Verhalten gegenüber Hornotter

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Verhalten gegenüber Hornotter

Beitragvon Hans-Peter » Sa Apr 01, 2006 22:40

Hallo,

bald geht’s wieder an den Kvarner Golf zum Wandern und Erholen. Meine Frau und ich hatten dort im Mai 2005 faszinierende Begegnungen mit zwei Nattern, weitab von bewohnten Gebieten. Vielleicht bekommen wir auch mal eine Hornotter zu Gesicht. Das wäre noch spannender.

Wie ich mir hinterher überlegt habe, ist für eine Schlange die Begegnung mit Menschen bestimmt oft stressig (je nachdem). Um das Leben der Tiere so wenig wie möglich zu stören, bitten wir um Beantwortung einiger Fragen:

Hat die Hornotter ein Sinnesorgan zum Registrieren von Wärmequellen? Bemerkt sie zum Beispiel den Infrarot-Autofocus-Messstrahl einer Kamera? Eine Vierstreifennatter hat letztes Jahr auf meine Fotografiererei nicht reagiert.

Falls die Hornotter so ein Sinnesorgan hat, kann sie damit einen Menschen wahrnehmen, der sich nicht bewegt und sich in einer Umgebung befindet, die von der Sonne aufgewärmt ist und etwa die gleiche Temperatur wie sein Körper abstrahlt?

Wenn dazu der Wind aus Richtung Schlange kommt, riecht sie ihn nicht sofort. Wäre es dann sinnvoll, irgendwelche Vibrationen zu erzeugen (zum Beispiel mit den Schuhen auf dem Boden scharren), um so auf sich aufmerksam zu machen, bevor sie sich weiter nähert?

Oder die Hornotter einfach auf sich zu kommen lassen? Könnte es dann passieren, dass sie bei plötzlichem Erkennen des gefürchteten Zweibeiners in allernächster Nähe so erschrickt, dass sie ihm vorsichtshalber mal ihre Biowaffe reinhaut? (Möchten wir natürlich nicht testen).

Kommt bestimmt drauf an, ob sie schon mal von Menschen bedroht wurde oder nicht, ob sie eher gelassen ist oder schnell „aus der Haut fährt“.

Falls wir je eine solche Situation erleben, wissen wir, dass man keine ruckartigen Bewegungen machen soll, die als Angriff missdeutet werden könnten, sondern sich langsam zurück zieht.

Wahrscheinlich sind die Sinne einer Schlange aber viel zu perfekt, als dass es auf diese Art zu einer Begegnung kommt.

Ich könnte mir vorstellen, dass Mensch und Schlange am häufigsten zusammentreffen, wenn sie in der Sonne döst und er zufällig auf sie zu kommt, sie aber keine Lust hat, ihre Siesta zu unterbrechen, nur um ihm Platz zu machen.

Dass sich eine Schlange dem Menschen absichtlich nähert, dürfte eher selten vorkommen. So wie wir es letztes Jahr mit einer Zornnatter erlebt haben. Die legte sich der Länge nach direkt neben mich und genoss auch die Sonne, während wir auf dem idyllischen Platz eingeschlafen waren. Vorher hat sie uns mit Sicherheit genau inspiziert und für harmlos befunden.

Ihr Vertrauen wurde nicht enttäuscht. Und für uns war es ein lehrreiches Erlebnis. Ganz nebenbei wandelte sich unsere (unnötige) Schlangenfurcht in respektvolles, neugieriges Staunen über diese schönen, eleganten Zeitgenossen.

Hans-Peter

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Beitragvon ticino » So Apr 02, 2006 18:38

hallo hans-peter,

dass eine einheimische viper, wie in deinem urlaubsgebiet, auf wärme reagiert, musst du nicht befürchten. wärmedifferenzen können nur schlangen wahrnehmen, die ein sogenanntes grubenorgan besitzen. das sind zum beispiel die amerikanischen klapperschlangen. die einzige grubenotter, die europäischen boden erreicht, ist die halysotter. deren gift ist allerdings recht schwach und sie kommt wirklich nur im grenzgebiet europa/asien vor.
natürlich sind schlangen wärmeliebend. wenn du also frei übernachtest, könntest du durchaus eine solche in deinem schlafsack vorfinden :wink:
wie gesagt können grubenottern nur temperaturDIFFERENZEN wahrnehmen.
aber selbst sehr feine unterschiede werden von diesen erkannt.
hören können schlangen nicht. wie du bereits gesagt hast, spüren sie feinste erschütterungen. sollte euch nun eine hornotter begegnen, wird sie sich wahrscheinlich schnellstens verkriechen. ist das nicht der fall und besteht aber keine angriffsgefahr, dann sollte man einfach die situation genießen...
nun kann es natürlich sein, dass die schlange im weg liegt und euch nicht bemerkt hat bzw. ihr der schlange den weg zu ihrem versteck versperrt und sie deshalb sogar auf euch zukriecht.
dann kann man die schlange entweder durch stampfen auf den boden verscheuchen, oder man geht ihr einfach aus dem weg. die option des erschlagens ist ja in unseren kreisen verpöhnt und sollte unterlassen werden :lol:
solche normalen begegnungen bedeuten für die schlange sicher keinen stress. sie muss ja oft genug reißaus nehmen, wenn greifvögel oder andere feinde in der nähe sind. anders ist das natürlich, wenn sie von fanatischen herpetologen (mich eingeschlossen :wink: ) per handschuh besänftigt wird und hunderte kameras klicken... :lol:
aber solche fragen über das empfinden der tiere können wir sicherlich nicht beantworten.
der eigene instinkt und das verhalten der schlange, ob ängstlich oder agressiv, wird euch schon zeigen, was zu tun ist. das einhalten eines sicherheitsabstandes ist sicher nie falsch. als naturphotograph vergisst man manchmal, über die eigene gesundheit nachzudenken...

somit wünsch ich euch viele schöne beobachtungen!
vielleicht findet man ja mal einen bebilderten exkursionsbericht hier im netz... :roll:
Das Wenigste gerade, das Leiseste, einer Eidechse Rascheln, ein Hauch, ein Husch, ein Augenblick - wenig macht die Art des besten Glücks.

