"riesige" Schlangen...

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"riesige" Schlangen...

Beitragvon rennfahrersepp » Fr Jul 03, 2020 17:18

Liebe Leute! Vielleicht kann sich noch jemand an die Universum-Sendung über Österreichs Schlangen erinnern. Dort wurde teilweise sehr fragwürdige Zahlen bzgl. der Länge von Schlangen kolportiert (z.B. Ringelnatter bis zu 2m). Bei einem Videodreh in der Au erzählte mir auch eine Frau von 3m (!) langen Äskulappnattern.
Ich weiss, dass gerade bei Schlangen die Längen gerne überteiben werden, aber bei solchen Dimensionen liegen wir doch weit daneben. Ich hab selber immer wieder sehr grosse Exemplare vermessen und bin hier weit darunter. Rekordhalter bei den Ringelnatern war ein Weibchen mit 1,35m. Diese Schlange war aber die mit Abstand mächtigste Ringelnatter, die ich hier in Österreich gesehen habe. Der überwiegende Anteil erreicht gerade mal 1m. Bei den Äskulapps ist es ähnlich: zwei Totfunde auf der Strasse mit 1,80m waren hier die Ausnahme....in der Regel sind die Äskulapps, die ich so finde zwischen 1m und 1,40m...sehr grosse vielleicht 1,60m. Alle anderen heimischen Schlangen sind weit darunter und erreichen nicht annähernd die 1m.
Im übrigen habe ich das Gefühl, dass besonders mächtige Schlangen in den letzten Jahren generell seltener werden. Woran kann es liegen? Sinkt die Lebenserwartung der Tiere?

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Re: "riesige" Schlangen...

Beitragvon Hannes » Fr Jul 10, 2020 22:01

Lieber Wolfgang,
es gibt Untersuchungen aus Südfrankreich an der Eidechsennatter, dass die Tiere aufgrund des Straßenverkehrs nicht mehr Maximalgrößen erreichen (nachzulesen im Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas, Hrsg. W. Böhme).
Für Österreich kann ich nur sagen, dass mit zunehmender Stichprobe auch die Wahrscheinlichkeit steigt, ein großes Individuum zu finden. Unsere größten abgemessenen Tiere waren 2012 eine Würfelnatter
mit 130 cm (Weibchen) und 2017 eine Schlingnatter mit 85 cm (Weibchen). Beides Maße, die in Mitteleuropa bislang nicht dokumentiert waren. Für Ringelnattern hab ich keine konkrete Maßangaben, Tiere mit +100 cm hab ich schon lange nicht mehr gesehen; Äskulapnattern mit mehr als 170-18ß cm sehen wir auch nur 1 bis 2 Mal pro Jahr.
Es gibt, was die Lebenserwartung betrifft, leider keine zuverlässigen Angaben in der Literatur. Ich glaube allerdings, dass aufgrund der geänderten klimatischen Verhältnisse während der letzten Jahre, die Schlangen auch mehr Zeit haben, zu wachsen und deswegen eventuell auch größer werden könnten.
Was die Ringelnatter betrifft: Das Rekordtier (Natrix helvetica) mit 212 cm stammt von der kroatischen Insel Krk und ist in Italien in einem Museum konserviert.
Der Universum-Film war für jeden, der sich auch nur ansatzweise mit heimischen Schlangen auskennt, ein schlechter Scherz...
Hannes

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Re: "riesige" Schlangen...

Beitragvon rennfahrersepp » So Jul 19, 2020 20:06

Hi Hannes!

Meine Beobachtungen sind da sehr ähnlich, wobei ich mit einer derart grossen Würfelnatter nicht aufwarten kann. Auch bei den Ringelnattern sind Funde über 1m Länge schon ziemlich selten geworden. Die letzte wirklich grosse Ringelnatter fand ich vor ein paar Jahren in den Donauauen, ein Weibchen mit 1,20m.
Wenn man sich intensiver mit den Tieren beschäftigt, bekommt man auch ein Gefühl für die Grösse. Ich bin bei meinen Schätzungen da schon ziemlich genau. Wenn ich nachmesse, liege ich bei der Schätzung maximal 10% daneben.
Meinem Empfinden nach überschätzen Laien hier die Grösse von Schlangen sehr gerne und teilweise sogar massiv. Ich erinnere mich, als mir vor Jahren mal jemand von einer 2m langen Äskulappnatter im Garten erzählt hat. Ich fand das Tier tatsächlich und hab es aus Interesse auch vermessen: 1,20m war es in Wirklichkeit.

Zum Universum-Film: ja, die Aufnahmen waren sehr gut, aber beim Text hat's mir teilweise die Sprache verschlagen...

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