Amphibien von Straße "retten"?

Beobachtungen zur Paarungszeit

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Amphibien von Straße "retten"?

Beitragvon AFRO-thunder » So Mär 16, 2008 21:01

Aus gegebenem Anlass (die ersten Erdkröten wandern dieser Tage durch die Siedlung) habe ich mir GEdanken zur Amphibienwanderung gemacht.

Dadurch bin ich auf folgende Fragen gestoßen:

1.) Macht es Sinn, wenn ich in der Siedlung herummarschiere und Kröten aufsammel und dann im Garten auslasse? Zur Information: Im Garten befindet sich der mit Abstand größte Teich der Gegend, in dem jedes Jahr eine Vielzahl an Kröten ablaicht. Weil es nicht so viele andere geeignete Teiche gibt, ist die Chance relativ groß, dass die Bufos tatsächlich zu uns wollen. Aber ich frage mich, wies mit der Orientierung bestellt ist, wenn die Kröten aufgesammelt werden und dann auf einmal "irgendwo" ausgelassen werden. Wenns dumm hergeht, wandern sie dann ja genau in die entgegengesetzte Richtung.

2.) Es gibt viel viel viel mehr Männchen als Weibchen. a) Ist das natürlich? b) Ist es für die Weibchen nachteilig, gemeinsam mit vielen Männchen eingesammelt zu werden und dann natürlich von vielen auf einmal gefunden zu werden? Ich beobachte immer wieder ertrunkene Weibchen bei uns im Teich, weil zT 4-5 Männer dranhängen...

3.) Mir kommt's vor, dass es dieses Jahr relativ spät ist mit der Wanderung, bzw im Moment noch sehr wenig. Es ist aber im Umkreis von 300m auch relativ viel gebaut worden - kann das so einen dramatischen Einfluss auf die Population haben?


So, das war jetzt relativ viel Text, aber wie gesagt: Ich habe mir da meine Gedanken gemacht und das warf natürlich relativ Fragen auf...

Ich bin gespannt auf eure Meinungen/Gedanken/Anregungen!
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Beitragvon Cornelia » So Mär 16, 2008 21:17

Hi!
Das Einsammeln der Erdkröten macht durchaus Sinn, wenn sie dadurch einmal weniger der Gefahr des Überfahrenwerden ausgesetzt sind. Der Orientierung schadet das nicht, aber wenn sie ein bestimmtes Gewässer suchen, dann können sie vermutlich eigensinnig sein und trotzdem dorthin streben. Doch ich denke, normalerweise sollten sie bleiben.
Dass immer mehr Männchen sind, als Weibchen ist normal und kommt auch daher, dass die Männchen früher kommen und die Weibchen sofort nach dem Ablaichen das Gewässer verlassen, die Männchen aber bleiben. Natürlich ist es nicht nett anzusehen, wenn die Weibchen ertränkt werden, aber es ist nicht zu verhindern. Ev. kann reichliche Ufervegetation (Schilf) dagegen helfen. Der Kampf um das Weibchen kann sich jederzeit auch im Gewässer wiederholen. Beim Transport kann man aber versuchen, das Schlimmste zu verhindern bzw. sie zu trennen.
Bezüglich der Wanderung heuer finde ich, dass es relativ früh ist. Die letzten Jahre gings erst Anfang April los.
Den Einfluss der Bautätigkeit auf die Deine Population kann ich nicht beurteilen, aber denkbar ist das sicher.
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Beitragvon Oropher » So Mär 16, 2008 21:22

1.) Über die Orientierungsmöglichkeiten bei Amphibien herrscht meines Wissens noch nicht völlige Klarheit. Wenn die Tiere sich tatsächlich am Magnetfeld der Erde orientieren, dann sollten sie eigentlich auch beim Umsetzen ihr Gewässer finden können. Viele Beobachtungen legen das nahe.

2.)
a) Ja, zumindest sind immer mehr Weibchen als Männchen am Laichgeschehen beteiligt.
b)Nachteilig? An Land sollten die Weibchen ihren Verehrern besser entkommen können als im Wasser. Ist halt natürlich, dass das ein oder andere Weibchen ertrinkt... - Vielleicht auch ein Auswuchs der Evolution.

3.) Also eigentlich sind die Erdkröten doch immer etwas später dran als die Braunfrösche. So Anfang-Mitte April...

Edit: Mist, zu langsam. :roll:

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Beitragvon Cornelia » So Mär 16, 2008 21:32

:lol: Das nennt man "unabhängige" Meinungsäußerung ... :wink:
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Beitragvon Oropher » So Mär 16, 2008 21:39

Cornelia hat geschrieben::lol: Das nennt man "unabhängige" Meinungsäußerung ... :wink:

Ja, aber es nehmen wirklich weniger Weibchen als Männchen am Laichgeschehen teil, wenn es nach KUHN (Lebensgeschichte und Demographie von Erdkrötenweibchen) geht. Es heißt sogar, dass die meisten Weibchen sich nur einmal in ihrem Leben fortpflanzen!

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Beitragvon Cornelia » So Mär 16, 2008 21:43

Ich meinte ja nur, dass Du Deinen Text unabhängig von mir geschrieben hast und bezog mich nicht auf den Inhalt.
Mit Deinem letzten Kommentar hast Du natürlich recht, dass hab ich nicht erwähnt. (Ich denke aber, dass gerade Erdkröten sehr alt werden können und sich auch mehrmals fortpflanzen - meine Meinung. Im Nöllert steht, dass sie 10 - 12 Jahre alt werden können.)
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Beitragvon Oropher » So Mär 16, 2008 22:01

Sicher pflanzen die Männchen sich mehrere Male (jedes Jahr ab Geschlechtsreife) fort oder versuchen dieses. Aber laut den Beobachtungen von Kuhn (in "Die Amphibien und Reptilien Deutschlands") tun viele Weibchen (in Oberbayern) dies nur einmal im Leben. Wahrscheinlich, weil eben ihre Sterblichkeitsrate dort so hoch ist.

