Auch im Prater gehts los

Beobachtungen zur Paarungszeit

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Auch im Prater gehts los

Beitragvon frogman » Mi Mär 07, 2007 14:23

Seit 1. März sind auch im Lusthausbereich Springfrösche und Erdkröten unterwegs, allerdings noch sehr mäßig. Am Nordostrand des Lusthauswassers (im Naturdenkmal) wurden landschaftsverändernde Eingriffe vorgenommen, und zwar hat man die schützende Ufervegetation "im Sinne des Amphibienschutzes" (so die amtliche Stellungnahme) radikal entfernt - etwa 2500 qm! Auch bei der Zuwanderungsstrcke innerhalb der Schutzanlage ist es in Bezug auf Rodungen turbulent zugegangen. Amphibienfreunde und Kenner dieses Gebietes sollten sich das mit kritischen Blick ansehen und ihre Meinung dazu äußern.
:?

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Beitragvon Srutl » Mi Mär 07, 2007 23:13

Wir haben am Sonntag den Prater besucht und konnten unseren Augen nicht trauen. Das Lusthauswasser, bis vor kurzer Zeit eines der letzten naturnahen Gewässer in Wien, wurde an einem Ufer komplett abgeholzt:

Bild

In diesem Bereich konnte man in den letzten Jahren etliche Springfroschlaichballen finden. Am Ufer konnte ich vor knapp 20 Jahren an einem relativ kleinen Fleck etwa 50 Ringelnattern finden

Bild

Außerdem dient dieser Altarm einer beträchtlichen Erdkrötenpopulation als Laichgewässer.

Bild

Für Erdkröte und Springfrosch ist die Abholzung meiner persönlichen Meinung nach eine massive Verschlechterung der Habitatqualität.

Aufgrundder Offenlegung des Ufers kommt es zu einem massiv verstärkten Besucherdruck mit vielen Hunden (oberes Foto). Ein weiteres Problem ist der Verkehr auf dem letzen km der Hauptallee - ich fand beim Joggen regelmässig überfahrene Erdkröten und Springfrösche.

Ein weiteres Problem des zunehmende Besucherstromes ist die Faunenverfälschung. Neben unzähligen Kois und Goldfischen fing ich im Jahr 2005 Ende Februar eine Rotwangenschildkröte genau an diesem Ufer.

Auf demSchild steht, dass diese Massnahme der Landschaftspflege den Kröten bei Ihrer Wanderung zugute kommt - wie ist das zu verstehen? Muss man solche Massnahmen einfach hinnehmen oder was kann man dagegen tun?

Bild
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Amphibienbiotop beim Lusthaus

Beitragvon frogman » Do Mär 08, 2007 11:40

Liebe(r) Srutl und KollegInnen,

ich betreue diese Wanderstrecke gemeinsam mit anderen engagierten Amphibienfreunden schon seit 12 Jahren und wir sind alle entsetzt. Auch seitens der BOKU, die das Projekt wissenschaftlich führt, sowie von weiteren namhaften Herpetologen gibt es massive Reaktionen. Ich bin diesbezüglich bereits sehr energisch vorstellig geworden. Man darf so etwas nicht einfach hinnehmen! Je mehr Leute ihre Bedenken oder Proteste anmelden und dies sachlich begründen können, desto eher steigen die Chancen auf raschestmögliche Wiederherstellung des schützenden Bewuchses und künftiger Verhinderung derartiger Eingriffe, die anderen Zielsetzungen (!) als denen des Habitatschutzes dienen. Ich bin in dieser Angelegenheit terminlich jederzeit verfügbar und unter 728-33-93 oder 0676/358-62-27 erreichbar.

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Beitragvon Habichtskauz » Mi Mär 14, 2007 19:26

Hmm, dass muss ich mir auch mal anschaun. Was für Herpetoviecher gibts im Prater bzw. beim Lusthausgewässer?

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Beitragvon Hannes » Mi Mär 14, 2007 20:50

Im Prater gibt es bzw. gab es:

Teichmolch
Donau-Kammmolch (selten, nur mehr im unteren Prater)
Rotbauchunke
Knoblauchkröte (sehr selten, nur mehr im unteren Prater)
Erdkröte
Wechselkröte (ausgestorben)
Laubfrosch
Balkan-Moorfrosch (ausgestorben)
Springfrosch
Grasfrosch (ausgestorben?)
"Wasserfrösche" (R. esculenta & R. ridibunda; R. lessonae?)

Europ. Sumpfschildkröte (ausgesetzt)
Blindschleiche (sehr selten)
Zauneidechse (ausgestorben)
Mauereidechse (ausgestorben bzw. ehem. (autochthones) Vorkommen fraglich)
Schlingnatter (ausgestorben)
Ringelnatter
Würfelnatter (selten)
Äskulapnatter

Außerdem leben im Prater noch div. Schmuckschildkrötenarten (s. a. Foto von Thomas).
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Beitragvon Habichtskauz » Do Mär 15, 2007 16:44

Danke Hannes für die Info!

