Schlingnatter?

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Beitragvon Werner » Do Aug 14, 2008 12:00

Noch eine Geschichte:
Lang, lang ists her, dass in einer Wiener Tierhandlung Nashornleguane (Gattung Cyclura) beschlagnahmt worden sind. Diese streng geschützten Tierchen hatten natürlich keine Papiere. Nun musste ein Exempel statuiert werden. Na, soo geht des net! Die Echsen mussten auf Kosten des schuldigen Tierhändlers ins Ursprungsgebiet zurückgeschickt werden. Doch leider war zwar die Art, nämlich jene, die auf Cuba und seinen Randinseln vorkommt, aber nicht die genaue Herkunft, d. h. die beschriebene aber (natürlich) nicht bestimmbare Unterart feststellbar. Deshalb kam man überein, die Leguane doch nicht wieder frei zu lassen, sondern sie einem Tierpark auf einer kleinen Insel vor Cuba zu überlassen. Nashornleguane wurden (und werden!) in ihrem Ursprungsgebiet als Delikatesse geschätzt. Die Mitarbeiter des Tierparks sollen besonders lustvoll gerülpst haben (das ist allerdings eine Unterstellung!).
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Beitragvon Gerald » Fr Aug 15, 2008 12:04

Hier ein interessanter Beitrag über Grillen und eine Mutation derer Männchen:

http://www.wissenschaft-online.de/artikel/964545

Lässt sich meiner Meinung natürlich auch auf die Herpetofauna übertragen, Beispiele was durch Verschleppung passieren könnte wurden ja schon gennant.

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Beitragvon Leif » Sa Sep 13, 2008 14:58

@Mario: In "Die Schlangen Europas" (Ulrich Gruber) steht, dass bis heute nur ein Tier dieser Art gefunden wurde. Ferner wird als Fundort Adapazari angegeben.
Was stimmt jetzt? :roll:
Danke und Grüße, Leif

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Beitragvon Vipersgarden » Sa Sep 13, 2008 15:55

Das U. Gruber Buch erschien 1989.

Zu diesem Zeitpunkt war - soweit ich weiss - erst die Erstbeschreibung von Vipera barani durch Böhme & Joger (1983) publiziert.
Darin wird erwähnt, dass 3 Tiere importiert wurden, aber nur eines dem Museum übegeben wurde = Holotypus Vipera barani.
Kleines Detail dieser Publikation am Rande, dass viele zum schmunzerln anregte. Die Terra typica wird mit 60 km nördlich von Adapazari angegeben. Somit ist Vipera barani die erste bekannte marine Viper. Denn 60 km nördlich von Adapazari liegt ungefähr 25 - 30 km im Schwarzen Meer draußen!

Bei der DGHT Tagung in Frankfurt 1989 zeigte Ibrahim Baran die 4 konservierten, beschlagnahmten Stücke (und nicht nur 3, wie ich früher schrieb).

1988 wurden in der Nordosttürkei zwei Weibchen gefunden ( Baran, I., U. Joger, B. Kutrup & O. Türkozan, 2001).

1997/1998 fand Michael Franzen in der NO-Türkei drei weitere Stücke (Franzen, M. & U. Heckes, 2000).

Und zu guter Letzt wurde 2003 ein Tier in der NW Türkei gefunden (Baran, I., Y. Kumlutas & C. Ilgaz, 2005).

Es sind somit bis jetzt 13 Vipera barani offiziell bekannt geworden.

Aber nie wurde eine Baran´s Viper im Taurusgebirge, Provinzen Konya und Silifke, trotz intensiver Nachsuche, gefunden.

Übrigens:
Alle erwähnte Literatur ist für registrierte Benutzer von meiner Literatur-DB als PDF herunter ladbar.

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Beitragvon Leif » So Sep 14, 2008 11:53

Danke, Mario!
Bei einer solchen Populationsdichte, würde die Art wohl kaum überlebensfähig sein, also muss es deutlich mehr Tiere geben als von den Funden her anzunehmen ist. Welche Gründe gibt es dafür, dass man diese Art so selten findet?
Schönen Rest-Sonntag, Leif

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Beitragvon Vipersgarden » Fr Sep 19, 2008 8:31

Ein Grund dafür ist die "black list" der türkischen Behörden.
Darin sind jede Menge Türkeireisende, die sich mit Tieren befassen, angeführt.
Unter anderen auch ich. Da die Liste aber in alphabetischer Reihenfolge ist, stehe ich erst ziemlich weit unten, hinter bekannten Herpetologen aus Bonn, München, Schweden, ..........
Lange haben wir gerätselt, wie man auf die Liste kommt.
Einige der Gründe:
Man publiziert nicht in türkischen Zeitschriften,
man nimmt Belegexemplare mit (auch Straßenleichen) - das ist aber immerhin verboten,
man nimmt auf seine Kosten keine türkischen Kollegen auf Exkursionen mit

Wahrscheinlich wurden schon mehrere Tiere gefunden, aber nicht publiziert.
Das Problem war, dass nach der Erst-Beschreibung und der Terra typica Adapazari viel im falschen Lebensraum gesucht wurde (feuchte Niederungen). Die Tiere leben aber tatsächlich montan bis (sub)alpin. Alle Funde liegen um 800 Meter und rauf bis über 1´500 Meter, vielleicht noch höher.

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