Sommerurlaub in der Toskana

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Sommerurlaub in der Toskana

Beitragvon chris82 » Di Aug 14, 2018 14:58

Hallo Freunde,

dieses Jahr haben wir unseren Familienurlaub wieder in der Toskana verbracht.
Nachdem wir im Vorjahr im Chianti waren, hat es uns dieses Jahr in die Region zw. Siena und Volterra verschlagen.
Dieses gebiet ist durch ein reichhaltiges Mosaik aus Wäldern und extensiven Offenland geprägt.
Im vergleich dazu war der Chianti am Rande des Arno intensiv bewirtschaftet (Wein und Olive).

Ich hatte wieder nur bedingt Zeit für das Hobby, also habe ich meine Exkursionen auf die Morgen- bzw. Abendstunden gelegt.
Nachdem ich letztes Jahr mit extrem viel Aufwand nur sehr wenig Erfolge hatte, habe ich es dieses Jahr etwas ruhiger, aber system,atischer angehen lassen.
Ich hatte ja vor allem noch eine Rechnung mit der Redi-Viper offen, die mich letztes Jahr ohne auch nur eine Sichtung sehr viel Zeit und Schweiß gekostet hat.
Nunja, lt. dem Reptilienatlas der Provinz Siena ist diese Art im Chianti auch eher selten.

Ornithologisch war unsere Ferienwohnung (Agritourismo) top! Im direkten Umfeld hatten wir nahezu täglich Wiedehopfe, Bienenfresser, ein Paar Blauracken, welches 4 Junge zum Ausfliegen gebracht hat, Schlangenadler, Wespenbussarde, einig Triele, Steinläuze, bis 5 Zwergohreulen, überall Rotkopfwürger und Zaunammern, Grauammern, Haubenlerchen und Heidelerchen. Bei Volterra gab es Fahlsegler und hier und da konnte man Kuh- und nachtreiher sehen. Turteltauben und Ziegenmalker waren auch nahezu überall. Ein solches Artenspektrum auf etwa 1 qkm ist für einen Mitteleuropäer das Paradies. Die Maremma haben wir besucht, jedoch endete das Ganze als Flop. Wir haben bis auf Blauracken und div. Reiher nichts gesehen, da das Gebiet nicht ohne Weiteres zu betreten ist. Die große Lagune nördlich davon war dagegen erlebnisreich. Unzählige Flamingos, 2 Raubseeschwalben, Cistensänger und je 1 Korallen- und Dünnschnabelmöwe - was will der Vogelfreund mehr?! Am Abend in Roccabegna war nach der Brutzeit leider nur noch der Kalk der Lannerfalken zu sehen - ich hatte gehofft, dass evtl die Jungen abends zum Schlafen an den Brutplatz kommen. schade!

Nach den ersten paar Tagen hat sich der erneute Schock über die enorm hohe Wilddichte gelegt und die beiden Stachelschweine nachts auf der SP sind wie wir mit dem Schrecken davon gekommen :D
Wie schon letztes jahr im Chianti scheint der Schwarzwildbestand völlig außer Kontrolle zu sein. Es gibt keinen Ort, wo man nicht permanent auf die Spuren der Sauen trifft.
Man darf gespannt sein, ob und wie sich das zukünftig auf die Reptilienfauna auswirkt.

Ach ja, apropos Reptilien - ich möchte mal zum Wesentlichen kommen:

Ein erneuter Besuch der 4-Streifennatter-Stelle aus 2017 ergab meine erste Äskulapnatter. WOW! Sie lag einfach so exponiert auf einer Natursteinmauer zum greifen nah.
Es war schon spät, demnach musste die ISO aufs maximum gedreht werden. das Foto ist dementsprechend "durchschnittlich".
Tage später fand meine Tochter ebenda eine stattliche 4-Streifen. Mauergeckos waren dort auch anwesend und einen Nashornkäfer trug meine Tochter auch noch herbei.
Eine vermutliche Barrenringelnatter blieb die Einzige Ihrer Art. Die Hirschkäfer fliegen kaum noch, daher waren wir hier mit einem etwas träge daherkrabbelnden Weib vermutlich gut bedient.

Mauergeckos fanden wir (2017 im Chianti nicht ein einziger!) in dieser Region verbreitet. Die Altstadt von Casole D'elsa ist ein guter Spot. Roccabegna ebenso.

Mauer- und Ruineneidechse sind allgegenwärtig.

Smaragdeidechsen waren hier eher rar, oder eben einfach nur zu scheu. Das einzige Foto gelang mir in der nacht am Pool der Ferienanlage. Es hat den Anschein, dass diese Art sehr weit flüchtet.

Erzschleichen gab es 2x an der Ferienanlage.

Zornnattern hatte ich nur 2 jüngere Exemplare - pfeilschnell und aufmerksam gibt es kaum die Chance auf ein Foto.

Der Besuch der Alto Merse war auch landschaftlich ein Traum. Oberhalb des Flusses fand ich eine Hermanni und an der Brücke bei Brenna jagte eine Tesselata.
Die hier herumflatternden Libellen habe ich nicht bestimmt.

Trotz der redi-Viper-Depression habe ich wieder ein paar konkrete Anläufe in den Montagnola Senese gemacht. Hier soll die Art "relativ häufig" sein....naja, wir alle wissen ja, was das meist bedeutet.
Einige km über die Schutthalden an den Hängen und Peripheriebereichen waren wieder erfolglos und ich war froh, dass es den ein oder anderen Beifang gab, wie z.B. am merse die Landschildkröte.

Am letzten tag dann der letzte Versuch - mal legere in leichten Turnschuhen, ohne Rucksack und im leichten Gelände kam ich durch den Wald an eine Lichtung mit terrassen, verlassenen Gebäuden und Holzlagern an. Ich dachte: "Wenn nicht hier, wo denn dann?!" ein einzelner, runder und sonnenexponierter Steinhaufen fiel mir auf. Auf dem Weg dorthin fand ich eine noch feuchtes Hemd einer Viper und plötzlich..."tschschscht" verschwand eine im Steinhaufen. Mist! Wie lang ich wohl warten muss??? Egal, es war noch nicht so heiß und ich dachte, wo eine ist, sind noch mehr. Tatsächlich fand ich noch ein stattliches Weibchen 30m abseits. nach etwa 1h lag dann das Männchen wieder auf dem haufen in der trockenen Vegetation. Für ein paar schnelle Fotos hat es gereicht und ich war stolz wie Bolle.

Ansonsten gab es noch unzählige Euscorpius spec, große Skolopender, sehr viele Mantis und 1x Ameles, viele Schwalbensch2wänze und Segelfalter, Ligusterschwärmer und Taubenschwänzchen und weiteres Krabbelgetier.

Im Anschluss ein paar Fotos.
Dateianhänge
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Re: Sommerurlaub in der Toskana

Beitragvon reseptor » Do Aug 16, 2018 16:50

Hi chris82

Genialer Ausritt mit deiner Familie!!!!

Super Tolle BILDER, und wie man sieht bist du auch belohnt worden - ist auch nicht so einfach Familienurlaub und Herpen unter einen
Hut zu bringen!!

Gratuliere!!!

lg. Ralph

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Re: Sommerurlaub in der Toskana

Beitragvon Reini Margreiter » Do Aug 16, 2018 20:30

Danke Chris82 für den interessanten Bericht!
Reinhard

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