Späte Unken

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Späte Unken

Beitragvon Rainer » Fr Okt 15, 2010 9:50

Hallo Herpetologen!
Nachdem heuer die Hochwässer im Sommer bei uns in der Au die Gelbbauchunkenlaichplätze immer wieder komplett leergespült hatten,
wurde frühestens Ende Juli wieder nachgelaicht.
Zum ersten Mal seit dem Anlegen hat es nun funktioniert!

Gestern:
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So schauen die Gewässer aus:
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Und ein etwas älteres Bild:
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Falls jemand das Thema späte Metamorphose interessiert,
HIER haben wir vor 8 Jahren schon mal an anderer Stelle darüber diskutiert.

Schöne Grüße aus Bad Ischl
Rainer

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Beitragvon Max Pöchhacker » Fr Okt 15, 2010 14:00

Hallo Rainer

Danke für deinen Beitrag.

Bei mir gibt es derzeit leider nichts zu sehen .

Max

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Beitragvon Alexander » Fr Okt 15, 2010 18:45

Hallo Rainer,

nicht nur Deine Unken sind "spät dran", sondern auch einige Dutzend Kreuzkröten, die ich am vergangenen Wochenende bei milden Temperaturen noch gefunden habe:

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In dieser Woche wurde es dann hier am Niederrhein schon recht empfindlich kühl (2° C); ich werde am kommenden Wochenende noch einmal nachschauen, ob es noch (lebende) kleine Kröten gibt bzw. ob die letztes Wochenende noch reichlich vorhandenen Kaulquappen noch leben.

Ich teile übrigens die Meinungen derer, die glauben (zu wissen), dass der "notwendige" Selektionsprozess ein Großziehen der Jungtiere verbietet, weil man dann entsprechend schwache Nachkommen erhielte, überhaupt nicht, und halte das sogar für unsinnig.

Tatsache ist doch, dass die Elterntiere, die so spät im Jahr laichen, gar nicht existieren dürften bzw. sich zu Tieren hätten entwickeln können, die später auch fortpflanzungsfähig sind, weil sie eben das "Überlebensprinzip ihrer Art nicht verstanden hätten".

Gerade Gelbbauchunken und Kreuzkröten laichen bekanntlich aber mehrmals im Jahr und haben deshalb häufig auch späte Gelege.
Das Tiere dieser späten Gelege aber eine geringere Fitness aufwiesen, wenn sie denn überlebten, halte ich für eine sehr gewagte These; schließlich unterscheidet sich ihr Genpool nicht von dem ihrer Geschwister, die einige Monate früher umwandelten.

Das läßt sich aber leider nicht überprüfen, denn sowohl die Unken bei Dir als auch die Kreuzkröten bei mir würden bei Entnahme und Terrarienaufzucht natürlich gänzlich andere Bedingungen erfahren, die wiederum einen Vergleich zur Fitness von Tieren aus den Sommermonaten nicht zuließen.

Freundliche Grüße
Alexander

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Beitragvon Bufo viridis » Mo Okt 18, 2010 10:54

Hallo zusammen,

auch ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich war gestern in "meinem" Steinbruch unterwegs um nachzuschauen, wer oder was hier noch aktiv ist.


Zuerst kam ich an den großen Kammolchtümpel. Wie auf dem Bild zu sehen ist, war er recht trüb, sodass ich nichts sehen konnte. Bin mir aber relativ sicher, dass noch Tiere im Wasser sind.
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Dann habe ich mich den Kleingewässern gewidmet. Hier waren noch viele Stadien der Gelbbauchunke zu sehen. Quasi alles bis auf Adulti.
Hier einige Bilder der Tiere und deren Aufenthaltsgewässer.
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Ich glaube die metamorphosierten Tiere sind fit für den Winter.

