Umsiedlung Feuersalamander

Feuersalamander, Alpensalamander

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Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon JürgenT. » Mo Mär 11, 2013 20:26

Saurer Spitz 26.10.2012 018 (Groß).JPG



Hallo wollte Euch mal Fragen wieviel Feuersalamander können auf 1 ha leben. Bei einer Umsiedlungsmaßnahme haben wir über 2000 Feuersalamander auf ca 3 ha gefunden. Ist das normal?!

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Re: Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon 7088maxi » Mo Mär 11, 2013 21:59

Hallo,
soweit ich mich erinnern kann gibts im Wienerwald ein Loch in dem via Fotofalle weit über hundert Exemplare gezählt wurden. Ist sicher nicht normal aber durchaus möglich das derartig viele Salamander auf ein paar Hekter dicht an dicht leben.
MfG

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Re: Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon JürgenT. » Mo Mär 11, 2013 22:23

Bin auch sprachlos bei solch ein dichtes Vorkommen.
z.Z. sind wir am überlegen welche Ausgleichsmassnahmen Sinn machen.
Gefangen wurden die Tiere auf dem Gelände wo die Erdeponie erweitert wird.
Hier noch ein Foto nach dem aussetzen der Tiere.
Dateianhänge
12.11.2012 saurer Spitz aussetzen.JPG

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Re: Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon cleeb » Di Mär 12, 2013 2:57

Also solch eine Dichte ist sicher etwas besonderes.
Hier http://www.gea.de/region+reutlingen/reu ... 940213.htm wird von einer anderen (oder doch der selben?) Umsiedelungsaktion berichtet, da sinds auch 2000+ Tiere, aber auf knappen 9 ha. Hier wird auch erwähnt, dass der bisher bekannte Höchstwert für Deutschland bei 320/ha liegt. Wie dieser Wert der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden zustandekommt, weiß ich nicht, da zumindestens hier http://www.laurenti.de/pdf-Dateien/2011-01-06%20-%20B%F6rder%20et%20al-abstract.pdf von einer Dichte von über 4000/ha berichtet wird, und Dichten von über 320/ha, zumindestens in idealisierten Kerngebieten, nicht selten sein werden. Die 4000+/ha wurden jedoch durch das Abgehen von Transekten ermittelt, eine Methode, bei der ich denke, dass sie bei Feuersalamandern die Dichte massiv überschätzt.
Aber wie gesagt, eure Population hört sich bemerkenswert an, und es ist Schade, dass sie umgesiedelt werden musste. Ich hoffe das Ersatzhabitat ist größer als 3ha, denn diese Dichte ist wahrscheinlich nur unter sehr guten (und seltenen) Bedingungen möglich.

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Re: Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon JürgenT. » Di Mär 12, 2013 7:22

Der Bericht ist über unsere Feuersalamander.
Jürgen Tröge von RANA e.V. das bin ich. Ja wir schauen gerade nach Ausgleichmaßnahmen.
Wie z.B.Verbesserung von Kleinen Klingenbäche (für das Larvenabsetzen) Totholzschüttungen u.s.w.
Die Erdeponie konnte leider nicht verhindert werden, deshalb konzentrieren wir uns auf den Ausgleich.

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Re: Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon cleeb » Di Mär 12, 2013 18:06

Aja...hätte auf den Namena achten können :)
Wie schaut der Verbesserung der Bäche genau aus? Für die Larven könnte man alternativ vielleicht auch stehende Gewässer anlegen. Defizite bei der Larvengewässerqualität würden sich aber eh erst langfristig auf die Population auswirken.
Totholz ist sicher auch eine gute Idee. Das Problem ist nur, dass dieses wahrscheinlich vor allem im Sommer relevant ist- weiß nicht in wie weit eine Totholzaufschüttung als Winterquartier dienen kann.
Da ihr die Feuersalamander mitte November umgesiedelt habt (zumindestens laut Aufnahmedatum des Fotos), könnten die Winterquartiere das größte Problem sein. Zu dieser Zeit haben sich die Tiere in ihrem alten Lebensraum sicher schon in unmittelbarer Nähe zu den Winterquartieren befunden, man kann also nur hoffen, dass sie im neuen Lebenraum schnell genug frostsichere Verstecke gefunden haben und die meisten den ersten Winter überstehen.
Gab es an der Stelle an der ihr sie ausgesetzt habt bereits Feuersalamander? Und schade, dass ihr nicht alle 2000 Individuen einzelnd fotografiert habt (oder habt ihr?), da hätte man interessante Sachen untersuchen können.

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Re: Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon JürgenT. » Di Mär 12, 2013 21:08

Zunächst wollten wir hauptsächlich wegen den Gelbbauchunken absammeln.
Als FFH Art und als streng geschützte Art unterliegt sie einem Tötungsverbot. Deshalb das absammeln.Wir dachten vorgezogene CEF Maßnahme für die Gelbbauchunke und dann später die eigentlichen Ausgleiche.
.......und dan entwickelte sich das Problem 16 Gelbbauchunken und über 2000 Feuerssalamander. Im Gutachten waren keine Hinweise auf solche Mengen an Salamander.
Nun wurde ein weiterer Gutachter eingeschalten, der das Verfahren Naturschutzrechtlich auf die neue Gegebenheit abstimmt.
Dazu gehören Maßnahmen wie das absperren des Baugebiet mit einem Amphibienzaun. Der Zaun wird nach außen schräg aufgestellt damit Amphibien die noch innnen sind auch raus können.
Versteckmöglichkeiten (für Amphibien z.B. Totholz) im Baubereich müssen schonenst entfernt werden. Die restlichen Amphibien im Baubereich sollen vergrämt werden.....nicht mehr abgesammelt.
Nächste Woche geht es dann um die Ausgleichsmaßnahmen. Mal sehen was kommt.
Das Problem es haben sich ein paar Bürger über die Vorgehensweise des Bauträgers beschwert und somit sämtliche gemeinsame Cooperation mit den Behörden erschwert.
Beim letzten Ortstermin waren bald 30 Behördenvertreter dabei. Da stimmt der Spruch zuviel Köche verderben den Brei.
So das mal als erstes!
Anfängliche Funde zeigt das Bild
Dateianhänge
Gefangene Tiere im Eimer.JPG

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Re: Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon pleurodeles » Mi Mär 13, 2013 17:50

Hallo Jürgen!

Nur für´s Verständnis: Wie darf man sich eine "Vergrämung" von Amphibien vorstellen? Man wird vermutlich kein Ringelnattern-Heer auslassen, Luftschüsse oder Sirenen helfen vermutlich auch eher weniger :wink:. Oder ist das gar nur ein Synonym für "Die anderen Arten ihrem Schicksal überlassen"?

LG,
Günther

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Re: Umsiedlung Feuersalamander

Beitragvon JürgenT. » Do Mär 14, 2013 0:00

Hallo Günther,
Vergrämung ist nicht ganz das richtige Wort. Passender gesagt wäre die Amphibien zum abwandern zu bewegen. Gemeint ist damit z.B.
bevor die Gelbbauchunken aus dem Winterquartier kommen ihre Laichtümpel im Baubereich zuschütten. Den Feuersalamander die Versteckplätze/Sommerlebensräume (z.B.Totholz) wegnehmen u.s.w. dadurch werden sie zum abwandern bewegt.
Das Habitat einfach "auflösen".

Ich weis selber nicht ob dies die richtige vorgehensweise ist. Laut Gutachter soll es ein Richterspruch geben der dies dem abfangen vorzieht.

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