Waldviertel

Herpetologische Beobachtungen in Österreich

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Waldviertel

Beitragvon pleurodeles » Mo Jun 22, 2009 13:51

Hej!


Am Sonntag bin ich mit Tobias Schernhammer (alias „bogi“) mehr oder weniger blind ins Waldviertel gefahren. Diese Gegend zählt ja bekanntlich nicht gerade zu den herpetologisch am besten erschlossenen Gebieten, und so haben wir gehofft, vielleicht ein paar Kartierungslücken schließen zu können. Ob uns das gelungen ist, wissen wir noch nicht sicher, aber Tatsache ist, dass es eine wunderbare Exkursion mit vielen Highlights und Funden war.
Wir haben nach längeren Diskussionen (teils noch während der Fahrt) beschlossen, ins Kremstal zu fahren. Auf dem Weg dorthin sind wir immer wieder mal an verdächtigen Stellen stehen geblieben – was sich auch ausgezahlt hat. Im weinviertlerischen Ziersdorf zB sonnten sich an einer Mauer zwei männliche und eine weibliche Lacerta agilis, wobei eines der Männchen so grün war, wie ich es fast noch nie jemals gesehen hab. Auf dem Bild kommt das irgendwie nicht so gut rüber, aber es hat in natura fast schon geblendet...

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Den ersten längeren Stopp gab´s an der Ruine Senftenberg. Hier zeigten sich einige Smaragdeidechsen (die uns hier generell viel kleiner vorkamen als anderswo). Vor allem aber herrschte ideales Coronella-Wetter. Obwohl es dort aufgrund des Lebensraumes eigentlich von denen nur so wimmeln sollte, fanden wir lediglich 1 Exemplar – aber immerhin! Es war wohl ein Weibchen, mit ca. 60 cm Körperlänge.

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Wenige Kilometer flussaufwärts bemerkten wir auf der Straße die deutlichen Umrisse einer (leider überfahrenen) Schlange – natürlich sofort Vollbremsung und zurückmarschiert! Was wir „erhofft“ hatten, hat sich bestätigt: eine große, ca. 80 cm lange Würfelnatter, und unweit noch eine vermutlich vorjährige, leider ebenso platt wie die vorige... Hier warf sich wiederum die Frage auf, ob man sich über einen solchen „grausigen Fund“ freuen oder ärgern soll; aber immerhin war es ein Nachweis dieser Art an der Krems...

Im oberen Kremstal (beim KW in Hohenstein) blieben wir abermals stehen, um im dortigen Buchenwald vielleicht auf einen Feuersalamander zu treffen. Dieser blieb uns leider verwehrt, aber der Fluss bietet auch dort ideale Lebensbedingungen für Würfelnattern...

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Das einzige, was wir dort vorfanden, war eine große weibliche Erythronotus-Zauneidechse.
Beim Salamandra-Suchen ließ sich auch dieser wunderschöne und nicht gerade häufige Goldglänzende Laufkäfer (Carabus auronitens) blicken:

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Den größten Teil der Exkursion verbrachten wir an den Plattenteichen in der Nähe des Schlosses Waldreichs. Was sich dort abgespielt hat, war teilweise unglaublich! Abgesehen davon, dass (auch auf der Straße) alles voll war mit frisch metamorphosierten Erdkröten, waren Zauneidechsen allgegenwärtig (so viele hab ich schon lange nicht mehr an einem Tag gesehen). Ebenso konnten wir Teichmolche-Larven, juvenile Grasfrösche und Pelophylax esculentus finden. Auch Ringelnattern waren einige unterwegs. Die größte Arten- und Individuendichte fand sich jedoch an den kleinen „Winterteichen“ beim Nördlichen Plattenteich. Es sind dort 3 oder 4 nebeneinander, die im Sommer nur wenig Wasser führen. Ihre steilen Ufer werden mancherorts mit unverfugten Mauern gestützt.
Das Highlight waren hier 2,1 Kammmolche (cristatus), die es sich nebeneinander unter einem Holzbrett gemütlich gemacht hatten (hier nur die beiden Männchen):

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Direkt an den Winterteichen tummelten sich wieder viele Zauneidechsen

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syntop mit Bergeidechsen..

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die hier hatte sicher 15 cm Länge...

Auch P. lessonae trieb sich dort rum, wie auch Bufo bufo.
Besonders spannend waren die Unken. Tendenziell waren es hauptsächlich Gelbbauchunken, einige Grenzfälle ließen uns jedoch zweifeln (es ist dort ein Grenzgebiet beider Arten).
Unsere letzte Station (vor dem „Ritterbrot“) war ein Steinbruch beim Schloss Waldreichs. Vielleicht war es schon etwas spät, denn wir konnten dort nur Gelbbauchunken finden und leider keine Schlangen oder Eidechsen. Aber es ginge doch mit dem Teufel zu, wenn da nicht auch...

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Viele Grüße,
Günther
Zuletzt geändert von pleurodeles am Mo Jun 22, 2009 14:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon bogi » Mo Jun 22, 2009 14:11

Also die Rotbauchunke ist dann eine wenn der Handballen gefärbt ist und wenn der Daumen nicht gefärbt ist.
Wenn Daumen und Handballen gefärbt sind dann ist es eine Gelbbauchunke und wenn der Daumen und Handballen zeichnung unterbrochen sind dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hybrid.
So hab ich das gemeint.

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Beitragvon pleurodeles » Mo Jun 22, 2009 14:27

Ok, dann hab ich mir das natürlich wiedermal falsch gemerkt, sorry... Um einen falschen Lerneffekt zu vermeiden, hab ich die Bombinabilder mit den Erklärungen aus dem Beitrag gestrichen.
D.h. dann wohl, es waren eh die meisten Hybriden...

LG,
Günther

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Beitragvon bogi » Mo Jun 22, 2009 16:51

Also ich denk mal, nachdem ich mir so Nöllert und Nöllert durchles, waren die meisten Hybride mit geringem Anteil von Rotbauchunke.
Jo da müss ma nochmal hin und die anderen im großen Teich suchen.

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Beitragvon Gerald » Mo Jun 22, 2009 20:38

..wenn da nicht auch - hehe - genau das wollte ich fragen ob ihr auch nach jenenwelchen gesucht bzw. interessante Habitate gefunden habt.
Bzw. Atlas dieses mal dabei gewesen? ;)

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Beitragvon bogi » Di Jun 23, 2009 9:48

Also wir haben zuerst Rotbauchunken aus einem größeren Teich gehört....
jo das nächste mal dann wieder.

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Beitragvon pleurodeles » Di Jun 23, 2009 12:51

Hi Gerald,

jenewelche haben wir nicht gefunden, aber insgeheim natürlich erhofft;-)
Richtig gut geeignete Habitate waren eigentlich nicht dabei, und auch der Steinbruch ist ja nicht unbedingt typisch (falls ich überhaupt das gleiche meine wie Du;-))

Der Atlas war dieses Mal natürlich dabei - sowas wie damals passiert nie wieder!!

Günther

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