Schlangen auf Kreta

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Schlangen auf Kreta

Beitragvon mingranos » Mi Aug 15, 2007 21:04

Hallo zusammen,

ich fliege Anfang September auf Kreta und bin mich vorweg am Informieren, wie es dort schlangentechnisch aussieht.

Letztes Jahr war ich in der Türkei. Dort konnte ich leider keine einzige Schlange finden, obwohl ich wirklich jeden Tag gesucht habe.

Vorletztes Jahr in Kroatien war da besser. Einige Exkursionen auf Krk und Cres und auch auf dem Festland haben viele Schlangen gebracht, meistens Balkan-Zornnatter (leider sehr viele überfahren). Leider tot finden konnte ich ebenfalls nur eine Katzennatter, Leopardnatter und Vierstreifennatter.

Aber zurück zu Kreta. Wie ich im Internet lesen konnte, sieht es dort auch nicht so rosig aus mit Schlangen. In Gouves wo ich wohnen werde soll wohl nur die Katzennatter vorkommen. Wäre natürlich prima eine zu finden. War jemand von euch schon einmal dort? Gibt es prägnante Stellen? Bis auf einen Teich im Westen soll dort ja auch kein Wasser sein.

Ich bin furchtbar dankbar über Tipps.

Gruss Andreas

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Beitragvon Hannes » Do Aug 16, 2007 11:37

Lieber Andreas,
ich weiss leider nicht, wo Gouves liegt, aber es stimmt, auf Kreta schaut es schlangen- bzw. reptilienmäßig eher "traurig" aus.
Es kommen auf Kreta 3 Amphibienarten (B. viridis, H. "arborea", R. ridibunda), 1 Schildkrötenart (M. rivulata), 6 Echsenarten (C. kotschyi, T. mauritanica, H. turcicus, C. occellatus, P. erhardii kretensis, L. trilineata) sowie 4 Schlangenarten (Z. situla, T. fallax, N. tessellata, H. gemonensis) vor.
Alle anderen gemeldeten Arten (z. B. C. chamaeleon, T. vermicularis) sind höchst zweifelhaft bzw. Falschmeldungen.
N. tesssellata kommt nur lokal vor, ich kenne sie nur vom Kourna-See (hoffe, i habe den Namen des Sees richtig geschrieben...). Die restlichen 3 Arten sind mehr oder weniger über die gesamte Insel verbreitet; Z. situla soll angeblich recht häufig sein.
Hannes

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Beitragvon Jeroen » Do Aug 16, 2007 14:37

In fact, we will probably also go to Crete this year, but in October. I have already done some preparative research.

The Kourna lake is indeed the only natural freshwater lake of the island. Natrix tessellata lives there. However, another interesting waterpoint is the Agia reservoir, near Agia, southwest of Chania. These sites are good for Mauremys rivulata, Pelophylax cretensis (= the main reason for our visit), Lacerta trilineata polylepidota, Hyla arborea kretensis and Podarcis (erhardii) cretensis. I was also told by several people that Zamenis situla is not very rare, or at least not as rare as in many mainland areas. Look e.g. in lush, small gardens with some stonewalls etc. I think at night you have quite a good chance to find Telescopus in September.

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Beitragvon Srutl » Do Aug 16, 2007 14:57

In Kato Gouves konnte ich einige Tarentola finden.

Grüsse die Chefin der Tauchbasis! Sie ist eine Wienerin!
======================


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Das hört sich doch nicht so schlecht an

Beitragvon mingranos » Do Aug 16, 2007 21:57

Hallo und danke euch allen,

da sind doch einige brauchbare Tipps dabei. Es wäre natürlich super, eine situla zu finden. Bisher konnte ich nur eine tote 2005 in Kroatien finden. ich werde mir eure genannten Gebiete mal auf Google Earth anschauen. Damit läßt sich prima was machen.

Ich wusste auch noch nicht, dass ich eine fallax eher bei Nacht finde als früh morgens. Wann ist denn so die beste Zeit? Wir waren in Kanada oft nachts unterwegs auf der Suche nach einer Massassauga Rattlesnake. Da war schlangentechnisch auch viel los nachts bzw. am späten Abend bis frühe Nacht, aber immer nur wenn es warm und schwül war. Leider mochten auch die Moskitos dieses Wetter.

Ich freue mich natürlich auch über andere Reptilien und Amphibien, mein Hauptaugenmerk liegt aber wieder bei den Schlangen. Aber auch interessante Spinnen und Skorpione würden mich freuen.

Könnt ihr mir noch ein wenig helfen, was Habitate bei fallax und situla betrifft??? Die beste Zeit wird wohl bei situla wieder früher Morgen und Abend sein. Mein Problem im Süden ist, dass (ich wohne in der Eifel in Deutschland) das gesamte Land für mich wie ein Schlangenparadies aussieht und es mir dementsprechend schwer fällt, geeignete Habitate zu finden.

Ich danke euch schon mal recht herzlich für eure Anregungen und freue mich noch auf viele hilfreiche Antworten. Nach der Exkursion werde ich genauestens Bericht erstatten.

