Die letzten in Österreich

Unken, Kröten & Frösche

Moderatoren: Vipersgarden, Herpetofauna.at-Team

Moderator
Beiträge: 666
Registriert: Mo Jun 17, 2002 2:00
Wohnort: 1220 Wien

Die letzten in Österreich

Beitragvon Srutl » Sa Jul 27, 2013 22:34

Anfang Juli hab ich wieder einmal meine Heimat in Tirol besucht und geschaut, wie es den Kreuzkröten momentan so geht.
Leider Gottes sind nun die Kreuzkröten von allen Primärstandorten verschwunden und es ist lediglich ein Sekundärstandort übrig geblieben, an dem die Situation allerdings momentan nicht so schlecht aussieht. Ein widersprüchliches aber lange bekanntes Problem Naturschutz vs. Sukzession macht den heimischen Pionierarten den Gar aus. Wo früher Traktoren ihre Fahrspurgewässer hinterliessen und Weidevieh die Vegetation kurz hielt, haben nun Betretungs- und Weideverbote überall Wald aufkommen lassen und Arten wie Schnarrschrecke, Kiesbank Wolfsspinne oder eben Kreuzkröte verschwinden lassen. Regulierende Kraftwerke verhindern Überschwemmungen und so liesse sich die Lise noch weiter fortsetzen. Zum Glück hat eine engagierte Truppe nun vor, künstlich wieder Pionierstandorte herzustellen - mal sehen, wie der Erfolg aussehen wird.
Auch im angrenzenden Bayern hat die Kreuzkröte einen massiven Arealverlust an der nördlichen Verbreitungsgrenze hinnehmen müssen, denn die dem nunmehrigen Tiroler Isolat nächstgelegenen Fundorte in Kaufbeuren und Marktoberdorf sind seit einigen Jahren ebenfalls verwaist.

Ein sehr engagierter Kollege kümmert sich um die Gewässerpflege im Sekundärstandort und somit um den Fortbestand der Art. Der Standort ist nicht begehbar und somit einigermassen geschützt.

Ergebnis: ca. 80 Kreuzkröten, davon 6 Mädels, dazu viele Erdkröten, Grasfrösche, Laubfrösche, Bergmolche. Das ist wohl auch einer der seltenen Standorte, wo der Alpensalamander sympatrisch mit der Kreuzkröte vorkommt

Nun aber einige Bilder


IMG_0013.JPG


IMG_0014.JPG


IMG_0022.JPG


IMG_0027.JPG


IMG_0031.JPG


IMG_0033.JPG


IMG_0038.JPG

Gerandete Jagdspinne - Dolomedes

IMG_0040.JPG


IMG_0042.JPG


IMG_0047.JPG


IMG_0062.JPG


IMG_0053.JPG

Andi kümmert sich aufopfernd um diesen Standort

IMG_0064.JPG


IMG_0067.JPG


IMG_0068.JPG


IMG_0069.JPG


IMG_0071.JPG


IMG_0076.JPG
======================


Srutl

Kennt sich schon aus
Beiträge: 175
Registriert: Mo Mai 18, 2009 20:42

Re: Die letzten in Österreich

Beitragvon Bufo viridis » Sa Jul 27, 2013 22:55

Hallo Srutl,

wow, toll. Es ist so wichtig, dass es solche Menschen gibt. Meine Hochachtung.
Die Kreuzkröte ist in Österreich ja wirklich sehr selten, das macht die ganze Sache nur noch wichtiger.

Hier in BaWü sieht es nicht unbedingt rosig für die Art aus, allerdings gibt es doch einige Sekundärstandorte, wo es noch relativ intakte Vorkommen gibt. Hier ist es eher die Wechselkröte, der man unter die Arme greifen muss.
Als ich durch die Bilder geschaut habe, habe ich eigentlich noch auf ein T.carnifex Bild gewartet, sind diese dort nicht vertreten?

Danke für den Bericht.

