Frage(n) zum Verhalten

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Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon horseandpower » Mo Jul 09, 2012 9:19

Hallo!
Ich bin letztes Wochenende beim Ironman Austria in Klagenfurt gestartet und ließ es mir am Freitag davor nach der erfolgreichen Registrierung nicht nehmen, vor dem letzten Radtest noch ein paar Stunden im Happ Reptilienzoo zu verbringen. Dort habe ich u.a. geraume Zeit vor dem großen Freiland"gehege" mit den heimischen Schlangen verbracht. Es war brütend heiß und allzuviel bekam ich nicht zu sehen.
Allerdings turnte eine Hornotter relativ nahe in einer Latsche herum. Ist das normal? Ich habe nur mein Mobiltelefon mitgehabt, aber ich versuche es mal herzuzeigen.
IMG_1024.JPG
Hornotter in Latsche
IMG_1023.JPG
Hornotter in Latsche

Neben der kletternden Hornotter waren noch ein paar Kreuzottern (auf den Bildern nicht zu erkennen, da oben am Haufen im dunklen Schatten) und Ringelnattern im Schatten zu sehen. Aufgefallen ist mir, dass alle Schlangen, die ich entdecken konnte, im Schatten waren. Es hatte ca. 36°. Ist das so, dass bei solchen Temperaturen die heimischen Schlangen Schatten bevorzugen??
IMG_1025komp.jpg
Ringelnattern im Schatten

Auch beim Bereich der Schlingnattern müssen wohl alle aus der Sonne geflüchtet sein, denn ich konnte kein einziges Tier sehen. Vermutlich waren alle unter dem Steinhaufen.
Dafür war nebenan bei den (nicht heimischen) Klapperschlangen voll das Gewurrle. Offensichtlich sind die wärme Temperaturen gewöhnt?
Ich konnte da eine Klapperschlange beim Trinken beobachten. Sie hielt den Kopf zum Wasser und man konnte richtig Schluckbewegungen sehen, es sah fast wie bei einem trinkenden Säugetier aus.
Was ich nicht einordnen kann, war ein Exemplar, dass sich auf drei eng beieinanderliegende Schlangen richtig gehend oben drauf schlängelte und dann abwechselnde reibende Bewegunge machte und dazwischen immer wieder zuckte, als stünde es unter Strom. Dabei versuchte sich diese Schlange richtig zwischen die anderen (die das Tier völlig ignorierten) zu drängen. Die reibenden Bewegungen und auch das Zucken sahen irgendwie sexuell aus, aber wie gesagt, ich habe keine Ahnung, was der Sinn und Zweck dieser Bewegungen war. Vielleicht kann mich ja jemand "aufklären"??

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon DON.HISTER » Mo Jul 09, 2012 11:25

Ein Schlangenbuch .
Ein Buch über Schlangen .
Noch ein Schlangenbuch .
Hier im Forum nachlesen .
Dann den anderen Leuten erzählen , wie das ist mit den Schlangen .

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon Mamba » Mo Jul 09, 2012 11:45

In der Tat sind 36 Grad für unsere einheimischen Schlangen etwas viel, da kann sich kein Tier längere Zeit an der Sonne aufhalten.
Die Schlingnattern sind da die ersten, die sich zurückziehen, sie sind lieber bei mässigen Temperaturen und bedecktem Himmel "draussen".
Aber auch die Klapperschlangen werden bei diesen Temperaturen nicht den ganzen Tag sonnenbaden. Sie vertragen, vor allem paradoxerweise die Wüstentiere, hohe Temperaturen ebenfalls ganz schlecht.
Bei der zuckenden (männlichen) Klapperschlange handelt es sich tatsächlich um sexuelle Aktivitäten - Paarungsvorspiel resp. Liebeswerben.

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon andi » Mo Jul 09, 2012 17:51

DON.HISTER hat geschrieben:Ein Schlangenbuch .
Ein Buch über Schlangen .
Noch ein Schlangenbuch .
Hier im Forum nachlesen .
Dann den anderen Leuten erzählen , wie das ist mit den Schlangen .


Deine Beiträge sind teilweise doch recht sonderbar, oder glaubst du mit dieser Antwort jemandem helfen zu können?

LG

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon DON.HISTER » Mo Jul 09, 2012 21:29

Ja , so ist das eben mit dem Trend zum Zweitbuch . . . . . .
Also drei habe ich , und dazu das Spanische .
Einstens habe ich zwei weggeschmissen , weil die Bilder elendig waren und weil die Texte so kronenzeitlich reisserisch und kommerziell waren .
Vor dem Einwerfen ins Altpapier noch zerlegt , damit der Unfug verlässlich verschwindet .
Ulrich Gruber " Die Schlangen Europas ", Auflage 2009 , circa 30.-€ , empfehle ich sehr .

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon horseandpower » Di Jul 10, 2012 10:08

Also, ich habe zwei, drei Bücher über Schlangen. Da sind halt in erster Linie die Systematik und die Besonderheiten der Arten beschrieben.
Wahrscheinlich sind so banale Dinge (wie sieht eine Schlange beim Trinken aus, wie wirbt Klapperschlangenmann um Frau?) einfach nicht wissenschaftlich genug.
Ich fand es allerdings einfach spannend.
Danke, Mamba, für die Bestätigung meiner Vermutungen.