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Re: Amphibien von Straße "retten"?

Beitragvon Leif-Erik Jonas » So Mär 16, 2008 23:45

Hallo!
Nun will ich auch noch meinen Senf dazugeben:

1.) Sinn macht es auf jeden Fall. Gerade an Stellen wo keine Zaun aufgebaut werden kann bzw. die ständige Kontrolle desselben nicht gewährleistet ist, ist von der Straße aufsammeln sicher der beste Weg um möglichst vielen Individuen das Leben zu retten. Ich bin jetzt auch mehrmals die Woche unterwegs und lauf´ die Staßen ab; heute waren´s ca. 35 Teichmolche, 15 Alpenkammmolche und 3 Erdkröten (1 Pärchen im Amplexus und noch ein Weibchen). Und Spaß macht´s außerdem... :D

2.) a) Völlig normal. Bei uns waren´s bislang ca. 5 Weibchen (B. bufo) und in etwa 10mal so viele Männchen. Das wird sich aber noch angleichen mit fortschreitenden Wanderung. Aber es werden immer mehr Männchen bleiben. Bei z.B. der Wechselkröte ist das auch so.
b) Dass sich mehrere Männchen an ein Weibchen dranhängen wird man nie verhindern können. Um den Weibchen das Leben beim Transport leichter zu machen, könnte man die Geschlechter getrennt hältern.

3.) Kann ich nicht bestätigen. Würde sagen es ist in etwa wie im letzten Jahr. Die Baustellen wirken sich mit Sicherheit nicht positiv auf die heurige Wanderung aus.

Viele Grüße, Leif

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Beitragvon Vipersgarden » Mo Mär 17, 2008 9:12

..... na, dann will ich auch mal "meinen Mist" dazu beitragen.

Bei uns hier im nördlichen Flachgau (Salzburg) beginnt die Bufo bufo Wanderung lt. meinen langjährigen Aufzeichnungen so um den 20. März (+/- 5 Tage).
Heuer war´s der 26. Februar.
Bis jetzt Verhältnis Männchen:Weibchen = 50:1
langjähriger Durchschnitt: ca. 9:1
Grasfrösche sind zeitlich fast gleich, Verhältnis über Jahre etwa 2:1

Wenn man die Kröten (Erdkröten, bei Bufo viridis nicht so ausgeprägt) in ein "falsches" Laichgewässer setzt, bleiben sie normalerweise nicht dort, und wollen zu ihrem Geburtsgewässer. Das kann man aber verhindern, wenn man das Gewässer einzäunt und so die Viecher am Abwandern hindert.
Freiwillig bleiben sie im "falschen" Gewässer nur, wenn der Laichdruck schon sehr hoch ist. Dann nehmen sie selbst während der Wanderung neue bzw. andere Gewässer an. So kommts auch zu Neubesiedelungen.

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Beitragvon AFRO-thunder » Mo Mär 17, 2008 17:37

Danke für eure zahlreichen Antworten! Ich bin dann gestern nochmals rausgegangen und hab den Garten mal genauer unter die Lupe genommen. Offenbar hat sich in den letzten 3-4 Tagen extrem viel getan, denn wo letzte Woche noch alles leer war, ists gestern doch schon relativ voll gewesen. Es sind schon einige Männchen in den Teichen (es befinden sich zusätzlich zum Schwimmteich noch 2 am Grundstück, keiner mit Fischen besetzt) und Molche habe ich auch schon gesehen. Ich poste gleich mal ein paar Bilder für euch:

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Beitragvon Oropher » Mo Mär 17, 2008 18:04

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Und was ist das für einer? R. dalmatina?

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Beitragvon AFRO-thunder » Mo Mär 17, 2008 18:17

Ich denke mal, dass es ein Springfrosch ist. Hier ist mal ein Bild von der Seite:

Bild
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Beitragvon Oropher » Mo Mär 17, 2008 18:22

AFRO-thunder hat geschrieben:Ich denke mal, dass es ein Springfrosch ist. Hier ist mal ein Bild von der Seite:

Bild


Das denke ich auch, wenn das Trommelfell so groß ist, wie es auch dem Bild aussieht...

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Beitragvon Leif-Erik Jonas » Mo Mär 17, 2008 18:23

Hallo!

AFRO-thunder hat geschrieben:Ich denke mal, dass es ein Springfrosch ist. Hier ist mal ein Bild von der Seite:


Denke ich auch.
Moorfrosch - unpassende Zeichnung (Seite)
Grasfrosch - zu spitze Schnauze

Springfrosch - großes Trommelfell, geringer Abstand zum Auge; sollte passen

Hast du auch ein Foto von der Bauchseite? Daran könnte man den Grasfrosch ausschießen.

Beste Grüße, Leif

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Beitragvon AFRO-thunder » Mo Mär 17, 2008 18:25

Hallo Leif,

Nein, leider hab ich vom Bauch kein Bild. Moorfrosch schließe ich aber allein schon aufgrund des Fundorts (Wiener Neustadt mitten im Stadtgebiet) aus.
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