Dass mit der Zauneidechse wage ich aber zu bezweifeln. Hab letzten August oder so bei den Schrebergärten in der Stadionallee direkt am Prater eine Zauneidechse auf der Gartenmauer sonnend gesehen. Ist hald die Frage wie man den Prater genau abgrenzt?

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Beitragvon Hannes » Sa Mär 17, 2007 9:31

Ich habe diese Info von Peter Sehnal, der dort seit über 40 Jahren wohnt und ein Kenner der lokalen Herpetofauna ist. Er hat mir erzählt (und auch publiziert), das L. agilis früher häufig in den Schrebergärten anzutreffen war. Er hat sie als ausgestorben eingestuft, da er schon seit Ewigkeiten keine mehr gesehen hat.
Werde ihm von deinem Fund erzählen.
Hannes

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Amphibien im Prater

Beitragvon frogman » Sa Mär 17, 2007 13:21

Lieber Hannes,

Flora und Fauna des Praters sind sind insbesondere durch den stark angestiegenen Individualverkehr, aber auch durch landschaftsverändernde Eingriffe, die auf eine geänderte Nutzung bzw. andere Sichtweise von Stadtnatur (siehe Rodungen im Naturdenkmal!) abzielen, gefährdet. Hinzu kommt die denkbar schlechte Versorgung mit Grundwasser - grob gesprochen, trocknet das Gebiet langsam aus. Daß der "grüne" Bereich zunehmend mit Industrie und aufgemöbelten Freizeit-Einrichtungen (aufgewertetes Messegelände, Stadion mit neuem Einkaufszentrum, ähnliche Pläne für die Kriau, etc.) zugebaut und somit die schützende Übergangszone zwischen naturnaher und voll zubetonierter Landschaft weitestgehend entfällt, darf auch nicht übersehen werden.

Zur geringer werdenden Artenvielfalt bei Amphibien und Reptilien einige Anmerkungen:

Rotbauchunke - früher Massenvorkommen, heute ausgestorben
Wechselkröte: für den Prater atypisch
Grasfrosch: gibts noch - man hört sie in der Laichzeit knurren. Ein Beispiel: Aus einem Kleingartenteich, der aufgelassen wurde, habe ich vergangenes Jahr im Februar 85 Grasfrösche herausgefischt und später im Lusthauswasser ausgewildert.
Knoblauchkröte: sporadisch nachweisbar
Laubfrosch: Im unteren Prater noch einigermaßen vertreten, nördlich der Ostbahnlinie nur mehr vereinzelt anzutreffen
Teichmolch: häufig
Donaukammmolch: deutlich zurückgegangen
Erdkröte: noch relativ häufig, aber deutlich abnehmend
Springfrosch: relativ häufig im Unteren Prater
Wasserfrösche: noch relativ zahlreich im Lusthauswasser, sonst selten
Ringelnatter: einigermaßen häufig
Äskulap: sehr selten
Würfelnatter: auch nicht mehr übermäßig
Europäische Sumpfschildkröte: gibt es wieder
Schmuckschildkröten: gibt es leider auch
Zauneidechse: früher häufig in Kleingärten, durch "sterile" Gartengestaltung und Umweltgifte kaum mehr geeignete Habitate.

Was die Gewässergüte der ehemaligen Donaualtarme betrifft, so steht es hier aus bereits genannten Gründen auch nicht zum Besten: Oberes Heustadelwasser und Rosenwasser haben sich seit dem Autobahnbau nicht mehr erholt, für das untere Heustadelwasser wurde ein Sanierungskonzept (Filteranlage) in Angriff genommen, beim Lusthaus-, Mauthnerwasser und Krebsenbachl sollen durch zusätzlich gegrabene Ersatztümpel verlandete Bereiche wieder aktiviert werden. Vielleicht ein Hoffnungsschimmer?

Trotzdem: Wenn nicht demnächst ein "Masterplan" für dieses Gebiet unter Berücksichtigung von Freizeitnutzung einerseits und Bewahrung der Restnatur andererseits erstellt wird, sehe ich für die Zukunft des Praters als regenerationskern für bedrohte Arten schwarz. Derzeit schaut es eher so aus, daß die Bedürfnisse der Spaßgesellschaft mehr Gewicht haben.

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Beitragvon rennfahrersepp » Sa Mär 17, 2007 15:28

Hannes hat geschrieben:Ich habe diese Info von Peter Sehnal, der dort seit über 40 Jahren wohnt und ein Kenner der lokalen Herpetofauna ist. Er hat mir erzählt (und auch publiziert), das L. agilis früher häufig in den Schrebergärten anzutreffen war. Er hat sie als ausgestorben eingestuft, da er schon seit Ewigkeiten keine mehr gesehen hat.
Werde ihm von deinem Fund erzählen.


