Artenbestimmung

Funde & Beobachtungen

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Artenbestimmung

Beitragvon Tropheuskönig » So Jul 11, 2010 23:31

Hallo zusammen,

bin im Moment etwas ratlos. Habe heute morgen im Tagebau bei Jüchen
(NRW) in einer Wasserpfütze einige hundert Kaulquappen gefunden.
Sie sind Peschschwarz und sehr klein. Zwischen sechs bis elf mm lang und
zwei bis fünf/sechs mm dick. Die Wasserpfütze wird täglich durch
Sprüchwasser, welches zur Staubverhinderung eingesetzt wird, aufgefüllt. Der
Boden besteht nur aus Sand und Kies. Bepflanzung oder Algen sind nicht
vorhanden. Es ist die einzige Pfütze in welcher sich Laich befindet. Obwoh sichl in der Nähe auch einige besser geeignete Wasserlöcher mit Bepflanzung
befinden. Was mich so verwundert hat, der späte Zeitpunkt und die Winzigkeit
der Quappen. Ich frage mich schon die ganze Zeit ob es möglich ist, dass die
Quappen schon älter sind, aber auf Grund des Nahrungmangel nicht wachsen
bzw. schrumpfen können? Ich muss vielleicht noch erwähnen, dass die Pfütze
sich auf einer Baustraße befindet, welche täglich stark von LKWs UND PKWs durchfahren wird. Wer laich noch so spät zu dieser Jahreszeit?

Gruß Günter

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Beitragvon Joey Santiago » Mo Jul 12, 2010 6:35

Moin Tropheuskönig,

das hört sich sehr stark nach Kreuzkröte an. Die eigentliche Laichzeit liegt früher, aber nach starken Regenfällen kann es auch zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr noch zum Laichen kommen.

Kreuzkröten bevorzugen zur Vermehrung sehr flache, vegetationslose Gewässer, die zur Austrocknung neigen. Dadurch, dass sich das Wasser in solchen Kleinstgewässern besonders schnell erwärmt, wird eine rasche Entwicklung der Kaulquappen erreicht. Doch nicht selten sind sie nicht schnell genug, denn in heißen Sommer trocknen solche Pfützen aus, noch bevor die Tiere ihre Entwicklung abgeschlossen haben.

Evtl. kommt auch die Wechselkröte infrage, doch weiß ich nicht, wo Jüchen liegt (Kölner Bucht?).

Beste Grüße von Frank

Kennt sich schon aus
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Beitragvon Bufo viridis » Mo Jul 12, 2010 15:33

Hallo,

hört sich nach einem optimalen Lebensraum für die Pionierarten an.
Die LKW´s halten das Gelände frei von Vegetation, was sehr wichtig für Kreuz- und Wechselkröten ist. In solchen Pfützen kann es gut sein, dass die Nahrung knapp wird für so viele Quappen.


Hier greift dann oft der Crowdingeffekt. D.h. einige Quappen verkümmern und die, die überleben ernähren sich von den Überresten der verendeten.
Ich würde davon ausgehen, dass die Quappen noch nicht sehr alt sind. Es gibt auf diesem Gebiet einen wirklichen Experten, evtl. meldet er sich ja hier noch.

Bei uns in Ba/Wü haben es die Arten, die in flachen Gewässern laichen dieses Jahr sehr schwer. In einem Steinbruch in dem viele Gelbbauchunken vorkommen ist jedes Laichgewässer trockengefallen. Es wird wohl beim nächsten Gewitterregen ein erneutes Ablaichen stattfinden.

Viele Grüße
Michi

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Beitragvon Alexander » Mo Jul 12, 2010 16:54

Hallo Günter,

mit großer Sicherheit haben Frank und Michi Deine Frage treffend beantwortet; es dürfte sich um Kreuzkrötenlarven handeln, die Du gefunden hast.

Mich würde es allerdings brennend interessieren, ob es wirklich Kreuzkröten und nicht vielleicht doch Wechselkröten sind!

Du wohnst nämlich an einer herpetofaunisch höchst interessanten Schnittstelle, wo beide Krötenarten vorkommen (können).

