Hilfe bei der Artenbestimmung

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Beitragvon roheigo » So Feb 27, 2011 0:28

Ich habe vergangenen Sommer folgende Kriechtiere in meinem Garten entdeckt und bei vielen Gelegenheiten fotografiert. Ich hielt sie zuerst für Eidechsen, dafür waren sie mir aber bald zu nachtaktiv, während Eidechsen doch immer die Sonne suchen.
Ich hoffe das stimmt, denn mein Wissen über Kriechtiere endet an dieser Stelle. Mein nächster Tipp wären Salamander, meine Recherchen waren allerdings bisher erfolglos.

Zur Galerie

Folgendes kann ich noch über die Tierchen sagen:
-> ausschliesslich nachtaktiv. Beleuchtet man sie mit der Taschenlampe, bleiben Sie minutenlang absolut regungslos, bzw. bis man das Licht wieder ausmacht. Zum Fotografieren sind sie somit perfekt; ich hoffe das Licht schadet ihnnen nicht !?!??
-> Man findet Sie immer wieder an den gleichen Stellen, fast immer in der Nähe von alten, stark vermoderten Baumwurzelstöcken. Der Garten im allgemeinen ist sehr naturnah und an einigen Stellen auch bewaldet und naturbelassen, d.h. wird nicht gemäht/umgegraben/etc.
-> In den meisten Fällen findet man mehrere in relativer Nähe zueinander.
-> Die meisten sind ähnlich gross, in etwa 10-15 cm vom Kopf bis zur Schwanzspitze. Am Foto mit dem blauen Feuerzeug sieht man das kleinste Exemplar.
-> Im Herbst waren sie bis knapp über Gefrierpunkt anzutreffen.
-> Der Fundort ist 2493 Lichtenwörth bei Wr. Neustadt.


Für Hinweise, die zur Bestimmung der Arten führen, ist ein grosses Dankeschön als Belohnung ausgesetzt.

Hier nochmal alle Bilder als Einzeldateien:

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PS: wir hatten vor, heuer einen Igel im Garten anzusiedeln. Muss ich befürchten, dass es mit den Salamandechsen zu Konfrontationen kommt, die für eine der beiden Seiten tödlich enden könnte? (D.h. würde ein Igel die Population stark gefährden?)

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Beitragvon Snake23 » So Feb 27, 2011 1:10

Hallo, die "Dankeschön-Belohnung" würd ich mir für die Bestimmung natürlich gerne abbholen, aber ehrlich gesagt trau ich mich da bei der Bestimmung überhaupt nicht drüber. Aber bin davon überzeugt, daß Du in den nächsten Stunden darüber eine kompetente Auskunft kriegst. Trotzdem wage ich es zu behaupten, daß alle Deine tollen Bilder Molche zeigen.
Obwohl ich den in dieser Musterung (zumindest bei uns in Kärnten) noch nie gesehen habe.
Und zum Igel : Bitte laß in weg !!!!!!!!
Grüße
Snake23

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Beitragvon pleurodeles » So Feb 27, 2011 1:10

Servus roheigo,

das sind alles Teichmolche (Lissotriton vulgaris) in Landtracht. Wenn Du so ein Ding wiedermal siehst, miss es mal genau aus, recht viel größer als 10 cm werden die nicht. Das Tier am Feuerzeug-Bild ist ein ziemlich frisch metamorphosiertes Tier, das erst kurz zuvor vom Larvenstadium im Wasser ans Land gewechselt ist.
Infos zu dieser Art findest Du hier: http://herpetofauna.at/amphibien/triturus_vulgaris.php Vielleicht füllst Du ja auch eine Fundmeldung aus, die wäre recht wertvoll! http://herpetofauna.at/funde/index.php

Kriechtiere (Reptilien) sind das keine, sondern Lurche (Amphibien).

Licht schadet den Molchen sicher nicht. Wenn Du Igel in Deinem Garten haben willst, dann leg einfach dafür geeignete Habitatstrukturen wie zB Asthaufen an, dann kommen sie von selbst. Gefährden werden sie die Teichmolche nicht. Vielleicht futtert mal einer einen Molch, das kann schon passieren (das ist die natürliche Nahrungskette). Möglicherweise brennt einem Igel nach dem Verzehr eines Molches oder Frosches wegen deren Giftdrüsen auf der Haut aber auch das Maul so sehr, dass er nie wieder einen anrühren wird - das weiß ich nicht genau, bin kein Igel, und es kann auch schwierig werden, einen zu fragen;)
Amphibien und Igel schließen sich jedenfalls nicht aus, Du kannst also ganz unbesorgt sein und Dich an den Tieren in Deinem Garten erfreuen!

Viele Grüße,
Günther

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Beitragvon Snake23 » So Feb 27, 2011 1:24

Echt! Das wusste ich jetzt aber auch nicht, daß diese Molche ein Sekret absondern und der Igel dadurch praktisch "die Schnauze voll hat", und die Molche in Ruhe lässt. Schade daß das meine Blindschleichen (noch) nicht können.
Grüße
Snake23

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Beitragvon pleurodeles » So Feb 27, 2011 1:39

Naja, ob das bei Igel und Molch so ist, weiß ich ja wie gesagt nicht so genau, könnt mir´s aber vorstellen. Zumindest hab ich mal gehört, dass Ringelnattern nur max. 1 Mal im Leben einen Feuersalamander fressen und sie dann genug davon haben, weil sie doch irgendwie lernfähig sind;). Frösche verzehren sie aber dann wieder ohne Probleme. Eine Ringelnatter ist jedoch kein Säugetier und ein Frosch kein Feuersalamander.. Wie es da mit Igel und Molch steht, sei also dahin gestellt. Wäre sehr interessant, das rauszubekommen!