LG
Michi

Moderator
Beiträge: 666
Registriert: Mo Jun 17, 2002 2:00
Wohnort: 1220 Wien

Re: Die letzten in Österreich

Beitragvon Srutl » So Jul 28, 2013 10:00

Hallo Michi!

nein, T. carnifex kommt nicht vor, aber T. cristatus. Leider gibt es auf Tiroler Seite aktuell nur 2 bekannt Fundpunkte.
T, cristatus bewohnt aber größere Weiher, die als Viehtränken genutzt wurden. Einer davon wurde aus "Naturschutzgründen" abgezäunt und wachst seither rasch zu, obwohl ich wiederholt gefordert habe, die wahrscheinlich jahrhundertelange Nutzung beizubehalten. Das Weidevieh hält die Vegetation und das Schilf zurück und macht durch den Tritt an den Ufern ideale Strukturen für Kaulquappen und Larven (hohe Temperaturen), Zudem kommen durch den Eintrag des Dungs Nährstoffe ins Gewässer, die von Naturschutz negativ gesehen werden, von mir aber nicht - denn diese Nähstoffe beschleunigen die Entwicklung, gerade in so einem rauhen Klima an der Nordabdachung der Kalkalpen ist es wichtig, dass die Jungtiere noch genug Zeit zum Anfressen eines Winterspecks für den langen Winter haben.

IMG_6790kl.jpg
======================


Srutl

Fühlt sich wie zu Hause
Beiträge: 382
Registriert: So Jun 13, 2010 8:56
Wohnort: Wien/Wolkersdorf Umgebung

Re: Die letzten in Österreich

Beitragvon 7088maxi » So Jul 28, 2013 11:15

Hallo,
immer wieder interessant über "unsere" letzten Individuen der Kreuzkröte zu hören. Sollte eine extensive Beweidung durch beispielsweise Schafe nicht eigentlich eh zu so einem Naturschutzprojekt wie dem Lech dazugehören? Das kann ich eigentlich nicht verstehen, aber es ist anscheinend so wie immer, dass die werten Politiker (zumindest auf Landesebene) das Ganze zu einem Prestigeprojekt machen und in Wahrheit weder Ahnung noch Interesse am Fortbestand des Gebietes in seinem natürlichen Wechselspiel aus Tier und Mensch haben. Eine Schande ist das, ehrlich war... Gut das sich auch dort jemand den Pionierarten mit dem Bau von Gewässern annimmt. Wundern tut's mich nur das ihr in Tirol scheinbar noch soviel Wasser habts! ;)
MfG

Kennt sich schon aus
Beiträge: 175
Registriert: Mo Mai 18, 2009 20:42

Re: Die letzten in Österreich

Beitragvon Bufo viridis » So Jul 28, 2013 20:51

Hallo Srutl, Maxi,

in der Tat ist es oft so, dass durch stümperhaft durchgeführte Naturschutzaktionen mehr Schaden angerichtet wird, als Nutzen. Bei mir in der Gegend wacht man nun aber auf. Steinbrüche, in denen die größten Gelbbauchunken- und Kammmolchpopulationen vorkommen, die ich kenne, werden nun durch Beweidung offen gehalten. Zur Erhaltung und Neuschaffung der Kleingewässer fährt ab und an ein Quad durch das Gelände. Die wenigen Tiere, die dem zum Opfer fallen könnten (ich habe noch nie ein überfahrenes gesehen), stehen wohl in keiner Relation, zu dem, was wäre, wenn diese Maßnahmen ausgelassen würden.

Das mit den T.carnifex T.cristatus habe ich tatsächlich komplett durcheinander gewürfelt.
Du schreibst im Bericht, dass du Anfang Juli dort warst. Waren da denn schon Kaulquappen der Kreuzkröten zu sehen? Es ist ja nicht selten, dass sie eine zweite Portion Laich absetzen, im Laufe der Saison.

