Unbeschriebene Eidechse auf Giglio?

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Beitragvon robhof » Do Aug 09, 2007 17:33

Hallo liebe Kollegen,

ich bin neu bei Euch und zugleich der Verursacher dieser Diskussion ...

Nun habe ich alte Diaordner durchgesucht und doch einige ältere Eidechsenfotos von Giglio gefunden ... Bild Bild Bild Mein Scanner ist kein Profigerät, aber für diese erste "Voruntersuchung" reicht es vielleicht ...

Ich teile die Bilder in "Form A" und "Form B" ein. Leider habe ich fast nur Männchen beider Formen auf den Dias ... :? (das denke ich zumindest)

Form A

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


Form B

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Beitragvon Jeroen » Do Aug 09, 2007 18:34

Alle = Podarcis siculus (Ruineneidechse), nur 2 Morphen ... Alle mänlich, ja.

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Beitragvon Vipersgarden » Do Aug 09, 2007 20:24

Ja, sag ich auch!
Alle Podarcis siculus!
Nur - interessanterweise "beide" Unterarten.

Ist auf so einer kleinen Insel ziemlich komisch.
Wahrscheinlich eine der beiden in letzter Zeit neu eingeschleppt.

Die uni colored sind z.B. im Raum Salerno - Eboli sehr häufig.
Die mit Längsstreifen(andeutung) sind eher campestris, verbreitet etwa ab Neapel nördlich.
Zuletzt geändert von Vipersgarden am Do Aug 09, 2007 21:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon robhof » Do Aug 09, 2007 21:30

Hallo Mario, ich freue mich über Deine Expertise und dieses "Wiedersehen".

Also doch keine Hoffnung auf etwas Neues ... :?

Eine kleine genetische Probe werden wir dennoch mitnehmen ... :wink:

Übrigens: Alle Quellen über Giglio, die ich kenne, vermeiden es die Eidechsen genauer zu beschreiben. Es gibt dort dieses IfmB (Institut für marine Biologie) und dadurch kommen unzählige Uni-Gruppen aus ganz Deutschland nach Giglio. Jeder verfasst einen Exkursionsbericht, aber keiner beschreibt die Eidechsen.

Es gibt auch ein nettes Büchlein über die Natur von Giglio (Lambertini, M., 2002: The Island of Giglio), wo sämtliche Tiere und Pflanzen ganz gut dargestellt sind, nur die Eidechsen nicht. Ich habe dadurch den (vermutlich falschen) Eindruck gewonnen, dass sich keiner auskennt und niemand genau weiß, welche Lacertiden hier wirklich vorkommen ...
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Beitragvon Vipersgarden » Do Aug 09, 2007 21:44

Hallo Robert,

wenn´s halt nicht persönlich geht, dann hier im forum.

Ich möchte nächstes Jahr sowieso ein paar Tage in die Toskana, Raum Grosseto (Castiglione della Pescaia) - Orbetello.
Hab mich im Netz auch schon ein bisschen schlau gemacht.
Die Fähren fahren vom Mt. Argentario 1 - 2 stündlich und kosten pro Person je nach Jahreszeit zwischen € 5,30 unbd 6,30. Fahrzeit ca. 45 min.
Autos kosten so ab € 27,50.
Aber zu was ein Auto auf einer Insel, die man in einem Tag abklappern kann !
Link Fährlinie Toremar
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Beitragvon Vipersgarden » Do Aug 09, 2007 22:02

Habe gerade von Alexander Pieh eine mail bekommen, dass es auf Giglio Geckos gibt!

Hemidactylus turcicus und
Phyllodactylus europaeus, nein, heute Euleptes europaea

und Zornnattern, Hierophis viridiflavus

und an Amphibien den Scheibenzügler Discoglossus sardus
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Geckos !^^

Beitragvon Biggest-Fan-of-24 » Do Aug 09, 2007 22:54

Vipersgarden hat geschrieben:Habe gerade von Alexander Pieh eine mail bekommen, dass es auf Giglio Geckos gibt!

Hemidactylus turcicus und
Phyllodactylus europaeus, nein, heute Euleptes europaea

und Zornnattern, Hierophis viridiflavus

und an Amphibien den Scheibenzügler Discoglossus sardus


Oh man, und ich hab keinen Gecko gesehen :x Wegen Discoglossus sardus : Da würd ich im Frühjahr schauen - im Sommer gibts dort nämlich keine natürlichen Wasseransammlungen (wir hatten an einem Tag ne Exkursionsleiterin, die sich da etwas auskannte und meinte, dass sich die Scheibenzüngler im Sommer vergraben würden...letztendlich hab ich aber doch einen in irgendeinem komischen Wassersammelbecken in Campese gefunden)
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Beitragvon robhof » Fr Aug 10, 2007 7:54

Vipersgarden hat geschrieben:Habe gerade von Alexander Pieh eine mail bekommen, dass es auf Giglio Geckos gibt!

