Nahe ohne Rhein

Funde & Beobachtungen

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Nahe ohne Rhein

Beitragvon Joey Santiago » Sa Jun 26, 2010 21:37

Moin allerseits!

Wie bereits im Mai angedroht, unternahm ich einen weiteren Tripp an die Nahe, denn ich wollte das Gebiet einfach mal unter der prallen Sonne sehen. Und was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt! Bis auf die Ringelnatter konnte ich alle gewünschten Arten finden und meine Speicherkarte bis zum Rand füllen.

Gleich am ersten Tag begegnete ich der Würfelnatter:

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Auch die Smaragdeidechse ließ nicht lange auf sich warten. Allerdings sah ich nur ein einziges Weibchen, das ich aber nicht fotografieren konnte. Leider ;-(

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Und dann waren da noch die omnipräsenten Mauereidechsen (Unterart merremius), die wenig Scheu zeigten, weil sie ganze Menschenhorden gewohnt sind, die tagtäglich den Wanderweg nutzen:

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Wie man gut sehen kann, war es brüllend heiß, und so wärmten sich die Tiere im Schatten auf:

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Später aalten sie sich aber wieder völlig ungeschützt (und ohne Lichtschutzfaktor) unter der Sonne:

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Schlingnattern konnte ich insgesamt nur drei finden, ohne sie allerdings zu fotografieren. Ein wohl vorjähriges Indviduum entdeckte ich am frühen Morgen, noch vor Sonnenaufgang, wie es mit dem vorderen Viertel im Substrat steckte, feinkörnig etwa wie Sand. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, weil ich so früh nicht mit einer solchen Beobachtung gerechnet hatte. Am Folgetag dasselbe: Wieder lag die Schlange da mit dem Kopf im Sand, und wieder hatte ich aus dem genannten Grund keine Kamera dabei, zumal ich nicht damit rechnen konnte, dass ich diese Situation ein weiteres Mal sehen würde. Ich vermute, dass sie Eidechseneier gesucht hat, aber vielleicht hat jemand eine andere Idee. Immerhin konnte ich viele Mauereidechsen-Weibchen mit faltigen Flanken sehen, die ganz offensichtlich gerade abgelegt hatten.

Nebenbei begegnete ich noch anderen Zeitgenossen.

Der einzige Schwalbenschwanz:

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Einer der häufigsten Falter war das allgegenwärtige Schachbrett:

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Sehr gefreut habe ich mich über diesen Scheckenfalter, dessen Artzugehörigkeit mir leider nicht bekannt ist (vielleicht Mellicta aurelia):

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Ein Taubenschwänzchen konnte ich kurz nach Sonnenuntergang ablichten:

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Und auch einen Großen Schillerfalter, der am Felsen saugte:

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Und dann war da noch ein Kleiner Fuchs, der sich endlich mal nicht so zierte:

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Okay, wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass sich da eine kleine Tragödie abspielt:

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Er ist einer Krabbenspinne (Thomisus onustus) zum Opfer gefallen ;-(

Eine richtige Kostbarkeit ist die Kleine Zangenlibelle, die an der Nahe eines ihrer letzten Vorkommen in Deutschland hat:

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Erwähnenswert ist noch ein Vertreter der Wollschweber mit dem Namen Hemipenthes morio:

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Zu guter Letzt fand ich diesen hübschen Käfer, mit dem ich überhaupt nix anzufangen weiß:

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Diese Bilder zeigen, dass in den Weinbergen wohl keine Insektizide mehr eingesetzt werden. Den Segelfalter habe ich also nur deshalb verpasst, weil er sich zurzeit zwischen zwei Generationen befindet. Oder aber sie sprühen Gifte, die auf bestimmte Arten zugeschnitten sind. Nach Auskunft örtlicher Weinbauern werden in erster Linie Fungizide eingesetzt, die in den Steillagen per Helikopter ausgebracht werden, was in einem engen Tal sehr nerven kann:

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Ich hoffe, es ist nicht zu viel. Immerhin sind ja auch ein paar Herps dabei ;-)

Mit einem indirekten Sonnenuntergang (ein Trupp des Schmalblättrigen Weidenröschens im Gegenlicht der untergehenden Sonne) möchte ich schließen:

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Ich hebe die Hand zum Gruß ;-)

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Ach ja, ein paar Vögel gibt es wieder auf www.club300.de

Beste Grüße von Frank
Zuletzt geändert von Joey Santiago am Sa Okt 16, 2010 19:50, insgesamt 3-mal geändert.

