Schlingnatter / Glattnatter (Coronella austriaca) - Nahrung?

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Schlingnatter / Glattnatter (Coronella austriaca) - Nahrung?

Beitragvon no0ne » Mo Aug 04, 2008 0:25

Ist es richtig, dass geschlüpfte Schlingnattern erst später mit der Nahrungsaufnahme beginnen, da sich ihr "Verdauungsapparat" angeblich erst entwickeln muss?
Wenn ja, wieviel später und wovon ernähren sich diese Jungschlangen anfangs?

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Beitragvon Hannes » Di Aug 05, 2008 16:50

Hello,
Schlingnattern häuten sich ziemlich exakt 1 Woche nach ihrer Geburt (alle Organe sind voll funktionstüchtig) und beginnen unmittelbar danach mit der Nahrungssuche.
Für die Jungtiere ist es überlebensnotwendig, noch vor der Winterruhe Nahrung aufzunehmen.
Jungschlangen fressen ausschließlich Reptilien, während Adulttiere ein breiteres Nahrungsspektrum aufweisen (Reptilien, Kleinsäuger, gelegentlich Jungvögel und in seltenen Fällen Amphibien und Insekten).
Hannes

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Beitragvon Mamba » Di Aug 05, 2008 21:48

Schlingnattern häuten sich ziemlich exakt 1 Woche nach ihrer Geburt


Das ist nicht richtig - Schlingnattern sind "Soforthäuter" und häuten sich bei oder unmittelbar nach der Geburt.

Jungschlangen fressen ausschließlich Reptilien


Da hab' ich so meine Zweifel. Es mag sein, dass die Lieblingsnahrung frischgeborener Schlingnattern frisch geschlüpfte oder frisch geborene Eidechsen (inkl. Blindschleichen) sind. Frisch geschlüpfte oder geborene Schlangen sind zu gross, ich glaube nicht, dass das Angebot an verfügbarer Reptiliennahrung ausreicht.
Nach meinen Erfahrungen sind junge Schlingnattern Allesfresser; in Gefangenschaft nehmen sie jedenfalss sehr bereitwillig beispielsweise Heuschrecken oder Würmer an.
Gruss
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Beitragvon pewter » Di Aug 05, 2008 22:14

also zumindest die tiere hier in brandenburg häuten nicht sofort nach der geburt!
das machen ottern aber keine schlingnattern!!!
ich habe diverse schlingnattern noch einige tage lang am geburtsort liegen sehen im trüben zustand.

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Beitragvon Mamba » Di Aug 05, 2008 22:57


also zumindest die tiere hier in brandenburg häuten nicht sofort nach der geburt!



Wieviele Geburten hast Du denn schon beobachtet? Ich immerhin schon einige Dutzend, denn ich züchte solche Tiere seit nunmehr 30 Jahren. Die meisten Geburten habe ich bemerkt, weil plötzlich überall diese kleinen Häute klebten.
Vielleicht hab' ich irgendwelche Mutanten? :D

das machen ottern aber keine schlingnattern!!!


Da magst Du mit mitteleuropäischen Ottern recht haben, meinst Du aber Ottern im weiteren Sinn, gibts da auch Unterschiede, sogar innerhalb derselben Gattung.
Im Übrigen, um beim Vergleich mit Ottern zu bleiben: die sind ja in Mitteleuropa auch "lebendgebärend", während Nattern "eierlegend" sind. Die Schlingnatter macht auch hier eine Ausnahme. :lol:

ich habe diverse schlingnattern noch einige tage lang am geburtsort liegen sehen


Da kann ich Dir nur gratulieren. Mir ist das in meiner doch recht umfangreichen Felderfahrung mit Schlingnattern noch nie gelungen, quasi ein "Nest" zu finden, wo die Tiere nach der Geburt noch tagelang verharren. Frischgeborene Schlingnattern haben unzählige Feinde (inklusive der eigenen Mutter!); da hätte Mutter Natur ihnen mit dem längeren Verbleib am Geburtsort ein schlechtes und für die Arterhaltung kontraproduktives Verhalten mit auf den Weg gegeben.

In den nächsten Tagen steht hier eine Schlingnatter-Geburt an; ich versuch das mal zu dokumentieren.

Ein bisschen verwundert bin ich aber schon, dass das nicht allgemein bekannt ist. :(

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Beitragvon pewter » Di Aug 05, 2008 23:06

ich habs allein im letzten jahr an 6 stellen beobachten können.
in "die schlingnatter" von völkl und käsewieter steht es übrigens auch genau so drin, ebenso daß sie nur echsen essen, alles andere konnte in diversen versuchen nicht bestätigt werden.
achja, die mütter wandern ab in der natur...

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Beitragvon Mamba » Di Aug 05, 2008 23:26

achja, die mütter wandern ab in der natur...