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon DON.HISTER » Di Jul 10, 2012 11:46

In dem einen Buch ist ein Bericht über das Temperaturverhalten einer ganz gewissen Schlangen-Art in den U. S- A.
Mit den Laser - Fernthermometern ermittelte man die Temperatur von einigen "Probanden", die sich von der Sonne aufwärmen ließen . Statistisch gemittelt ergab sich ein Temperaturwert von 33,2 Grad Celsius , bei dem diese Schlangen-Art den Sonnenschein verlässt . Sie ist dann im Schatten ( schwer auffindbar ) - oder im Schlupfwinkel in jenem Bereich , der ihrem Wärmebedürfniss entspricht .
Die angegebene Dezimalstelle ist für mich immer der Hinweis , dass statistische Resultate meist für den Einzelfall nicht gelten .
Mich freut die prinzipielle Befassung mit dem Temperaturverhalten und die Bekanntgabe des Forschungsresultats .
Es kommt ein feines Detail dazu: kleine Körper werden rascher warm , als große Körper . ( Verhältnis Volumen : Oberfläche .)
Wie schön ist nun die Vorstellung , die Schlangen würden beim Aufwärmen nach der Größe geordnet den Schatten aufsuchen .
Das wird aus anderen Gründen nicht so sein , aber der Gedanke ist vergnüglich .
Bei dem Holz-Stapel in der Au bei Schlosshof hätte ich es so interpretieren können ; die große Aesculap war die letzte , die sich in den Schatten verlagerte, die kleinen Würfelnattern waren da schon längst im Holzhaufen verkrochen .
Ist Verlass auf die Theorie ? Auf die Individuen ? Und den Zufall ?
Verlässlich ist das Prinzip " WER MISST , DER MISST MIST ".

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon Vipersgarden » Di Jul 10, 2012 18:49

Naja, der GRUBER ist wohl das unterste Limit, das man empfehlen kann!
Ich würde da mehr zu:
KREINER Guido: Die Schlangen Europas. alle Arten westlich des Kaukasus,
oder wenns Vipern sein sollen:
SMEDT Johan: The vipers of Europe (aber bitte hier nur die englische Version, die [ältere] deutsche ist zu sehr fehlerbehaftet)
raten.
Und dann gibt es noch jede Menge zu Verhalten allgemein, über spezielle Artengruppen oder Gebiete. Hier sind fremdsprachige eindeutig in der Überzahl, und wenn die Wahl zwischen Deutsch oder englisch/fränzösich/italienisch usw. besteht, die fremdsprachigen meistens bedeutend billiger.

Zur Hornviper in der Kiefer:
Gerade trächtige Hornotternweibchen suchen gerne Bäume/Sträucher auf. Hier haben sie ein viel ausgeglicheneres Klima als am Boden und können so oft den ganzen Tag in luftiger Höhe verbringen. Eine Hornotteer auf Krk kletterte z.B. jeden Mogen auf eine Kiefer (bis in 2 Meter Höhe) und blieb bis zur Abenddämmerung dort oben. Und das während meines ganzen Aufenthaltes auf der Insel.

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon Cornelia » Di Jul 10, 2012 22:07

Ja, gut aufgepasst in Physik: große Körper werden langsamer warm, kleine werden schneller wieder kalt. Also dürfte die Gesamt-Aufenthaltszeit während des Tages in der Sonne zugunsten der kleinen ausfallen ... :idea:
Das allerdings nur, wenn der "Schlupfwinkel, der ihrem Wärmebedürfniss entspricht" noch keine 33,2 Grad hat. :!:
Das ist alles sehr kompliziert ... :roll:
Cornelia

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Re: Frage(n) zum Verhalten / Physik

Beitragvon DON.HISTER » Di Jul 17, 2012 21:30

Physik ? Erschreckend !
Wenn man ein bisserl mit Kugeln oder Brocken herumrechnet , so findet man erschreckend starke Unterschiede der Verhältnis-Werte von Volumen zu Oberfläche .
Etwa ein Kugerl mit 10 mm Durchmesser ergibt 1 zu 2 , eine Kugel mit 100 mm ergibt 17 zu 1 .
Nun aber stilisierte vereinfachte Schlangenkörper : die soeben Geschlüpfte mit 5 mm / 180 mm hat Volumen zu Oberfläche = 1 zu 1 , die Adulte mit 24 mm / 1200 mm hat aber 50 zu 1 .
Glücklicherweise sind das nur mathematische Werte aus idealisierten Angaben . Außerdem leuchtet die Sonne ja immer nur auf die eine Seite dieser Schlangen . Dann reflektieren sie die Strahlung unterschiedlich .
Es sind jedenfalls enorme Unterschiede in den Aufwärme-Zeiten , je nach den Dimensionen des Schlangentieres .
Soll man sich damit erklären , warum ganz junge Schlangen gar so selten beim Aufwärmen zu sehen sind ? Die haben wohl einen ganz anderen Lebenswandel als die Mittelgroßen und die Alten ?

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Re: Frage(n) zum Verhalten

Beitragvon Cornelia » Mi Jul 18, 2012 21:20

Colle Berechnung! 8)
Aber: da müßte man ja jetzt noch hinzufügen, dass diese Körper ein Kreislaufsystem haben - also nicht einfach nur "grillen" von oben. Das sollte die Aufwärmzeit noch mal verkürzen, weil ja die Kerntemperatur mit der Oberflächentemperatur "mitgeht" - also nix anbrennt da außen (wie beim Schweinsbraten), bis die Kerntemperatur erreicht ist.
Könnte es auch sein, dass man kleine Schlangen einfach weniger leicht entdeckt, weil sie klein sind? :roll:
Cornelia

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