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Beitragvon reseptor » So Jun 27, 2010 8:46

Hallo Fank

Ganz tolle Bilder. ich finde die Blumen und Schmetterlinge lockern deinen Beitrag sehr auf und das gefällt mir ganz besonders -- wie gesagt man sieht ja auch andere Tiere(und Pflanzen) in der Natur -- nicht nur Schlangen und Echsen (kleiner Tip, nie die Kamera zu hause vergessen, die Tierchen sind auch dann untewegs wenn man nicht damit rechnet)!

..leider kann ich dir auf den Käfer keine Antwort geben und auch was die Schlingnatter im Sand gesucht hat weiß ich nicht (das mit den Eiern klingt plausibel).

Das die Tiere dort wo viele Menschen sind, viel leichter zu fotografieren sind, hab ich auch schon oft bemerkt, die Smaragdeidechsen sind da besonders empfindlich, die sind an frequentierten Orten viel einfacher abzulichten als in der Pampa!!

..Schick uns doch nochmal einen Segelfalter nach wenn du wieder mal in der Gegend bist --- sehr schöner Beitrag!!

lg. reseptor :D

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Beitragvon Joey Santiago » So Jun 27, 2010 14:33

Moin Reseptor,

eine Kleinigkeit habe ich vorenthalten ;-) Die Smaragdeidechsen hielten sich an demselben Weg wie die Mauereidechsen auf, waren aber, bis auf dieses eine Individuum, sehr scheu. Aber auch dieses Männchen war stets darauf bedacht, nicht ganz frei zu liegen. Da ich aber immer Mehlwürmer dabei habe, konnte ich ihm diese Ängste nehmen. Wahrscheinlich sitzt der Kerl immer noch dort, in der Hoffnung, der Typ mit den Leckereien kommt gleich ums Eck.

Und was die Sache mit der Kamera anbelangt, da hast du natürlich Recht! Fortan hatte ich sie immer dabei, aber die Schlingnatter ließ sich nicht mehr blicken. Manchmal möchte man einfach mal so ganz ohne Ballast ins Outback gehen, sind doch die Wege auch so schon steil genug... Es rächt sich immer!

Beste Grüße von Frank

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Beitragvon pleurodeles » So Jun 27, 2010 23:02

Hi Frank,

sehr sehr schön! Beiträge, die auch mit Bildern anderer Tiere außer Amphibien und Reptilien gepfeffert sind, sind immer eine Freude!

Was den unbekannten Käfer betrifft: Das ist ein Vertreter der Prachtkäfer (Familie Buprestidae), und zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Variable Prachtkäfer (Ptosima flavoguttata), eine recht seltene Art in Mitteleuropa.

Mit Melitaea aurelia könntest Du durchaus recht haben. Die zweite Variante wäre eventuell Melitaea diamina, worauf mich der Kosmosführer über "Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas" (Tolman & Lewington), den ich dem vom Bellmann, in dem Fotos und keine Zeichnungen enthalten sind, definitv vorziehen würde, gebracht hat. Bei den ganzen Scheckenfaltern ist ein Bild der Flügelunterseite glaub ich die beste Option, um die Art bestimmen zu können (im Idealfall natürlich beides;-).

Nochmal meine Gratulation zu dem schönen Beitrag - weiter so! :)

Viele Grüße,
Günther

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Klasse

Beitragvon mingranos » Sa Jul 10, 2010 11:56

Hallo Frank,

super und herzlichen Glückwunsch zu deinen Funden. Ich selbst war auch schon 2x an der Nahe und habe leider vergeblich versucht, eine Würfelnatter zu sehen.

