Schlangenreviere

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Schlangenreviere

Beitragvon Asklepios » Mi Aug 01, 2012 10:40

Ich hätte mal eine Frage auf die ich bisher noch keine Antwort gefunden habe.
Mittels einer Telemetrie von Äskulapnattern wurde in einem bestimmten Gebiet festgestellt, das sich die ermittelten Polygone nur an gewissen Hotspots (Holzstapel, Hütten) überschneiden, ansonsten werden unterschiedliche Räume genutzt. Kann es sein, das Schlangen Reviere haben oder ist das völlig absurd und es handelt sich nur um einen Zufall? Wo gibt es möglicherweise Literaturhinweise auf ein ähnliches Verhalten?

lg

Kennt sich schon aus
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Re: Schlangenreviere

Beitragvon pseudopus1 » Mi Aug 01, 2012 13:50

Hallo!

Wieviel sich eine Schlange durch den Lebensraum bewegt, ist von Art zu Art unterschiedlich. Das hängt von den Methoden des Beutefanges, von Konkurrenz, von Beutetierhäufigkeit, Feinde und somit generell vom Verhalten ab. Lauerjäger (wie z.B. die meisten Vipern) bewegen sich viel weniger als diverse Zornnattern, Eidechsennattern etc., die ihre Beute verfolgen oder zumindest aktiv aufstöbern. So sind alle Arten auch anatomisch an ihre spezifische Lebensart angepasst (standorttreu und bodenlebend -->eher plump, verfolgender Jäger --> lang und schlank).
Eine Population kann dort überleben, wo der Lebensraum geeignet ist, genug Futter vorhanden ist und keine oder möglichst wenige (Fress)Feinde vorkommen. Wird das Habitat (oder das Habitat der Futtertiere) zum Beispiel vom Menschen zerstört, sind die Tiere gezwungen weiterzuziehen. Ist dies nicht möglich, stirbt die Population aus.
Schlangen versuchen, Nahrungskonkurrenz zu vermeiden. Deshalb überlappen sich zwar die Polygone an Überwinterungsquartieren, Verstecken und Sonnplätzen (da kommen schließlich mehrere Individuen zusammen), sind aber ansonsten getrennt. Aus viel mehr als schlafen, sonnen, essen, fortpflanzen und ev. vor Feinden zu fliehen, besteht das Leben einer Schlange nicht, unnötige Bewegung (und somit Energieverschwendung) wird meist vermieden.

Ich weiß auch nichts von Revierkämpfen/drohungen, wie es bei einigen Echsen (z.b. Mauereidechsenartige, Agamen) der Fall ist. Lediglich kommt es bei einigen Arten, wie auch bei der Äskulapnatter, zu Kommentkämpfen zweier Männchen um ein Weibchen während der Paarungszeit.

Würde diese Telemetrie bei einer dichten Population von semiaquatisch lebenden Nattern, wie Ringelnatter oder Würfelnatter, durchgeführt werden, würden sich vermutlich mehrere Polygone kreuzen, da diese ihre Nahrung in Gewässern aufsuchen und somit ihre Wege sich öfters kreuzen (da Gewässer enger begrenzt sind).

Ich würde daher nicht wirklich von Revieren sprechen, viel eher von einer Art "Nischennutzung", wobei das wie gesagt von sehr vielen Faktoren, auch von der Größe des Habitats, abhängt.

Scientia tecum,
Attila

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