Kurzexkursion in die Südsteiermark

Herpetologische Beobachtungen in Österreich

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Kurzexkursion in die Südsteiermark

Beitragvon pleurodeles » Fr Aug 17, 2007 18:40

Hallo zusammen!

Am 15. und 16. 8. war ich mit einem Studienkollegen in der Südsteiermark, mit dem Ziel, den einzigen Skorpionsfundort der Steiermark zu bestätigen. Dies ist uns auch gelungen:

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Euscorpius gamma, der Karawankenskorpion

Da Skorpione im UV-Licht fluoreszieren, kann man sehr "gespenstische" Aufnahmen machen:
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Unsere Bemühungen, einen neuen Fundort zu entdecken, sind leider trotz intensivster Anstrengungen nicht belohnt worden. Das wird uns aber nicht davon abhalten, Anfang September nochmal für fünf Tage runterzufahren, um historische Fundorte und die Grenze Österreich-Slowenien genau abzuklappern - es wäre doch gelacht, wenn sich dort nicht noch irgendwo ein paar kleine Populationen in der Steiermark halten konnten!

Herpetologisch war nicht die Masse los - nur vier Arten konnten wir finden:

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juveniler Rana temporaria

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Subadulte Bufo bufo

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Juvenile Bombina variegata. Auf diese Art müssen wir aufgrund der temporären Laichgewässer besonders aufpassen! Denn diese sind oft ganz schnell zugeschüttet! In Deutschland werden, so hab ich gelesen, tatsächlich extra Schutzgebiete für diese Art ausgewiesen (weil sie ja in Anhang II der FFH-Richtlinie steht). Sollte uns ein Vorbild sein!

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Eine schöne weibliche Podarcis muralis

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Und hier beim Verspeisen einer Fliege (Man glaubt gar nicht, wie laut diese kleinen Tierchen sein können, wenn sie ein Beutetier gefangen haben!!) - leider nicht besonders scharf:
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Insgeheim erhofft man natürlich den Nachweis einer Vipera ammodytes in der Steiermark, allerdings liegt die Chance dafür bei wahrscheinlich weit unter 1 %... obwohl die Habitate teilweise nicht unbedingt unpassend erscheinen (vor allem knapp über der österreichisch - slowenischen Grenze bei Heiligengeist)... Doch wie Franz es schon mal in einem Posting über die Steierischen Ammodytes-Vorkommen geschrieben hat, ist die "Koniferitis" wohl das größte Problem:
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Vogelarten konnten wir 28 beobachten - besonders spannend war die Attacke eines Mäusebussards gegen einen Wespenbussard...

Entomologisch hat mich besonders der Riesenlaufkäfer Procerus gigas gefreut, der in Österreich meines Wissens nach nur aus Kärnten und der Steiermark bekannt ist. Unser Tier war jedoch leider überfahren (KRL ca. 60 mm):

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Alles in Allem war es eine schöne Reise - besonders der südsteierische Wein ist natürlich nicht zu verachten (selbst, wenn man eigentlich doch eher der Biertrinker-Fraktion angehört;-)!

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Blick von der Ruine Schmirnberg ins Südsteierische Weinland

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Blick von der österreichisch-slowenischen Grenze ins Südsteierische Weinland

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Vipera ammodytes in der Steiermark

Beitragvon Gerri » Sa Aug 18, 2007 12:13

Tatsächlich sind die Vorkommen von der Sandviper im Grenzgebiet Österreichs zu Slowenien erloschen, aber ich glaube es gibt die Sandviper in der Steiermark trotzdem noch, nämlich nördlich von Friesach in Kärnten, bei der Burgruine Dürnstein, welche bereits knapp auf steirischem Terrain liegt. Zumindest weisen die aktuellen Verbreitungskärtchen darauf hin, dass es dort noch ein inselhaftes Vorkommen der Art gibt und das wäre auch die nördlichste Verbreitungsgrenze der Art in Europa. Ich persönlich hatte noch nie das Glück auf vipera ammodytes in Österreich zu stossen, aber ich glaube das geeignetste Gebiet, auf die Art zu treffen ist die Villacher Alpe rund um Schütt. Dorthin muss ich einfach einmal eine Exkursion machen, zumal die österreichischen Exemplare der Art die größten im gesamten Verbreitungsgebiet sind, oder habe ich da Unrecht????

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Beitragvon pleurodeles » Sa Aug 18, 2007 14:41

Ja, in dem von dir beschriebenen Gebiet existiert sie vielleicht noch, aber es wäre eben besonders spannend, die erloschenen Vorkommen an der Steierisch-Slowenischen Grenze zu revidieren und vielleicht doch noch eine kleine Population zu entdecken. Irgendwie erinnert mich diese Situation etwas an die von Vipera ursinii rakosiensis in Österreich...

Je nördlicher, desto größer sind die Tiere, da hast du recht. Den nördlichsten Tieren wird (zumindest den männlichen) eine Länge von bis zu 110 cm nachgesagt. Das ist schon gewaltig...

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Beitragvon DrMatrix » Sa Aug 18, 2007 19:12

Interessant für v.ammodytes könnte der Bereich der Feistritz (slow. Bistrica) im Bereich der Staatsgrenze auf österreichischem Gebiet sein. Ist ohne langwierigen Abstieg nur von Slowenien aus zu erreichen - bei Muta Richtung Norden, an der Grenze ist eine Brücke, die von Fußgängern mit Reisepaß benutzt werden darf.
Menschenleeres Gebiet, felsige Landschaften, im April/Mai viele Orchideen. Hab dort einmal gesucht, zwar nichts gefunden, aber die Landschaft schaut vielversprechend aus!

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Beitragvon Gerald » Di Aug 21, 2007 22:19

Hi,

schöner Bericht!
Hast du einen Tipp bezüglich Bestimmungsschlüssel zu Euscorpius - Arten?

Danke & schöne Grüße,

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Beitragvon pleurodeles » Mi Aug 22, 2007 13:39

Hi Gerald,

Bernhard Scherabon hat in seiner Arbeit, in der er Euscorpius gamma erstbeschreibt, einen Bestimmungsschlüssel für einige Arten der Gattung angeführt. Darin sind aber nicht alle verzeichnet:

Scherabon B, Gantenbein B, Fet V, Barker M, Kuntner M, Kropf C, Huber
D (2001) A new species of scorpion from Austria, Italy, Slovenia and
Croatia: Euscorpius gamma Caporiacco, 1950, stat. Nov. (Scorpiones:
Euscorpiidae). Ekológia (Bratislava), Vol. 19, Spplement 3, 253-262.

Es gab auch mal im Internet einen Schlüssel auf der Seite www.ub.ntnu.no/scorpions-files/index.php, der Link funktioniert aber leider nicht mehr.

Man müsste mal rumgoogeln, vielleicht findet man irgendwo noch einen aktuellen.

In Österreich ist die Situation allerdings recht überschaubar: Die beiden häufigsten Arten sind E. germanus und E. gamma. Diese unterscheiden sich hauptsächlich darin, dass ersterer einen eingekerbten Carapax-Vorderrand hat, zweiterer einen mehr oder weniger geraden, und dass das Trichobothrienverhältnis auf den Pedipalpen unterschiedlich ist (germanus 1:1, gamma 3:1). Ansonsten hat gamma tendenziell etwas hellere Beine (wobei das natürlich einer hohen Variabilität unterliegt). Auch ist germanus die westlichere Art, die Grenze zwischen den beiden liegt etwa im Bereich um Villach.
Die dritte Art in Österreich ist E. tergestinus (ehem. carpathicus). Von ihm sind glaube ich nur drei Fundorte bekannt (Krems, Hochosterwitz und Federaun am Ostrand der Schütt) und seine Vorkommen gelten als allochthon.

Ich kann mal schauen und nachfragen, vielleicht mach ich ja noch einen guten Bestimmungsschlüssel ausfindig...

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Beitragvon pleurodeles » Mi Aug 22, 2007 15:19

So, hier jetzt der richtige Link:

http://www.ub.ntnu.no/scorpion-files/euscorpius_id.php

Ist natürlich nicht einfach ohne Binokular oder zumindest gute Lupe...

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Beitragvon Gerald » Mi Aug 22, 2007 17:48

Super, danke!! :)

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