Verletzter Teichmolch

heimische Molche - Berg- bis Teichmolch

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Verletzter Teichmolch

Beitragvon Joe4711 » Mo Nov 10, 2008 22:13

Vorhin hab ich ein Fenster im Keller zugemacht, bzw zumachen wollen. Ging irgendwie nicht... Fenster wieder aufgemacht, fiel ein Teichmolch (?) aus der Zarge auf den Boden. Aua.

An der Quetschstelle in der Zarge ein weisser Schleim, aber kein Blut. Das arme Vieh auf ein Blatt Papier geschoben - etwas blutiger Schleim auf dem Papier, aber nicht viel. In einem eilig eingerichteten Nass-Terrarium einquartiert.

Was mach ich jetzt mit dem Vieh? Vorweg: Ich will nicht günstig an einen Molch kommen, sondern hab einfach Mitleid. Wenns das Beste ist, ihn direkt wieder auszusetzen, mach ich es. Daher frage ich hier! Wenn es besser ist, ihn erstmal aufzupäppeln, tue ich auch das. Hab als Aquarianer ein paar Erfahrungen gesammelt, allerdings nichts mit Amphibien.

Im jetzigen Becken sind 2 cm Wasser und 4 cm Feinkies, sodaß sich ein Teich bildet (1/3 Wasserstelle, 2/3 Landteil). Ausserdem ist noch etwas Laub drin, damit sich das Tier verstecken kann.

Es hat sich mit Mühe unter ein Blatt geschleppt, äußere Verletzungen waren nicht sichtbar. Will das Tier jetzt aber auch nicht untersuchen, es ist ja sicher völlig gestresst.

Ist es sinnvoll, das Tier ein paar Tage zu pflegen, und dann wieder auszusetzen? Oder direkt? Oder muss ich es dann sogar bis zum Frühling pflegen? (letzteres ungern, würde es aber tun).

LG, Joe

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Beitragvon Cornelia » Di Nov 11, 2008 10:30

Hallo!

Es ist immer eine sehr unangenehme Situation, wenn man ein Tier unabsichtlich verletzt. Leider kann man meist nicht mehr wirklich was gutmachen.
Zum beschriebenen Fall:
1. Molche haben eine hohe Regenerationkraft (z.B. werden Zehen wieder nachgebildet).
2. Amphibien ertragen körperliche Verletzungen über sehr lange Zeit (langsamerer Stoffwechsel?), bevor sie sterben - was sie dabei "empfinden" weiß man nicht.
3. Tierärtzliche Eingriffe sind aufgrund der Kleinheit der Tiere sehr schwierig bis unmöglich.
4. Gegen bakterielle Infektionen der Wunden kann ev. ein Bad mit Malachitgrün versucht werden.
5. Während der Winterruhe, die schon begonnen hat und bis März dauert, wird sich das Tier - jetzt irgendwo ausgesetzt - schwer tun, selbst noch einen geeigneten Überwinterungsplatz zu finden.
6. In dieser Zeit wird auch keine Nahrung aufgenommen, aber das Immunsystem arbeitet gut. Es ist daher nicht sinnvoll, dass Tier jetzt bei wärmeren Temperaturen zu halten.
7. Die beste Temperatur zum Überwintern ist 4 Grad (Kühlschrank, allerdings nicht ein solcher, der täglich 10 Mal geöffnet wird - Erschütterung!).
8. Das beschriebene Becken ist vermutlich ein bisschen zu feucht. Feuchter, gut ausgewaschener Schaumgummi, eignet sich gut als "Einrichtung", kleine Schaumstoffwürfelchen als Versteck. (Für die Überwinterung genügt eine gut belüftete Cremissimoschachtel.)
9. Sofern ein geeigneter feuchter, 4 - 10 Grad kühler (frostfreier) Überwinterungsplatz im Freien gekannt ist, kann das Tier dorthin gebracht werden. (z.B. Weinkeller, loser Steinhaufen, Schacht) (Beste Lösung)
Cornelia

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Beitragvon Rainer » Mi Nov 12, 2008 18:36

Hallo
Zum Thema "Überwintern" hier ein vielleicht interessanter aktueller Presselink:

Echsen verreisen über Winter in Stollen
http://www.az-badkreuznach.de/region/ob ... id=3512620
Rainer

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Beitragvon pleurodeles » Mi Nov 12, 2008 19:26

Aus meiner "Molcherzeit" weiß ich noch, dass auch ein Bepinseln der verletzten Stelle mit Kaliumpermanganatlösung (als Pulver in jeder Apotheke zu bekommen) gegen Infektionen recht hilfreich sein kann. Sollte "nur" eine Extremität verletzt sein, kann man auch eine beherzte Amputation mit einer kleinen spitzen sterilen Schere vornehmen (wird zumindest in der Literatur empfohlen), so man sich das zutraut. Wenn, dann danach aber unbedingt desinfizieren! Wie Cornelia ja geschrieben hat, haben die Tiere eine sehr gute Regenerationsfähigkeit...

LG,
Günther

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Beitragvon Joe4711 » Do Nov 20, 2008 20:34

Erstmal vielen Dank für die Ratschläge, und sorry, daß ich bisher nicht geantwortet habe. Zeit ist gerade sehr knapp, habe mich wenn lieber direkt um den Molch gekümmert.

Stand der Dinge: Der Molch hat definitiv KEINE äußeren Verletzungen, auch das Skelett ist unversehrt.

Er steht nun in einer Box ähnlich der alten, aber mit weniger Wasser und mehr Laub in einem 12,5 °C kalten Raum. Denke, er wird die Tage 10 °C erreichen, tiefer geht nicht, wegen Frostgefahr (Rohrleitungen). Ein oller Kühlschrank steht im Raum, darin könnte ich auch 5 °C erreichen.

Als Gesellschaft hat er ein paar Kellerasseln, eine Baby-Nacktschnecke sowie nen Regenwurm. Regenwurm und Nacktschnecke hab ich länger nicht mehr gesehen - vertilgt? Ersatz beschaffen ist derzeit jahreszeitlich bedingt gar nicht so einfach, aber ich kanns versuchen. Eigentlich soll er ja winterschlafen/ruhen, und nicht fressen.

Für Ratschläge bin ich natürlich absolut offen...

LG, Joe

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Beitragvon Cornelia » Fr Nov 21, 2008 10:42

Hallo Joe!

Eine Überwinterung bei mehr als 10 Grad ist äußerst kräftezehrend und sollte vermieden werden - also Kühlschrank wäre besser. Futtertiere (Asseln) können dann aber auch Schaden anrichten, wenn sie ihrerseits den "schlafenden" Molch anknabbern. Wenn sie im Behälter sterben, dann können die Bakterien und Pilze der Verwesung ungünstige Bedingungen für den Molch schaffen. Ich würde also empfehlen, nur den Molch im Behälter zu überwintern.
Viel Glück!
Cornelia

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