Viele Grüße
Michi

Fühlt sich wie zu Hause
Beiträge: 382
Registriert: So Jun 13, 2010 8:56
Wohnort: Wien/Wolkersdorf Umgebung

Re: Die letzten in Österreich

Beitragvon 7088maxi » So Jul 28, 2013 21:21

Hallo,
ja das mit den Quads kenn ich. Bei uns in der weiteren Umgebung befindet sich auf einer Rallybahn, wo sie nicht nur mit Quads täglich in einer aufgelassenen Lehmgrube herumfahren, die größte Laubfrosch und Wechselkrötenpopulation in durch die Verdichtung der Reifen entstandenen flachen Pfützen. Dieses Jahr hatte es trotz des feuchten Frühjahres verbreitet gerade mal 5cm Wasser: Nun ja es scheint für die WKs zu reichen. Diese Lehmgrube ist auch die einzige Grube die ich in unserer Umgebung kenne in der Wasser steht, geschweige denn eine Amphibenart vorkommt.
MfG

Moderator
Beiträge: 666
Registriert: Mo Jun 17, 2002 2:00
Wohnort: 1220 Wien

Re: Die letzten in Österreich

Beitragvon Srutl » Di Jul 30, 2013 19:39

Hi Michi!

Da der Lech direkt in die Donau fliesst ist dieses Tal biogeographisch natürlich viel mehr mit dem Ostallgäu als mit dem durch den Fernpass getrennten Rest Tirols (Inntal) verwandt.
Im Inntal kommen Wechselkröte und Alpenkammmolch (wenn auch nur sehr wenige) vor. Im Lechtal dagegen eben Kreuzkröte und cristatus, auch die Allgäuer Lücke des Feuersalamanders ist hier präsent, während er im Tiroler Unterland zB Zillertal vorkommt.

Die Kreuzkröten sind tatsächlich eine Besonderheit und haben sich in Ihrer Entwicklung an das harte Klima und die Spätfröste sowie wohl auch vor allem an das Abflussregime des Lechs gewöhnt. Es handelt sich bei den Beobachtungen Anfang Juli um die 1.(!) Laichperiode, die allerdings heuer um ca. 10 Tage zu spät dran war. Tatsächlich sind die ersten Laichaktivitäten dieser Art hier erst ab Ende Juni festzustellen, die Tiere sind bereits früher aktiv aber in den letzten fast 30 Jahren habe ich noch nie früheres Ablaichen beobachten können. Es gibt dann noch spätere Laichperioden Ende Juli sogar bis in den September hinein - sehr abhängig von der Witterung.

Schon aus diesem Grund halte ich diese Population für prioritär schützenswert!
======================


Srutl

Fühlt sich wie zu Hause
Beiträge: 382
Registriert: So Jun 13, 2010 8:56
Wohnort: Wien/Wolkersdorf Umgebung

Re: Die letzten in Österreich

Beitragvon 7088maxi » Di Jul 30, 2013 21:03

Hallo,
ist es nicht so das im Inntal Alpenkammmolche ausgesetzt wurden, die sich auf wundersame Weise super an ein paar Stellen im Inntal vermehren und das der N. Kammmolch dort auch vorkommt, jedoch nur an einer einzigen Stelle? Ich denke da an den Vortrag von der ÖGH-Jahresversammlung, oder erinnere ich mich da falsch?
MfG

Moderator
Beiträge: 666
Registriert: Mo Jun 17, 2002 2:00
Wohnort: 1220 Wien

Re: Die letzten in Österreich

Beitragvon Srutl » Mi Jul 31, 2013 20:46

Hi Max!

Das könnte schon sein - irgendwo in der Gegend verläuft die Grenze der Kammmolche, die ich nicht unbedingt für "gute Arten" halte, da sie sich in sehr breiten Hybridisierungszonen aufeinandertreffen (sh. Beitrag von Werner Mayer im Österreich Atlas).
Mittlerweile sind aus der ehemaligen Art ja bereits mindestens 5 oder 6 Arten geworden...
======================


Srutl

Zurück zu Unken, Kröten, Frösche

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast