Wenn man seine Kamera vergisst....

Herpetologische Beobachtungen in Österreich

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Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon Muralis » Mi Jul 20, 2005 20:40

...dann wird man meistens hart bestraft :( :mad:

Heute geschah folgendes: Nach der Rückkehr aus meinem Kroatien-Urlaub machte ich mich heute auf zum Libellenkartieren. Am verbauten Felbringbach in Gossam (Nähe Melk, nördl. der Donau) sah ich einige Kleine Zangenlibellen und dann aus dem Augenwinkel rechts einen Fisch am Ufer zappeln. Ich schaute mit dem Glas hin und erkannte eine ca. 60 cm. lange Würfelnatter, die eben mit einer erbeuteten gut 15 cm langen, wohlgenährten Bachforelle an Land kroch!
Ich stehe also auf der Dorfstraße am Geländer und 5 Meter gegenüber beginnt die Natter genüsslich mit dem Verzehr der Forelle. Was hätte ich da für Serien schießen können! :P

Was mich gewundert hat: der Fisch leistete wenig Gegenwehr. Offensichtlich geschockt ließ er sich von der tesselata kopfüber verspeisen und nach ein paar Minuten war das Drama beendet. Meine 1. Würfelnatter heuer (dank des zerstörten Biotops beim Weitenbachdelta). Geknipst hamma also nix, aber gesehen hab ich´s immerhin in Universum-Qualität (Swarowski 10x42) und ein neuer Fundpunkt am nordwestlichen Arealrand ist es auch! :)
Herzliche Grüße aus Niederösterreich!
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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon freiman » Mi Jul 20, 2005 22:12

Hallo zusammen!

Da es zur Zeit noch kein vergleichbares Forum gibt, das sich mit der schweizer Herpetologie beschäftigt, sehe ich mir schon seit längerem diese Site und dieses Forum an (ein grosses Kompliment für die tolle Site!). Nun schreibe ich meinen ersten Beitrag....

@Muralis
Letztes Jahr war ich am Zürichsee unterwegs, um zu sehen, wie weit sich die dort illegal ausgesetzten Würfelnattern ausgebreitet haben (Die Kamera ;) hatte ich zum Glück dabei). Kaum war ich an einer für Würfelnattern idealen Stelle über die Steinblöcke ans Wasser geklettert, als ich ca. 2m hinter mir eine Würfelnatter entdeckte, die an Land kletterte, um einen Fisch zu verzehren - sie schien mich überhaupt nicht bemerkt zu haben...

Bild

Übrigens konnte ich an diesem Tag eine beachtliche Dichte von Würfelnattern feststellen: Auf einer Fläche von ca. 25 Quadratmetern fand ich fünf verschiedene Individien!
Den Würfelnattern scheints zu gefallen!
Gruss aus der Schweiz!

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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon Hannes » Do Jul 21, 2005 19:06

Lieber Freiman,
unsere Forum soll nicht nur Plattform für österreichische Herpetologie sein, wir freuen uns auch über Beiträge aus unseren Nachbarländern!
Zur Würfelnatter am Zürichsee: Interessant, dass sich diese Art dort etabliert hat. Ich kenne das Problem mit tessellata aus einem See in der Südwestschweiz (Name hab´ ich vergessen). Dort verdrängt sie die autochtone Vipernnatter (N. maura).
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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon JürgenT. » Do Jul 21, 2005 20:00

Kann bei der Würfelnatter nicht so viel dazu sagen.
Gibt es bei uns im Raum nicht.
Aber der Fisch wo sie frißt ist mit großer Wahrscheinlichkeit
eine Mühlkoppe bzw. Groppe.
Sie ist ein Anzeiger für gute Wasserqalität.
Gruss
Jürgen

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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon freiman » Do Jul 21, 2005 20:35

Lieber Hannes

Stimmt leider, du meinst den Genfersee (Lac Léman). Es macht mich jedesmal wütend, wenn ich daran denke - und man ist einfach machtlos dagegen :mad: !!
Die Würfelnatter wurde in der Schweiz schon an vielen Orten ausgesetzt, so unter anderem am Vierwaldstättersee (genauer am Alpnachersee), dort bildete sie über Jahre hinweg eine Population von einigen !tausend! Exemplaren auf einer Uferstrecke von knapp drei Kilometern. Ende der 80er Jahre dezimierte sich die Population durch Krankheiten auf eine "normale" Grösse von einigen hundert Exemplaren. Auch am Brienzersee (Berner Oberland) wurde sie ausgesetzt, wo mit Sicherheit nachgewiesen ist, dass sie an dieser Stelle die autochtone Ringelnatter verdrängt hat!

Allgemein wurden in der (Nord)Schweiz schon an vielen Stellen Reptilien illegal ausgesetzt, die sich oft halten können und sogar ausbreiten. Wie siehts diesbezüglich in Österreich aus?

Rapperswil am Zürichsee, von wo auch die abgebildete Würfelnatter stammt, ist aus herpetologischer Sicht doppelt interessant: Im Bahnhofsareal von Rapperswil kann sich seit einigen Jahren eine Population von Ruineeidechsen (Podarcis sicula) halten, die vermutlich durch Blumentransporte per Bahn aus Italien eingeschleppt wurde. Sie lebt dort zusammen mit den autochtonen Zauneidechsen.
Gruss aus der Schweiz!

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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon freiman » Fr Jul 22, 2005 11:19

Noch zur Situation der Würfelnatter am Lac Léman (Genfersee):

Nach neusten Untersuchungen gibt es im Gebiet, wo die Würfelnattern ausgesetzt wurden, bereits doppelt so viele Würfelnattern wie Vipernattern! Der Lac Léman ist zum Glück gross, so sind die Vipernatterpopulationen im Mündungsgebiet der Rhone in den Genfersee, die Populationen an der Rhone oberhalb des Genfersees sowie die Populationen im Kanton Genf zumindest noch nicht bedroht.
Gruss aus der Schweiz!

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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon Muralis » Fr Jul 22, 2005 21:09

Hallo Manuel!

Da hast du natürlich mehr Glück gehabt!
Bei meiner Beobachtung wäre allerdings noch dazu gekommen, dass 1. der Fisch wesentlich größer war und
2. eine Bachforelle aus fotografischer Sicht natürlich mehr hergibt als eine Koppe ;)

An nächsten Tag hatte ich dann meine Cam wieder mit, es reichte aber nur mehr für das:

Bild
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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon MD » Sa Jul 23, 2005 7:46

Frage zu den Schweizer Viechern: wer zur Hölle verschleppt - offensichtlich absichtlich- Würfelnattern in so großen Mengen und siedelt neue funktionierende Populationen abseits de nat. verbreitungsgebietes an -und zu welchem Zweck? Welcher Sinn, welcher Beweggrund steht dahinter? :eek: :confused: :eek: :confused:
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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon Mario_Snake » Sa Jul 23, 2005 10:51

Hallo, wir fahren in zwei Tagen nach Italien an den Gardasee, wo es ja auch einige Würfelnattern geben soll. Ich hab da noch ein paar Fragen:
Sind die Würfelnattern am Gardasee auch (teilweise) angesiedelt worden oder haben sie sich auf natürlichem Wege dort eingefunden?
Verdrängen die Würfelnattern dort auch andere Schlangenarten, die ähnliche Biotope nutzen? (z.B. Ringelnatter)
Mich würd's auch mal interressieren, ob die Leute verständliche Gründe dafür haben Schlangen irgendwo auszusetzen.
Schon mal danke für die (hoffentlich schnellen) Antworten.

P.S. Hoffentlich vergess ich nicht auch die Kamera. :D
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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon Srutl » Sa Jul 23, 2005 16:04

Hallo Mario!

Also am Gardasee gibt es mit Sicherheit von Natur aus Würfelnattern - ich glaube auch nicht, dass Würfelnattern Ringelnattern verdrängen, denn an sich ist die Ringelnatter das wesentlich konkurrenzstärkere und grössere (stärkere) Tier mit einer breiteren ökologischen Amplitude und einer etwas anderen Einnischung. Eine Verdrängung von Natrix maura könnte schon stattfinden, da diese Art kleiner als N. tessellata ist und sehr ähnlich eingenischt ist.
Ich wünsche Dir viel Glück in Trento - dort gibt es auch sonst allerhand - zB Aspivipern...
======================


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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon freiman » Sa Jul 23, 2005 16:13