Der Lebensraum ist mir inzwischen (besuche ihn jetzt seit ca 10 Jahren) sehr ans Herz gewachsen. Und da ich nun weiß, wie der Bildupload funktioniert werde ich demnächst einmal Bilder vom Sommer posten. Hier leben sehr viele Kammolche und eine , ich möchte fast sagen, riesige Population der Gelbbauchunke.

Beste Grüße
Michi

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Beitragvon Alexander » Mo Okt 18, 2010 20:09

Hallo Michi,

danke für Deinen ergänzenden, interessanten Beitrag.

Es wäre schon interessant zu wissen, ob die von Dir beobachteten, frisch metamorphisierten Unken eine ausreichende Fitness aufweisen, um den Winter zu überleben (ich bezweifle das).

Ich habe keine Erfahrung (und kenne auch keine Literatur), die einen Zusammenhang zwischen dem Grad der Fitness (Körpermasse, Kopf-Rumpf-Länge??) und der Überlebenswahrscheinlichkeit herstellt.

Dies setzte ja mit Sicherheit auch mehrjährige Untersuchungen voraus und würde durch versuchsbedingte Variablen (milder Winter / strenger Winter, Wieder-Auffindewahrscheinlichkeit der Jungunken etc) erschwert.

Die Unken, die ich bislang im zeitigen Frühjahr gefunden habe und die sich aufgrund ihrer Bauchzeichnung eindeutig dem Vorjahr zuordnen ließen, waren jedoch immer deutlich größer.

Bei den juvenilen Kreuzkröten hier habe ich auch niemals Tiere im April, Mai gefunden, die nur 7 oder 8 mm lang waren; zumeist waren sie wenigstens 12 mm lang.

Gruß
Alexander

P.S. Aus gegebenem Anlass möchte ich deutlich machen, dass meine oben geäußerte Einschätzung zur Überlebenswahrscheinlichkeit spät metamorphisierender Kreuzkröten nicht zu Spekulationen (Erwartungen) bei Lesern führen sollte, die Amphibien in Terrarien halten.
Ich habe mich lediglich auf die umfangreiche Diskussion bezogen, auf die Rainer in seinem Ausgangsbeitrag bereits hingewiesen hatte.
Zuletzt geändert von Alexander am Mo Okt 18, 2010 20:33, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon Alexander » Mo Okt 18, 2010 20:29

...

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Beitragvon Bufo viridis » Mo Okt 18, 2010 22:12

Hallo Alexander,

ich beteilige mich sehr gerne an diesem Thema.

Auf mich haben einige der kleinen Unken, trotz der Temperaturen, recht agil gewirkt. Allerdings hast Du auch Recht damit, dass man im nächsten Frühjahr eigentlich nie solche kleinen Exemplare findet. Oder könnte es daran liegen, dass dieses Jahr die letzte Laichphase sehr spät und "ungeschickt" gefallen ist? Die lange Trockenheit lies bei uns kein früheres Ablaichen der Unken zu, war es nicht ähnlich bei deinen B.calamita?
Deine jungen Kreuzkröten sehen ja wirklich nochmal ein Stück zerbrechlicher aus, als die Unken.

Die von mir fotografierten Quappen werden es aber wohl wirklich nicht schaffen. Ich habe mir schon überlegt, ein Brett oder so etwas über die Wasserstellen zu legen um es ein wenig Frostgeschützt zu gestalten. Dies wäre aber natürlich auch ein Eingriff in die Natur. Ich denke, dass es der Population im Ganzen keine wirklichen Probleme bereiten wird, dieses schlechte Jahr zu kompensieren und deshalb werde ich das mit den Brettern wohl auch sein lassen.
In tieferen Gewässern vorkommende Geburtshelferkrötenlarven haben es hier besser.