Hallo Hannes!

Dieses kann ich auch woanders beobachten: als Kind habe ich regelmässig lac. agilis und coronella austriaca bei uns in St.Valentin gefunden und zwar an folgenden Habitaten: Schrebergärten, Bahndamm, Friedhof.
An allen drei Habitaten ist die Population von coronella erloschenund die Population von lacerta agilis stark zurückgegangen. Bei coronella ist sicher die Verwechslung mit der Kreuzotter mit ein Grund für den Rückgang....und wo die Eidechse verschwindet, verschwinden auch die Schlangen...

Zum Prater: ich schätze as Lusthauswasser wegen seiner "Urtümlichkeit" sehr, bin aber offenbar leider nicht der einzige. An einem schönen Frühlingstag im Vorjahr begegneten mir bei einer Umrundung des Wassers Unmengen an Hunden. Ich denke, es waren an die 40 Hunde, die sich zu dem Zeitpunkt um das Lusthauswasser aufgehalten haben. Viele Hunde waren im Schilf, bzw. gar im Wasser unterwegs. Dass das eine Störung der Fauna bedeutet, ist wohl klar...

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Beitragvon Christoph » Sa Mär 17, 2007 19:29

Dürften wohl alles Rettungshunde oder der gleichen gewesen sein, denn das Wiener Tierhaltegesetz sieht was anderes vor:

§ 5. (1) An öffentlichen Orten, wie etwa Straßen, Plätzen, land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen sowie frei zugänglichen Teilen von Häusern, Höfen, Lokalen und Kleingartenanlagen müssen Hunde, unbeschadet § 6, entweder mit einem um den Fang geschlossenen Maulkorb (Abs. 5) versehen sein oder so an der Leine geführt werden, dass eine jederzeitige Beherrschung des Tieres gewährleistet ist.

(2) In öffentlich zugänglichen Parkanlagen und auf gekennzeichneten Lagerwiesen müssen Hunde, unbeschadet § 6, an der Leine geführt werden.


(6) Der Maulkorb- oder Leinenzwang im Sinne der Abs. 1 bis 4 gilt nicht für Rettungs-, Therapie-, Blindenführ- und Diensthunde (§ 10 des Waffengebrauchsgesetzes 1969, BGBl. Nr. 149, in der Fassung BGBl. I Nr. 146/1999) während ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung (Einsatz und Ausbildung).

Hunde und Wien ist ein eigenes Kapitel.
Beste Grüße

Christoph

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Beitragvon rennfahrersepp » Sa Mär 17, 2007 20:08

Christoph hat geschrieben:Dürften wohl alles Rettungshunde oder der gleichen gewesen sein, denn das Wiener Tierhaltegesetz sieht was anderes vor:
...

Hunde und Wien ist ein eigenes Kapitel.


Da hast recht.....zwischen Gesetz und Realität ist in dieser Beziehung ein grosser Spielraum......
Gerade das Lusthauswasser hat da offenbar seine eigenen Spielregeln: keine Jäger--keine Polizisten--Hundeparadies.

Ich bin absolut kein Hundfeind, aber ich brauch nur bei mir vor die Haustür schauen: Tretminen ohne Ende....und vom Gackerlsackerl weit und breit keine Spur.

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Beitragvon Habichtskauz » Di Mär 20, 2007 20:27

@Hannes: Ich hab den Fund glaub ich nichtmal gemeldet, weil ich ihn für so gewöhnlich und für Wien so bekannt hielt. Werd ich also noch nachholen.

Ich würd mir auch wünschen, dass "Tierliebe" mehr unserer freilebenden Fauna gelten würde als sich blos in Form von 5 Hunden an der Leine äußern würden.

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Re: Auch im Prater gehts los

Beitragvon Gerri » Fr Nov 07, 2014 19:26

Die Rotbauchunke gibt es noch im Prater, ich konnte sie im Jahr 1995 noch im Krebsenwasser sehen!

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Re: Auch im Prater gehts los

Beitragvon pleurodeles » Do Nov 13, 2014 2:28

Hallo Gerri,

mit Verlaub - aber dass 1995 noch Rotbauchunken im Prater gesehen wurden, bedeutet noch lange nicht, dass es sie heute - ca. 20 Jahre später - auch noch gibt. Ich weiß von einem Prater-Spezialisten, dass sie früher dort allgegenwärtig waren, heute jedoch nicht mehr dort leben. Die letzten Sichtungen waren glaub ich noch nach 2000, aber seit damals kein einziger Unkenruf mehr...

LG,
Günther

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Re: Auch im Prater gehts los

Beitragvon Gerri » Sa Nov 15, 2014 12:01

Und warum sollte sie dann gerade in den letzten 15 Jahren ausgestorben sein? Das Krebsenwasser gibt es ja nach wie vor. Was sollten da die Gründe sein? :?: :?: :?:

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