Aha.
Ich halte diese Behauptung für wenig plausibel. Warum sollte das Muttertier, erschöpft vom Geburtsvorgang und im Vergleich zu den Jungen nicht in Gefahr, gefressen zu werden, den Geburtsort als erste verlassen?
Ich glaube schon eher, dass sich die Jungen bald in alle Winde zerstreuen; meine Haltungserfahrungen zeigen auch klar, dass sie unmittelbar nach der Geburt einem starken Wandertrieb unterworfen sind.
Ausserdem müssen sie sich bewegen, um eben ihre Postnatalhaut abzustreifen, und dies, wie gesagt, sofort!

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Beitragvon pewter » Di Aug 05, 2008 23:39

aus "die schlingnatter" von völkl und käsewieter:
geburt
im gegensatz zu jungen kreuzottern, die sich innerhalb der ersten stunden nach der geburt häuten müssen, finden die ersten häutungen der neugebohrenen schlingnattern erst zwischen 2 und 10 tagen nach der geburt statt.

beutespektrum
junge schlingnattern scheinen sich im freiland ausschließlich von reptilien zu ernähren. luiselli et al. fanden bei nahrungsanalysen in den karnischen alpen ausschließlich blindschleichen und waldeidechsen als beute juveniler schlingnattern. auch der ncc-report, zimmermann und strijbosch & van gelder berichten, dass juvenile schlingnattern auschließlich reptilien fressen.
andren und nilson geben an, dass in schweden soger junge kreuzottern überwältigt werden. diese ergebnisse decken sich mit experimentellen befunden aus terrarienhaltungen...
...alle anderen angebotene tiergruppen (amphibien, anneliden, saltatoria, carabiden) wurden bei käsewieter grundsätzlich nicht gefressen, auch wenn die potenzielle beute in manchen fällen ausgiebig untersucht wurde. allerdings berichten einige autoren, dass juvenile schlingnattern im terrarium mehlwürer, regenwürmer, raupen und spinnen als beute annahmen, was aber aufgrund der detaillierten untersuchungen von spellerberg und käsewieter als extreme ausnahme gewertet werden muss.

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Beitragvon Cornelia » Mi Aug 06, 2008 10:00

Ich hab zwar noch kein Schlingnatternbaby auf seinen Beutezügen begleitet, aber ich fände es gewagt, in dem Alter auf irgendeine Nahrungsquelle zu verzichten.
Zu den Magenanalysen: Da wäre ich vorsichtig, weil Reptilienschuppen sind trotz Salzsäurebehandlung noch leicht nachweisbar, die Borsten von Regenwürmern dagegen schwer ...
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Beitragvon Hannes » Mi Aug 06, 2008 10:22

Ich stütze mich bei meinen Angaben auf eigene Erfahrungen und auf die Ergebnisse von Langzeituntersuchungen, welche in Völkl & Käsewieter wiedergegeben sind sowie auf Gepräche mit den beiden Autoren.
Es kann schon sein, dass sich die Tiere unmittelbar nach der Geburt häuten, dies ist jedoch die Ausnahme.
Ich hatte lange Zeit auch so meine Zweifel, ob nicht Jungtiere doch Allesfresser sind. Daniel Käsewieter hatte mir damals glaubhaft versichert und auch bei seinen Untersuchungen festgestellt, dass Jungschlagen praktisch nur Reptilien fressen. Zum Zeitpunkt der Geburt (ab etwa Mitte August in Mitteleuropa) stehen den Tieren jede Menge Futtertiere in Form von jungen Eidechsen und Blindschleichen zur Verfügung.
Die Schlangen müssen unbedingt vor der Winterruhe noch fressen, sonst ist die Überlebenswahrscheinlichkeit gleich Null.
Das Nahrungsangebot für die Juvenes ist somit ein populationslimitierender Faktor.

Noch was: Man darf Gefangenschaftsbeobachten nicht unbedingt mit dem Verhalten der Tiere in freier Natur vergleichen.
In Gefangeschaft fressen Würfelnattern z.B. auch Mäuse und Raupen (!). Glaubst du wirklich, dass das in der Natur vorkommt??
Das Thema Hybridisierung in Gefangenschaft (Stichwort Gattungshybride bei Schildkröten und tessellata-maura Hybride) möcht ich jetzt gar nicht erst anschneiden.
Hannes

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Beitragvon Mamba » Mi Aug 06, 2008 13:57

im gegensatz zu jungen kreuzottern, die sich innerhalb der ersten stunden nach der geburt häuten müssen, finden die ersten häutungen der neugebohrenen schlingnattern erst zwischen 2 und 10 tagen nach der geburt statt.

Zuerst war's "exakt eine Woche", jetzt wird der Kreis schon ein wenig grösser mit 2 bis 10 Tagen. :D
Es kann schon sein, dass sich die Tiere unmittelbar nach der Geburt häuten, dies ist jedoch die Ausnahme.





