula/melisellensis (nur 2 Exemplare gesehen, beide zu kurz) aktiv. Für die erwarteten Schlangen war es wohl noch zu früh, obwohl ich einmal einen Italiener traf, der mit Schlangenhaken bewaffnet die Gegend unsicher machte.
Wie es der Zufall wollte, war ich am 6. April - jenem Tag an dem sich in Mittelitalien das Erdbeben ergeinete - wieder dort unten. Zunächst an einer anderen Stelle, im Nord-Osten meines eigentlichen Zielgebietes. Dort waren dann jedoch "nur" P. muralis und L. viridis. Zurück an meiner alten Stelle, bin ich dieses Mal einen schmalen Pfad gelaufen der durch einen mit Geröll durchsetzten mehr oder weniger dichten Macchia-Hang führt. Seine Länge beträgt mit Sicherheit weniger als 1 km. Auf dieser Strecke waren 5 (!) V. ammodytes. :D Leider waren sie allesamt zu schnell um sie zu fotografieren. Man hätte sie fangen können - aber nur mit der Hand und das ist mir zu risikoreich. Jedenfalls waren es zwei Pärchen und eine einzelne. Um sie mit Hilfsmitteln zu "bändigen" waren sie zu flink und zu dicht vor ihrem Loch.
Ich denke, dass selbst in sehr guten Habitaten der Fund von 5 ammos in vielleicht einer Stunde nicht unbedingt die Regel darstellt und frage mich ob diese augenscheinlich hohe Aktivität mit dem Erdbeben in Verbindung stehen könnte.
Ich werde in wenigen Tagen wieder dort sein und hoffe, dann mehr Foto-Glück zu haben.
Ich werde berichten.
Bis dann!

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Beitragvon Gerald » Do Apr 09, 2009 0:52

Hi!

Das lässt sich aus einer einmaligen Sichtung im Frühjahr leider nicht bestätigen oder widerlegen, da "Schlangenakkumulierungen" vor den Winterquartieren um diese Jahreszeit oder zur Paarungszeit, in "gesunden" Populationen, "öfters" der Fall sind. Hier liegen dann 5 Tiere am Quadratmeter durchaus im Bereich des Möglichen.
Erlebt schon bei V. berus, N. natrix und C. austriaca bzw. gehört aus Erzählungen über V. ammodytes, wobei die Schlingnattern mitten im Sommer während bewölkten und sehr schwülen Wetters war (und keine 5m² sondern auf ca. 20 Metern aufgefadelt ;-) )

Hatte allerdings selber schon ein ähnliches Erlebnis - vor 2 oder 3 Jahren war zu Neujahr in Kärnten ein deutlich spürbares Erdbeben; also es hat mehr oder weniger die ganze Hütte gescheppert. Kurz davor waren in einem nicht zugefrorenen Kolk einige aktive Grasfrösche zu sehen. Trotz mitten im Winter und Minusgraden in der Luft. Da allerdings Winteraktivität von Grasfröschen unter Wasser bekannt ist, lässt sich vmtl. auch nicht zuordnen ob die scheinbar auffällige Aktivität einiger Tiere ganz normal oder dem Erdbeben zuzuordnen war.
(Fotos siehe hier)

LG, G.

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Beitragvon Christoph » Do Apr 09, 2009 11:36

Beste Grüße

Christoph

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Beitragvon Leif » Do Apr 09, 2009 12:24

"Beweisen" lässt sich mit der Beobachtung nichts, das war mir schon klar. Ein auffälliges Zusammentreffen ist es jedoch.

Noch eine andere Frage: Ist es "normal", dass eine ammo nachdem sie in ihr Loch (in meinem Fall überwachsene Lesesteinmauer mit reichlich Zwischenräumen) geflüchtet ist immer wieder versucht herauszukommen, obwohl man noch in der Nähe ist. Eine "meiner" ammos jedenfalls habe ich immer wieder in Richtung Ausgang kriechen sehen. Hat sich dann doch nicht getraut und ist wieder zurück. Normalerweise würde sie doch merken, dass man noch da ist.

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Beitragvon Leif » Sa Apr 11, 2009 20:25

War heute wieder am "Ort des Geschehens". Habe einmal vormittags und einmal nachmittags die selbe Strecke abgesucht. In der übrigen Zeit bin ich auch in anderen Habitaten in der Umgebung gewesen. Eine d.o.r. Schlange (Vermutl. Zornnatter), aber nicht eine einzige ammo. :roll:

Dazu kamen dann noch Karstläufer und Pracht-Kieleidechsen, rufende Grünfrösche, Segelfalter, Zippammer, singende Nachtigall, ...

Alles in allem ein schöner Tag, nur das Erbeben fehlte :wink: (kann natürlich Zufall gewesen sein, dass einmal viel und das andere Mal nichts Schlangenhaftes unterwegs war.)

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Beitragvon Snake23 » Mo Apr 20, 2009 14:08

Schlangen spüren ein drohendes Erdbeben mit Sicherheit schon lange vorher. Die Chinesen haben ja mit Schlangen ein regelrechtes Frühwarnsystem aufgebaut.

http://www.focus.de/wissen/wissenschaft ... 21782.html

http://www.mdr.de/echt/5644480.html

Kennt sich schon aus
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Beitragvon Werner » Di Apr 21, 2009 11:10

Es ist ein alter Wunsch der Menschen, ihnen wichtige Ereignisse vorauszusagen. Dazu dien(t)en der Flug der Geier, die Eingeweide von Opfertieren, Kristallkugeln, etc. Das Bellen von Hunden an der Oder oder Videoüberwachung von Schlangen in China gehören mit größerer Sicherheit in diese okkulte Kategororie als es "sicher" ist, dass Schlangen besser Erdbeben voraussagen können als Seismographen. ICH BIN SEHR SKEPTISCH!!!
p.S.: und ausgerechnet in China? Haben die nicht schon alle Schlangen aufgefressen?

Werner

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