neuling sucht hilfe

Beobachtungen zur Paarungszeit

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neuling sucht hilfe

Beitragvon Goldauge » Mo Apr 21, 2008 18:47

Seit Jahren findet alljährlich ein Massensterben vor meiner Haustüre statt. Ich habe mich bisher auf händisches Über-die-Straße-tragen beschränkt. Heuer hat irgendeine gute und aktive Seele zu meiner großen Freude einen Krötenzaun errichtet. Der Zaun hat auch gut funktioniert, glaube ich, weil ganz in der Nähe eine Brücke ist. Ich habe zu mindest angenommen, dass Kröten gute Schwimmer sind und mit dem Bach auf die andere Straßenseite getragen werden, wo sie wieder herausklettern können. Jetzt bin ich mir aber nicht mehr so sicher, dass der Zaun so gut überlegt ist, weil Freitag Nacht wieder hunderte Kröten auf der Straße waren- allerdings in der anderen Richtung unterwegs. Jetzt können sie aber wegen des Zaunes nicht zurück. In meiner Panik habe ich begonnen den Zaun abzubauen. Jetzt bin ich aber unsicher, ob das gescheit war. Im Internet finde ich nichts, wann Kröten tatsächlich rückwandern. Ich hatte das eigentlich für Herbst in Erinnerung. Oder sind das jetzt die Tiere, die schon abgelaicht haben? Und im Herbst die Jungtiere, die ins Winterquartier ziehen-falls Kröten so etwas haben?
Ich habe aber auch gelesen, dass diese Zäune oft lange gewartet werden müssen...
Was soll ich jetzt tun? Den Zaun lassen bzw. wiederaufbauen oder auf der anderen Straßenseite aufbauen?
Wer kann mich denn vor Ort kompetent beraten, um eine gute Lösung zu finden?

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Re: neuling sucht hilfe

Beitragvon Leif-Erik Jonas » Di Apr 22, 2008 7:34

Hallo Goldauge!
Erstmal finde ich es super, dass du dich für diese Tiere so einsetzt!
Dass die Rückwanderung (von den Laichgewässern zu den Sommerquatieren) bereits eingesetzt hat ist durchaus möglich. Dass ein Zaun in einem solchen Falle eher kontraproduktiv sein kann, ist leider Realität. Wie könnte man vorgehen?
Entweder (nur bei Zaun-Kübel-Methode sinnvoll) den Hinwander-Zaun auf den wichtigsten Abschnitt verkürzen und so das übrige Zaunmaterial auf der Rückwander-Seite einsetzen, oder, wenn wie du sagst, die Amphibien in einen Bach geleitet werden, den ganzen Zaun auf die andere Straßenseite stellen (nur, wenn Rückwanderung nicht schwächer als Rückwanderung). Du kannst dich auch erst mit dem bzw. Zaun-Betreuer(n) in Verbindung setzen.
Mehr kann ich als Ferndiagnose für dich leider nicht erreichen. Hoffe dir geholfen zu haben.
Herzliche Grüße, Leif

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Beitragvon Cornelia » Di Apr 22, 2008 9:24

Also normalerweise sind auf beiden Seiten der Strasse Amphibienzäune aufgestellt. Die weiblichen Erdkröten bleiben ja nur einige Tage am Gewässer und wandern nach dem Ablaichen sofort wieder ab. Also finden Zu- und Abwanderung der erwachsenen Tiere kurz nacheinander bzw. gleichzeitig statt. Die männlichen Kröten bleiben einige Wochen am Gewässer bevor sie ebenfalls wieder abwandern. Ab Juni bis August verlassen dann die metamorphosierten Jungkröten das Gewässer auf dem selben Weg. Da muss der Zaun dann nur mehr gewässerseitig vorhanden sein.
Siehe auch:
http://www.herpetofauna.at/amphibien/bufo_bufo.php
Die Kübel müssen jedenfalls zweimal täglich kontrolliert werden, solange sie stehen. Mit den Zaunbetreibern zu sprechen würde ich auf jeden Fall empfehlen! (Mal bei der Gemeinde nachfragen ...)
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Beitragvon Goldauge » Di Apr 22, 2008 19:51

Danke für die Antworten. Gemeinde ist eine gute Idee, werde ich gleich morgen hinschauen. :)
Hier ist nur ein Zaun, keine Kübel; ich schätze, weil ja geplant ist, dass die Kröten unter der Brücke durchschwimmen. Wär das eigentlich auch eine Möglichkeit für den Rückweg, gegen die Strömung zu schwimmen? Schaffen Kröten das?
Wenn ich das richtig verstehe, ist der Zaun dann im Juni noch wichtiger. Wie groß sind die denn dann-die Jungkröten meine ich?
Wer errichtet denn normalerweise die Zäune und führt diese Zählungen durch? Ich hab irgendwo gelesen, dass es da kompetente Leute gibt, die einen quasi einschulen...
Eine ziemliche Fülle von Fragen, ich hoffe, ich nerv nicht-wie gesagt: Neuling
:oops:
Danke im Voraus für geduldiges Antworten
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Beitragvon S.a.m. » Di Apr 22, 2008 20:50

Hallo Goldauge

http://www.froschnetz.ch/arten/erdkroete.htm

In dem Link ist das mit der Größe, finde ich, ganz gut in einem Schaubild dargestellt. Auch für die weitere Information über Amphibien ist die Seite recht nützlich. Auf die anderen Fragen kann ich leider nicht antworten.

