Bufo bufo - ungewöhnlich hell?

Herpetologische Beobachtungen in Österreich

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Bufo bufo - ungewöhnlich hell?

Beitragvon sand » Mo Jun 30, 2008 18:09

Guten Tag zusammen!

Erscheint die Erdkröte im angefügten Bild nur mir ungewöhnlich hell gefärbt?
Die anderen Tiere, die ich bei uns beobachten konnte waren bis dato alle deutlich dunkler gefärbt... Steht dieses Tier vor der Häutung?

Vielleicht bin ich auch schon etwas übersensibel nachdem ich in Nachbars Garten vor ein paar Wochen ein Exemplar mit partiellem Albinismus (konkret: Leukismus) entdecken durfte...

http://img.fotocommunity.com/photos/13388282.jpg
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Beitragvon S.a.m. » Mo Jun 30, 2008 19:29

Hallo sand

Ich würde auch sagen, dass diese Erdkröte ungewöhnlich hell ist. Die, die ich gefunden habe, waren alle dunkler. Aber Erdkröten gibt's in vielen Farbschattierungen. Die einen sind dunkelbraun, aber ich hab auch schon beige gefärbte B. bufos gesehen. Die waren aber alle nicht so hell wie deine Erdkröte. Ob es sich hierbei um irgendeine Art von Albinismus handelt, weiß ich nicht.

MfG S.a.m.
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Re: Bufo bufo - ungewöhnlich hell?

Beitragvon Leif » Di Jul 01, 2008 20:57

bei mir funktioniert der Link nicht :x "403 - Forbidden" wird angezeigt

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Beitragvon sand » Di Jul 01, 2008 22:19


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Beitragvon Richard » Mi Jul 02, 2008 8:31

Hallo sand,

Ich habe auch schon ähnlich helle Individuen gefunden. Mir kam vor, dass die Tiere ihre Farbe auch ändern können. Ich habe z.B. Kröten, die in den Swimming-Pool gefallen/gesprungen sind, in den Gartenteich umgesiedelt. Beim Hineingeben waren sie total hell und hoben sich vom dunklen Teichboden deutlich ab. Nach einiger Zeit waren sie dann dunkelbraun.
Ich weiß nicht, wovon das abhängt - möglicherweise Wassertemperatur? Oder Umgebungshelligkeit?

Weiß jemand mehr darüber?

Liebe Grüße,
Richard.

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Beitragvon Cornelia » Mi Jul 02, 2008 9:19

Hi!
Nachdem ich das Bild jetzt auch öffnen konnte:
Mich erstaunt diese Farbe eigentlich nicht.

Zum Farbwechsel: ich kann mir gut vorstellen, dass das geht. Ich denke da auch an Laubfrosch und Moorfrosch.
Letztens hab ich auch einen braunen Grünfrosch getroffen, von dem ich eigentlich erwartet hätte, das er grün ist (ein undefinierbarer Eindruck, den ich hatte - es war Nacht).
Sogar der Feuersalamander soll mehr gelbe Anteile haben, wenn er auf hellem Untergrund aufwächst.
Cornelia

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Beitragvon pleurodeles » Mi Jul 02, 2008 11:39

Hallo,

also ich denke nicht, dass das Tier vor der Häutung steht - eher Gegenteiliges, dass sie also die Häutung gerade abgeschlossen hat. Als ich noch Molche zu Hause im Aquarium hatte, ist mir aufgefallen, dass sie direkt nach einer Häutung sehr viel heller waren und (klarerweise) "bunter". Nach ein paar Tagen ist dann diese frische Färbung wieder deutlich zurückgegangen und sie sind wieder dunkler geworden.
Ob das aber der Grund für das helle Äußere dieser Erdkröte ist, weiß ich leider nicht. Vor allem müssten ja dann öfter solche Individuen gefunden werden...

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Beitragvon Mamba » Mi Jul 02, 2008 11:58

Exemplar mit partiellem Albinismus (konkret: Leukismus) entdecken durfte...


Leuzismus ist kein partieller Albinismus, hat mit letzterem nichts zu tun. Diese beiden Phänomene basieren auf unterschiedlichen Ursachen.
Leuzistisch ist die abgebildete Kröte keinesfalls; sie ist, wenn teilweise auch schwach, am ganzen Körper pigmentiert.
Ich würde das Tier, wenn's denn ein dauerhafter Zustand und nicht Wechseln unterworfen ist, allenfalls als hypomelanistisch bezeichnen.
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Beitragvon sand » Do Jul 03, 2008 7:42

Ich sprach auch nicht von "Leuzismus" sondern von "Leukismus" und das nicht in Bezug auf das Foto sondern ein anderes Tier das ich gefunden habe.

Lt. der mir vorliegenden Literatur handelt es sich bei Leukismus sehr wohl um eine Form des partiellen Albinismus bei dem im Gegensatz zum Flavinismus die Augen normal (also z.B. nicht rot) gefärbt sind.

