Ein schöner Tag für einen Feldherpetologen

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Ein schöner Tag für einen Feldherpetologen

Beitragvon Alexander » Sa Aug 14, 2010 19:19

Guten Tag,

nach mehreren Wochen Abwesenheit habe ich heute wieder mal eine Sandgrube in meiner Nachbarschaft besucht und war sehr erstaunt, dort zwei frische Laichschnüre zu finden, aus denen soeben die Larven aus der Gallerthülle schlüpften.
Es handelt sich hier um Kreuzkröten, die in diesem (wie auch im vergangenen Jahr) ausgesprochen schlechte Reproduktionsbedingungen angetroffen haben.

Das Schlüpfen von Kreuzkrötenlarven Mitte August ist sehr ungewöhnlich; da man zu diesem Zeitpunkt üblicherweise nur noch Geburtshelfer- und Gelbbauchunkenlarven bei uns antrifft.
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Das war aber noch nicht das Besondere an diesem Tag.
Etwas später entdeckte ich eine junge Zauneidechse und anschließend noch das Gelege, aus dem dieses Tier soeben geschlüpft war.
Innerhalb der folgenden Stunde schlüpften dann vier weitere Zauneidechsen.
Die Tiere entfernten sich sofort nach dem Schlupf von der Eiablagestelle und begannen sich zu trocknen

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Grüße vom Niederrhein
Alexander

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Beitragvon Joey Santiago » Sa Aug 14, 2010 21:20

Moin Alexander,

das sind echt tolle Aufnahmen. Vor allem die mit den schlüpfenden Zauneidechsen sind echt klasse, zumal ich so etwas noch nie gesehen habe. Bei mir sind die Jungtiere irgendwie plötzlich da, wie Zugvögel im Frühjahr, die von einem auf den anderen Tag in der Landschaft stehen.

Glückwunsch!

Beste Grüße von Frank

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Beitragvon Alexander » So Aug 15, 2010 10:55

Hallo Frank!

Danke für die Glückwünsche.
Ich sehe das genauso wie Du, irgendwie verhalten sich die Tiere "digital": Entweder sind sie da, oder weg... und man fragt sich dann, wie das "Dazwischen" aussieht.

Im vergangenen Jahr habe ich einen Schlupfvorgang knapp verpaßt, da waren es dann ganz junge Schlingnattern, die aus ihrem Geburtsversteck hervorkrochen; übrigens im gleichen Lebensraum von gestern.

Der Stein, unterm dem sich das Gelege der Eidechse befand, dient sonst als Tagesversteck für Kreuzkröten.

Der Schlupfvorgang selbst war relativ unspektakulär (ich habe einige Videos gemacht und zw. Foto- u. Videomodus der Kamera ständig gewechselt): Die Tiere steckten zuerst ihren Kopf heraus und dann dauerte es unterschiedlich lang bis zum Verlassen der Eihülle.
Das eigentliche Herausschälen aus dem Ei passierte in knapp 1 Minute.

Dann verließen sich ziemlich zielstrebig die Schlupfstelle, um sich zu trocknen.
Eine Eidechse schien sich auch bereits für umherlaufende Insekten zu interessieren; regelrechtes Beutejagen konnte ich jedoch nicht beobachten.

Grüße in den schönen Nordwesten
Alexander

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Beitragvon Max Pöchhacker » So Aug 15, 2010 12:42

Hallo Alexander

Ich möchte mich den Glückwünschen anschließen.
Da sind Dir IMHO außergewöhnliche Fotos gelungen.

Gratuliere !

M.P.

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Beitragvon Cornelia » Mo Aug 16, 2010 10:53

Ja, wirklich tolle Aufnahmen! Gratuliere! 8)
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Beitragvon Richard » Mo Aug 16, 2010 14:29

Hallo Alexander,

Supi-Bilder. Ich würde sagen "ein sensationeller Tag für einen Feldherpetologen". Das sieht man sicher nicht alle Tage!

Eine Kleinigkeit möchte ich noch anmerken:
Alexander hat geschrieben:Im vergangenen Jahr habe ich einen Schlupfvorgang knapp verpaßt, da waren es dann ganz junge Schlingnattern, ...

Schlingnattern sind lebendgebärend (ovovivipar). Statt von einem "Schlupfvorgang" würde ich eher von einer "Geburt" oder ähnlichem sprechen, um Missverständnisse zu vermeiden - man sollte dabei jedenfalls nicht an Eier denken.


Sowas möchte ich auch einmal erleben! :D :D :D

Liebe Grüße,
Richard.

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Beitragvon Alexander » Mo Aug 16, 2010 17:58

Hallo liebe Rückmeldenden,

vielen Dank für die freundlichen Anmerkungen.
Ich habe einfach nur Glück gehabt und beglückwünsche mich nur dazu, nicht - wie so oft in der Vergangenheit - meine Kamera vergessen zu haben...

Denn auch wenn der persönliche Eindruck bleibend ist, schaue ich mir gerne später noch einmal Details an bzw. teile sie mit Interessierten.

@ Richard:
Besten Dank für den freundlichen Hinweis; als Nicht-Biologe fällt die korrekte Terminologie manchmal schwer.

Ich habe die Bilder der jungen Schlingnattern einmal herausgesucht: Das Bild mit der in der Pfütze kriechenden Schlange entstand sozusagen "in-situ" (nicht gestellt).

Leider ist das Habitat (Ziegelschüttung) zerstört worden (trotz meines Hinweises auf die reproduzierenden Schlangen bei den zuständigen Fachbehörden).

Die dann angelegte Ersatz-Ziegelschüttung ist leider nicht schlangengerecht angelegt worden aber ich hoffe, das in Absprache mit der Umweltbehörde und dem Naturschutzverband noch verbessern zu können.

Noch eine Präzisierung bezüglich der Kreuzkröten:

Larven der Art trifft man sehr wohl noch im August an (manchmal - in sehr kühlen Sommern - sogar noch im September). Ungewöhnlich ist allerdings der offenbar späte Laichtermin Anfang August.

Freundliche Grüße
Alexander

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