Meines Wissens liegt das nordwestlichste Vorkommen (überhaupt!) der Wechselkröte in Deiner Nachbarstadt Grevenbroich, während es hier bei uns (Brüggen) "nur" noch, allerdings stellenweise sehr zahlreich, Kreuzkröten gibt.

Um die Bestimmung ein wenig einzugrenzen habe ich noch ein paar Bilder beigefügt.
Die Larven sind für "Neueinsteiger" nicht ganz einfach zu unterscheiden, weil sie - wie ja schon erwähnt wurde - durchaus in gleichen Gewässerstrukturen (flach, sonnig, vegetationsarm, temporär) vorkommen können.
Ein wesentlicher Unterschied ist der, dass Wechselkröten auch größere und tiefere Gewässer als Laichgewässer aufsuchen können.

Beiliegend nun ein Bild eines hier typischen Kreuzkrötentümpels mit vielen Larven.
Nachfolgend ein Bild einer Kreuzkrötenlarve; ab etwa dieser Größe weisen fast alle Kreuzkrötenlarven einen charakteristischen weißen Kehlfleck auf; tja, aber eben nur fast alle.

Wechselkrötenlarven lassen sich zumindest dann in dem Stadium, das das 3. Bild zeigt, deutlich von Kreuzkrötenlarven unterscheiden.

Aber wenn sie sehr klein sind, ist eine Unterscheidung schwierig bis unmöglich...

Kreuzkrötenlarven wachsen übrigens rasant heran, von der Eiablage bis zur Metamorphose vergehen manchmal nur 5 Wochen; dies ist umso erstaunlicher, wenn man das vermeintlich knappe Nahrungsangebot in den Laichgewässern sieht.

Bitte auf keinen Fall die Larven in das nur scheinbar "bessere" Gewässer mit Bewuchs umsetzen; die "Kröteneltern" wussten genau, was sie tun...

Ich würde mich sehr freuen, wenn Dir eine Artbestimmung gelänge und Du uns mitteilst, was Du gefunden hast, denn - wie bereits gesagt - wäre es ein sehr bemerkenswerter Fund, wenn es sich denn tatsächlich um Wechselkröten handeln sollte!

Freundliche Grüße
Alexander

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Zuletzt geändert von Alexander am Mo Jul 12, 2010 17:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Alexander » Mo Jul 12, 2010 17:00

Hoppla, kleiner Editierfehler, Entschuldigung

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Beitragvon Tropheuskönig » Di Jul 13, 2010 21:11

Hallo zusammen,

danke für eure Antworten. Nachdem ich mir verschiedene Bilder jetzt im
Netz angesehen habe, glaube ich, dass es Kreuzkrötenlarven sind. Ich
werde versuchen beim nächsten Mal einige Bilder zu machen und sie euch
zeigen.

Alexander,
ich habe in einem Buch von Reinbraun nachgeschaut wo einige der hier
vor Ort gelegenen Tagebaute untersucht worden sind. Beide Krötenarten
sind dabei fast immer vorhanden, wobei die Kreuzkröte in allen Tagebauten
vorhanden war. Der Fundort der Larven ist Luftlinie keine fünfzehn Km von
Grevenbroich entfernt.

Gruß Günter

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Beitragvon Tropheuskönig » Mo Jul 26, 2010 15:34

Hallo zusammen,

wie versprochen wollte ich berichten wie es dort weitergelaufen ist bzw.
einige Bilder zeigen.

Nachdem es vor zwei Wochen zwei mal etwas kurz aber kräftiger geregnet hatte, hat sich Pfütze mit den Larven mehr oder weniger verteilt. Ein großer Teil Larven hat den Weg in die direkt daneben liegende größere Pfütze gefunden, einige andere sind in kleinste Wasserlöcher auf dem Weg hin gespült worden. So weit vor vierzehn Tagen. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Weg auch täglich zweimal mit Wasser wegen der Staubvermeidung berieselt.

Vergangenen Sonntag sah es dort schon trauriger aus. Die Pfütze wo ich sie ursprünglich gefunden hatte, war fast ausgetrocknet, die kleinen Wasserlöcher waren total trocken. In der größeren Pfütze wo ein Teil der
Larven hin gespült wurde, hat noch genügend Wasser und wird wohl durch den nun immer wieder einsetzenden Regen auch so schnell nicht austrocknen. Dort befinden sich ungefähr 150 Larven.