Ich war damals hauptsächlich um das Gebiet um den Rotenfels und der Nahe bei Bad Münster am Stein unterwegs.

Herrliche Natur auch ohne Schlangensichtung. Attraktion für mich waren damals (vor etwa 4 Jahren) zwei Wanderfalken auf dem Gipfel des Rotenfels im Kunstflug und einige sehr schöne Mauereidechsen, von denen du ja auch einige gefunden hast.

Wo warst du denn unterwegs, um die Würfelnattern zu finden? Ich werde wohl auch demnächst nochmal der Nahe einen Besuch abstatten.

Gruß mingranos :D

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Re: Klasse

Beitragvon Max Pöchhacker » Sa Jul 10, 2010 14:29

Hallo Migranos
mingranos hat geschrieben:Hallo Frank,

super und herzlichen Glückwunsch zu deinen Funden. Ich selbst war auch schon 2x an der Nahe und habe leider vergeblich versucht, eine Würfelnatter zu sehen.



Scusi per favore, wenn Ich mich da einmische.

Ich habe Würfels also Natrix alea ääh tesselata quasi vor meiner Haustüre.

Um die zu sehen/fotografieren braucht es meistens timing.
Anderswo, wie an der Mur südlich von Graz ( Steiermark ) hängen die auch tagsüber ab.

Du mußt spätestens um halbneun vormittags im Habitat sein.
Später sind sie aufgewärmt und sie sehen normalerweise Dich zuerst
und somit Du Sie nicht mehr.

Idealer Weise suchst Du Dir einen Tag mit kühler Nacht davor,
so etwa 17° oder kühler.

Dann klappt es zumindest bei meinen Würfels am besten.
Vielleicht hilft Dir das weiter.

Damit das Posting hier nicht so trocken bleibt ein paar Fotos zur Dokumentation :

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Die Mist-Fliege am Bild ist kein Zufall.
Sie lieben es als olfaktorischer Affront in Erscheinung zu treten.

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Als echter Kinderschreck scheinen sie eher weniger zu taugen.


Hier übrigens ein Foto welches dokumentiert mit welch dramatischer Theatralik die Würfels gerne ihr eigenes Ableben inszenieren .. .

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M.P.

PS: Die Fotos entstanden seinerzeit bei einer Begehung mit einem Biologen der für das Biologiezentrum Auhof in Linz arbeitet.

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Beitragvon Joey Santiago » Sa Jul 10, 2010 15:17

Moin Mingranos,

ich war hauptsächlich am Nahe-Abschnitt zwischen Schloßböckelheim und Niederhausen unterwegs. In letzterem Ort wird die Nahe angestaut, Einheimische sprechen sogar von einem Stausee, aber "in echt" handelt es sich dabei nur um einen etwas breiteren Fluss.

In Bad Münster am Stein Ebernburg (so steht es tatsächlich auf dem Ortsschild) ist auch ein guter Ort, wo man die Schlangen sehr gut beobachten kann, allerdings aus einer Höhe von etwa zwei Metern und von oben. Dort liegen sie am Fuß einer Mauer.

Mit den Würfelnattern hatte ich aber auch Glück, denn der Tag, an dem ich sie entdeckte, war der erste etwas wärmere nach einer kurzen Kältephase. Gefunden habe ich sie am Nachmittag. An den folgenden Tagen gelang mir kein einziger Nachweis mehr, egal zu welcher Tageszeit ich nachschaute. Es war einfach zu heiß!

Und wie du schon geschrieben hast, das Nahetal ist auch ohne Würfelnatter ein tolles Gebiet, das man auch - ohne Übertreibung - als großes Kino bezeichnen kann.

Ach ja, und der Max darf sich ruhig einmischen, handelt es sich hier doch um ein Forum. Das Bild mit den Kindern ist echt witzig!

Beste Grüße von Frank

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