MfG S.a.m.
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Beitragvon Leif-Erik Jonas » Mi Apr 23, 2008 8:35

Hallo Goldauge!
Wie stark ist die Strömung des Baches denn? Dass die Mini-Kröten es im Sommer jedoch schaffen, bezweifele ich.
Wer diese Zäune betreut? Zum Teil Naturschutzgruppen (z.B. NABU) aber auch Privatpersonen. Bei der Gemeinde oder so kann man da glaub ich Genehmigungen einholen, bin mir aber nicht sicher.
Grüße, Leif

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Beitragvon Cornelia » Mi Apr 23, 2008 9:10

Jungkröten sind 1-1,5 cm lang.
Ich würde eigentlich erwarten, dass Kröten und besonders Jungkröten nicht (gern) in ein Gewässer mit starker Strömung steigen - mir gefällt die Lösung jedenfalls nicht so wirklich (kenne allerdings den Bach nicht).
Zäune werden auch häufig von der Gemeinde errichtet (Strassendienst) und dann von Freiwilligen betreut (falls Kübel). Auf der Gemeinde fragen ... und Kontakte knüpfen! Da findet sich sicher jemand, der sich auskennt.
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Beitragvon Goldauge » Mi Apr 23, 2008 23:33

WOW! So viel Informationen, NABU hatte ich ja schon gefunden. Die bayrische Seite finde ich besonders gut.
Vor allem bei dem Abschnitt "Helferschutz" musste ich sehr grinsen. Habe mir Samstag Nacht nämlich beim Krötentragen gewaltig den Knöchel verstaucht, so dass ich jetzt noch humple. Habe am Fussballplatz neben der Straße auf der Tribüne Kröten aufgesammelt und im Eifer eine Abwärtsstufe für eine Stufe hinauf gehalten :cry:
Interessant auch was da bezüglich Grundbesitzer steht: also mich hat niemand gefragt, dann wüsste ich nämlich, wer den Zaun aufgestellt hat.
Kennt ihr die entspechende steirische Seite (sonst frage ich bei den Kärtnern an)?
Wie ich im Internet herumgesucht habe, bin ich auf die wiener Kontaktadresse gestossen, die haben aber bis jetzt nicht geantwortet. Zum Glück hab ich ja hier gleichzeitig angefragt und Hilfe bekommen.
DANKE
Also ich seh schon: diese Sommerzwergerl, die bei mir immer im Garten herumwuseln würden es nie gegen die Strömung schaffen. Ist zwar nur ein kleiner Bach, aber trotzdem ganz schön kräftig. Diesen so genannten "Krötenregen" habe ich noch nie wahrgenommen. Das müssten doch sehr viel mehr sein, die den Rückweg antreten. Da wär es doch wirklich interessant einen Zaun aufzustellen. Muss total süß sein so ein Kübel voller Krötenminis...
Lg Goldauge

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Beitragvon Leif-Erik Jonas » Do Apr 24, 2008 14:11

Hallo Goldauge!
So wie du den Zaun beschreibst (keine Kübel, schnell fließender Bach, nur einseitig, ...) scheint mir das ganze zeimlich laienhaft zu sein. Ob so ein Zaun den Kröten unterm Strich nützt, wage ich zu bezweifeln: :evil:
1. Anwandernde Kröten werden am Überqueren der Straße gehindert, können/wollen nich in den Bach und können nicht reproduzieren.
2. Rückwandernde Tiere geraten auf die Straße, können diese nicht überqueren und werden überfahren.
3. Für Jungtiere (und das könne zehntausende in wenigen Tagen sein) scheint mir dieser Zaun beinahe unüberwindlich zu sein. Sie geraten auf die Straße, dabei wird ein Großteil von ihnen überfahren (die Kröten-Minis laufen auch tagsüber!). Wer die Straße überlebt, trifft auf den Zaun. Nun wird von diesen Kröten "verlangt" parallel zu Zaun und Straße (also auf dem schmalen Grasstreifen dazwischen) mehrere hundert Meter zu laufen, um nicht wieder auf die Straße zu gelangen. Und schließlich muss auch noch ein schnell fließender Bach durchschwommen werden. Das ist ein Hindernislauf den wohl kaum eine Kröte überleben wird. Entweder wird zum Straßenbelag oder sie wird über kurz oder lang ins Mittelmeer gespült. :twisted: Vielleicht wird von 10.000 Jung-Kröten eine überleben (die, die die Straße überleben, und dann irgendwie unterm Zaun durchkommen).

Was ich deinen Postings bislang jedoch nicht entnehemen konnte: Auf der einen Seite endet der Zaun an einem Bach und auf der anderen Seite? Einfach so, dass die Hälfte der Kröten an dieser Stelle konzentriet auf die Straße srömt? :roll:

Viele Grüße, Leif

P.S.: Gute Besserung! :) Wer kröten helfen will, muss leiden! :wink:

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Beitragvon Richard » Do Apr 24, 2008 14:51

Hallo Leif, hallo Goldauge!

Ja, es klingt nach einer etwas laienhaften Aktion. ABER - ich würde das nicht nur negativ sehen. Immerhin hat dort jemand die Initiative (!) ergriffen, um den Amphibien zu helfen.
Wenn du, Goldauge, herausfinden kannst, wer das war, könnt ihr euch vielleicht zusammentun und mit den Zusatzinformationen, die in diesem Thread zusammengetragen wurden, etwas Gutes und Sinnvolles daraus machen.
Ich nehme an, derjenige ist vielleicht auch froh über ein bisschen Unterstützung.

Lass wieder von dir hören!

Liebe Grüße,
Richard.

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