Tatsache ist jedenfalls, dass Igel und Teichmolch heimische Arten sind, die miteinander leben können, denn solche rotten sich normalerweise nie aus.

LG,
Günther

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Beitragvon Snake23 » So Feb 27, 2011 2:52

Hoffe daß der user "roheigo" das nicht unbedingt ausprobiert, ob die sich jetzt vertragen oder nicht. Ich selbst hatte ja einen Igel im Garten, den ich in ein Lebensbebiet gebracht habe, wo es eben passt (Luftlinie 600m - wahrscheinlich kommt er eh wieder, aber hoffentlich ohne Anhang). Auch wenn das damals nicht von allen so akzeptiert wurde. Auch wenn der Igel, wie Cornelia es bemerkt hat offensichtlich zumindest auf einem Auge blind war, hat er doch top überlebenschancen - er braucht seine Augen nicht unbedingt !

Als zusätzliches Sinnesorgan verfügt der Igel über das "Jacobsonsche Organ", dessen Leistungen bisher zu zahlreichen Fehlinterpretationen Anlass gaben. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Geruchsorgan im Gaumendach. Beriecht und bekaut ein Igel einen für ihn attraktiven Gegenstand, bildet sich zunächst schaumiger Speichel, der durch einen schlauchartigen Gang hinter den Schneidezähnen in das mit Sinneszellen ausgestattete Jacobsonsche Organ befördert wird.
Ähnlich den Reptilien werden Duft- bzw. Geschmacksmoleküle mit der Zunge aufgenommen und mit diesem zusätzlichen Sinnesorgan geprüft. Sie schnüffeln fortwährend in der Luft und nehmen dadurch sowohl Beute als auch potenzielle Gefahr wahr.
Igel besitzen einen hervorragenden Gehör- und Geruchssinn. Der Sehsinn ist entsprechend der nächtlichen Lebensweise schlecht ausgebildet.


@pleurodeles
Zur "lernfähigkeit" der Ringelnatter :
Hab diesbezüglich seit 6 Jahren meine Beobachtungen und Erkenntnisse in einer vorzubereitenden Doktorarbeit niedergeschrieben und dokumentiert. Diese wollte ich in diesem Frühjahr veröffentlichen. Leider ist mir da jetzt das Thema mit dem Dr-Titel von Hrn Guttenberg in die Quere gekommen, und ich mußte jetzt sicherheitshalber meine dissiterriirritationen nochmals auf die Fußnoten kontrollieren, und alle geklauten Seiten herausnehmen, Bin jetzt von 628,05 Seiten auf zwei herunten. Ist jetzt super übersichtlich, aber ich glaub ich kann den schmarrn vergessen.
Ein lei,lei aus Villach :D :D :D
Grüße
Snake23

Ps.: Ringlenattern lernen wirklich !
Zuletzt geändert von Snake23 am So Feb 27, 2011 3:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon pleurodeles » So Feb 27, 2011 3:02

Als zusätzliches Sinnesorgan verfügt der Igel über das "Jacobsonsche Organ", dessen Leistungen bisher zu zahlreichen Fehlinterpretationen Anlass gaben. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Geruchsorgan im Gaumendach. Beriecht und bekaut ein Igel einen für ihn attraktiven Gegenstand, bildet sich zunächst schaumiger Speichel, der durch einen schlauchartigen Gang hinter den Schneidezähnen in das mit Sinneszellen ausgestattete Jacobsonsche Organ befördert wird.
Ähnlich den Reptilien werden Duft- bzw. Geschmacksmoleküle mit der Zunge aufgenommen und mit diesem zusätzlichen Sinnesorgan geprüft. Sie schnüffeln fortwährend in der Luft und nehmen dadurch sowohl Beute als auch potenzielle Gefahr wahr.
Igel besitzen einen hervorragenden Gehör- und Geruchssinn. Der Sehsinn ist entsprechend der nächtlichen Lebensweise schlecht ausgebildet.

Ist doch ganz wunderbar und höchst faszinierend!:)

Mach Dir nix ausm Guttenberg, bisher is man eh noch kaum woanders draufgekommen :D

Guts Nächtle,
Günther

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Beitragvon Cornelia » Mo Feb 28, 2011 11:13

Also die Sache mit dem Igel ...
Im Handbuch wird er als Prädator genannt! Allerdings ist die Liste der Feinde im Wasser wesentlich länger, da befindet sich der Molch ja eben auch die längste Zeit im Jahr (wenn er aktiv ist).
Irgend einen Abwehrstoff sollt auch der Teichmolch haben, aber nicht so giftig wie der Feuersalamander. Da haben wohl die Insekten (Käfer), die der Igel frißt, schlimmere Chemie zu bieten.
Ich bin auch für "Igel anlocken" mit passender Struktur. Wenn genug Insekten vorhanden sind, freuen sich die Molche und der Igel.
Cornelia

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