Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

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Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon Muralis » Do Mai 10, 2012 13:49

Hallo!

Den Zelkinger Teich habe ich früher hier schon vorgestellt. Bekannt ist er u.a. auch durch seine individuen- und artenreichen Amphibienvorkommen.
Gestern habe ich ungewöhnlich frühen Libellen-Massenschlupf bemerkt, u.a. von der seltenen Gabel-Azurjungfer Coenagrion scitulum.

scitulum2.jpg


Ich wollte so einen Schlupf heute morgen mal ordentlich fotografieren. Zu meiner Enttäuschung schlüpfte aber heute absolut nichts.
Aber das Wasser des 2ha großen Teichs ist momentan kristallklar, die Sonne hat begonnen, hineinzuscheinen und während einer kurzen Beobachtungszeit habe ich schon auf wenigen qm zahlreiche Alpen-Kammmolche beobachten können, die aus dem bodennahen Gewirr an diversen Laichkrautarten nach Luft auftauchten! Hochgerechnet auf den ganzen Teich müssen hier Tausende von Kammmolchen existieren...

Fotografieren in das Wasser ist bekanntlich schwer, aber ich hab´s versucht, um einen Eindruck zu zeigen. Das 100er Makro ist eigentlich nicht ideal, wäre ein guter Einsatzbereich für das 300er Festbrennweite. Aber ich werde dranbleiben.

carnifex1.jpg
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carnifex2.jpg
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carnifex3.jpg
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Coenagrion scitulum:

scitulum.jpg


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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon Bufo viridis » Do Mai 10, 2012 22:31

Hallo,

tolle Bilder. Vor allem die Schwanzsäume der Weibchen sind wunderbar. Eigentlich hatte ich bis jetzt immer die Erfahrung gemacht, dass die Schwanzsäume bei den weiblichen Tieren des Kammolchkomplexes bei den T.carnifex am niedrigsten sind.
Solche Vorkommen lassen einen an eine immernoch -zumindest teilweise- heile Welt glauben.
Evtl. wären ein paar Fotos mit einem kleinen Aquarium möglich?

Viele Grüße
Michi

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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon Muralis » Fr Mai 11, 2012 18:43

Ja, ich hatte auch nicht gedacht, dass es solche individuenreichen Kammmolch-Vorkommen im Alpenvorland überhaupt noch geben kann. Nur ein paar km entfernt dümpeln die allerletzten Donau-Kammmolch-Vorkommen einer unheilvollen Zukunft entgegen (in der Krotnlackn in der Pöchlarner Au dürfte es sie jedenfalls noch geben, während die Lacken in der Schönbüheler Au schon vor Jahren ausgetrocknet sind - sie werden nun zu einem Durchströmungsarm für die Fischfauna ausgebaut)

Bufo viridis hat geschrieben:Evtl. wären ein paar Fotos mit einem kleinen Aquarium möglich?


Habe gestern schon versucht, einige Exemplare mit einem Kescher zu fangen, es ist aber praktisch unmöglich, da der Bordengrund aus Quarzschlamm grundlos ist und man daher nicht hineinsteigen kann. Außerdem flüchten die Tiere blitzartig in den Pflanzendschungel am Boden. Man müsste mit einer reuse den Gewässerboden abziehen...

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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon Bufo viridis » Fr Mai 11, 2012 22:46

Hallo Wolfgang,

immerhin, noch etwas Hoffnung scheint es zu geben. Umso toller, dass man dann hier davon liest, danke nochmal.

Das mit den Donaukammolchen hört sich schlimm an. Das tut mir doppelt weh, denn ich selbst bin "nebenbei" auch noch Halter einiger Amphibienarten und habe von G. Schultschik Donaukammolche, deren Vorfahren aus Orth an der Donau stammen, wo es ja dann ähnlich aussehen dürfte. Ist bei euch gerade die Austrocknung ein großes Problem?