Ich hatte mir vor zehn Tagen einmal alle Wasserlöcher und Pfützen etwas
genauer angeschaut. Nirgend waren Larven aufzufinden. Einzig die Löcher
wo vom der Ursprungpfütze einige Larven hin gespült waren, wiesen welche auf. Aber die sind jetzt schon wieder Geschichte.

Gestern habe ich dann in der Ursprungpfütze einige Laichketten vorgefunden. Leider hat sie nur noch wenig Wasser. Anbei lege ich auch
ein Bild von einem kleinen Tümpel vielmehr auch Pütze, welche aber aus
welchen Gründen auch immer nie ganz austrocknen. Hier ist auch ein
kleiner Pflanzenwuchs vorhanden. Ob die auf dem Bild abgebildete Pfütze
wirklich nie trocken fällt, weiß ich nicht genau, ich kann aber soviel sagen
sooft ich dort vorbeischaue, ist immer Wasser vorhanden.

Gruß Günter


Das mit den Bildern wird wohl nichts. Es erschien zwar ein Fenster um ein
Bild auszusuchen, verschwand auch nach dem drücken versenden,
dass war es aber auch. Kein Bild wurde geladen, und ich konnte danach
"Bild raufladen" auch nicht mehr aufrufen.

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Beitragvon Tropheuskönig » So Aug 22, 2010 22:39

Noch mal etwas hinterher. Vergangene Montag war ich wieder einmal dort vorbei gefahren. Inzwischen sind dort größere Regenfälle runtergekommen.
Es sind viele neue Pfützen entstanden, was aber auch daran liegt kommt, dass dort sehr viel gearbeitet wird. Etliche neue Bohrungen und etc.. verändern das Umfeld jetzt ständig. Die Fahrspuren dürften täglich hundert
und mehr mal durchfahren werden.

Zuerst hatte ich Mühe, noch einige Larven ausfindig zu machen. Nach dem das ich dort einige Zeit verbracht habe, klärte das Wasser sich einigermaßen, und in einer Pfütze entdeckte ich zu erst einige kleine schwarze Larven und nach genaueren untersuchen sah ich auch einige brau
gräuliche mit kleinen Beinchen. Sie waren bedeutend kleiner als ich es normalerweise in diesem Stadium von Fröschen her kenne.

Als ich noch am überlegen war ob es einige wirklich schaffen würden, sah ich
auch schon kleine ja ich vermute mal Kröten auf dem Land. Sie waren
verdammt klein höchstens 1 cm. Alles was ich früher in Kindertagen mit
nach Hause gebracht hatte, war nach der Entwicklung zum Frosch
mindestens drei bis vier mal so groß. Nach ja das Leben geht weiter, ich
hätte nicht damit gerechnet.

Heute war ich in der Wahner Heide unterwegs. Auch dort fand ich in
einem Tümpel (ich schreibe hier Tümpel, der ist mit kurzen Grün
bewachsen und könnte sich dort auch schon länger befinden) kleine
schwarze Larven. Sie waren knapp zwei Zentimeter groß, und keine
Ahnung was es waren. Der "Tümpel" befand sich auch auf einen Weg,
ich vermute mal, das es sich um alte Panzerspuren handelte, die den
Weg dort etwas tiefer ausgefahren haben. Auch hier war der Untergrund
Sand und Kies, aber wie oben schon erwähnt war er mit viel Grün
durchzogen.

Da die Fundstelle nicht gerade vor meiner Haustür liegt, glaube ich auch nicht, dort noch einmal so schnell vorbeizuschauen. Aber man kann ja nie wissen.

Gruß Günter

Bild
BildBild

Ich habe es gerade mit den Bildern laden noch einmal versucht. In der
Vorschau sehe ich das es jetzt geklappt hat. Die Bilder müssten eigentlich
zu meinem Posting vom 26.07.10.

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Beitragvon Cornelia » Mo Aug 23, 2010 9:12

"Ich will auch solche Pfützen ... ! " :D
Cornelia

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