Wieso einige Menschen immer wieder Reptilien aussetzten (und aussetzen), ist wohl schwierig zu beantworten. Ich weiss nur, wie es zu den Würfelnatternaussetzungen am Alpnachersee kam (aber nehmt mich bitte nicht beim Wort! ;) ):
Soviel ich weiss, fanden dort die Aussetzungen in den 40er Jahren statt. Es war ein junger Arzt und Reptilienfreund, der in der Zentralschweiz lebte und häufig im Tessin seine Ferien verbrachte. Als er miterlebte, wie die Tessiner diese völlig harmlosen Tiere ohne Grund töteten, hatte er mit diesen so Mitleid, dass er kurz entschlossen im Maggiatal ca. 20 Tiere vom einen Geschlecht einsammelte und mit dem VELO über den Gotthard an den Alpnachersee fuhr und die Würfelnattern aussetzte. Danach fuhr er zurück ins Maggiatal, sammelte wieder ca. 20 Würfelanttern ein, diesmal vom anderen Geschlecht, und fuhr wieder über den Gotthard zurück an den Alpnachersee. Schliesslich gefiel es den Würfelnattern so gut, dass sie sich wie wahnsinnig vermehrten....

Dies, so finde ich jedenfalls, ist noch eine recht rührende Geschichte, die aber die Tat nicht wirklich rechtfertigt! Ich glaube, dass viele bewusste Aussetzungen dadurch geschehen, dass die Leute einfach zu wenig wissen. So wissen bei uns viele nicht, dass es nördlich der Alpen auch Schlangen gibt (wenn DIE wüssten ;) ). Zudem kennen sie wohl kaum die Auswirkungen, die durch eine Aussetzung nicht autochthoner Tiere entstehen können. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Aussetzungen bei uns in der Nordschweiz darauf beruhen, dass viele im Süden (häufig im Tessin) Ferien machen und dort halt häufiger Reptilien beobachten und dann zum Schluss kommen, dass sich diese Tiere auch im vermeintlich reptilienarmen Norden gut machen würden....
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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon freiman » Sa Jul 23, 2005 16:18

Hallo Mario

Tja, jetzt ist mir Srutl zuvorgekommen ;) . Ich schliesse mich der Meinung an, die Würfelnatter ist dort sicher heimisch! Auch Zornnattern und Aspisvipern wirds dort geben (und natürlich auch Ringel-, Schling- und Äskulapnattern sowie Mauer- und Smaragdeidechsen). Wünsche dir schöne Ferien und viel Erfolg!
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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon Vipersgarden » Sa Jul 23, 2005 21:31

Am Garda-See gehört die Würfelnatter zur autochthonen Fauna, ebenso die gelbgrüne Zornnatter. Letztere ist hier zwar nicht gelbgrün, sondern tritt in einer Übergangsform zur schwarzen Morphe auf. Ich habe selbst schon viele Tiere dort gesehen. die sind ziemlich dunkel, lassen aber die Zeichnung der "Nominatform" noch erkennen. Zum Beispiel beim Sportzentrum in Torbole (dort gibt´s übrigens direkt neben dem Partplatz auch Aspisvipern, Smaragdeidechsen, Mauereidechsen, Äskulapnattern), aber auch an der gesamten Ostseite des Sees.
Wenn Ihr Euch ein bisschen für Botanik interessiert, qwürde ich Euch einen Besuch in Andree Hellers Garten in Giardino (Westseite) empfehlen. Neben vielen Pflanzen in wunderschöner Umgebung, leben dort im Park Mauereidechsen, Äskulapnattern, Würfel- und Ringelnattern. Bei den grossen Palmfarnen habe ich vor ein paar Jahren sogar ein herrlich ziegelrotes Aspis-Männchen sonnend gesehen.
Auf jeden Fall einen Besuch wert - den Eintritt ists mehr als wert.

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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon Mario_Snake » So Jul 24, 2005 10:08

Hallo, danke für die schnellen Antworten!
Wenn ich ein paar interressante Tierchen knippsen kann, dann gibts schöne Bilder bei Wir wollen ihre Urlaubsfotos!

@Vipersgarden Wir fahren an die Westseite des Sees und dieser Vorschlag mit dem (botanischen) Garten hört sich doch gut an. Vielleicht bekomme ich dann endlich mal Würfel- oder Äskulapnattern in der Natur zu Gesicht (Ich wohn ja in Deutschland... :( ).
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Re: Wenn man seine Kamera vergisst....

Beitragvon Vipersgarden » So Jul 24, 2005 14:11

Tut mir Leid,
ich verwechsle das immer:
Giardino ist in der Südtoskana,
der Ort am Westufer des Gardasees heisst GARDONE.
Hier der Link zu Andre Hellers Webseite - siehe Gärten:

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