Bei den von mir beobachteten Geburten war dies die Regel, und zwar eine solche mit bislang ohne Ausnahmen. Dass sich irgendwelche Colubriden, die in den meisten Fällen eine verzögerte Ersthäutung machen, ausnahmsweise auch mal sofort häuten, habe ich weder erlebt, noch habe ich je davon gehört.


Noch was: Man darf Gefangenschaftsbeobachten nicht unbedingt mit dem Verhalten der Tiere in freier Natur vergleichen.


Schon klar, aber diese fortpflanzungsbiologischen Aspekte wie eben der Zeitpunkt der Postnatalhäutung werden sich in der Gefangenschaft wohl kaum ändern.
Anders sieht das mit der Auswahl der Nahrung aus; hier nehmen Schlangen gelegentlich Beute an, die sie in freier Wildbahn nur sehr selten oder überhaupt nicht akzeptieren würden.
In meinen Ausführungen ging es aber nicht um frischgeborene Schlingnattern, die in Gefangenschaft mal gelegentlich einen Wurm fressen oder eine Heuschrecke erbeuten, nein, sie stürzen sich förmlich, fast ohne Ausnahme darauf. Warum sollten sie solche Beute, die ohne langes "Nachdenken" reflexartig gefasst wird, in freier Wildbahn verschmähen?
Es mag je nach Verbreitungsgebiet Unterschiede im Speiseplan juveniler Coronella geben, in Gebieten mit hoher Echsendichte kann das durchaus die Hauptnahrung und nur von gelegentlichen Ausnahmen begleitet sein.
Nicht überall ist der "reptilische" Speiseplan reich gedeckt, und so müssen kleine Schlingnattern in Teilen ihres Verbreitungsgebiets sicher auch auf andere Beute zurückgreifen.

@ Hannes
Du erwähnst im Zusammenhang mit diesem Thema Hybridisierung.
Muss ich das jetzt verstehen?

Gruss
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Beitragvon pewter » Mi Aug 06, 2008 19:42

Mamba hat geschrieben:
achja, die mütter wandern ab in der natur...


Aha.
Ich halte diese Behauptung für wenig plausibel. Warum sollte das Muttertier, erschöpft vom Geburtsvorgang und im Vergleich zu den Jungen nicht in Gefahr, gefressen zu werden, den Geburtsort als erste verlassen?
Ich glaube schon eher, dass sich die Jungen bald in alle Winde zerstreuen; meine Haltungserfahrungen zeigen auch klar, dass sie unmittelbar nach der Geburt einem starken Wandertrieb unterworfen sind.
Ausserdem müssen sie sich bewegen, um eben ihre Postnatalhaut abzustreifen, und dies, wie gesagt, sofort!


es ist keine behauptung sondern eine mehrfache beobachtung und sie macht auch sinn weil es ungünstig wäre, wenn die jungtiere im trüben zustand umherwandern um futter zu suchen.
da viele schlingnattern - zumindest hier in brandenburg - vergesellschaftet brüten würde zusätzlich noch das problem entstehen, das mutti 1, die sich am brutplatz noch erholt, sich ja förmlich das essen auf einem silbertablett servieren läßt...von mutti 2,3 und auch 4.

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Beitragvon Mamba » Do Aug 07, 2008 8:53

es ist keine behauptung sondern eine mehrfache beobachtung und sie macht auch sinn weil es ungünstig wäre, wenn die jungtiere im trüben zustand umherwandern um futter zu suchen.


Jetzt wird's aber lustig.
Schlangen in der Häutungsphase (im trüben Zustand) auf Nahrungssuche? Naja...
Eine Diskussion hierüber ist jedenfalls sowieso obsolet, weil's bei Neugeborenen keinen "trüben Zustand" gibt.

Schlingnattern sind Soforthäuter

Ich klink' mich hiermit aus der Diskussion aus.

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Beitragvon Cornelia » Do Aug 07, 2008 9:38

Wie schaut es eigentlich mit der Witterungsabhängigkeit bei der Häutung aus? Temperatur, Luftfeuchte, ..?
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Beitragvon Hannes » Do Aug 07, 2008 9:42

So, ich melde mich auch noch mal zu Wort:
Ich meinte in meinem letzten Beitrag, dass man Gefangenschaftsbeobachtungen NICHT mit Freilandbeobachtungen gleichsetzen kann, was ja in dieser Diskussion offensichtlich passiert ist.

Insgesamt betrachtet haben Beobachtungen im Freiland immer einen höheren Stellenwert, da Haltung stets eine gewisse "Manipulation" der Tiere mit sich bringt.
Man könnte überspitzt auch sagen (bitte nicht falsch verstehen!), dass sich Menschen im Gefängnis auch anders verhalten, als nicht eingesperrte.

Auf jeden Fall war das ein sehr interessantes Diskussionsthema, denke, alle haben ihr Wissen erweitern können!
Hannes

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