Viele Grüße
Michi

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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon 7088maxi » Sa Mai 12, 2012 11:16

Hallo,
was die Auen betrifft kenn ich mich jetzt nicht so wahnsinnig gut aus, da ich fast nie hinkomme (den Berichten von WWF zufolge trocknen die Augebiete immer mehr aus weiß aber nicht ob das übertrieben ist), aber im südlichen Weinviertel ist es derzeit wieder staubtrocken. Ich glaub so trocken wie dieses Jahr wars noch nie. Im April gabs zwar 40l Regen aber im Mai bis jetzt erst 3l. Soviel zur Situation im Weinviertel. Die Hoffnung sollte man jedenfalls nie verlieren irgendwann wird es wieder besser, auch wenn wir es nicht mehr erleben werden. Vor allem sobald die Bestände nur noch sehr klein sind kommen die örtlichen Naturschutzvereine drauf neue Laichgewässer anzulegen und die Sache bessert sich in der Regel wieder.
LG

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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon Muralis » Sa Mai 12, 2012 14:05

Wenn man sich die Verbreitungskarte ansieht, erkennt man, dass wir hier am äußersten Ende des Areals vom Donau-Kammmolch sind. Jedes Gewässer, das da verloren geht (auch wenn es z.B. um Naturschutzmaßnahmen für die Fischfauna - Stichwort "Durchströmungsarme" geht), bringt die Art hier dem Aussterben näher.

Die Austrocknung durch den Klimawandel ist für die Art nicht das unmittelbare Problem, sondern die voranschreitenden Lebensraumverluste durch Donauregulierung, Au-Vernichtung und Verlandung der letzten verbliebenen Lacken in den vergleichsweise winzigen Restauen. Synchron verschwindet damit auch die Knoblauchkröte - oder ist schon verschwunden.

Aber weiter im Osten - NP Donauauen etc. - wird es wohl noch genug von denen geben.

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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon Gerald » Sa Mai 12, 2012 14:36

Ohne es wirklich zu Wissen, aber zumindest von der Lehre in der Uni her entstand bei mir auch immer wieder der Eindruck, dass bei Naturschutzprojekten im Zuge von Flussgebietsrevitalisierungen hauptsächlich auf die Fischfauna geachtet wird, und die Amphibien eher stiefmütterlich behandelt werden..
Umso interessanter finde ich die Projekte um die Herpag (-Leute) in den Traun- und Salzachauen. Sollte es wieder einmal Exkursionen dort hin geben, kann ich das wirklich empfehlen, speziell da nun schon wieder ein paar (?) Jahre seit den ersten Maßnahmen vergangen sind. Das große Problem in den Auen generell ist halt wie schon geschrieben die Hauptstromeintiefung / der sinkende GW - Spiegel und die fehlende Dynamik, nebst natürlich dem Lebensraumverlust. Diesbezüglich bin ich echt schon gespannt was bei den Projekten östlich von Wien heraus kommt..

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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon 7088maxi » Sa Mai 12, 2012 15:51

Hallo,
ja das ist genau das was mich ärgert da wird jahrelang nichts unternommen und erst wenn es wirklich nur noch wenige Exemplare der Art gibt wird sie speziell in einem einzigen Gebiet gefördert. Hauptsache wir können sagen das wir die Art gerettet haben. Aber haben wir das dann wirklich getan? Warum man nicht einige tausend Euro in die Betreuung solcher letzten Kleinode steckt die unterm Strich eigentlich den Erhalt der Art ausmachen ist mir schleierhaft.
@Gerald: Hast du Info-Links zu solchen Projekten?
LG

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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon Gerald » Sa Mai 12, 2012 19:56

Bezüglich der Traun- und Salzachauen hab' ich auf die Schnelle leider keine Projektinfos gefunden, vielleicht weiß Rainer (glaube er liest hin und wieder mit ;-) ) oder jemand anderer von der herpag hier mehr? Wäre wirklich toll, weil mir persönlich haben diese Exkursionen und Projekte sehr gut gefallen.
Ein paar Bilder (der Exkursionen) gibt's hier:
http://www.herpag-hdn.amphibien.at/doku ... n_2009.htm
http://picasaweb.google.com/traunau

Bezüglich des flussbaulichen Projektes östlich von Wien:
http://www.donau.bmvit.gv.at/index.php
http://einflussdonau.com/links/

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Re: Massenvorkommen von Triturus carnifex im Zelkinger Teich

Beitragvon 7088maxi » So Mai 13, 2012 12:27

Werds mir anschauen!

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