Grüße aus Sachsen
http/www.jugend-oeko-haus.de

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Verhalten gegenüber Hornotter

Beitragvon Hans-Peter » So Apr 09, 2006 11:50

Hallo ticino,
vielen Dank für deine Tipps. In vielen Punkten bin ich deiner Meinung. Eine Schlange einfangen würde ich allerdings nicht. Hätte Bedenken, ob ich ihr dabei nicht einige Rippen breche.
Wir bleiben lieber in respektvollem Abstand und lassen dem Tier möglichst viele Richtungen offen. Bringt halt nicht so interessante Motive wie Abwehr- oder Verteidigungshaltung. Aber wer weiß, vielleicht wird man mit der Zeit auch frecher.
Deinen Rat, der Schlange einfach den Weg frei zu machen, wenn sie auf einen zukommt, finde ich gut. Erschlagen würden wir sie sowieso nicht. Wer so was versucht, darf sich nicht wundern, wenn sie sich mit allen Mitteln verteidigt und er vielleicht selbst den „Kürzeren“ zieht.
Wie du sagst, das Zusammentreffen einfach genießen. Wir überlassen die Regie der Schlange. So bleibt sie gelassen und hat keinen Grund, aus der Haut zu fahren.
Im Freien übernachten mit eventuellem Reptilienbesuch im Schlafsack heben wir uns für irgendwann später auf. Im Moment sind uns die normalen Begegnungen interessant genug.
Hoffe, dass wir wieder die eine oder andere Schlange sehen und einen Bildbericht zusammen kriegen. Bei Puls 140 und steigendem Blutdruck verwacklungsfrei zu fotografieren, ist nicht einfach. Man soll ja von mal zu mal ruhiger werden.
MfG, Hans-Peter

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Exkursionsbericht

Beitragvon Hans-Peter » Di Mai 16, 2006 19:15

Schon am dritten Urlaubstag waren wir anscheinend auf eine Hornotter gestoßen. Auf einem schmalen Pfad in dichtem Gebüsch näherte sich uns eine Maus, mit der irgend was nicht stimmte. Ihr Bewegungsablauf war unkoordiniert, sie torkelte und schleppte sich mühsam unter einen Grasbüschel. Uns war sofort klar: eine Hornotter hatte zugebissen und das Gift zeigte bereits Wirkung. Also nur eine Frage der Zeit, bis das Reptil folgte, um sie zu verschlingen. Hastig wurde die Kamera eingeschaltet. Der Wind wehte aus Richtung der Jägerin, sie konnte uns also nicht wittern. Trotzdem vergewisserten wir uns auch in alle anderen Richtungen, für alle Fälle. Und warteten und warteten. Aufs Äußerste gespannt. Der Adrenalinspiegel stieg und stieg.
Aber es tat sich nichts. Nicht einmal ein Rascheln war zu hören. Vielleicht hatte uns die Hornotter doch registriert? Nach einer halben Stunde gingen wir langsam in Richtung des vermuteteten Liegeorts der Jägerin und hoben mit einem Stock vorsichtig die Pflanzenblätter an, ob sie vielleicht darunter lag. Fehlanzeige. Wenn die Schlange in der Nähe war, hatte sie uns spätestens jetzt bemerkt. So zogen wir unverrichteter Dinge von dannen.
Einige Tage später pirschten wir wieder an dieser Stelle vorbei und trauten unseren Augen nicht: die selbe Maus torkelte uns wieder über den Weg!!! Von wegen Schlangenbiss. Es sah eher danach aus, dass das Nagetier sich ein Depot mit vergorenen Früchten angelegt und dort gerade genascht hatte (war ein Witz).
Bei genauem Hinsehen konnten wir erkennen, dass das rechte Hinterbein der Maus steif war und sie es hinter sich her zog. Vermutlich war es gebrochen. Jedenfalls war das der Grund für ihre sonderbare Gangart und wir wünschten ihr gute Besserung.
Den ganzen Urlaub bekamen wir keine einzige Schlange zu Gesicht. Allerdings haben wir uns auf das Absuchen der Sonnenterassen und Zugangswege dort hin beschränkt. Die Rückzugsgebiete und möglichen Verstecke haben wir nicht aufgesucht. Vielleicht war es auch nur noch nicht warm genug, es hatte tagsüber meist nicht viel mehr als 20 Grad.
Dafür waren schon etliche Eidechsen unterwegs. Die waren überhaupt nicht scheu. Viele kamen neugierig auf uns zu und beäugten uns interessiert. Könnte mir gut vorstellen, dass sie sich abends mit ihren langen, flinken Fingern vor die Tastatur setzen, ihre Menschenbeobachtungen eintippen und in ein reptilieninternes Forum stellen.
Grüße aus BW, Hans-Peter

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Beitragvon Habichtskauz » Do Mai 18, 2006 9:37

Lustige Gschicht mit der Maus! :)

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