Hemidactylus turcicus und
Phyllodactylus europaeus, nein, heute Euleptes europaea

und Zornnattern, Hierophis viridiflavus

und an Amphibien den Scheibenzügler Discoglossus sardus


Die Geckos habe ich alle auf Fotos und auch schon oft genau beobachtet. Man findet sie man häufig in alten Steinhütten, den "palmenti" (die hat man zum Weinpressen direkt im Weinberg verwendet) oder in anderen kleinen Steinhütten, die früher Unterschlüpfe für die Hirten waren (in einer Zeit, wo die Weidewirtschaft noch wichtig war), die heute meistens irgendwo in der Macchie stehen oder in den Weinbergen. Das ist ein wahres Eldrorado für Geckos ... In jeder Ritze sitzen sie. Ein altes Steinhaus ist wohl die Heimat einer ganzen Population, ich spekuliere nur, dass es vielleicht richtige Populationsinseln sind ... Allerdings ist es wahr, dass man überall sonst in der Macchie keine Chance hat nach den Tieren zu suchen, die ist undurchdringlich.

Die gelbgrüne Zornnatter (sehr häufig) hat unseren Hund gebissen, das ist eine recht imposante, ungiftige Schlange. Und die Laichgewässer des Sardischen Scheibenzümglers sind bemerkenswert, oft in fließenden Gewässern, weil dort permanente Gewässer selten vorkommen.

Alles in allem eine spannende kleine Insel für Herpetologen. Die zahlenmäßig dominanten sind aber die Ruineneidechsen, von denen es wirklich unglaublich viel gibt. Ich konnte schon beobachten, wie die Zornnatter welche verspeist ...
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Beitragvon robhof » Fr Aug 10, 2007 8:14

Hier einige Bilder zu den Geckos

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild :)
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Beitragvon Vipersgarden » Fr Aug 10, 2007 8:22

Hallo Robert,

dass sind alles Hemidactylus turcicus.

Die 2. Art, Euleptes europaea, ist eigentlich ein "Kulturflüchter".
Seine Lieblingsplätze sind unter der Baumrinde abgestorberner Bäume (Pinien). Ich hab die Art am Monte Argentario nur dort gefunden. An anderen "Geckoplätzen" war ich erfolglos. Der Monte Argentario ist übrigens der einzige Platz (was ich weiss), wo der Blattfingergecko in der "Festland"-Toskana vorkommt.
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Beitragvon Werner » Fr Aug 10, 2007 8:54

Nach einigen Tagen "Schrecksekunde" ist die Diskussion doch noch richtig in Schwung gekommen, jetzt haben wir auch Bilder, die die Sachlage klar gestellt haben. Klar, alles ist P. sicula (Pardon Jeroen: siculus :D ). Wie auch bei einigen anderen Podarcisarten gibt es bei sicula, speziell bei der Nominatform, neben der "normalen" eine praktisch ungezeichnete Farbform, die auf den ersten Blick wie eine andere Art aussieht. Das obere Bild im FNZ-Forum schaut aber irgendwie doch tiliguerta-ähnlich aus...

@Hannes: du meintest offenbar nigriventris, weil maculiventris gibts erst jenseits des Apennin.

@Mario: nein ALLE schauen wie die Nominatform aus und die Tiere dürften daher nicht vom Argentario sondern irgendwo aus Süditalien dahergekommen sein - und zwar unabhängig vo der Meerestiefe mit dem Schiff. Klar, dass das keine differenzierte Unterart ist!

Ich bin schon neugierig auf die DNA-Proben!

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Beitragvon Hannes » Fr Aug 10, 2007 10:18

Artenliste von Giglio (lt. ital. Verbreitungsatlas):

Discoglossus sardus
Testudo hermanni (eingeschleppt)
Euleptes europea
Hemidactylus turcicus
Tarentola mauritanica
Podarcis siculus
Hierophis viridiflavus

@Robert: Ist die Zornnatter auf Giglio komplett schwarz gefärbt?
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Beitragvon Jeroen » Fr Aug 10, 2007 13:47

Vipersgarden hat geschrieben:Der Monte Argentario ist übrigens der einzige Platz (was ich weiss), wo der Blattfingergecko in der "Festland"-Toskana vorkommt.


In Liguria, there's at least one population on an old tower in Genova (Liguria).

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Beitragvon robhof » Fr Aug 10, 2007 22:13

Hannes hat geschrieben:@Robert: Ist die Zornnatter auf Giglio komplett schwarz gefärbt?


Nicht wirklich, nach meiner Beobachtung sind die meisten Tiere - wie der Name es sagt - tatsächlich "gelbgrün", haben also mosaikartig beide Farben, allerdings ist der Gesamteindruck oft ziemlich dunkel ...
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Beitragvon Hannes » Sa Aug 11, 2007 1:02

Hast du Fotos von den Schlangen? Würde mich sehr interessieren, da von manchen Herpetologen die Meinung vertreten wird, dass die adriatischen Hierophis der Art "H. carbonarius" angehören, da dort alle Populationen schwarz gefärbt sein sollen (...). Westlich des Apennins hingegen sollen alle die arttypische gelbe Sprenkelzeichnung aufweisen.
Dies trifft meiner Erfahrung nach nicht zu. Auf der Insel Ischia z.B. lebt die "carbonarius" Form/Unterart/Art. Im östlichen Liguríen ("Kontaktzone?") findet man z. T. stark verdunkelte Exemplare, an denen aber noch ein Zeichnungsmuster zu erkennen ist. Außerdem besteht an der adriatischen Küste im Bereich der Poebene ebenfalls eine "Hybridisierungszone", wie Belegfotos von Mario und Werner beweisen.
Hannes

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