Ringelnattern fressen Molch-Biotop leer

heimische Molche - Berg- bis Teichmolch

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Ringelnattern fressen Molch-Biotop leer

Beitragvon Christian S » So Jun 29, 2008 12:22

Hallo erst mal und zum Titel passend "Mahlzeit"

Ich komme gerade aus Salzburg und möchte folgende Beobachtung bzw. meine Gedanken dazu zur Diskussion stellen.

An einem ziemlich vegetationslosen Bergmolch Biotop mit felsigem Untergrund und geringer Tiefe besteht seit Jahren eine sehr große Bergmolch Population mit weit über hundert Tieren bzw. mehreren hundert Tieren. Nun fiel mir schon in den vergangenen Jahren auf das die Molche rapide weniger, die Ringelnattern aber immer mehr werden.
Heuer scheint der traurige Tiefstand erreicht zu sein ich konnte keinen einzigen adulten Molch sichten und nur ganz wenige Larven dafür eine Ringelnatter der noch der Schwanz des letzten adulten beim auftauchen aus dem Maul hing.

Mir ist natürlich bewußt, daß das an sich ein ganz normaler Vorgang ist und die Ringelnattern nach dem versiegen dieser attraktiven und leichten Nahrungsquelle abwandern werden und der Molchbestand sich dadurch mittelfristig wieder erholen könnte.

Allerdings macht mir der zusätzliche Druck durch die sehr erfolgreichen Ringelnattern auf die ohnehin (hauptsächlich durch Biotop Verlust) schwachen Amphibien Bestände Sorgen. Denn leider machen die Schlangen keinen Unterschied zwischen Kamm oder Bermolch oder Grasfrosch und Gelbbauch Unke und da wird es dann leider teilweise wirklich eng. Und wenn ich sehe das regelmäßig am eigenen Gartenteich die zaghaft zuwandernden Gelbbauch Unken durch die allgegenwärtigen Ringelnattern gefressen werden, werde ich echt sauer (bei den Teichmolchen und den Kaulquappen drück ich mal ein Auge zu)

Konntet ihr schon ähnliche Beobachtungen machen? oder bin ich ein Einzelkind mit Einzelschicksal?

Liebe Grüße

Christian

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Beitragvon Cornelia » Di Jul 01, 2008 10:23

Hi Christian!

Nein, mit Deiner Beobachtung bist Du nicht allein! Einerseits sollte man sich darauf verlassen, dass die Natur, wie Du es schon gesagt hast, es regelt, andererseits ist es schwer, einfach zuzuschauen.
Mir gehts genauso, siehe:
http://www.herpetofauna.at/forum/viewtopic.php?t=1717

Für beide Deiner Fälle könnte vielleicht eine Vermehrung der "Struktur" hilfreich sein: Steine bei den Bergmolchen, Schilf / Pflanzen im Gartenteich. Ist halt so eine Idee ...
Cornelia

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Beitragvon Christian S » Do Jul 03, 2008 1:44

Hallo Cornelia,

schön nicht ganz allein zu sein, habe mit Interesse deinen "Enten" Thread gelesen und finde die Antworten eigentlich kulinarisch lustig aber auch etwas befremdend ob dem Ernst der Lage und andererseits der Leichtigkeit mit der für die meisten Amphibien eine Verbesserung erreicht werden könnte.
Auch macht mir der Traum das wir ohne Prädatoren eine Frosch oder Molchüberpopulation hätten keine Angst da die meisten (oder alle? bei Larvenstadien) vor Kannibalismus sicher nicht zurückschrecken und ohnehin wird das ziemlich sicher nicht passieren und die Prädatoren würde ich natürlich auch auf keinen Fall vermissen wollen.
Ich hatte bei meinen Teichen in Wien übrigens das gleiche Problem mit Enten die speziell den Springfrosch Laich fraßen und mit Krähen die sich auf die Molche und Schnecken im sehr klaren Wasser spezialisiert hatten.
Damals überlegte ich ernsthaft die 3 Teiche mit Vogelschutzgitter bzw Stahlgittern zu überspannen bzw. abzudecken.
Danke für deinen Tip mit der Strukturverbesserung, das ist wahrscheinlich die beste Idee, nur ist das leider im Fall der Bergmolche nicht möglich und im Fall der Unken ist der kleinere Teich ohnehin schon fast zugewachsen.

Natürlich wird die Natur alles regeln... natürlich mit der Konsequenz das Arten aussterben werden bzw. täglich aussterben... und natürlich sehr oft von uns verschuldet, mitverschuldet oder beschleunigt.

Ich möchte bei unseren einheimischen Molchen und Amphibien aber ebenfalls nicht dabei zuschauen und versuche so gut ich kann gegenzusteuern, deshalb lege ich wo es geht Biotope an (natürlich auf Privatgrundstücken) und natürlich finde ich es dann nicht so toll wenn bei den ersten zaghaften Besiedelungsversuchen gleich alles im Maul einer Ringelnatter verschwindet. Bzw. hat mich der Fall des Bergmolch Biotop´s schockiert für mich ein "Aushängeschild" Lebensraum mit vielen gesunden, äußerst kräftigen Tieren.

Deshalb nochmal die Frage an alle...

ist es möglich das Ringelnattern einzelne Biotope leer fressen?

weiß vielleicht jemand wie hoch der durchschnittliche Nahrungsbedarf ist ?

gibt es andere Prädatoren die Molchbestände massiv schädigen ?

über zahlreiche Antworten würde ich mich sehr freuen

Christian

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Beitragvon Cornelia » Do Jul 03, 2008 9:37

Hi Christian!

Ich verstehe Deine Intentionen ganz gut, habe aber auch schon erlebt, dass Biotope ohne Zutun plötzlich wieder voll waren mit Amphibien. So genau verstehen wir die Zusammenhänge offenbar nicht und das läßt auch vorsichtig werden beim Eingreifen. Denn was fürs erste ideal aussieht, entpuppt sich dann möglicherweise als völlig verkehrt.
Die Entendiskussion zeigt vor allem, dass es uns allen so geht, dass wir die Prädatoren unserer Lieblingstiere lieber "entfernen" würden. Aber das ist einfach unmöglich und auch unsinnig, wie am Beispiel der Ringelnatter deutlich wird.
Aber es ist sicher wichtig, dass wir immer wieder etwas für Amphibien tun, dagegen wird ohnehin genug getan - und das nicht nur von Ringelnattern. Schlussendlich entscheidet der Einzelne, wie und was er einsetzt, meist gibt es dabei aber vor allem faktische Hürden, wie fehlende Zeit und mangelndes Geld.
Auf Deine Fragen weiß ich nun auch nur Antworten, die Du Dir schon selbst gegeben hast.
Cornelia

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Re: Ringelnattern fressen Molch-Biotop leer

Beitragvon Aliraza173 » Mo Nov 10, 2014 14:37

Da hab ich auch einen (zwar keine Teichmolche, aber nicht minder interessant):
ali

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