Gruss Andreas Noe

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Beitragvon Jeroen » Fr Aug 17, 2007 2:13

Well, at least we found Telescopus only at night (or under stones by day). Mainly during the first hours after dark and often along south- or southwest-exposed walls with holes in. Bushes and herbs in front of them. Also, of course, with tons of (not too big) geckos. Another way to find them, besides walking along drystone walls and rocky slopes with a torch, is (at least in spring) driving around at night and looking on the road.

Remember that Telescopus and situla still are among the more difficult species to find in Europe.

Describing the perfect habitat is never easy, especially because this can differ from one region to another. Based on personal experience, people often tend to overgeneralise with rarer species, too. In general, snakes often like sunny slopes with a lot of structural variety (ranging from naked soil over shrubs to shadow of trees). Telescopus can often be found in more hot and less vegetated places than situla. For situla, see my earlier post - small gardens with overgrown walls etc. are excellent.
I think Arnold got it rather well captured, although I can understand when this still seems vague =>
http://nemys.ugent.be/species.asp?spec=44643&group=16&act=3
http://nemys.ugent.be/species.asp?spec=44540&group=16&act=3

Now let's see whether others (dis)agree :wink:

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Beitragvon Vipersgarden » Fr Aug 17, 2007 7:53

Wie Jeroen schon schrieb:

Es ist fast unmöglich, den Lebensraum der beiden Arten zu beschreiben. Deshalb, weil sie in einer Vielzahl von unterschiedlichsten Lebensräumen vorkommen.

Hier einige Beispiele:
Zamenis situla
Auf der Insel Krk in mannshoher Macchia, in und rund um bewirtschaftete Gärten, auf den sehr karstigen Hochplateaus und an der praktisch vegetationslosen Küste südlich von Stara Baska.
Südlich von Zadar in sonnigen, trockenen Kieferwäldern.
Im Neretva Delta in sehr feuchtem, wenn nicht gar sumpfigen Gebiet. So auch am Prespa See in Griechenland.
In Cetina Tal in feuchtem, sehr dichtem Hochwald direkt neben dem Fluss.

Telescopus fallax
Bei Zadar in oben erwähntem Pinienwald. Hier fand ich nicht nur einmal Tiere, die sich im Mai/Juni so zwischen 8:00 und 9:00 sonnten.
Auf Krk in Legesteinmauern rund um Gärten.
Auf Milos auch bei Gärten, aber auch in den Potamos (im Sommer meistens austrocknende kleine Bachläufe).
Auf Pag gegen 21:00 auf der Straße. Links und rechts nichts als Weiden mit ein paar kleinen Steinhaufen.
Mario Schweiger

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danke

Beitragvon mingranos » So Aug 19, 2007 15:15

hallo und danke euch beiden nochmals,

es ist klar, dass sich die habitate sehr stark differieren, je nachdem wo man gerade nach den Schlangen sucht. Ich habe hier in Deutschland aber bei der gezielten Suche nach der Askulapnatter festgestellt, dass man überhaupt nur eine Chance hat, ein Expemplar zu finden, wenn man mal das Habitat von Fachleuten vor Ort hat zeigen lassen. Es gibt viele gute Stellen, aber diese muss man erstmal finden. Auf Krk habe ich viele Schlangen gesehen, aber meistens Balkan-Zornnattern, die uns vor der Straße über die Füße gelaufen sind. Gezielte Suche im Gelände hat eher wenig gebracht. Ich bin jedoch fest der Meinung, dass ich wenn ich einige gute Reviere kennen würde auf Krk, wesentlich mehr gefunden hätte. Da auf Kreta nach Aussagen einiger Forummitglieder eher weniger los sein wird schlangentechnisch gesehen, kann es natürlich hart werden. Eine Woche Türkei hat mir keine einzige Schlange gezeigt. Ist hart als echter Schlangenliebhaber.

Aber ich kann einiges eurer Antworten denke ich schon umsetzen auf Kreta, gerade das Fahren bei Nacht habe ich schon gerne in Kanada gemacht. Und auch die Trockenmauern haben mir schon in zwei Jahren so an die 50-70 Askulapnattern beschert.

Über weitere Tipps bin ich wie immer sehr dankbar.

gruss Andreas

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Situla

Beitragvon Chersina » Mo Aug 20, 2007 17:36

Hallo zusammen,

zumindestens im Juli 1993 waren die Leopardnattern gar nicht einmal so schwer zu finden. Immerhin gelang so in 8 Tagen "nebenbei" der Fund von 4 semiadulten Exemplaren. Diese fanden sich in ca. 40 km Entfernung von Chania. Das Miktohabitat bestand aus halb verfallenen Steinmauern mit dazwischen liegenden Opuntienhecken. Die Nähe der Fundpunkte zum Meer betrug etwa 500-800 m. Eines der Tiere fand sich in der fortgeschrittenen Dämmerung auf den Steinstufen die zum Strand führten.
Neben den Leopardnattern waren auch die Hierophis gemonensis nicht selten und konnten in und an den Legesteinmauern beobachtet werden. Kourna brachte auch bei uns zahlreiche Natris tesselata und eine Mauremys.

Viel Erfolg und eine gute Reise!
Micha
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