Liege ich damit falsch?

Bin für Hinweise dankbar - man lernt ja nie aus.

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Beitragvon Mamba » Do Jul 03, 2008 10:02

Ich sprach auch nicht von "Leuzismus" sondern von "Leukismus"


Ich auch, sind 2 verschiedene Schreibweisen, von denen Leuzismus geläufiger und weiter verbreitet ist, wenngleich auch Leukismus aufgrund der Abstammung (griech. "leukos") richtiger wäre.

Über Leuzismus wurde hier schon was geschrieben:
http://www.herpetofauna.at/forum/viewto ... highlight=

Bei Reptilien, im Gegensatz zu Säugetieren, wurden bisher keine Teilleuzisten bekannt. Fälle von vollständigem Leuzismus bei Schlangen gibt's bei Panterophis obsoletus lindheimeri und Naja kaouthia, um 2 Beispiele zu nennen. Diese Tiere sind reinweiss, ohne Anzeichen einer Pigmentierung.
Ob die Piebald-Form der Königspythons mit Leuzismus zu tun hat, ist bislang nicht abschliessend geklärt.

Gruss
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Beitragvon Leif » Do Jul 03, 2008 15:14

Hallo!
Nachdem ich jetzt auch das Bild öffnen konnte würde ich Folgendes sagen: Es ist zwar ein rel. helles Exemplar, fällt jedoch nicht aus dem Rahmen. M. M. findet man solche Tiere nicht wirklich selten. Zum Thema "Farbwechsel": Ich bin mir ziemlich sicher, dass Populationen unterschiedlicher Habitate durchaus verschieden gefärbt sein können. Z.B. dürften Erdkröten, die auf Sand leben heller gefärbt sein, als solche aus Moorgebieten.
Grüße, Leif

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Beitragvon pleurodeles » Do Jul 03, 2008 15:35

Hi,

ja, diese Art der Farbanpassung an das Substrat wurde meines Wissens auch mehrfach beschrieben (wobei ich jedoch aktuelle Literatur diesbezüglich - so es sie geben sollte - nicht kenne).
Worum es hier aber geht, sind kurzfristige Farbwechsel, wie sie es Cornelia zB von Moor- oder Laubfrosch genannt hat. Wenn ich mich recht erinnere, funktioniert das über die Melanocyten (zumindest beim Laubfrosch). Sowas gibt´s aber denke ich bei Erdkröten nicht.

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Beitragvon Cornelia » Do Jul 03, 2008 15:58

Ist eine halbe Stunde bis Stunde "relativ schnell" (Moorfrosch)? So schreibt zumindest auch Richard, wenn ich es richtig verstehe.

Die Melanozyten gibts natürlich auch bei der Erdkröte! Ungeklärt ist aber, ob ein hormoneller oder nervaler Mechanismus besteht, der aufgrund von optischer Wahrnehmung (der Umgebungsfarbe / Helligkeit) eine strukturelle oder enzymatische Veränderung der Pigmente in den Melanozyten hervorruft.
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Beitragvon sand » Do Jul 03, 2008 18:01



Ganz verstehe ich es jetzt trotzdem noch nicht:
Ist es dann richtig von "scheinbarem" statt "partiellem" Albinismus zu sprechen, wenn z.B. eine Erdkröte bis auf die leicht gelblichen Warzen weiß gefärbt ist und normal gefärbte Augen hat?

Leukismus (oder Leuzismus) ist dann aber trotzdem eine Form (wenn auch keine vollständige) des Albinismus - oder?

Oder sind die Ursachen für Albinismus und Leukismus andere?
Ist genau das der Unterschied:

Bei Leuzisten hingegen fehlen die Pigmentzellen völlig, die Vorläuferzellen dafür konnten, ebenfalls aufgrund eines genetischen Defekts, nicht aus der Neuralleiste auswandern, mit Ausnahme von Stellen nahe dem Zentralnervensystem, deshalb bei Leuzisten dunkle Augen (blau bis schwarz).


Danke für die vielen Antworten übrigens... :D
Das oben angeführte Tier hat mich wie gesagt insbesondere Aufmerksam gemacht, weil ich ein paar Woche eine weiße Erdkröte mit gelben Warzen und normal gefärbten Augen im gleichen Habitat beobachten durfte.

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Beitragvon pleurodeles » Sa Jul 05, 2008 15:43

Hi Cornelia,

mit ist schon klar, dass Erdkröten Melanocyten haben, ich meinte ja auch den Mechanismus, der in diesen eine Veränderung hervorruft - was eben, wie du sagst, ungeklärt ist. (Richard hat übrigens geschrieben "nach einiger Zeit" - da kommt nicht unbedingt raus, ob das zwei Wochen waren oder 1 Stunde).
Ich finde das alles sehr interessant - wundert mich etwas, dass sich das noch niemand näher angeschaut hat...

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