Mir ist gestern noch etwas aufgefallen. Während des Sommers ist hier normalerweiße in jeder Wasserlache Laich der Unke und entsprechend später dann auch Quappen. Das komische ist, dass in den vegetationslosen Wasserstellen keinerlei Nachwuchs mehr vorhanden ist. In den eher bewachsenen sind jedoch noch Quappen und frisch metamorphosierte Tiere anzutreffen. Was glaubt ihr könnten hierfür die Gründe sein? Einfachere Selektion durch Prädatoren? Höhere Wassertemperaturen (wobei ich mir das nicht vorstellen kann, denn viel Schatten entsteht durch einige Rohrkolben usw eigentlich nicht) ?
Das Futterangebot müsste hier ja eigentlich sogar größer sein als im vegetationslosen Gewässer.

Hier noch Bilder zum Vergleich:
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Wie gesagt, in den bewachsenen Tümpeln waren noch Tiere, in den vegetationslosen nicht mehr.

Viele Grüße
Michi

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Beitragvon Alexander » Di Okt 19, 2010 7:53

Hallo Michi,

Holger Buschmann hat sich mit der Frage der Überwinterung von Gelbbauchunkenlarven befaßt und im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung festgestellt, dass Unkenlarven mit größter Wahrscheinlichkeit einen Winter mit Frostperioden (im Unterschied zu Geburtshelferkrötenlarven) nicht überleben.

Unter anderem hat er gefunden, dass Unken im Winter - auch wieder im Unterschied zu Alytes obstretricans - nicht wachsen bzw. negativ wachsen (durch Verkrüppelung der Extremitäten).

Entscheidender Faktor für das Wachstum scheint die Tageslänge (Photoperiode) zu sein; er berichtet von einer Vergleichsgruppe, die im Zimmer aufgezogen wurde, und bei Temperaturen über 15° C (aber ohne ausreichendes Licht) nicht wuchs.

Dass die vegetationslosen Tümpel in Deinem Steinbruch keine Larven mehr haben, erstaunt mich nicht:
In "meiner" Sandgrube hier ist es ähnlich; die Quappen der beiden Laichschnüre aus denvegetationslosen Tümpeln hat der Fischreiher mitgenommen (er hat eindeutige Fußspuren hinterlassen!) während in dem teils verkrauteten Flachgewässer noch mehrere hundert Krötenquappen waren.
Möglicherweise ist - wenn Raubvögel nicht als Quappenräuber in Betracht kommen - neben dem Nahrungsangebot (bei vorausgesetzter niedriger Prädatorendichte durch Libellenlarven etc) das Mikroklima in den bewachsenenen Tümpeln auch günstiger.

Dass Gelbbauchunken auch bei Vorhandensein sonnenbeschienener, vegetationsloser Tümpel oftmals solche Gewässer zum Laichen aufsuchen, die stark verkrautet sind, habe ich auch bereits beobachtet.

Grüße
Alexander

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Beitragvon Bufo viridis » Di Okt 19, 2010 23:09

Hallo,

das ist ja interessant, mit den Unkenquappen. Vor allem, da ich meine Nachzuchten, die noch lange von der Metamorphose entfernt sind eigentlich im Gewölbekeller bei ca 6°C überwintern wollte und mir dadurch für den Frühling größere Quappen erhofft habe. So habe ich es bei meinen Alytes gemacht.

Dann werde ich die Quappen wohl garnicht aus der Wasserstelle in meinem Freilandterrarium abfischen.

Reiher habe ich im Steinbruch noch nie gesehen, es gibt aber bestimmt zahlreiche Prädatoren, die die Kaulquappen aus den Pfützen holen.

Auch ich habe schon öfter bewachsene Tümpel als Laichgewässer für die Unken wahrgenommen, allerdings bevorzugen sie schon die vegetationslosen Pfützen. Der Steinbruch wäre eigentlich mal was für dich zum anschauen, würde dir bestimmt gefallen.

Viele Grüße
Michi

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Späte Umwandlung

Beitragvon JürgenT. » Mi Nov 17, 2010 19:40

Auch wir haben letzte Woche noch eine Gelbbauchunke gesehen die gerade ihr Landleben begann.
Wir fragten uns auch ob sie noch ne Chance hat.

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